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    Gesperrt Avatar von Ghandy
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    Nachbericht: Intel Friday Night Game Essen

    Stolze 1.200 eSport-Fans konnte man am 26. Oktober in die Essener Grugahalle locken. gulli war anwesend und hat dort jede Menge Infos und Eindrücke gesammelt.

    Wir berichten ausnahmsweise aus der Sicht eines Noobs, weswegen statt Annika Kremer diesmal Ghandy in die Tasten haut. Der Nachbericht ist eher eine Quintessenz beziehungsweise der Versuch einer Auswertung der Impressionen des Abends.
    Zunächst eine gute Nachricht. Von den zahlreichen Besuchern machte wirklich niemand auf uns einen gewalttätigen Eindruck. Zumindest oberflächlich betrachtet wirkte keiner der Gäste gestört oder gar Amok gefährdet. Die Besucher der Intel Friday Night Games (iFNG) wollten nur eines: sich ihre Vorbilder live und in Farbe anschauen. Weder waren gewalttätige Szenarien an den Bildschirmen der Fall, noch dass jemand aus dem Publikum danach verlängt hätte. Die Tätigkeit einiger Mainstream-Medien hatte innerhalb weniger Wochen für eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit sorgen können. Amok-Läufer sind demnach stets chronisch frustrierte Gamer, so wollte man es uns weismachen. Die Politiker erzählen uns auch, ohne vor Blut triefende Egoshooter gäbe es an den Schulen keine Gewaltverbrechen. Literweise virtuelles oder reales Blut konnte man auf den iFNG lange suchen, gefunden hat man kaum welches. Die Eltern-LAN, die aufklären und gegensteuern soll, kann dagegen nur sehr langsam und mühsam ihre Wirkung entfalten. Ganze zehn Personen waren Ende Oktober in Essen auf der Eltern-LAN präsent. Darunter Eltern, Lehrer, Journalisten von WDR 5, Radio Essen und der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Schlecht recherchierte TV-Beiträge sind schnell gesendet. Das Bild der blutrünstigen Jugendlichen gerade zu rücken, gestaltet sich eher wie der Arbeit des Sisyphos. Ein Oberstufenlehrer an einem Gymnasium und ein Berufsschullehrer erzählten uns, sie hätten zwar vorher schon einen Einblick in die Welt der Computerspiele bekommen. Sie merkten aber recht schnell, dass sich seit ihrer eigenen Jugend extrem viel verändert hat. Um sich unmittelbar ein Bild machen zu können, nahmen sie das Angebot dieser Fortbildungsveranstaltung wahr. Das Thema Gaming nimmt in der Freizeitgestaltung vieler Schüler einen großen Teil ein. Darüber gut informiert zu sein erschien den beiden Pädagogen ein erstrebenswertes Ziel zu sein. Anders als Sabine Bätzing (Link zum Interview), die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, haben sie selbst Hand angelegt und Spiele ausprobiert. Nur ein paar Videos anzuschauen reichte ihnen als Quelle nicht aus.
    Dabei kann man im Fall von eSport schon lange nicht mehr von einer Randbewegung sprechen. Pressesprecher Christian Brandt von Turtle Entertainment erzählt uns mit leuchtenden Augen, als er vor zwei Jahren eingestellt wurde, hatte er rund 90 Kollegen. Jetzt sind es insgesamt 170 Mitarbeiter, die Mitwirkenden der TV-Tocher von Turtle mitgezählt. Welche Firma oder Branche kann sonst trotz Finanzkrise von solchen Zuwachszahlen berichten? Fast doppelt so viele Angestellte in zwei Jahren - das sind Daten, die nicht weiter kommentiert werden müssen. Das Unternehmen an sich besteht seit fast neun Jahren und agiert mittlerweile in ganz Europa, den USA, China, den Vereinigten Arabischen Emiraten und vielen anderen Staaten. Die globale Expansion und die Professionalisierung dieser Sportart erklärt den enormen Zuwachs an Angestellten.
