Es ist mal wieder soweit, ich suche neue Bücher für mich.
Das Problem ist, dass ich den Beschreibungen oder Buchrücken nicht entnehmen kann, inwiefern dieses Buch für mich geeignet ist. Oft les ich mir solche Beschreibungen durch und denk mir, wie langweilig es doch ist, finde dann aber heraus, dass andere Bücher, welche ich sehr gerne mag, ebenfalls auf diese langweilige Art geschildert werden.
Momentan steh ich mal wieder auf dem Schlauch, meine Lieblingsautoren hab ich schon durch und nichts neues entdeckt und mein letzter Kauf war leider eine Fehlinvestition. (Lion Feuchtwanger - Die Jüdin von Toledo. Tolle Beschreibung aber in der Umsetzung unglaublich langatmig. Aufgrund dessen habe ich allein für dieses Buch gut drei Wochen verschwendet um es dann schon nach der Hälfte bei Seite zu legen.)
Auf der anderen Seite habe ich aber auch eine Unmenge an Büchern hier rumliegen, welche mir sehr gefallen ohne jedoch ein klares Schema daraus bilden zu können, nach dem ich dann nach weiteren Büchern suchen könnte.
Da ich hoffe, hier ein paar gute Empfehlungen abstauben zu können, hier mal ein paar meiner Lieblinge:
Zum einen wäre da J.D. Salinger, seine Bücher sind irgendwie krank aber auch genial aber ich habe schon alles von ihm durch.
Auf der anderen Seite gibt es dann noch Haruki Murakami, über Kafka am Strand bin ich zu ihm gekommen und war begeistert und habe dann feststellen müssen, dass er zwei Arten von Büchern schreibt. Alles rund um seine Liebesgeschichten will mir nicht so recht gefallen (ich z.B. fand Afterdark schrecklich), seine eher phantastischen Bücher wie eben Kafka am Strand oder Wilde Schafsjagd finde ich wesentlich besser. Aber auch hier gilt: Fast alles was mir gefällt schon gelesen.
Dann gibt es da noch die Fantasyecke in die ich mich nur sehr sehr selten traue da ich von sprechenden Tieren und ähnlichem nicht so viel halte. Nichtsdestotrotz fand ich die Wächter-Reie von Lukjanenko ein Stück weit genial, auch wenn er dazu neigte meine Lieblingsfiguren sterben zu lassen.
Hinzu kommen dann auch Klassiker wie Faust von Goethe, einfach zeitlos gut. Auch Shakespeares Werke habe ich sehr gerne gelesen, "Metze du, Fortuna!", einfach unvergesslich. Selbst mit Kafka kann ich was anfangen, allerdings findet sich hier auch schon sehr viel in meinen Regalen.
Über den Medicus von Noah Gordon bin ich eben auf diesen Autor gekommen und habe nahezu alle seine historischen Romane auch schon hier in meinem Schrank stehen. Über ihn sind dann noch andere historische Romane auf mich zugekommen, manche besser, manche schlechter. Und bitte nicht mit Follett kommen, ich mag ihn nicht. Ich habe zwei oder drei seiner Bücher getestet und musste einfach feststellen, dass zwischen der gar nicht mal so schlechten Story auch vieles ist, was einfach zu langweilig und langatmig ist. Aber ohne diese Stellen ergibt der Rest der Story keinen Sinn und somit musste man sich dies antun.
Meine absolute Enteckung des letzten Jahres war dann Markus Zusak - Die Bücherdiebin, ein geniales Buch aus der NS-Zeit. Hier wird, auf liebenswürdige Art und Weise, eine Jugend in dieser Zeit beschrieben und man sieht, dass es nicht nur den Juden schlecht ging in dieser Zeit, auch der Herrenrasse ging es nicht immer so gut wie gedacht.
Ein großer Schriftsteller ist für mich auch noch Chuck Palahniuk, momentan sitz ich an seinem "Die Kolonie" und finde es gut, auch seine anderen mir bekannten Bücher finde ich durchweg gut, manche natürlich besser als andere, das ist aber selbstverstänldich. Hier hätte ich noch Potential auszuschöpfen, da sich noch nicht alle seine Werke in meinem Regal befinden.
