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LordPiccolo Spender
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Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
Zitat von Neandertaler
Das Forum wird langweilig.

Auf Grund dieser Kritik von Neandertaler, möchte ich eine Diskussion rund um Ethnopluralismus starten. Einige, wie z. B. verifyme und Habek, kennen diesen Begriff. Der Ethnopluralismus ist m.E. die utopische Vorstellung der Rechten. Was heisst das?

Grob gesagt, sieht der Ethnopluralismus vor, dass jeder Kulturkreis seinen eigenen Staat bekommen sollte. Es gibt dann den französischen Staat, den polnischen Staat, (vlt. auch den deutschen Staat? ) und in diesem Staat lebt ausschließlich ein homogenes Volk. Wie wird diese Homogenisierung geschaffen? Durch Ausweisung der Angehörige anderer Völker in ihre eigene Kulturkreise. Somit kommen Carl Schmitt und Ernst Jünger ins Spiel.

Wie das? Durch das Schmittsche Freund-Feind-Begriff werden innerhalb dieser Gesellschaft die Feinde ausgemacht und um ein homogenes Volk zu schaffen, eben diese Feinde bekämpft. Egal ob es die äußeren Feinde oder die inneren Feinde sind. Heutzutage benutzen zwar die Rechten Kultur als Selektionsmittel, aber ich denke Ernst Jünger spielt da auch eine Rolle. Jünger schrieb in seinen Aufsätzen, dass die Menschen von ihrem Blut gelenkt werden, ja das das Blut sogar seinen eigenen Charakter hätte. Das Blut sei in der Lage die Verwandschaft zwischen den Menschen zu spüren. Wenn z.B. jemand nach Argentinien fährt, spürt er am Flughafen, dass er Verwandte in Argentinien hat?

Im Rahmen eines Referates über "Rechtsextreme Wirtschaftspolitik" musste ich auch über Ethnopluralismus recherchieren. Im Laufe der Diskussion, als ich das Referat halten mussten, fiel dann die Frage auf, was denn die deutsche Kultur ausmache, bzw. "Was ist deutsch?"

Deswegen habe ich diesen Threadtitel gewählt. Die Klärung der Frage "Was ist deutsch?" ist m. E. nötig, damit man eben für einen ethnopluralistischen Staat selektieren kann. Geht das? Nein, m. E. nicht! Neandertaler hatte gesagt, dass der Führer ein Problem mit dem völkischen Staat hatte, da eben kein homogenes Volk vorhanden war. Sachsen, Hessen, Bayern, und wie sie alle heissen. M. E. gibt es nicht das spezifisch "deutsche", damit man diese Selektierung herbeiführen kann. Henning Eichberg hatte auf Grund dieser Tatsache, "Balkanisierung für jedermann!" empfohlen, d.h. alle Kulturkreise in Deutschland ihr eigenes Territorium bekommen und diese homogen halten sollten.

Nehmen wir an, wir haben nun ein homogenes Territorium geschaffen. Wer definiert die Grenzen? Wer sagt, dass Dorf A nicht zum Staat B, anstatt zum Staat C gehört? Kriegerische Auseinandersetzungen sind da vorprogrammiert. Ich bin deshalb der Tatsachen ins Auge blickend der Ansicht, dass der Ethnopluralismus eine noch größere Utopie ist, als der Kommunismus...

Quellen:

Jünger, Ernst: Politische Publizistik
Gessenharter, Wolfgang: Kippt die Republik?
Eichberg, Henning: Nationale Identität
": Abkoppelung
Alt 02. 05. 2008, 23:33 LordPiccolo is offline Mit Zitat antworten #1
Habek
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Das Territorium, das dem jeweiligen Volk dann zustehen sollte, müsste ja auch in gewisser Weise mit ihm im Zusammenhang stehen und da liegt das Problem.

Wie legt man denn fest, welches Volk welches Territorium bekommt? Bekommen dann die Griechen Mazedonien wieder, weil sie das zu Zeiten von Aristoteles mal hatten?

