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19. 09. 2011, 23:14 #1chaotic evil
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[eigenes Geschreibe] Letzter Samstag
Hallo zusammen,
ich weiss nicht, ob die Bezeichnung Literatur auf mein Geschreibe passt. Es ist nur eine räudige, kleine Kurzgeschichte, die ich unter dem Einfluss von zuviel Bier und übler Musik zusammenphantasiert habe.
Also bevor jemand fragt: Höchstens 10% autobiografisch.
Außerdem etwas vulgär. Und auch kein Quell der Freude.
Freue mich über Antworten jeglicher Art...
Letzter Samstag
„Alter, warum machse das? Tut das nicht weh, gegen eine Wand zu hauen?“
Tut es nicht. Der Typ schaut mich an. Ein Türke, schätze ich. Er ist extra von seinem Grüppchen mit den lachenden, jungen, hübschen Mädchen rübergekommen um mich das zu fragen. Irgendwie bringt mich das gerade aus dem Konzept. Ich schaue ihn besoffen an und antworte „Nein.“
„Aber warum machste denn das? Bist Du sauer oder was?“
Was für eine dämliche Frage. Ich habe eigentlich keine Lust zu antworten. Aber naja, ich habe eigentlich niemanden mit dem ich Reden könnte. Also erkläre ich kurz
„Ja Mann, meine Freundin. Ich hab sie gerade mit nem andern gesehen.“
Das bringts auf dem Punkt, oder? Dass ich seit dem Zeitpunkt spontan einige Bier runtergekippt habe und es eigentlich auch ein paar Stunden her ist, verschweige ich besser mal. Und was war das schon? Sicher kein Grund, sich mit dem Gemäuer anzulegen.
„Scheiße, Mann! Das ist Scheiße, ich weiss. Aber tu Dir doch nicht selbst weh. Du musst Respekt vor Dir selbst haben, Mann!“
Eigentlich trifft er den Nagel wohl auf den Kopf und ich sehe in seinen Augen, dass er es ernst meint. Aber ich habe wenig Lust mich über solche Dinge auszutauschen. Ich kann mir eh denken, was er sagen und denken wird. Ich habe nichts gegen Türken, aber ich weiß auch wie sie so ticken. Also stehe ich nur nickend und schwankend da. Und da er wohl merkt, dass hier Hopfen und Malz verloren ist. Er geht irgendwann mit guten Wünschen und nettem Gruß wieder zu seinen Leuten rüber.
Ja, verdammte Scheiße. Was hat mich wieder geritten? Einmal mehr der Kontrollverlust. Kein Wunder das mich meine „Freundin“ hasst. Das war doch mal anders. Dumme Gedanken an dem Abend. Sie hasst mich doch nicht, nur weil sie fremdgeht. Aber so denke ich, in meinem Suff und schlendere erst einmal weiter. Aus Sichtweite des netten Türken und seinem Grüppchen mit den hübschen Frauen. Tja, ob der es wohl gut hat? Ich weiß es nicht. Es interessiert mich auch nicht. Ich gehe weiter und krame erfolgreich nach einem weiteren Bier in meinem Rucksack und schaue meine malträtierte Hand an. Halb so wild.
Ich setze mich auf eine Bank an einer Kreuzung und schaue einer Schlägerei auf der gegenüberliegenden Seite zu. So ist das in der großen Stadt. Eigentlich ist es mehr eine kurze Attacke und ich weiß nicht worum es geht. Es könnte mich nicht weniger interessieren. Ich nehme wiederholt zur Kenntnis, dass der Unterschied zwischen Mensch und Tier nicht groß ist. Die Decke der Zivilisation sei dünn, sagt man ja. Die Weibchen für die gebuhlt wird, sind aber nicht zu sehen.
