Was diesen Thread betrifft, hatte ich neulich eine tolle Geschichte gehört, die den Kern dieses Themas absolut auf den Punkt trifft, finde ich. Ich habe sofort an diesen Thread denken müssen
Die Geschichte habe ich, so oder ähnlich, abends beim rumzappen auf einem dieser seltsamen Fernsehsender, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen gehört, den Sender selber möchte ich nicht empfehlen

- aber die Geschichte war gut und bringt es auf den Punkt:
"Es war einmal.... *Nebel, Harfenmusik* - eine Violine.
Ein Händler wollte auf einem bäuerlichen Marktplatz einmal eine Violine feilbieten. "Ein Taler, nur ein Taler!", rief er. Trotz dieses Spottpreises fand sich kein Käufer. Das Klientel, dem Violinenspiel ja nicht mächtig, konnte mit diesem Gegenstand nichts anfangen, und maß ihm keinen sonderlichen Wert bei.
Da trat ein junger Mann an den Stand heran, und fragte den Händler, ob er vielleicht einmal kurz auf dieser Violine spielen dürfe. Der Händler stimmte freundlich und erfreut zu. Der Mann nahm die Violine, hob die Violine und stimmte daraufhin ein solch schönes Spiel an, dass es augenblicklich ruhig und still auf dem Platz wurde, alle hörten wie gebannt, ergriffen und berührt.
Der junge Mann gab die Violine schließlich wieder dem Händler, und als dieser nun die Violine erneut zum Verkauf feilbot übertrumpften die Gebote sich gegenseitig: 500, 1000, 2000 Taler!...
Diese Geschichte erklärt es so gut, finde ich:
Es gibt Menschen, die wirken, besonders für den oberflächlichen Blick, unscheinbar.
Oft haben diese Menschen auch sich selbst gegenüber ihr eigenes Potential noch gar nicht erkannt, sind daher unsicher, verfügen kaum über Selbstbewusstsein; ihre eigene Unsicherheit macht sie schüchtern und gehemmt, sie sind daher wie ein gedimmtes Licht, ohne viel Strahlkraft.
Es gibt unscheinbare Menschen, die auf den ersten, oberflächlichen Blick nicht so viel hermachen. Sie sind wie geschlossene Samenkörner oder unentfaltete Blüten.
Auch haben die meisten Menschen keine großartigen Antennen für versteckte und verborgene oder potentielle, unentfaltete Qualitäten. Wenn der erste oberflächliche Blick nichts hergibt, übersehen sie meist gleich diese Menschen. Lautere, unmittelbare, stärkere und gröbere Reize werden meist bevorzugt. Stille und gedimmte und Menschen gehen unter und werden übersehen.
Bis einer kommt, der diese Qualitäten entdeckt, sehen, wahrnehmen und spüren kann. Liebe, Aufmerksamkeit, und ganz einfach die Tatsache, dass nun einer diese Qualitäten in jenem Menschen
sieht und wahrnehmen kann tragen schließlich zur Entfaltung dieser bei, und die entsprechende Person blüht auf wie eine Pflanze in ihrem richtigen Klima, ihre inneren Qualitäten treten nun offensichtlich zu Tage.
Meiner eigenen Erfahrung nach gilt dies für nahezu ALLE schüchternen und unscheinbaren Menschen, nahezu ausnahmslos.
Ich selber glaube, dass jeder unsichere, schüchterne, gehemmte oder scheinbar mausgraue Mensch nur einen Dornröschenschlaf schläft, ein verwunschenes Königreich, dass nur auf den richtigen Kuss wartet und jemanden der bereits das sieht und in ihm wahrnehmen kann, was er/sie eines Tages sein wird - auch wenn der/die Betreffende das selbst noch nicht einmal weiß.
Es ist also wie diese Geschichte mit der Violine - sie scheint den meisten als wertlos, weil einfach keiner drauf spielen kann.
Bis einer der das kann ihr vituos die schönsten Töne entlockt - und auf einmal begreift jeder dessen Wert. Nur dass dann das, was zuvor allzu billig war nun teuer und wertvoll ist, und sich so mancher in den Arsch beissen kann, beim ersten mal nicht zugegriffen zu haben...
Auch der Schwan fällt mir hier wieder ein - der in seiner Kindheit grau und unscheinbar ist, später aber strahlend weiß und anmutig. Ärgern kann sich derjenige, der sich den Schwan nicht bereits unter den Nagel riss, als dieser noch so unscheinbar war (denn Schwäne sind lebenslänglich treu

)