Als nächstes müsste dann, wie in der Eröffnung angesprochen, "Deutsch" definiert werden, daneben noch "italienisch", "türkisch", "russisch", "polnisch", "vietnamesisch", und so weiter.

Die Völker sind doch Heute schon so ein Mischmasch, das man kaum noch was Homogenes draus machen kann.

Insofern handelt es sich nicht um eine Utopie:

Um eine Utopie zu sein, müsste der Ethnopluralismus erstmal eine Idee sein und hier mangelt es an Definitionen.
Alt 02. 05. 2008, 23:45 Habek is offline Mit Zitat antworten #2
glidesurfer
 
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Ich frage mich nur eins: Wer haelt Ethnopluralismus fuer moeglich? Oder: Ist (demokratischer) Kommunismus so unwahrscheinlich?

Ethnopluralismus ist nicht nur utopisch, sondern unmoeglich. Jeder, der ihn real fordern moechte, wuerde seine eigenen historischen Wurzeln verleugnen muessen. Und die Frage muss nicht lauten, was ist deutsch, sondern wer. Es bliebe nur die Moeglichkeit, einen bestimmten historischen Zeitpunkt zur Selektierung zu setzen. Aber selbst das wird schwierig.

In diesem Zusammenhang finde ich es uebrigens auch lustig, wie man Rassismus heute noch bezeichnen kann. "Kulturalismus" oder "Ethnopluralismus" sind nur 2 Beispiele. Die Idee bleibt jedoch immer gleich - "Homogenisierung des Volkes"...
Alt 03. 05. 2008, 00:19 Mit Zitat antworten #3
anZen
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Auch meiner Ansicht nach ist das Konzept des Ethnopluralismus, ambivalent, denn es ist utopisch und dystopisch zugleich.

Die Umsetzung dieser Idee schafft nur noch mehr Probleme, als das sie welche lösen könnte.

Die angesprochene Definition von "deutsch" und die Ziehung der Grenzen würde nur zu arbiträren Entscheidungen führen.

Hinzu kommt, dass eine Homogenisierung eines Volkes auf lange Sicht Probleme mit sich bringt, genauer, Krankheiten häufen sich und somit auch die Lebenserwartung der Individuen, da eine Hybridisierung durch Abschottung nicht möglich ist. Folge: Aussterben des Volkes.

PS: Das Thema Kommunismus ist in keinster Weise mit dieser schändlichen Idee zu vergleichen und erscheint mir weitaus realistischer, wenn auch nicht nicht unproblematisch.
Alt 03. 05. 2008, 02:01 anZen is offline Mit Zitat antworten #4
heinz33
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Seht das ganze Problem mal von den kulturellen Grundlagen her, auf denen die genannten Völkerschaften beruhen. Da sich beispielsweise Christen und Muslime seit über 1000 Jahren über die Berechtigungen und Wertigkeiten ihrer Religionen streiten und bisher nicht zu Potte kamen, liegt ein völlig anderer Schluss auf der Hand.

Man muss zur Kenntnis nehmen, dass es unüberbrückbare Gegensätze in den kulturellen Grundlagen der Völker gibt. Diese haben sich nicht durch mehr oder weniger kultivierten Meinungsstreit beseitigen lassen, geschweige denn lösten unter Berufung auf irgendwelche Gottheiten geführte sogenannte Glaubenskriege das Problem. Wobei es Glaubenskriege nicht gibt. Es geht nur um das Geld und die Macht.

Und so mag im Mittelalter der Martin Luther scheinbar ein anderes Glaubensmodell umgesetzt haben. In Wirklichkeit machten sich aber "protestantische" Landesfürsten an den angehäuften Reichtümern der katholischen Kirche zu schaffen und nahmen diese eigentlich aus wie die Weihnachtsgans Auguste.

Und für diese und spätere durchgeführte Säkularisierungen zahlen noch heute die Steuerzahler mit ihren Steuern für Enteignungen, die unter der französischen Besatzung des Napoleon Bonaparte zwischen 1807 und 1813 erfolgten.