    Spielerisch ging es am 26. Oktober um Counter-Strike:Source, Warcraft 3 und Counter-Strike 1.6. Beim Online-Rollenspiel Warcraft 3 findet eine Interaktion zahlloser Personen und Bots über das Internet statt. In der Essener Grugahalle waren aber nur zwei Personen gegeneinander angetreten. Es war dabei unglaublich interessant zu sehen, wie unglaublich schnell die einzelnen Mitspieler auf dem Spielfeld bedient wurden. Während europäische WC3-Zocker 60 bis 100 Kommandos pro Minute vergeben, so kommen asiatische Meister dieser Disziplin auf bis zu 200 Kommandos. Zeit ist Geld. Der Gamer muss verschiedene Orte gleichzeitig beobachten und kontrollieren. Es gilt auf die Angriffe des Gegners möglichst schnell zu reagieren und im Bedarfsfall die eigene Strategie der des Gegners anzupassen. Dennoch ist Geschwindigkeit bei weitem nicht alles. Die Kontrahenten haben sich im Vorfeld Videomitschnitte von Spielen ihres Widersachers angesehen, um ein Konzept daraus zu erstellen. Ohne ausreichend Brainpower und Planung geht bei WC3 überhaupt nichts.**
    *Und trotzdem. Counter Strike (CS) ist hier noch immer ungebrochen die Königsdisziplin. Einer der prominentesten Vorläufer von CS, GoldenEye 007, wurde von der britischen Softwareschmiede Rare veröffentlicht. Die Damen und Herren gehörten vor gut 15 Jahren zur Creme de la Creme der Entwickler von Konsolenspielen. Die Bond-Umsetzung gehört zusammen mit Halo 2 und Half-Life zu den meist verkauften Ego-Shootern überhaupt. Rare stellte bis zur Übernahme von Microsoft exklusiv Games für die Hardware von Nintendo her. Und im Gegensatz zu Nintendo waren die Schotten von Rareware in der Lage, wirklich das letzte Fitzelchen an Geschwindigkeit aus dem N64 herauszuholen. Spieletitel wie Mario64 wirkten im Vergleich zu Golden Eye wie von vorgestern. Trotzdem konnte man mit diesem Klassiker nicht das tun, was die Jugendlichen heute so gerne machen. Hat man früher nur auf einem Gerät gegeneinander spielen können, so zockt heute jeder auf seinem eigenen PC. Das Problem der geteilten Freude war auch das Leid des geteilten Bildschirms. So hatte man auf dem heimischen Fernsehbildschirm Mitte der 90er einen zwei- oder viergeteilten Screen. Der eigene Bildausschnitt war dementsprechend so klein, dass die Begegnungen am Fernsehschirm zwar Spaß machten. Strategische Momente standen dabei dennoch im Hintergrund. Während damals vor allem Reaktionsvermögen und Geschicklichkeit über Gedeih und Verderb entschieden haben, so ist dies heute vor allem der Hirnschmalz der Gamer. In der obersten Klasse spielt man CS nicht einfach so vor sich hin. Im Vorfeld gibt es stets ausführliche Besprechungen, die geplanten Bewegungen und Aktionen eines jeden Spielers werden untereinander abgestimmt. Mit dem Pixelbrei eines C64 oder dem Multiplayer-Modus von einem Nintendo64 hat das nichts mehr gemeinsam.
    Vergleicht man eSport mit regulären Sportdisziplinen, so fällt direkt der Vergleich mit Schach ins Auge. Zwar ist Schach keine Sportart, die im Team stattfindet. Und dennoch. Auch Schach ist eine sitzende Tätigkeit, auch dort wird vor allem das Gehirn der Mitspieler beansprucht. Bei beiden Spielen darf man sich auf dem Spielfeld nicht unbedacht bewegen. Die Frage ist stets: Wo und wie positioniert sich der Gegner? Welche Züge wird er anwenden, wo sind seine Schwächen und Stärken? Läuft man zu langsam, vergeht zu viel Zeit und am Ende der Partie wird es knapp. Bewegt man seine Figur zu schnell, macht man sich angreifbar, könnte leicht in eine Falle des Widersachers tappen. Die Reaktionszeit aller Topspieler von CS liegt ungefähr auf gleichem Niveau. Die Entscheidung über Sieg oder Niederlage bringt die richtige Strategie. Das und die Nerven im rechten Moment zu behalten. Mit Glück oder reinem Geschick hat der Ausgang eines Matches nur selten etwas zu tun. Andere Dinge als ein schneller Finger stehen im Vordergrund. Wie ist der mentale Zustand des Teams? Gibt es im Team Streitigkeiten oder Rangkämpfe? Gehen alle Teammitglieder wirklich nach den zuvor vereinbarten Richtlinien vor? Oder gibt es Einzelkämpfer, die ausscheren und den Sieg der Mannschaft bedrohen? Neben der Intelligenz der Mitspieler spielen so auch viele psychologische Faktoren eine Rolle. Die Belastbarkeit eines jeden einzelnen Teilnehmers, seine Konzentrationsfähigkeit und das Miteinander innerhalb der Gruppe sind entscheidend. Egomanen, Minderbegabte oder Menschen mit einem Aufmerksamkeitsdefizit haben keine Chance. Davon ist in vielen gängigen Fensehbeiträgen leider nur selten die Rede. Aber das würde ja auch nicht mehr dem üblichem Klischee der Killerspiele entsprechen.
