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infofilter
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das besondere buch: samuel pepys geheime tagebücher. buchbesprechung

hi,

zur zeit lese ich samuel pepys die geheimen tagebücher, eine ausgabe erschienen mai 2004 im eichborn-verlag, 412 seiten hardcoverumschlag. der band ist aus dem englischen von georg deggerich übersetzt, basierend auf der standardausgabe the diary of samuel pepys von robert latham und william matthews, und enthält illustrationen verschiedener zeichner sowie ein nachwort von roger willemsen.
es handelt sich, wie der titel schon ahnen lässt, um auszüge der tagebucheinträge des samuel pepys. diese wurden geführt von januar 1660 bis mai 1669, als er wegen seiner augenerkrankung die niederschrift einstellte. pepys war zu beginn seiner eintragungen ein 26–jähriger karrierist im englischen flottenamt und später abgeordneter im englischen unterhaus, befreundet mit lord sandwich, pflegte auch umgang mit dem herzog von york und am hofe des königs. die tagebucheinträge, die im original teilweise in einer selbst erfundenen geheimschrift verfasst wurden, enthalten deshalb sehr offenherzige beschreibungen sowohl privater umstände, als auch dinge von öffentlichem/historischem belang. in die zeit seiner aufschreibung fällt die wiederherstellung der monarchie, der zweite englisch-niederländische krieg, die pestepedemie und der große brand von london. gleichviel augenmerk gilt aber auch privaten erlebnissen wie reisen, liebeleien, theaterbesuchen oder dem verhältnis zu seiner frau elisabeth, den hausangestellten und nachbarn.
dank eines modernen schreibstils des übersetzers liest sich das buch in gänze einfach und flüssig, nicht aber ohne anspruch. das register ist zweigeteilt gehalten, daß sowohl nach namen von orten und personen als nach datumseinträgen gesucht werden kann. es enthält eine fülle von informationen, sodaß lesern, die nicht näher mit den historischen zusammenhängen vertraut sind, auch ohne internet und wiki keinerlei verständnisschwierigkeiten entstehen.

wenn man es nicht besser wüsste; wenn es nicht so sicher belegt wäre, daß es wahr ist - man müsste es für eine groteske halten. ein prahlhans, wendehals und schürzenjäger erstens grades gibt unverblümt einblick in sein denken und handeln. wie er sich ärgert über die dreckenden handwerker in seinem haus oder darüber trauert, daß die magd von nebenan den haushalt verließ, bevor er sie erobern konnte, wie er die sonntagspredigten beurteilt, enthauptungen plus vierteilung auf dem trafalgar beiwohnt, einen geisterspuk erlebt oder mit picke und schaufel im tower von london nach einem verborgenen schatz sucht, man fiebert mit. es liest sich beschwingt unterhaltsam, zuweilen sehr spannend. reine platzverschwendung hingegen stellen die illustrationen dar, trotz versammelter deutscher zeichnerprominenz wie bernstein, greser&lenz, pfarr, um nur drei zu nennen. es ist aber schon der einzige schwachpunkt an diesem buch, daß auf diesen zwölf seiten besser weitere tagebucheinträge ihren platz gefunden hätten.
mein fazit: sehr empfehlenswert! ohne einschränkung auf interessensgruppen. nahezu jede leselust wird bedient.

Alt 11. 04. 2008, 14:01 infofilter is offline Mit Zitat antworten #1
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