Das mache mal einem Muslim klar, der vielleicht im Charlottenburger Kietz Berlins eine Moschee errichten möchte und an der durch die Bezirksverwaltung repräsentierten öffentlichen Meinung scheitert und keine Steuermittel fürs Seelenheil erhält.
Alt 03. 05. 2008, 06:46 heinz33 is offline Mit Zitat antworten #5
ROSELLI
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Nun das sich Länder im Sinne von Flächen über lange Zeitperioden gebildet haben ist ja klar.Die darin bestehenden Politiksyteme sind ja nicht einfach so vom Himmel gefallen,sondern sind auch lange theoretisch und praktisch gereift.

Vondaher behaupte ich mal, dass sich unterschiedliche Kulturkreise von ganz alleine bis zum gewissen Maße abgrenzen.Dafür braucht es keinen "harten Schnitt".

Zur Ausgangsfrage:

Mhh.Kann man überhaupt Ethnopluralismus mit Kommunismus vergleichen?Das eine ist doch eher auschließlich eine Weltanschauung und das andere ein politisches Sytem.

Oder?
Alt 03. 05. 2008, 07:54 ROSELLI is offline Mit Zitat antworten #6
TheTrigger
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Die Frage die sich für mich aufwirft ist doch viel eher, was ist Homogenisierung. Ab wann ist denn ein Volk homogen? Meiner Meinung nach kann man immer weitere Differenzierungen treffen. Im groben Sinne gibt es ja schon Spaltungen auf die verschiedensten Arten. Christen und Muslime. Ost und West. Industrie - und Entwicklungsländer. Man kann nun natürlich weiter und weiter Differenzieren. In Bayern zum Beispiel, gibt es auch getrennte Lager. Die Schwaben zum BEispiel darf man nichtmal Bayer nennen, sonst bekommt man dort unten arge Probleme. Wenn man diesen Gedanken weiterstrickt müsste eigentlich fast jedes Dorf für sich stehen, da es überall verschiedene Bräuche gibt.

Also müsste man erstmal definieren:

Ab wann gilt Homogenität?

P.S.: Berichtigt mich wenn ich falsch liege.
Alt 03. 05. 2008, 08:14 TheTrigger is offline Mit Zitat antworten #7
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Ergaenzend bzw. fachspezifisch sollte man noch sagen, dass Ethnopluralismus nur die moderne Form des Rassismus ist, wobei hier allerdings (zumindest scheinbar) nicht die Wertigkeit einer Rasse die Rolle spielt.

Die Kultur ist hier "Mass" fuer die Einteilung nach Rassen (der Begriff "Rassen" wird heute seltener verwendet; wer sich informieren will, guckt bitte bei Wikipedia). Fremde Kulturen wuerden die eigenen zerstoeren, waeren aber akzeptabel, wenn sie auf einem ihnen zugeschriebenen Ort bleiben wuerden. Eine kulturelle Einteilung gibt es im Gewissen Sinne heute schon, wenngleich auch andere Kulturen in solchen Gebieten akzeptiert werden.

Das ist allerdings nur theoretischer Natur: Es geht Ethnopluralisten wie allen Rassisten nur um die Klarstellung, dass es eine Herrenrasse bzw. eine Hierarchie unter diesen gibt. Zurueckzufuehren ist es wieder, wie auch schon bei den Nazionalsozialisten, auf den Sozialdarwinismus. Und dieser wird in der heutigen Zeit imo. berechtigt als moralisch Verwerflich angesehen.
Alt 03. 05. 2008, 08:39 Mit Zitat antworten #8
Neandertaler
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

In ihren Glanzzeiten kam die LaserDisk unter den Videoabspielgeräten in Deutschland auf einen Marktanteil von 1 Prozent. In den USA lag er nicht viel höher. In Japan und auf den Philippinen wurden 50 Prozent erreicht. Grund: Karaoke. Die Leute wollten die amerikanischen Schlager mitsingen können.