Ich passe mich an und streife alles an Zivilisation ab und lasse meinen Gefühlen freien Lauf. Ich passe meine Träume nicht der Realität an. Ich versuch es umgekehrt. Ist Zivilisation, Vernunft, Über-Ich und diese ganze Scheiße nicht dasselbe? Egal. Ich bin voll von Hass und Eifersucht. Hass auf Sie projeziert. Hass auf mich. Auf meine Existenz. Auf mein beschissenes Dasein. Auf alles.
Und auf eine komische Art und Weise, liebe ich diese Nächte des Wahns. Des Wahnsinns? Einen Sinn hat das alles nicht… denke ich mir, und lache irre vor mich hin. Alle Leute in der Nähe richten ohnehin, ihre Aufmerksamkeit auf die Kampfhähne auf der gegenüber liegenden Seite. Dort wird inzwischen nur noch verbal gekloppt. Die Beleidigungen sind wenig kreativ. Tausend mal gehört, tausend mal abgeprallt. Schwarz ist die Nacht, hart ist die Straße.. dein Feind lacht und bricht dir die Nase. Haha. „Psycho-Arschloch“ denk ich mir und meine mich.
Ich freue mich gerade darüber, wie sehr mich die Welt am Arsch lecken kann, als mein Handy klingelt. Ich schaue aufs Display. Sie! Soll ich rangehen, oder nicht? Es ist kein guter Zeitpunkt mit mir zu sprechen. Ich weiß, wenn ich rangehe, könnte es das letzte Gespräch werden. Und ich brauche sie doch so. Denke ich.
Das stimmt nicht. Aber in dem Augenblick, ist dieser Gedanke weit weg. Vernunft ist heute nicht meine Sache. Wie so oft. Viel zu oft. Ich nehme einen Schluck aus der Flasche, drücke den Knopf und rufe ein harsches „Ja!“ in mein gottverdammtes Handy. Ihre Stimme klingt recht sanft.
„Was ist denn los? Du hast ja 13 mal versucht anzurufen?“
Und ich fauche mehr, als das ich spreche. Ich sprühe eine Mischung aus Hass und Alkohol in das kleine Plastik-Ding in meiner Hand.
„Ich hab dich gesehen. Du bist ja wieder mit diesem Kerl weg. Oder etwa nicht? Was soll das?“
Ein Seufzen.
„Hör mal. Ich hab keinen Bock mehr auf die Scheiße. Das ist ein guter Freund und ich hab langsam echt keinen Bock mehr auf diesen Müll.…Wir gehen nur etwas tanzen.“ Ein Lachen ist im Hintergrund zu hören. Von mehreren. Naja, ich hatte ja gesehen, dass es mehrere waren. Und sie so aufgedonnert, geil, dazwischen. Lachend, mit sichtlichem Spaß.
„Ein guter Freund. Glaub ich dir nicht mehr. Mir reichts langsam!“
Wieder ein kurzes Seufzen. Lachen im Hintergrund steigert meine Aggression.
„Hör mal ich hab jetzt keinen Bock mit dir zu reden. Du bist besoffen. Wir reden morgen nochmal, okay?“
„Ach ja?“
„Ja!“
Sie legt auf. Handys kann man nur noch werfen, nicht mehr den Hörer auf die Gabel knallen. Das ging früher besser. Okay, das hätten wir erledigt. Ich versinke kurz in Selbstmitleid.
Wie kann man mich auch mögen? Aber habe ich das nicht selbst verursacht? Ich streiche den Gedanken. Meine Flasche ist noch halb voll. Was nun tun? Nach Hause, mag ich nicht. Das könnte übel enden. Ich habe nun alle Freiheiten der Welt. Ich bin mir selbst egal und will jetzt was erleben. Und wo kann man das besser, als im Rotlichtviertel?
Vielleicht finde ich ja eine neue Herzensdame und verwerfe den Gedanken schnell mit einem höhnischen Lachen. Ich bin stinkbesoffen, stinke vermutlich auch sonst. Und sehe aus wie der letzte Dreck. Vielleicht finde ich einen gottverdammten Zuhälter, der mir die Vernunft zurück in den Schädel kloppt. Nicht wie der Türke mit seinem gutgemeinten Versuch. Das Arschloch.
