Abrechnung der Woche 28 mit all ihren glorreichen Geschehnissen und der Feststellung, dass nicht immer alles so ist, wie es scheint. Dabei pflücken wir wieder einmal die besten Stücke der vergangenen Woche heraus, um böswillig darauf herumzureiten. Schließlich haben auch wir nur Böses im Sinn.
Deckel drauf - die Gulli Glosse (Woche 28)
Politiker - sind auch nur Menschen?!
Den Anfang in unserer illustren Runde darf diesmal Kanada machen. Kanada ist ein tolles Land, welches sich einiger Annehmlichkeiten erfreuen darf. Ein besonders edler Tropfen ist wohl die Tatsache, dass man stark französisch-lastig ist. Wer erfreut sich nicht dieses akzentuierten Sprachstils, insbesondere wenn gewisse Politiker von "trois faux pas" reden. In Kanada spricht auch ein Politiker von den Fehltritten - der Regierung. Das in Frankreich geborene 3-Strikes-Out Gesetz sei "idiotisch" und gehe vollends an der Zeit vorbei. Et voilà, ein wahres Wort, wenngleich es niemand hört. Als Nicht-Jurist, vielmehr als einfacher Abgeordneter sitzt Charles Angus im kanadischen Parlament und hat die Frechheit das zu sagen, was keiner hören will. Zu süß schmeckt die Frucht des Lobbyismus. Danke Charles - wir dachten schon eine Lobbykratie würde uns beherrschen.
In Kanada mag es noch Politiker geben, die unverblümt ihre Gedanken aussprechen. Hierzulande findet man so was ja eher selten. Warum machen Politiker Gesetze? Antwort: weil diese - angeblich - gebildet sind und nur "das Beste" für das Volk wollen. Was "das Beste" was uns je passiert ist dabei sein soll, offenbart ein Beitrag der ZDF-Kinderreporter - welcher sinnigerweise um kurz vor sechs Uhr morgens ausgestrahlt wird, damit man möglichst viele Menschen erreicht. Die möchten dem Herrn Wolfgang "Wir tun die Leute aber gar nicht überwachen" Schäuble vor Augen führen, wie das so ist, mit 'ner Kamera gefilmt zu werden. Dummerweise kennt der dieses Gefühl schon und zeigt sich äußerst genervt, als man ihn immer weiter fragt. Überwachung hier, Spionage dort. Keine Themen für den Innenminister. Was erwartet man auch, bei solchen Kompetenzen wie "Was war gleich nochmal ein Browser?"
Das Spiel mit der Politik ist - so oder so - eine heikle Sache. Schielen wir einmal ins Wunderland Belarus. Viele Menschen, wenig Presse. Woran könnte das wohl liegen? Keiner eine Idee? Also mit Sicherheit nicht an der geradezu diktatorischen Führung eines Präsidenten, welcher die Verfassung ändern ließ, um länger im Amt zu bleiben. Solche Mätzchen kennen wir schon zur Genüge.
Was die Politik nicht schafft, müssen regelmäßig die Richter ausmerzen. In Anbetracht der rasanten Entwicklung hinken diese nur zu oft hinterher, mitunter zum Leidwesen aller Beteiligten - so viel Fairness muss sein. Kriegt man die bösen Burschen von Urheberrechtsverletzern dann einmal nicht direkt, so spielt man mit der Störerhaftung. Diese ist ein gar wunderbares Werkzeug für professionelle Abmahner, um auch aus dem letzten Quäntchen Widerstand ein paar Euros herauszupressen - auch wenn man die Tat selbst nicht begangen hatte. Stichwort offenes WLAN mit Zugriff durch Dritte. Wenn Fremde was verbocken, haftet immer der, der's ermöglicht hat. Wir kennen das doch alle aus dem realen Leben. Wenn ich ein Küchenmesser offen liegen lasse, mit welchem ein Dritter einen Mord begeht, so hafte ich für den "entstandenen Schaden". Oder wie war das?
Es ist schon eine merkwürdige Welt, in der wir leben. Riskieren wir einmal einen Blick über den Ärmelkanal zu den Guys & Girls dort drüben. Die offenbaren die wahren Hintergründe für die Vorratsdatenspeicherung. Datensätze - editiert - verkaufen, Profit aus jedem Buchstaben schinden. So lautet die Devise, die tausende Inselbewohner jeden Tag mit Tonnen an Werbebriefen ausbaden dürfen. Natürlich ist man mit dieser Methode "nicht glücklich". Versteht jeder. Wir sind schließlich auch total traurig, wenn wir uns Montag bis Freitag zu Tode schuften, und dann geht tatsächlich ein Gehalt auf unserem Konto ein. Arbeit um der Arbeit wegen!
Inzwischen tut es wirklich weh, was sich da so abspielt. Italienische Spitzenpolitiker zeigen gegenwärtig, was es heißt, Völkerverständigung zu leben und nicht nur zu proklamieren. Völkerverständigung heißt aber in Italien so viel wie: Dringe in private Behausungen von Menschen ein und zwinge ihnen Fingerabdrücke ab. Die Begründung: Illegale Einwanderer und überhaupt neigen gewisse Volksgruppen - gemeint sind hier Sinti & Roma - zur Kriminalität. Hallo? Laut dem Statistischen Bundesamt wurden 520.300 Jugendliche im Jahre 2006 als Tatverdächtige bei einer Straftat registriert. Idee: Zwingen wir doch gleich alle Jugendlichen dazu ihre Fingerabdrücke abzugeben, sie tendieren ja scheinbar dazu!
In diesem Sinne ein schäublonisches "Das interessiert mich nicht" und bis nächste Woche.
Anderer Meinung? Ja? Nein? Diskutiere mit!
(Bilder via turia & gerechtigkeit.blog thx!)
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