In der Türkei soll es ja angeblich einen Kulturkampf zwischen Türken und Kurden geben. Sitzen Jung-Türken und Jung-Kurden aber im Café, qualmen sie Marlboro statt der viel besseren, billigeren und bekömmlicheren Maltepe. Statt Tee bestellen sie Cola.

In China gibt es ein neues Problem: Frühzeitig überfettete Kinder. Die Familie hat halt nur noch eins, und der kleine Goldschatz kriegt so viel Pommes mit Majonaise und Ketchup, wie er futtern will.

In Deutschland ist die Kultur zwischen Eingeborenen und Zugezogenen das eigentlich verbindene Element: Gemeinsam ist beiden, dass keiner jemals Goethe las.

Fliegst du nach Portugal begrüßt dich am Flughafen von Faro eine weithin sichtbare Riesentafel: LIDL. Willkommen daheim.

So viel zu den Kulturkreisen.

Der völkische Schwindel war nie eine gestaltende, aufbauende Kraft. Gäbe es diese Kraft, wären Ideologie und Propaganda ja vollkommen überflüssig. Der völkische Schwindel war stets die Brechstange, um existierende politische Gebilde zu knacken.

Alle Seiten haben sich dieser Brechstange bedient, weshalb sie je nach Bedarf verflucht oder gepriesen wird. Amis raus aus Vietnam! Chinesen raus aus Tibet! Ausländer raus aus Deutschland! Oder: Tibet den Tibetern! Vietnam den Vietnamesen! Algerien den Algeriern. Kroatien den Kroaten! Deutschland den Deutschen! - es ist immer das gleiche Lied.

Es fing damit an, dass Lawrence von Arabien als Agent der British Empire den Arabern beibringen wollte, sie hätten sich von osmanischer Fremdherrschaft zu befreien und eine arabische Nation zu gründen. Während das osmaische Reich gestoßen werden musste, klappte die Habsburger Monarchie praktisch von selbst zusammen. Und jedes mal ging danach der Zoff erst richtig los.

Und die Probleme. Was machen die Algerier, Palästinenser, Balkanvölker, Araber, Deutsche so ganz allein, ganz unter sich, wenn sie im Kampf um ihre Unabhängigkeit gesiegt haben? Sie machen einfach weiter. Auf Unabhängigkeitskrieg folgt Bürgerkrieg, etc.

Ich glaube nicht, dass es sehr spannend ist, über dies Thema als solches zu diskutieren, also abstrahierend von einem konkreten historischen Zusammenhang, worin es dann strittig wird. Wie wär's mit Tibet?
Alt 03. 05. 2008, 13:05 Neandertaler is offline Mit Zitat antworten #9
LordPiccolo Spender
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Tibet, Kurdistan und wie sie alle heissen sind eben die aktuelle Probleme, die mit dem Ethnopluralismus erklärt werden könnten. Du hast es bereits gesagt, "Tibet den Tibetern". Dazu kommt auch noch die internationale Solidarität von alle Schichten, von der FDP bis zur LP, dass man doch bitte schön den Tibetern einen eigenen Staat gönnen sollte. Wie gehts dann weiter? Was ist mit den Minderheiten in Tibet, die seit Jahrhunderten dort leben? Ausweisen oder auch denen einen eigenen Staat schenken?

Wie soll denn das ganze auf internationaler Ebene funktionieren? Soll es dann keine internationalen Beziehungen mehr geben, da jeder Staat sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern sollte? Internationale Wirtschaftsbeziehungen? Dank fast vollständiger Autarkie kaum vorhanden. Produkte werden dann nur notfalls ausgetauscht.

Zitat:
Ergaenzend bzw. fachspezifisch sollte man noch sagen, dass Ethnopluralismus nur die moderne Form des Rassismus ist, wobei hier allerdings (zumindest scheinbar) nicht die Wertigkeit einer Rasse die Rolle spielt.