Ich laufe über den Strich und schaue mir die hübschen Mädels an. Heute hat selbst von denen keine einen Blick für mich übrig. Sonst winken sie mich schonmal an ihre kleinen Schaufenster. Wie Puppen sitzen sie dort, oder wie Hühner auf einer Stange. Eine neben der anderen und man kann sich die beste pflücken. Oder eine die bezahlbar ist. „Süßer, magst ein wenig Spaß haben?“ Das fragt mich heute niemand und heute sieht mein Spaß auch ganz anders aus.
Als der Vorrat in meinem Rucksack erschöpft ist, suche ich mir die dreckigere, von den beiden Spelunken am Strich aus. Der Laden stinkt nach abgestandenem Rauch und nur an der Bar sitzen vielleicht zehn, oder zwölf Leute. Alte Männer, heruntergekommen, wie der Laden selbst. Ich setze mich ebenfalls an die Bar neben einem tätowierten Vierziger, mit Bart. Sieht nach einem der Mottorradrocker aus. Oder wie ein vergilbtes Abziehbild davon. Bei der ebenfalls etwas in die Jahre gekommenen Bedienung, welche aber mit Einblicken in ihren Ausschnitt nicht geizt, bestelle ich mir ein Bier.
Für gewöhnlich werde ich ignoriert, egal wohin ich gehe. Diesmal nicht. Der Rocker mustert mich eine Weile. Schließlich fragt er mich. „Wo kommst du denn her? Hattest du ne Schlägerei!“
„Ja.“
Er lacht und bestellt mir das nächste Bier, bevor er fragt „Siehst ja aus, als hättest schon einen draufgemacht. Was ist denn passiert?“
Da ich nicht sofort wieder gehen will und wenig Lust auf Konversation habe, Lüge ich. Ich könnte natürlich sagen, mein Gegner war hundert Jahre alt und 2,50m groß. Haha! Scherz am Rande.. es war halt eine verfickte Mauer. Und dann noch ein Messer mit dem ich mich selbst bekämpft habe.
„Naja, da kam son Typ und wollte halt Ärger. Der hat gesagt, er will meine Freundin in den Arsch ficken.“
Er schaut mich zwar etwas merkwürdig an, aber zumindest die Schnitte am Arm kann er ja nicht gesehen haben.
„Und hast ihm auch eine geballert, oder er nur dich?“
Ich schaue auf meine Hände. Die Knöchel sind abgeschrammt und mit etwas Blut verkrustet. Ich hab nicht in den Spiegel gesehen, aber das sieht sicher nicht besser aus. Zumindest tut es dort etwas weh, wo ich in meinen Suff gegen die Wand geknallt bin, als ich erst auf einen Mülleiner und die Scheibe einer Haltestelle schlug. Oder das zumindest wollte. Irgendwie hat mich im Suff, das Gewicht meines Rucksacks umgerissen. Ich dachte erst Zähne eingebüsst zu haben. Aber wenigstens die waren noch fest und sahen wahrscheinlich beschissen wie immer aus, wenn ich auch ein wenig Blut gespuckt habe.
„Ich hab ihn verdroschen und liegen lassen.“
Der Rocker lacht abermals und wir wissen Beide, dass es eine Lüge ist. Dann kommt er wohl zum wesentlichen, warum er mich wohl überhaupt angequatscht hat.
„Wenn Du ein bisschen fitter werden willst, hätt ich hier was für dich. Ich mach dir nen Freundschaftspreis für das erste mal.“ Und nimmt dabei zwinkernd meine dürren Schultern fest in kumpelhaften Griff.
Ich grinse ihn doof an und winke ab. Das ist nicht mein Ding. Aber andererseits. Ist das nicht die Nacht der Nächte? Habe ich nicht gerade die Dame verloren, die ich zu meinem Lebensinhalt gemacht habe? Blödsinn, das habe ich schon mehrmals.
