"Abgewöhnen" kann man sich das nur bedingt, denke ich,
wenn diese Suche und dieses Bedürfnis nach Nähe einfach zu Deinem Wesen gehören. Aber auch dann sollten sie sich in "gesunden Bahnen" bewegen, also einem Rahmen der nicht die eigene Selbstverwirklichung oder die Gesundheit der Beziehung beeinträchtigen.
Nähebedürfnis und
Abhängigkeit sind ja zwei paar Stiefel. Abhängig ist man meines Erachtens, wenn man schon gar nicht mehr weiß, was man alleine tun soll, oder sich andere negative Begleiteffekte zeigen, wie beispielsweise auch zu starke Eifersucht und Misstrauen, oder auch nur Langeweile oder Leere wenn der Partner mal woanders ist.
Ein Zeichen einer gesunden Vereinbarkeit und Mischung von Nähewunsch und Distanzfähigkeit ist es für mich z.B., wenn ein Nähesuchender dieses nicht ebenso und in gleichem Ausmaß wiederum vom Partner fordert, sondern diesem Freiraum lassen kann.
Die Verwirklichung und Erfüllung am/durch den Partner suchen wir ja umso mehr, je weniger wir uns diese Selbst geben können oder bei uns selbst finden.
Praktisch bedeutet also Selbstverwirklichung auch schon: Alleine etwas unternehmen und auch seinen Spaß daran finden können, sich mit sich selbst und alleine beschäftigen können, eigene Interessen & Hobbies aufbauen, und diese gerne pflegen, Herausforderungen und deren eigenständige Absolvierung (gerade viele anhängliche Menschen können all diese Dinge manchmal eher schwer, weil sie es oft nie wirklich gerlent haben, ausser evtl. durch Single-Zwangszeiten), einen eigenen Freundeskreis haben etc. usw. usw. - eigentlich alles Dinge, die Deine Freundin bereits hat, wie es scheint - deren Pflege Dir aber doch auch nicht schaden könnten, oder?
Auch gilt in der Regel: Je stärker das eigene Selbstvertrauen, Selbstbewusstsein und das eigene Selbstwertgefühl, desto größer die eigene Unabhängigkeit. Denn zum einen macht man dann weniger von einem anderen Menschen abhängig (und sei es der eigene Zeitvertreib oder die eigene Gemütsstimmung) und umgekehrt, bedeutet eine größere Unabhängigkeit auch mehr Selbstvertrauen, da man sich dieses durch die eigenständige Absolvierung von Lebensaufgaben eher erworben hat.
Ein unabhängigerer Mensch zu sein bedeutet nicht, dass man keine Nähe zu anderen Menschen mehr braucht, im Gegenteil, ich denke man kann und sollte beides gut vereinbaren.