Heute kann man vlt. sagen, dass Ethnopluralismus eine Form des Rassismus ist. Vor 100 Jahren allerdings, war es eine Idee der linken Bewegung. Wie das? Durch den kapitalistischen Arbeitsprozess wurde die Kultur als ein Produkt behandelt. Die Künstler z.B. mussten auf Nachfrage hin ihre Werke "produzieren". Damit entnahm man die künstlerische Freiheit. Zudem gab es die Migration vom Land in die Städte. So vermischte man die Kulturen, bzw. zerstörte diese. Die Linken waren bzw. sind der Ansicht, dass die Kulturen ein schützendes Objekt sein müssen.

Auch ein aktuelles Beispiel: Multi-Kulturalismus. Ich sehe z.B. die Ghettorisierung innerhalb der deutschen Städten, als eine Art Ethnopluralismus innerhalb eines Staates. Kaum Berührungskontakte zwischen den Kulturkreisen. Abschottung von beiden Seiten aus.
Alt 03. 05. 2008, 13:49 LordPiccolo is offline Mit Zitat antworten #10
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

@LordPiccolo

Sicher gibt es noch heute Ghettoisierung, ein Phaenomen, das vor allem in deutschen Grossstaedten zu beobachten ist. Warum sonst muss man in der Presse oft von "Tuerkenvierteln" lesen?

Berlin ist Referenzbeispiel - aber auch bei uns (Sachsen-Anhalt) nimmt diese Viertelbildung nach dem Kriterium der Kultur zu. Aber ob es wirklich mit Kultur oder eher damit zu tun hat, dass mangelnde deutsche Migrationspolitik dafuer sorgt, dass Tuerken einer bestimmten sozialen Schicht zugeordnet werden, sollte erst einmal geklaert werden.

Ich empfinde es als normal, dass sich bestimmte Schichten an bestimmten Orten ansiedeln, wenngleich ich damit auch so meine Probleme habe.

Und genau diese schlechte Migrationpolitik sorgt doch erst fuer den Stoff rechten Gedankenguts. Die Ursache wird dann nicht beim Staat gesucht, sondern bei der Herkunft der Personen bzw. ihre Ethnie. Auch die immer wieder eingebrachte Kriminalitaetsrate laesst sich damit "begruenden".
Alt 03. 05. 2008, 14:03 Mit Zitat antworten #11
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Das wäre dann die Ursache, wieso Ethnopluralismus innerhalb Deutschland betrieben wird. Man "pflegt" quasi innerhalb der deutschen Städten die Kulturen, da der Staat über Jahre hin keine Integrationspolitik betrieben hat, um später diese Kulturen als Ressentiment bedienen zu können. Hat schon etwas an Verschwörungstheorie in sich

Vor allem finde ich es ganz interessant, dass die Ethnopluralisten die Multi-Kulturalisten als die wahren Rassisten abstempeln, da sie der Meinung sind, dass durch Multi-Kulturalismus die Kulturen der Einheimischen und die der Gäste absterben würden. Ich weiss jetzt den Namen nicht, aber ich glaube ein JF-Redakteur hatte mal gesagt: "Ich liebe alle Kulturen. Nur will ich sie nicht bei mir haben!". Deswegen sind aus der Sicht der Ethnopluralisten, die Ethnopluralisten selbst die wahren Anti-Rassisten...
Alt 03. 05. 2008, 14:11 LordPiccolo is offline Mit Zitat antworten #12
Der Rebell
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Mir kommt die Fragestellung irgendwie ziemlich akademisch vor.

Eigentlich finde ich auch keinen richtigen Ansatz, um die Frage beantworten zu können. Vielleicht sollte man erstmal fragen, warum Gesellschafts-Theorien überhaupt entstehen und von wem sie "erfunden" werden.

Mir scheint, daß die beiden angesprochenen -ismen nur jede für sich einen Teil menschlichen Verhaltens anspricht oder ein bestimmtes Verhalten einfordert.