Ich saufe mich manchmal bis zur Besinnungslosigkeit, bade in Selbstmitleid. Und schneide mir die Arme auf, wenn ich noch tiefer in der Scheiße baden will. Immer wieder. Was hält mich noch ab von den Drogen? Was ist schon ein Rausch? Versinken in eine andere Form der Realität? Und was ist schon Realität? Etwa, das was wir wahrnehmen? Habe ich mir nicht gesagt, jede Erfahrung vor meinem Tod mitnehmen zu wollen?
Es sind sicher zwei Bier vergangen. Ich weiß es nicht. Ich schaue stumpf in mein Bier. Und dann hält mich nichts mehr. Letztendlich kaufe ich dem Rocker ein Gramm Pep ab. Der Preis ist annehmbar. Im Vergleich zu Koks zumindest. Immerhin kannte ich mal einen, der da tief drin steckte. Ich weiss, wie der Hase läuft. Augenzwinkernd wünscht mein Dealer mir viel Spaß. Arschloch.
Auf dem Klo, bastele ich ein Röhrchen aus einem 5er und sauge die kleine Pulver-Linie durch die Nase ein. Natürlich nicht alles. Die Hälfte mag`s gewesen sein. Es riecht nach Backpulver aber brennt fürchterlich und ich glaube erst niesen zu müssen, kann mich aber zusammenreißen. Ich gehe wieder raus und es läuft mir brennend die Kehle runter und hinterlässt einen widerlich chemischen Nachgeschmack im Mund. Bah! Ich trinke mit Lust die Pisse meiner Freundin, aber das hier ist widerlich!
Whatever. Nach einem weiteren Bier und netten Worten suche ich das Weite. Ich gehe nochmal über den Strich und irgendwann am Ende der Straße, fühle ich mich nüchtern. Ich fasse neue Kraft, fühle mich plötzlich sicher. Nichts kann mir geschehen, ich kann machen was ich will. Nur wer alles verloren hat, ist wirklich frei. Und ich werde hibbelig. Ich muss etwas machen.
Geil! Denke ich mir. Deswegen wird man also süchtig danach. Diese Droge ist für Leute wie mich gemacht. Die sonst nicht das Maul aufbekommen und nicht können wie sie wollen. Ich spüre keine Schmerzen mehr und bin getrieben von Erlebnis-Hunger. Aber was tun? Ficken? Warum nicht? Das ist doch nie verkehrt.
Also gehe ich zu dem nächsten Fenster. Eine schwarze, nicht ganz schlanke und nicht ganz junge Dame öffnet das Fenster. Sie spricht mit einer wunderschönen Stimme. Ihre Stimme ist viel attraktiver, als ihr Äußeres. Ich schließe die Augen als sie sagt…
„Honey, was ist denn mit dir passiert?“
Ach ja, verdammt. Ich seh ja aus, wie nach ner Kneipenschlägerei.
„Eine kleine Schlägerei gehabt. Nix wildes. Kann ich reinkommen?“
Kurz überkommt mich ein schlechtes Gewissen, weil ich weiss dass diese Damen es mit jedem treiben müssen.
„Oh, poor boy. Klar, komm rein.“
Sie zeigt kurz auf den Eingang und… ach scheiß drauf… Um eine lange Geschichte kurz zu machen, ich habe sie gefickt, aber hatte nicht mehr das Geld um sie zu bezahlen. Ich saß, also in ihrem Zimmer und wühlte in meinem Portemonnaie. Und, heilige Scheiße! Ich hab meinen Drogen-Kauf verplant. Und vielleicht auch das ein oder andere Bier. Genug Stoff im Blut, aber nun nix mehr inner Tasche. Shit!
„Probleme, Süßer?“
Oh ja… Da gibt’s auch nichts mehr zu wühlen und es dauert nicht lange, bis ein bulliger Typ im Zimmer steht, der dem Rocker aus der Bar reichlich ähnlich sieht. Er ist nicht gut aufgelegt. Ich auch nicht. Gut dass, ich mich hastig angezogen habe, denn er wartet nicht lang, bis er mich rausschleift. Er Packt mich an den Schultern und drückt mich durch das Treppenhaus. Ich wehre mich nicht.
