Nach 137 Tagen in Untersuchungshaft ist gestern morgen der bekannte saudische Blogger Fouad Al-Farhan aus dem Gefängnis entlassen worden. Die Hintergründe seiner Verhaftung bleiben weiterhin offen.
Ahmed Al-Omran, Organisator der Unterstützergruppe Free Fouad, bestätigte Farhans Entlassung. Er sei wieder zurück bei seiner Familie, die er während der Haftzeit nur in wenigen Telefonaten sprechen konnte.
Fouad Al-Farhan war während der 137 Tage dauernden Haft nicht angeklagt worden. Nach saudischer Gesetzgebung hätte er noch weitere sechs Wochen festgehalten werden können, bevor eine Anklage zwingend geworden wäre.
Al-Farhan, der "Taufpate" der saudischen Blogosphäre und einer der ersten, die in dem konservativen Königreich unter ihrem realen Namen bloggten, war am 10. Dezember 2007 in Jeddah verhaftet worden. Seine Verhaftung hatte er bereits einige Tage zuvor in einem Brief an seine Freunde angekündigt, nachdem er einen anonymen Drohbrief erhalten hatte:
"Man hat mir gesagt, dass es einen offiziellen Befehl von einem wichtigen Mitarbeiter des Innenministeriums gibt, mich zu untersuchen. Sie werden mich irgendwann in den nächsten zwei Wochen mitnehmen."
Am 1. Januar, drei Wochen nach der Verhaftung am 10. Dezember, wurde eine Stellungnahme des Innenministeriums bekannt. Darin heißt es, Al-Farhan werde zum "Verhör in einer nicht-sicherheitsbezogenen Anklage" festgehalten.
Die genauen Gründe für Al-Farhans Verhaftung bleiben nebulös. Er selbst vermutet einen Zusammenhang mit seinem Engagement für eine Gruppe von Geschäftsleuten aus seiner Heimatstadt Jeddah, die wegen angeblicher Unterstützung von Terrorismus festgenommen wurden - laut ihrem Anwalt ist allerdings die geplante Gründung einer Menschenrechtsgruppe die tatsächliche Ursache der Verhaftungen:
"Die Ursache für das alles ist, dass ich über politische Gefangene hier in Saudi Arabien geschrieben habe und sie denken, dass ich eine Onlinekampagne führe, um deren Anliegen zu unterstützen. Alles was ich getan habe ist, ein paar Texte darüber zu schreiben und Banner zu setzen und andere Blogger zu bitten, das gleiche zu tun."
Fouad Al-Farhan war der erste Blogger, der in Saudi-Arabien verhaftet wurde. Allerdings gilt das Königreich als einer der weltweit größten Feinde von Meinungs- und Pressefreiheit und wird von den Reportern ohne Grenzen zu den "Feinden des Internets" gezählt. (Autor: Simon Columbus)
(via saudijeans.org)
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