    Besonders spannend war es, das Szenario aus der Nahaufnahme zu beobachten. Als Pressevertreter durften wir uns unmittelbar auf der Bühne bewegen, den Teams bei ihrem Wettkampf zuschauen und noch wichtiger: ihnen zuhören. Die Kommentare der Moderatoren als auch die Zwischenrufe aus dem Publikum sind auf solchen Veranstaltungen nie für die Spieler hörbar. Sie tragen spezielle Headseats, die sie von der Akustik der Außenwelt komplett abschottet. Die Geräusche der Halle würde ihnen einiges verraten, sie aber auch beim Spielablauf behindern. Während sie nichts von uns mitbekamen, wird untereinander sehr viel diskutiert (die Spieler benutzen dieselben Voice-Programme, die auch beim Spiel über das Internet zum Einsatz kommen, momentan meist Ventrilo). Merkt ein Team, dass man mit der bisherigen Vorgehensweise nicht weiter kommt, so gibt es die Möglichkeit einer kurzen Pause. Im Rahmen einer Lagebesprechung kann eine Neuausrichtung der Taktik erfolgen. Schiedsrichter überwachen jede Bewegung der Spieler, auf der Bühne wie auch auf dem Spielfeld. Die Manager der Mannschaften beobachten die Aktionen jedes Einzelnen aus dem Hintergrund heraus. Verborgen bleibt eh wenig. Ein Kamerateam, welches zu jedem Event anreist, überträgt jedes Detail ins Internet. Die beiden Moderatoren hören den Spielern bei ihren Diskussionen zu, geben manche Auszüge der Gespräche für das Publikum preis. Meist entscheidet sich dann in der entscheidenden Phase alles binnen weniger Augenblicke. Nach einem allgemeinen Herantasten geht es bei CS*dann meist sehr schnell. Oft zu schnell für ungeübte Augen, die nicht wissen, worauf sie letztlich achten sollen.
    Trotzdem. Auch für Außenstehende wird schnell klar: Wer den Anforderungen einer Schulausbildung nicht standhalten kann, der wird der Anspannung innerhalb eines solchen Teams erst recht nicht gewachsen sein. Soziales Verhalten ist sehr wichtig. Anstatt im Alleingang sein Ego auszuleben, ist es wichtig sich dem Gemeinschaftsziel unterzuordnen. Schießwütige Rambos oder Bonds mit der Lizenz zum Töten waren in Essen keine zu sehen. Blut fließt im Spiel zwar sichtbar, wenn auch in geringen Mengen. Wer stirbt, bleibt aber leblos am Boden liegen. Mehr Nähe zum echten Krieg wird nicht hergestellt. Sichtbare Verletzungen, sich ächzend am Boden vorwärts bewegen, oder sogar den Gegner quälen - all das ist hier nicht möglich. Und auch nicht gewollt. Wer verliert, überlegt, was er falsch gemacht hat und wie er die nächste Runde angehen soll. Die Sieger haben kaum Zeit den eigenen Triumph zu feiern. Ein Mal abklatschen, ein Schrei der Freude. Es bleibt keine Zeit für lange Reden. Wenige Momente später beginnt schon die nächste Runde. Die richtigen Waffen müssen zum passenden Moment ausgesucht, die Vorgaben erfüllt werden.
    Vielleicht gibt es eines Tages so viele Bücher über World of Warcraft oder Counter Strike, wie es solche über Schach gibt. Die Autoren hätten ähnlich wie beim Schach wenig Mühe, ihre Bücher mit Inhalten zu füllen. Gut gefüllt war auch die Grugahalle. Zwar wurde Ende Oktober diesen Jahres nicht so frenetisch gekreischt, wie beim Auftritt der vier Pilzköpfe vor 43 Jahren. Spaß bei der Sache hatten aber sowohl die Zuschauer, die Akteure auf der Bühne - als auch die rund 80 Personen, die diese Veranstaltung letztlich realisiert haben.