„Du willst nicht zahlen?“
„Doch, doch, ich hab nur nichts mehr mit.“
Am Ende sind wir im Hinterhof, des Puffs. Ich und der Typ. Mir magerer Erscheinung, haushoch überlegen. Aber die kleinen synthetischen Erfüllungsgehilfen, lassen mich noch immer große Klappe haben.
Die Kante spricht: „Du bist wohl einer von denen, bei denen einmal Schläge am Tag nicht genügen!“
„Leck mich doch.“
Bam! Ein Fels knallt auf meinen Schädel. Oder ist es ein Meteorit? Das könnte sein. Wenn jemanden Gottes strafende Faust trifft, dann bin ich es wohl, der es verdient hat. Und dann wird auch die Erinnerung schwammig. Ich gebe dem Riesen mein Handy, meine Silberkette, meinen Schlüssel. Die Nase blutet ordentlich. Praktisch, dass ich eine Vorliebe für schwarze Kleidung habe. Und erst dann fällt mir der rettende Vorschlag ein! Ich habe doch meine Karte im Portemonnaie. Ob er nicht mit will, zum Geldautomaten, frage ich.
„Warum nicht gleich so, Du Pennner? Warum muss man Euch das Geld immer erst aus dem Arsch prügeln?“
Ja, du Fucker, denke ich. Da hättest du doch eher nach fragen können. Aber er hat natürlich Recht. Wie dumm oder dicht muss man sein um überhaupt ohne Geld in den Puff zu gehen?
Ich gebe keine Antwort und denke wen meint er eigentlich mit „Euch“?. Anscheinend gehöre ich zum Tagegeschäft. Wir gehen raus und er nimmt einen Kumpel mit, der nicht weniger bedrohlich aussieht. Die Fahrt zum Geldautomaten dauert gerade mal 2 Minuten. Ich steige aus, wanke zum Geldautomaten. Ich fühle mich nicht mehr betrunken, aber geprügelt, gebrochen. Die Jungs haben mich wissen lassen, dass sie eine "Aufwandspauschale" erwarten und mir ist es egal.
Ich hebe also 500 EUR ab und bin damit bei einem Soll von irgendwas um tausendneunhundertsoundso angelangt. Ich fands immer nett, dass mir die Bank diesen Kredit zutraut.
„Hier!“
Sage ich und reiche den einem die Geldscheine. Etwas weiter stehen einige Passanten, die sich interessiert, vielleicht auch erschrocken, die Szene ansehen. Ich gebe den beiden Muskelmännern in ihrer beschissenen Luxus-Karosse die Scheine.
Es ist die Verstärkung des ersten Typen, der die Scheine annimmt. Er boxt mir in den Magen und der Schlag reicht aus um mich auf den Gehsteig zusammenkrümmen zu lassen. Wahrscheinlich nur ein nett gemeinter Abschieds-Punch.
„Beim nächsten mal, zahl sofort!“ Sagt die Sau, als ob er jeden Tag dasselbe tut.
Sie werfen mir mein Handy , Schlüssel und meine beschissene Halskette auf den Leib, bevor sie in ihre Luxuskarosse steigen und gemächlich davon fahren.
Einer der Beobachter traut sich nun näher.
„Hey, alles in Ordnung? Wurden sie ausgeraubt?“
Er schaut besorgt. Sieht der nicht, dass die mir meinen Kram zurückgegeben haben?
„Fick Dich, du Arschloch“ sage ich, mich immer noch am Boden windend.
Er schaut irritiert und beleidigt. Denkt sicher „Scheiss Junkie“ oder sowas, als er sich endlich verpisst. Ich bleibe liegen. Die Schmerzen lassen nach. Übelkeit macht sich breit. Was nun? Ein paar Meter weiter liegt ein Park. Ich gehe dorthin und lege mich auf eine Bank, möchte schlafen. Nur noch schlafen. Leer im Geist, leer im Verstand. Nichts neues heute.