Durch einen anderen Thread habe ich dann auch Matt Ruff mit dem Buch "Ich und die anderen" kennengelernt. Einerseits sehr beklemmend für mich, anderseits aber auch aufschlussreich. Ich kann bisher noch nicht sagen, ob es gut war es zu lesen oder nicht, dafür muss noch ein wenig Zeit vergehen. Postwendend habe ich mir dann auch sein "Bad Monkeys" bestellt.
Großes Kino war für mich auch die Schrödingers-Katze-Trilogie von Robert Anton Wilson, auch wenn es hier wieder in Richtung SF/Fantasy geht.
Dann war da auc hnoch die Anhalter-Serie welche mir sehr gefallen hat, besonders halt aufgrund des Witzes.
In gewisser Art und Weise krass finde ich Ryu Murakami, von 69 mal abgesehen. Die hier beschriebene Perversion ist natürlich irgendwo ekelig und alles, nichtsdestotrotz verschlang ich seine anderen drei bisher auf Deutsch erscheinen Bücher am Stück und warte schon wieder begierig auf das nächste, obwohl seine neueste Veröffentlichung erst anfang dieses Monats erschien. Und kürzlich habe ich noch das Buch des Comedians Oliver Polak "Ich darf das, ich bin Jude" gelesen und fand es sehr amüsant aber oft auch treffend. Ebenso habe ich durch meinen ehemaligen Deutschlehrer Andre Schwarz-Bart mit "Der letzte der Gerechten" kennengelernt und fand dieses Buch auch sehr genial, wenngleich auch die Szene in der Gaskammer am Ende doch recht drückend und beklemmend ist. Dann kamen auch noch Bücher wie "Rattenkönig" von James Clavell (übrigens das einzige seiner Bücher dem ich etwas abgewinnen kann und gleichzeitig auch das dünnste) in dem von einem Gefangenenlager die Rede ist und eben dadurch das eigentlich gar nicht so viel beschrieben wird, setzt er der Phantasie keine Grenzen und man findet sich in dieser dreckigen und ekeligen Umgebung wieder und fragt sich, ob man nicht selbst schon an der Ruhr leidet.
Kürzlich habe ich dann erst ein weiteres mal "Die erstaunliche Geschichte des Max Tivoli" von Andrew Sean Greer gelesen, für mich der bessere Benjamin Button, deutlich tiefgehender und auch schöner geschrieben.
Vielleicht hilft dies ja nun schon ein paar Empfehlungen auszusenden.
Ich selbst habe mich natürlich auch kundig gemacht und bin unter anderem auf Banana Yoshimoto und von Hideo Okuda die Dr. Irabu-Reihe, beides fand ich aber mehr als nur unterirdisch schlecht, absolut nicht mein Fall. Dann bin ich über die historischen Romane auch an Follett geraten, meine Meinung dazu findet sich weiter oben, Feuchtwangers Jüdin war dann der letzte Fehlkauf aus dieser Richtung. Oft wurde mir auch Stephen King ans Herz gelegt aber auch mit seinen Werken kann ich absolut gar nichts anfangen, allenfalls der Anfang der Turm-Reihe hat mir ein wenig zugesagt. So ziemlich alles aus der Richtung Tom Clancy, John Girsham oder Dan Brown will mir nicht gefallen, habe allen dreien mehrfach die Chance gegeben.
Ich suche also keine Bücher aus bestimmten Genres, ich suche einfach allgemein wieder ein Buch welches mit gefällt ohne das ich es am Ende als Fehlinvestition sehe. Ich nehme auch gerne "ältere" Bücher oder welche, die nicht mehr gedruckt werden, dafür gibt es ja noch immer die Antiquariate.
Ich kann dir nur die The First Law-Trilogie von Joe Abercrombie ans Herz legen. Erfrischend neue Fantasy mit dem Fokus auf ausgefeilten, menschlichen Charakteren ohne epische Elfen gegen Menschen gegen Orks-Kriege zu bemühen. Ich bin nicht sehr gut im Bücherbeschreiben aber auf Amazon findest du zahlreiche Inhaltsangaben und Kritiken. Auf jedenfall fand ich die Bücher wirklich großartig und es waren die ersten Fantasybücher seit langem, die ich überhaupt zu Ende gelesen habe. Leider sind die deutschen Cover und Titel (Kriegsklingen, Feuerklingen und Königsklingen) blöd gewählt aber das sollte dich nicht abschrecken.