Ich sehe zwei Gründe für die Entstehung solcher Theorien. Einmal ist es rein wissenschaftliche Neugier, die den Zustand einer Gesellschaft nur beschreiben will und auf der anderen Seite soll die Theorie erkannte Mißstände beseitigen. Möglich ist auch, daß beide Elemente in einer Theorie vereint sind.

Der Ethnopluralismus will wohl eher die Entstehung der Gesellschaften erklären und der Kommunismus will Mißstände beseitigen.

Ein grundsätzlicher Fehler haftet allen Gesellschaftstheorien an. Sie sind viel zu einfältig, um die ganze Bandbreite menschlichen Verhaltens und menschlicher Wünsche und Sehnsüchte beschreiben zu können. Folglich kommt auf jede Theorie über kurz oder lang eine entsprechende Opposition ans Licht.
Alt 03. 05. 2008, 14:30 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #13
cor!ax
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?
Ich finde die Frage merkwürdig. Das klingt so als seien Ethnopluralismus und Kommunismus zwei konkurierende Gesellschaftsformen. Und wie von einigen Vorrednern vor mir schon festgestellt haben, gibt es keines von beiden in reiner Form.
Dennoch ist der Kommunismus in seiner Grundidee doch eine wirtschaftliche Utopie/Ideologie und der Ethnopluralismus ist eher sowas wie ein kulturelles Weltverständnis. Ich finde das Zitat: "Ich liebe alle Kulturen. Nur will ich sie nicht bei mir haben!" von wem es auch immer stammt ist ein sehr gutes Beispiel. Und meiner Meinung nach ist hat der Grundgedanke des Ethnopluralismus auch nicht zwangsläufig was mit Rassismuss zu tun, so wie das hier ab und an mal als Unterton auftaucht.

Back on Topic: Beide "Gesellschaftsformen" sind Ideologisch und daher nie erreichbar. Und wenn sie beide nicht erreichbar sind, dann kann die eine auch nicht "weniger erreichbar" sein.
Alt 03. 05. 2008, 15:17 cor!ax is offline Mit Zitat antworten #14
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Ist auch akademisch. Solche Threads gabs aber zu Anfangszeiten des g:B. Will mal testen, wie die heutigen g:B-User mit so einer Fragestellung diskutieren können.

Zitat:
Der Ethnopluralismus will wohl eher die Entstehung der Gesellschaften erklären und der Kommunismus will Mißstände beseitigen.

Man kann es aber auch umdrehen. Ich finde, beide Theorien versuchen sowohl die Entstehung als auch die Lösung zu erklären. Wie oben beschrieben, war der Ethnopluralismus eine ursprünglich linke Ideologie, die eben die Missstände, nämlich die Auslöschung der Kulturen kritisierte und dagegen eben diesen "Ein Kulturkreis=Ein Staat" vorschlag machten. Ab den 50er Jahren wurde diese Idee von den Rechten adoptiert.

Zitat:
Und meiner Meinung nach ist hat der Grundgedanke des Ethnopluralismus auch nicht zwangsläufig was mit Rassismuss zu tun, so wie das hier ab und an mal als Unterton auftaucht.

Muss es auch nicht. Die Idee wird von den Rechten benutzt und erweitert, damit man eine theoretische Grundlage gegen die Migration hat um so das "Verschwinden" der deutschen Kultur zu erklären. Aber was ist die deutsche Kultur?
Alt 03. 05. 2008, 15:21 LordPiccolo is offline Mit Zitat antworten #15
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
Zitat von cor!ax
Und meiner Meinung nach ist hat der Grundgedanke des Ethnopluralismus auch nicht zwangsläufig was mit Rassismuss zu tun, so wie das hier ab und an mal als Unterton auftaucht.

Das halte ich fuer diskussionswuerdig. Rassismus zeichnet sich doch dadurch aus, dass einer bestimmten ethnischen Gruppe bestimmte, unveraenderliche Merkmale zugeordnet werden. Im Falle des Ethnopluralismus ist es eben die Kultur.