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  2. #2
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    Standard Re: Nachbericht: Intel Friday Night Game Essen

    Sorry, aber kann es sein das der Artikel sehr in Eile geschrieben wurde?
    Bei mir haben sich mehrere Fragen nach dem Lesen gestellt:

    Wer ist Turtle Entertainment?
    Wurde Golden Eye gespielt?
    In der Essener Grugahalle waren aber nur zwei Personen gegeneinander angetreten.
    Warum nur zwei und nicht mehr? Waren das die Asiatischen Spieler?
    Und was ist die schlechte Nachricht? Schließlich heißt es ja am Anfang:
    Zunächst eine gute Nachricht.

  3. #3
    Mitglied Avatar von teddybeer
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    Standard Re: Nachbericht: Intel Friday Night Game Essen

    Spielerisch ging es am 26. Oktober um Counter-Strike:Source, Warcraft 3 und Counter-Strike 1.6. Beim Online-Rollenspiel Warcraft 3
    Warcraft 3 ist ein RTS (Real Time Strategy)
    Während europäische WC3-Zocker 60 bis 100 Kommandos pro Minute vergeben, so kommen asiatische Meister dieser Disziplin auf bis zu 200 Kommandos.
    Wird hier von Progamern geredet?
    dann wäre das in der
    EU: ~200-250
    Japan / China: 300-400

    ___________

    Den abschnitt über Goldeneye verstehe ich auch nicht ..
    Kann man auch gut weglassen.

  4. #4
    Mitglied Avatar von Cayenne
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    Standard Re: Nachbericht: Intel Friday Night Game Essen

    Zitat Zitat von Artikel
    Rare stellte bis zur Übernahme von Microsoft exklusiv Games für die Hardware von Nintendo her.
    Bis zur Übernahme durch Microsoft. Oder wurde MS damals aufgekauft?

    Das mit WC3 ist mir auch aufgefallen - seit wann ist das ein Rollenspiel? Höchstens diese kleine Zusatzkampagne im Addon mit dem Bärenreiter da, aber das Spielkonzept an sich ist eindeutig Echtzeit-Strategie!

    Ansonsten fand ich den Artikel sehr nett geschrieben. Er erlaubt einen schönen Einblick in die Vorgänge bei einer solchen Messe, zeigt, dass auch zu einem Spiel, das nicht Schach heißt, mehr gehört, als wildes "Draufballern" und auch der gulli-typische, kleine Seitenschlag auf die Politik kam nicht zu kurz.

  5. #5
    Gesperrt Avatar von eliveo
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    Standard Re: Nachbericht: Intel Friday Night Game Essen

    Von wem denn? Von Google?

    Richtig, Warcraft 3 ist lediglich der Vorgänger eines Online-Rollenspiels, wenn man das so will. Und es gibt übrigens auch DLCs, wo man ein Rollenspiel in WC 3 spielt, was allerdings genau so "linear" ist wie mit diesem "Halb-Ork".

    Ja, also die Messe hätte ich auch gerne besucht. Schließlich geht es da um den intelligenten Umgang mit Computerspielen und da hätte ich bestimmt auch noch mitgeredet, obwohl Mitreden gar nicht so meine Sache ist.

  6. #6
    Gesperrt

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    Avatar von Ghandy
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    Standard Re: Nachbericht: Intel Friday Night Game Essen

    Ich hatte nach euren Anregungen einige Ergänzungen/Korrekturen eingefügt. Hoffe jetzt passt es was besser.

  7.  
     
     

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