Toller Beitrag! Schade, dass dieser Thread net so richtig aufgeblüht ist. Bin selbst häufig nach Lesetipps im Netz unterwegs. Ich muss sagen unsere Geschmäcke was Bücher angeht liegen nicht wirklich weit auseinander.
Danke für deine sehr ausführliche Tipps, wußte gar nicht, dass es auch noch einen zweiten Murakami gibt
Die Autoren Andre Schwarz-Bart und James Clavell hat ich noch gar nicht auf meinem Radar.
Du suchst nach Literatur und nicht nach Trash-Belletristik wie Steven King, Grisham oder Dan Brown etc, die zwar Spannung und Unterhaltung bieten, doch nichts darüber hinaus. Mit historischen Romanen konnte ich allerdings noch nie was anfangen, Fantasy auch nicht gerade mein Fall. Doch es gibt einige Autoren wie Murakami oder Pelevin (siehe unten), die dieses Genre völlig anders erscheinen lassen. Die sogenannten Post-Modernisten. http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_postmodern_authors
Nun zu den Tipps.
Kafka, Salinger, Murakami und Palahniuk sind schon mal ne gute Basis.
Wer diese Autoren mag wird auch mit diesen sehr gut klarkommen:
Paul Auster - besonders die New York Trilogie. Einfach faszinierend.
Albert Camus - "Die Pest" und "Der Fremde" als wichtiges Werk für den Existentialismus. Sehr nah an Kafka.
Cormac McCarthy - Die Straße.
Ein so abgrundtiefes Buch hab ich noch nie gelesen. Ein sehr realistischer und düsterer post-apokalyptischer Roman.
Weiterhin aus der Ecke der Post-Apokalypse (besser gesagt Dystopien):
Margaret Atwood - Mein Lieblingsbuch von ihr ist "Oryx und Crake". "Der Report der Magd" auch ein sehr guter Tipp.
Es gibt auch andere sehr berühmte nicht-Dystopien Romane von Atwood, z.B. "Der blinde Mörder" - hab ich jedoch noch nicht gelesen, aber schlecht sind die bestimmt nicht.
Außerdem wäre noch in der Dystopien Ecke die Standard-Tipps. Orwell, Bradbury und Huxley.
Orwell - nicht nur "1984" und "Farm der Tiere" sind von Orwell lesenswert. "Tage in Burma" oder "Mein Katalonien" sind wirklich hervorragend. Bin kein großer Fan von Kurzgeschichen, aber die von Orwell hab ich einfach verschlungen.
Folgende Autoren würde ich ebenfalls hervorheben.
Marquez - 1000 Jahre Einsamkeit Kundera - Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
Ein absoluter Geheimtipp ist:
Viktor Pelevin - "Buddhas kleiner Finger"
Kultautor in Russland, mindestens zwei Klassen über Lukjanenko.
Aus der russischen Klassik empfehle ich:
Gogol - "Die totel Seelen" Lermontow - "Held unserer Zeit" Dostojewskij - "Verbechen und Strafe"
aus der deutschen Klassik:
E.T.A Hoffmann - "Der Sandmann" Schnitzler - "Traumnovelle" Dürrenmatt - Nicht nur "Die Physiker", "Besuch der alten Dame", auch die Kurzgeschichte "Der Tunnel" oder die Novelle "Grieche sucht Griechin" sind Juwelen der dt. Literatur.
was die NS-Thematik angeht:
Ödön von Horvath - "Kind unserer Zeit" und "Jugend ohne Gott" Jurek Becker - "Bronsteins Kinder"
Wirklich viele gute Bücher finden sich in der SZ Reihe, hier die Übersicht:
Viele große Romane und auch viele Geheimtipps dabei, auf Romane wie "Christus kam nur bis Eboli" und "Die Brücke über Drina" wäre ich ohne die SZ Reihe wahrscheinlich sonst nie gekommen.
Auch die Seite von Dieter Wunderlich hat viele gute Tipps, über 3300 Buchrezensionen:
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