Die gewaltsame und beschoenigende Form des Ethnopluralismus nennt man dann "Ethnische Säuberung" und das sind ganz klar rechtsextreme Ausschreitungen. Insofern ist das "moderne" Verstaendnis des Ethnopluralismus ganz klar rassistisch einzuordnen.
Alt 03. 05. 2008, 15:31 Mit Zitat antworten #16
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
deutsche Kultur?

Ähnlich ungreifbare Frage
Ein Versuch einer Antwort:
Die deutsche Kultur bzw die deutsche Gesellschaft ist eine emotionale Bindung bzw ein Zusammengehörigkeitsgefühl:
- gleiche Sprache
- gleiche Sitten und Bräuche (Oktoberfest, auch wenn wir Norddeutschen es nicht feiern)
- gleiche Geschichte
- gleiches Rechtssystem

Ob das nun die deutsche Kultur ist, die dänische, die französische oder eine sonstige. Letztlich ist es ein Zusammenschluss von Menschen die eine gemeinsamme Kultur verbindet. Definition Kultur siehe oben.
In einem Land ohne Ostern und Weihnachten würde sogar ich als Nichtgläubiger mir fremd vorkommen. Von Sprachunterschieden mal ganz zu schweigen.

EDIT:
Zitat:
Das halte ich fuer diskussionswuerdig. Rassismus zeichnet sich doch dadurch aus, dass einer bestimmten ethnischen Gruppe bestimmte, unveraenderliche Merkmale zugeordnet werden. Im Falle des Ethnopluralismus ist es eben die Kultur.
Rassismuss geht aber die Stufe weiter und bewertet andere ethnische Gruppen bzw stellt die eigene Gruppe "über" die anderen. Diesen Ansatz kann ich in der Urform des Ethnopluralismus nicht erkennen.
Alt 03. 05. 2008, 15:36 cor!ax is offline Mit Zitat antworten #17
Habek
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Es geht ja nicht nur um ethnische Gruppen, sondern um Gruppen allgemein, denen Eigenschaften zugesprochen werden.

Rassismus ohne Rassen oder Neorassismus wäre die bessere Bezeichnung.
Alt 03. 05. 2008, 15:36 Habek is offline Mit Zitat antworten #18
anZen
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
Zitat von glidesurfer
Sicher gibt es noch heute Ghettoisierung, ein Phaenomen, das vor allem in deutschen Grossstaedten zu beobachten ist. Warum sonst muss man in der Presse oft von "Tuerkenvierteln" lesen?

Nicht nur in Deutschland, sondern in der gesammten Welt! Der Mensch ist von Natur aus Faul und Integration verlangt Kraft ab, somit ist es sehr viel leichter unter Menschen mit gleicher Herkunft zu leben und sich schön gemütlich in einem fremden Land einzunisten.
Dies ist keine Kritik an dem Phänomen Ghettoisierung, oder an der menschlichen Natur. Ich konstatiere lediglich Fakten.

@Topic

Ich glaube, dass die Idee des Ethnopluralismus einen heuchlerischen Charakter hat, wenn man bedenkt, dass hier von der kulturellen Arpekte ausgegangen wird, denn zur deutschen Kultur gehören auch solche Leistungen wie die von Einsteins, Marx & Engels oder Beethovens, doch diese Menschen haben nicht nur deutsche Wurzeln. Will man also die Zahlen die wir von den Arabern übernommen haben abschaffen? Soll man etwa die lateinischen Einflüsse der deutschen Sprache annullieren und wieder zu den Runen zurückkehren?
Folglich würde ich mich fragen, was dieses Gerede überhaupt soll?

