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U-I
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Registrierungsdatum: Apr 2008
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500V IT-Netz

Hallo Leute,

Könnt ihr mir bitte mal genau erklären wie so ein 500V IT-Netz funktioniert?
Ich fange bald in einem Stahlwerk an wo solch ein Netz ist und ich möchte mich gut darauf vorbereiten.

Als ich da war wurde mir schon einiges gezeigt.
In einem Klemmkasten für 230V Steckdosen habe ich gesehen, dass 1 Leiter der Steckdose direkt auf das Gehäuse gebrückt ist. Dort soll ich zum Einstieg auch eine 230V Schrifttafel anschließen. Eigentlich ja kein Problem, aber diese Brücke von "L1" auf das Gehäuse des Verteilerkastens irritiert mich.
Ich muss doch dann einfach die beiden Phasen (N-Leiter gibts in so einem Netz ja nicht) auflegen und den PE der Schrifttafel auf das Gehäuse dieses Verteilerkastens legen oder? Oh man, ich bin total verunsichert


Wenn ich das recht verstanden habe ist es in einem solchen Netz ja so, dass nur eine Abschaltung erfolgt wenn 2 Leiter gegen Erde kommen.

Ist das dann also der Sinn dieser Brücke? Man hat schon 1 Leiter gegen Erde, so dass eine Abschaltung erfolgen würde wenn ein weiterer Erdschluss auftritt?
Und ist das dann nicht in irgendeiner Weise gefährlich wenn man ja schon einen Körperschluss hat, jedoch keine Abschaltung erfolgt?

Ich hoffe ihr könnt mir da helfen, wäre total nett. Der Job ist mir wirklich wichtig und jetzt habe ich Angst dass es direkt einen schlechten Eindruck macht wenn ich sowas nicht weiss

Liebe Grüße
U-I
Alt 20. 04. 2008, 10:06 U-I is offline Mit Zitat antworten #1
Teddy
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Beiträge: 10.609
Re: 500V IT-Netz

Das Bemerkenswerte am IT-Netz ist der isolierte Generatormittelpunkt. Der Versorger liefert also nur drei Außenleiter an, und vor Ort wird eine Lokalerdung installiert (meist ist das der ohnehin vorhandene Fundamenterder, der dazu gebraucht wird).

Die Ausfallsicherheit des Netzes ist nur gegeben, wenn ein Gerät zur Erdschlussüberwachung installiert ist. Ohne Überwachung bleibt der Erdschluss der ersten Phase unbemerkt. Das Gerät, sofern vorhanden, zeigt den Fehler an, das Netz läuft in jedem Fall so lange weiter, bis der zweite Erdschluss kommt, der den schwächeren, vorgeschalteten Sicherungsautomat fallen lässt.

Dass ein Kurzschluss zwischen einem Außenleiter und der Erde nichts bewirkt, liegt daran, dass es keine echte Potentialdifferenz gibt. Der Kurzschluss ist also nichts anderes als eine Erdung des Leiters. Die ist ohne Belang, da das System (generatorseitig) nicht geerdet ist. Erst wenn der zweite Außenleiter einen Erdschluss verursacht, kommt es zum Kurzschluss zwischen den Außenleitern, und sofern die Schleifenimpedanzmessung irgendwann mal erfolgreich war, löst die Überstromschutzeinrichtung aus.

Leider gehen Theorie und Praxis da noch ein bisschen auseinander. Die Außenleiter stellen nämlich Kapazitäten zur Erde dar, und während man in der Theorie gerne als Mensch in L1 fassen kann, ohne dass irgendetwas passiert, kriegt man in der Realität dann doch mehr oder weniger eine geplärrt. Der Mensch läuft dann als ohmscher Widerstand, und der Stromfluss läuft über L1, die Person, die Erde schließlich in Richtung L2 / L3, die ihrerseits ja auch Kapazitäten zur Erde darstellen. Der fließende Strom steigt mit der Kapazität an, also mit der Länge der Leitung. Deshalb ist ein IT-Netz nur so lange sicher, wie es sich in einer gewissen Ausbaustufe befindet. Je mehr man es ausdehnt, desto gefährlicher wird die Sache.

Wenn man nun in so einem Netz wie deinem Geräte anschließen will, die nicht im Dreieck laufen, muss man schauen, was das genau für ein Netz ist. Entweder hast du 3x 230V gegeneinander oder 3x 500V - das sind die gängigen Spannungen.

