Ok, ich hoffe jetzt mal den Thread mit einer ernsthaften Antwort aufzuwerten...
Wenn du fühlst, dass du eine Depression hast, hast du auch eine. Dass du hier im Forum schreibst, zeigt, dass sie noch nicht besonders fortgeschritten ist, auch wenn deine subjektive Meinung anders aussieht.
Was ist eine Depression?
Bei Problemen aller Art ist es hilfreich, sich die Sprache anzuschauen. Die deutsche Sprache (aber auch andere) weisen an vielen Ecken eine Tiefgründigkeit auf, die dort nicht vermutet wird. Depressiv zu sein heisst einfach
niederdrücken und kommt aus dem Lateinischen. Du fühlst dich bedrückt. Soweit verständlich. Gehen wir tiefer... Wo findet die Niederdrückung, die Unterdrückung statt? In dir selbst. Was heisst das? Das bedeutet, dass das psychisch-neuronale System "Flatfish" etwas unter Druck setzt. Und zwar geschieht das unbewußt oder zwanghaft, denn es wird als Belastung und/oder Störung und als etwas nicht Beeinflussbares empfunden.
Warum tut das System "Flatfish" so etwas?
Dein psychisch-neuronales System steuert ohne dein Wachbewußtsein etwas IN DIR, um dich vor Schaden zu bewahren. Du wirst regelrecht vor einem emotionalen Kollaps bewahrt, was dir in brenzligen Situationen das Leben retten kann. Menschen können in Todesangst unglaubliche Leistungen vollbringen. Das macht das Gehirn automatisch, um das biologisch-neuronale System "Mensch" das Überleben zu ermöglichen. Bei Tieren oder Kleinkindern ist das einfach: Hat sich die Aufregung gelegt, lächeln sie wieder, kommen wieder zur Ruhe und das Leben läuft weiter wie vorher.
Was ist ein traumatischer Schock?
Bei extremer Gefahr verbunden mit einer evt. physischen und/oder psychischen Verletzung kann in solchen Gefahrensituationen ein traumatischer Schock ausgelöst werden. Diesen Schock kennzeichnet ein sogenannter Welleneffekt. Das moderne Wort dafür heisst
Flashback. Du erlebst die gleiche Situation immer wieder. Manche Vergewaltigungsopfer entwickeln einen zwanghaften Drang danach, die Szenerie der Tat immer wieder nachzuspielen. Das
PNS spult wie in einem Film immer wieder die gleichen Ereignisse ab. Warum? Damit du lernst. Damit dir etwas auffällt. Damit dir dein Part, deine Verantwortlichkeit in dieser Tragödie auffällt. Wenn wir mal von Verkehrs- und sonstigen Unfällen absehen, ist den Betroffenen der eigene Anteil am Geschehen vollkommen unklar. Das
PNS will, dass du wieder glücklich leben kannst. Dies kann nur GANZ geschehen, daher auch der Begriff der Ganzheitlichkeit. Ganz bist du nur, wenn du beide Seiten betrachtest. Den Täter und das Opfer. Vereint in einem Menschen. Trauma-Patienten leiden sehr häufig daran, sich
nur als Opfer zu fühlen. Wenn der Mensch erst einmal
glaubt, ein Opfer zu sein, wird er immer wieder dazu. Das
PNS läuft Amok im eigenen Körper.
Das liest sich alles sehr krass... Was hat das alles mit mir zu tun?
Die abgeschwächte Form einer posttraumatischen Belastungsstörung wird landläufig als Depression bezeichnet. Der auslösende Faktor tritt oft nicht einmalig auf, sondern regelmässig. So wird persönlich als negativ Erlebtes mit jeder Wiederholung als Endlosfilm wie auf eine DVD ins Gehirn eingebrannt. Diese Spuren zu glätten oder gar auszuradieren, zu überschreiben mit positiv oder neutral besetzten Informationen kann eine Therapie bieten. Sicher gibt es auch Menschen, die den starken Willen haben, dass allein zu schaffen, aber das ist selten.
Was macht eine Therapie?
Eine Therapie konfrontiert dich auf vielfältige, spielerische, agressive, liebevolle... Weise mit den Ursachen deiner seelischen Verstimmung. Du lernst allein oder besser noch in einer Gruppe mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen machen. Du lernst. Das ist eigentlich schon alles. Es gibt eine Menge Methoden, nach denen dieses Lernen ermöglicht wird, aber das soll dich nicht davon abhalten, den ersten Schritt dazu in vollkommener Selbstverantwortlichkeit deiner Lebendigkeit zu Liebe zu tun.
Und was mache ich jetzt?
Setz dich in dein Zimmer. Schliess die Augen. Achte auf deinen Atem. Konzentriere dich auf deinen Herzschlag. Mache dir bewußt, wie kostbar dieses Leben, welches IN DIR Form angenommen hat, in dir pulsiert. Schau dir dein Leben an. Auch wenn es schmerzt. Sprich mit deinen Eltern, sage ihnen, dass du unter sehr großem Druck stehst und dass du so nicht weiterleben willst. Du wünschst dir eine Veränderung.
Falls sie so ignorant sind, dies abzulehnen und niederzumachen, geh zum Arzt. Langanhaltende Depressionen sind eine heilbare Krankheit und gehören behandelt. Wenn du dich allerdings dazu entscheidest, aus Angst wovor auch immer, diesen selbstverantwortlichen Schritt nicht zu tun, wird sich der Druck in dir vergrößern und es wird an einer Stelle zum Platzen kommen, die du nicht vorhersehen kannst.
Lass es nicht soweit kommen...
Liebe Grüße
rHamsys