Hossa!
Gestern Nacht konnte ich irgendwie nicht einschlafen und irgendwie ist mir dann eine (in diesem Moment) grandiose Idee für ein Theaterstück gekommen. Ich hab also nen Block geholt und losgeschrieben, nach ner halben Stunde aber wieder aufgehört, weil ich die Haltung unbequem fand...
Normalerweise wandern solche Ausbrüche sofort in irgendne dunkle Ecke, aber der hier hat mir auch grade eben noch ganz gut gefallen. Ich wollte jetzt nur mal wissen, was ihr drüber denkt und ob man die ganze Sache überhaupt so aufziehen kann.
Das Stück soll "Holtzmann oder Menschen, die sind, wie Menschen nicht sein sollten" heißen. Vielleicht auch nur Holtzmann, aber das andere ist irgendwie die Punchline. Es geht grundsätzlich um Holtzmann, der das Theaterstück als Zuhörer mit den (nervigen) Philosophien der anderen Charaktere verbringt. Er sagt wenig, bleibt aber freundlich. Ansonsten gibt es bisher noch Herrn Bolf, der betrunken ist und der Umwelt seine Meinung mitteilt. Seine betrunkene Meinung, die man eigentlich besser nicht laut aussprechen sollte. Außerdem gibts noch ne Aktivistin, Frau Knirsch, im Moment militante Nichtraucherin und im allgemeinen Ökoschlampe aus Überzeugung.
Soweit die Erklärung. Hier ist der Text, wers lieber in OpenOffice und mit kursiv und fett liest, schaut in die .zip. Die ganze Sache ist wie gesagt noch unvollständig und Frau Knirsch ist mir erst im Nachhinein eingefallen und ich wollts mal festhalten, dass ichs nicht wieder vergesse...
Holtzmann oder Menschen, die sind, wie Menschen nicht sein sollten.
Herr Bolf liegt im Bett, rollt sich, fällt vom Bett herunter und liegt mit dem Rücken auf dem Boden, schaut also an die Decke. In der Hand eine Flasche, die er mit ausgestrecktem Arm über sich führt und den Inhalt in seinen offenen Mund und die Umgebung leert.
Herr Bolf: betrunken Holtzmann? Holtzmann, heut ist ein schöner Tag.
Holtzmann kommt mit einem Wischmob und fängt an, die von Bolf produzierte Lache aufzuwischen.
Herr Bolf: Sag, Holtzmann. Ist heut nicht ein schöner Tag?
Holtzmann: Wer sagt, dass Tag ist?
Herr Bolf: Ich sag, dass Tag ist. Und es wär auch völlig egal, denn der Mensch reist durch Raum und Zeit, ist morgen hier, heute dort und gestern... wieder irgendwo anders. Nur der proletarische Spießer würde sich mit... hell und dunkel aufhalten. Hell und Dunkel, das ist doch sowieso gräßlich. Da wacht man auf und will etwas beginnen und schon ist es wieder dunkel und man muss aufhören mit dem, das man begonnen hatte.
Holtzmann: putzt weiter Das hängt wohl vom Tag ab.
Herr Bolf: Und wenn es einmal im Jahr wäre, ich hätte nichts dagegen. Aber Gott foltert uns doch mit seiner pedantischen Monotonie ständig, täglich. Kann da noch eine die Abkehr des Volks von der Kirche anprangern? Denn wenn der Mensch das Licht Gottes zähmen und bändigen und in die Glühbirne über meinem Kopf bannen kann, und es muss das Licht Gottes sein, denn nur das Licht Gottes könnte mich in dieser Weise blenden, wenn er das Licht Gottes bändigen kann, warum sollte er dann nicht auch das sonntägliche Säckel für Arme, für die Arme, für die Arme des Pfarrers nämlich und für seine... alimentäre Frau, die er sicher irgendwo hat, warum sollte der Mensch nicht auch das bändigen können?
Holtzmann: Gott zu bändigen ist wohl bequemer, als den Menschen. Gott lässt sich mit dem Verbrennen mehr Zeit.
[...die ganze Sache geht noch weiter...]
Frau Knirsch kommt herein, wirft einen Blick auf den durchnässten Bolf
Frau Knirsch: Du würdest brennen wie ein Molotovcocktail in meinen besten Zeiten.
Sie holt ein Feuerzeug aus der Tasche, betrachtet es, betrachtet Bolf, holt dann noch eine Zigarette aus einer anderen Tasche und zündet sie an um dann wieder zu versuchen, sie auszublasen.
Frau Knirsch: Weißt du, ich bin jetzt militante Nichtraucherin. Eigentlich hasse ich dieses Zeug, den Geruch, diese Mörderstangen. Aber jede, die ich vernichte, kommt auch nicht in die Lungen der willenlosen Süchtigen. Blickt pathetisch in die Menge. Es ist nicht leicht, doch ich bin stolz und gewillt, diese Bürde zu tragen.