Entspricht dein Netz dem ersten Fall, sind in der Schukosteckdose zwei Außenleiter angeschlossen und der Schutzleiter führt an die lokale Erdung. Das angeschlossene Gerät wird also zwischen L1 und L2, zwischen L2 und L3 oder zwischen L3 und L1 betrieben. Im zweiten Fall gibt es wohl einen Transformator in deinem Betrieb, und die Brücke, die du da gesehen hast, ist eine Nullung. Die verbindet also eine Klemme der Schukosteckdose mit der Erdung, so wie man das früher auch jahrzehntelang gemacht hat. Dann läuft das Gerät nicht zwischen zwei Phasen, sondern bloß an einer. Es ist trotzdem geerdet und sicher. Die Nullung im IT-Netz ist, anders als in anderen Netzformen heutzutage, zulässig (Preisfrage: warum? *g*).

Ich hoffe, das hilft ein bisschen weiter.
Alt 20. 04. 2008, 11:28 Teddy is offline Mit Zitat antworten #2
U-I
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Beiträge: 2
Re: 500V IT-Netz

Hallo Teddy,
Vielen Dank für deine ausführliche Antwort. Das hat mir auf jeden Fall schon mal weiter geholfen einen Einblick in diese Netzform zu bekommen
Allerdings bin ich mir in einigen Punkt nicht ganz sicher ob ich das richtig verstanden haben.
Na, ich schreibs einfach mal alles so auf.. ich hoffe du hast etwas Geduld mit mir

Das Bemerkenswerte am IT-Netz ist der isolierte Generatormittelpunkt. Der Versorger liefert also nur drei Außenleiter an, und vor Ort wird eine Lokalerdung installiert (meist ist das der ohnehin vorhandene Fundamenterder, der dazu gebraucht wird).

Ich glaube zum Erden der Betriebsmittel verwenden die da die großen Stahlträger der Halle, welche einige Meter in den Boden gehen.

Die Ausfallsicherheit des Netzes ist nur gegeben, wenn ein Gerät zur Erdschlussüberwachung installiert ist. Ohne Überwachung bleibt der Erdschluss der ersten Phase unbemerkt. Das Gerät, sofern vorhanden, zeigt den Fehler an, das Netz läuft in jedem Fall so lange weiter, bis der zweite Erdschluss kommt, der den schwächeren, vorgeschalteten Sicherungsautomat fallen lässt.

Alles klar so weit ;-) Diese Erdschlussüberwachung die du meinst übernimmt doch solch ein Iso-Wächter oder?

Dass ein Kurzschluss zwischen einem Außenleiter und der Erde nichts bewirkt, liegt daran, dass es keine echte Potentialdifferenz gibt. Der Kurzschluss ist also nichts anderes als eine Erdung des Leiters. Die ist ohne Belang, da das System (generatorseitig) nicht geerdet ist. Erst wenn der zweite Außenleiter einen Erdschluss verursacht, kommt es zum Kurzschluss zwischen den Außenleitern, und sofern die Schleifenimpedanzmessung irgendwann mal erfolgreich war, löst die Überstromschutzeinrichtung aus.

Hm.. Also habe ich das richtig verstanden? Wenn ich einen Körperschluss durch sagen wir mal L1 gegen Erde habe passiert mir nichts, weil der Außenleiter den ich berühre, und die Füße mit denen ich auf der "Erde" stehe das selbe Potential haben, es außerdem keinen geschlossenen Stromkreis zum Generator (welcher ja isoliert ist) gibt?
Ist das so in etwas richtig oder habe ich da einen Denkfehler drin?


Leider gehen Theorie und Praxis da noch ein bisschen auseinander. Die Außenleiter stellen nämlich Kapazitäten zur Erde dar, und während man in der Theorie gerne als Mensch in L1 fassen kann, ohne dass irgendetwas passiert, kriegt man in der Realität dann doch mehr oder weniger eine geplärrt. Der Mensch läuft dann als ohmscher Widerstand, und der Stromfluss läuft über L1, die Person, die Erde schließlich in Richtung L2 / L3, die ihrerseits ja auch Kapazitäten zur Erde darstellen. Der fließende Strom steigt mit der Kapazität an, also mit der Länge der Leitung. Deshalb ist ein IT-Netz nur so lange sicher, wie es sich in einer gewissen Ausbaustufe befindet. Je mehr man es ausdehnt, desto gefährlicher wird die Sache.