Der kulturelle Mix ist eine Bereicherung und die Kultur, die der anderen überlegener ist, wird auch nicht der Dekadenz zum Opfer fallen. Und da wir alle Wissen, dass die Konkurrenz das Geschäft belebt, wird vielleicht auch die Kirche ihre Renaissance im Abendland feiern können, wenn die Bevölkerung merkt: "Ooooh, es droht uns eine Überfremdung durch die Horden aus dem Osten!", und somit mehr Wert auf ihre eigene Kultur legt, die letzten Endes auch eine Fremde ist.
Alt 03. 05. 2008, 15:38 anZen is offline Mit Zitat antworten #19
Habek
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
Ich glaube, dass die Idee des Ethnopluralismus einen heuchlerischen Charakter hat, wenn man bedenkt, dass hier von der kulturellen Arpekte ausgegangen wird, denn zur deutschen Kultur gehören auch solche Leistungen wie die von Einsteins, Marx & Engels oder Beethovens, doch diese Menschen haben nicht nur deutsche Wurzeln.
Das sah der Engels aber anders.

Am Ende des ersten Bandes des Kapitals meinte er, dass nur ein Deutscher(Marx) zu so einer umfassenden Kritik fähig ist.
Alt 03. 05. 2008, 15:41 Habek is offline Mit Zitat antworten #20
glidesurfer
 
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
Zitat von anZen
Der Mensch ist von Natur aus Faul und Integration verlangt Kraft ab, somit ist es sehr viel leichter unter Menschen mit gleicher Herkunft zu leben und sich schön gemütlich in einem fremden Land einzunisten.

Also sind die Tuerken in Deutschland selbst Schuld, dass sie in Ghettos leben?

Zitat:
Zitat von anZen
Der kulturelle Mix ist eine Bereicherung und die Kultur, die der anderen überlegener ist, wird auch nicht der Dekadenz zum Opfer fallen.

Es gibt also eine Hierarchie unter Kulturen? Laut Ethnopluralismus gibt es die ja auch nicht...
Alt 03. 05. 2008, 15:46 Mit Zitat antworten #21
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Letztendlich kommen wir alle aus Afrika, da können wir doch gleich ein Weltbürgertum einführen? Wie wäre das?
Alt 03. 05. 2008, 15:55 ruler³ is offline Mit Zitat antworten #22
anZen
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
Zitat von glidesurfer
Also sind die Tuerken in Deutschland selbst Schuld, dass sie in Ghettos leben?

Das habe ich nicht gesagt, ich sagte, dass der Mensch faul ist. Hinzufügen möchte ich noch, dass der Staat meiner Meinung nach die Verantwortung trägt, den Menschen zu erziehen und in unserem Falle für seine Integration zu sorgen, um sich längerfristig nicht mit solchen Problemen schlagen zu müssen, wie er sie jetzt hat und die noch folgen werden.

Zitat:
Zitat von glidesurfer
Es gibt also eine Hierarchie unter Kulturen? Laut Ethnopluralismus gibt es die ja auch nicht...

Das habe ich auch nicht gesagt!

Die Motivation des Ethnopluralismus entsteht aus der Angst der Überfremdung durch andere Kulturen, also müssten sie ja in irgendeiner Form überlegener sein, wenn die eigene Kultur verfällt, oder übermannt wird. Darum ja das ganze Theater mit der Abschottung.
Alt 03. 05. 2008, 15:57 anZen is offline Mit Zitat antworten #23
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Re: Ist Ethnopluralismus utopischer als Kommunismus?

Zitat:
Also sind die Tuerken in Deutschland selbst Schuld, dass sie in Ghettos leben?
Auch wenn die Aussage nicht von mir stammt: Es gibt doch immernoch sowas wie freie Wohnungswahl.
Ich gebe anZen da absolut recht. Kulturelle Anpassung erfordert Kraft, Mut und natürlich den Willen zur Anpassung. Der Mensch an sich ist aber bis auf Ausnahmen eher ein Gewohnheitstier. Ich selber schließe mich da nicht aus. Würde ich auswandern, dann würde ich nach Wohnungen suchen in Gegenden wo Menschen meines kulturellen Ursprungs leben.
Alt 03. 05. 2008, 15:58 cor!ax is offline Mit Zitat antworten #24
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