Bin mir nicht sicher wie ich jetzt in diesem Zusammenhang Kapazitäten verstehen soll. Also ist das wie ein riesiger Kondensator nur das man anstatt Plattenoberflächen die Leiter hat? Um so größer das Netz, desto größer das elektrische Feld das sich um die Leiter aufbaut und so irgendwann den "elektrischen Kreis" schließt?

Wenn man nun in so einem Netz wie deinem Geräte anschließen will, die nicht im Dreieck laufen, muss man schauen, was das genau für ein Netz ist. Entweder hast du 3x 230V gegeneinander oder 3x 500V - das sind die gängigen Spannungen.

Entspricht dein Netz dem ersten Fall, sind in der Schukosteckdose zwei Außenleiter angeschlossen und der Schutzleiter führt an die lokale Erdung. Das angeschlossene Gerät wird also zwischen L1 und L2, zwischen L2 und L3 oder zwischen L3 und L1 betrieben. Im zweiten Fall gibt es wohl einen Transformator in deinem Betrieb, und die Brücke, die du da gesehen hast, ist eine Nullung. Die verbindet also eine Klemme der Schukosteckdose mit der Erdung, so wie man das früher auch jahrzehntelang gemacht hat. Dann läuft das Gerät nicht zwischen zwei Phasen, sondern bloß an einer. Es ist trotzdem geerdet und sicher. Die Nullung im IT-Netz ist, anders als in anderen Netzformen heutzutage, zulässig (Preisfrage: warum? *g*).


Wenn es sich um ein 3x500v Netz handelt, welches durch die Nullung nur über einen Leiter betrieben wird hätte ich aber keine 230V sonder ca. 280 oder?

Sehe ich das richtig, dass es zwei unterschiedliche Formen der Nullung gibt. Einmal als Fehlerschutz um einen direkten Kurzschluss zu verursachen (PEN).
Und einmal diese Form der Nullung um Betriebsmittel mit nur 1 Phase zu betreiben.
Ich denke mal zulässig ist diese Nullung im IT-Netz dann weil am Sternpunkt des Generators keine Erde mitgeführt ist. würde ich die Phase in einem anderen Netz gegen erde legen hätte ich ja sofort einen Fehletrstrom der zur Abschaltung führen würde
.
Alt 20. 04. 2008, 21:04 U-I is offline Mit Zitat antworten #3
Teddy
Bear on Board
 
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Ort: am Niederrhein
Beiträge: 10.609
Re: 500V IT-Netz

Die Erdschlussüberwachung wird oft auch Iso-Wächter genannt, da hast du Recht.

Beim Berühren eines Außenleiters passiert theoretisch nichts, weil die Erde (und der auf ihr lastende menschliche Körper) und das Dreiecksystem potentialfrei sind. In der Praxis hast du je nach Netzausdehnung dann mit mehr oder weniger großen Problemen zu kämpfen, wenn dir einer in die Phase greift.

Die Nullung wird hier angewandt, weil du sonst in der Schukosteckdose nur einen Außenleiter und den Schutzleiter hättest. Damit funktionieren einphasige 230V-Betriebsmittel aber nicht. Sie benötigen zwingend den Neutralleiter. Den gibt es im System nicht, also regelt man das über Nullung. Die 230V im 3x500V-System kommen von einem Transformator. Schau dich mal im Schaltraum um. Da muss ein Trafo stehen.

Das heutige TN-C-Netz ist nichts anderes als das, was man früher als klassische Nullung verbaut hat. Leider ist das z. B. im Anwendungsfall Wohnhaus nicht die sicherste Variante, weshalb das heute verboten ist. Neutral- und Schutzleiter müssen heute in solchen Installationen separat geführt werden, und zwar zu jeder Versorgungsstelle (TN-C-S). Eine Zusammenführung hinter der verteilerseitigen Splittung ist oberverboten. Das gilt nicht, wenn die Netzform nicht TN, sondern IT ist. Dann sind die Karten halt von vornherein anders gemischt .
Alt 20. 04. 2008, 23:15 Teddy is offline Mit Zitat antworten #4
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