Ich weiss nicht wie lange ich dort liege. Ob ich einschlief, keine Ahnung. Es ist das Klingeln meines Handys, das mich in die Wirklichkeit zurückholt. Sie. Soll ich abnehmen? Ich kann mich nicht entschließen. Tränen fließen mir über die Wangen, aber ich habe Angst abzunehmen. Das Klingeln verstummt.
Ach, wenn ich doch nicht so ein Arschloch wäre. Dann könnte ich an das Telefon gehen, könnte ruhig mit ihr reden. Ich würde mich mit ihr treffen, wir würden uns vertragen und dann würde ich in ihren Armen liegen. Nichts erscheint mir in dem Moment schöner. Nichts intensiver, als diese Vorstellung, diese Sehnsucht.
Die gewohnte Sehnsucht nach Normalität. Nach einigen Minuten klingelt es erneut. Ich fasse all meinen Mut und gehe ran. Diesmal ist meine Stimme nicht mehr aggressiv, eher erbärmlich, schluchzend, unsicher.
„Ja…?“
„Hey. Ist alles in Ordnung.“
Nein.
„Ja.“
„Hör mal, du musst dir nicht immer so Gedanken machen. Da ist wirklich nichts. Aber Du machst mich langsam fertig.“
Sie zögert, ich sage nichts. Weine leise, für sie nicht hörbar. Sie scheint selbst um Fassung zu ringen.
„Ich komme damit langsam nicht mehr klar. Immer wenn ich mal weggehe, rastest du voll aus. Und du willst ja selbst nichtmal mit. Was soll ich machen? Vertrau mir wenigstens mal….Ist wirklich alles in Ordnung?“
Ein wenig schluchzen ist zu hören. Ich höre die Sorge. Und dann weiß ich wieder nicht, was genau mich reitet. Ich sage nicht mehr als…
„Fick dich!“
Und knalle einen imaginären Hörer auf eine imaginäre Gabel. In diesem Augenblick habe ich alle Leinen gekappt. Das ist der gottverdammt beste Abend den ich je hatte.
Der Extremste.
Der Übelste.
Der Entwürdigenste.
Hinter dem Park gibt es eine Brücke, auf der ich oft schon stand. Ich schleiche dahin. Mein Handy klingelt wieder. Wieder sie, aber ich gehe nicht mehr ran.
Langsam dämmert der Morgen, die Natur erwacht. Ich fühle mich inzwischen verkatert. Schlimmer als je zuvor. Habe das Gefühl mein Schädel explodiert gleich. Scheiß Drogen! Ich stehe auf der Brücke. Die Aussicht ist schön. Unter der Brücke liegt eine Straße, vielleicht zwanzig Meter. Links und rechts davon stehen Bäume. Kein Verkehr. Mein Handy klingelt immer wieder, ich werfe es endlich weg.
Ich setze mich unbeholfen auf das Geländer. Ob es wohl reicht? Ist es tief genug um mich umzubringen? Oder reicht es nur um zukünftig im Rollstuhl sitzen zu müssen? Wie ist das wohl, mit so einem Leben, im Rollstuhl? Warum habe ich es beim letzten mal nicht schon getan? Ich schließe die Augen, lege den Kopf in den Nacken und atme tief die frische Morgenluft ein.
Es hat etwas Idyllisches. Alles ist so ruhig. So natürlich. So, in aller Ruhe… hat es etwas Versöhnliches. Es erscheint schön. Kann mich das halten? Nein. Ich bin zu verworren. Ich bin krank. Ich bin zur Einsamkeit verurteilt. Aber soll das ein Grund zum Sterben sein? Ich nehme meine Hände vom Geländer und fühle mich frei. Die Augen immer noch geschlossen. Den Kopf immer noch in den Nacken. Ich treibe in der Schöpfung. Frei! Ich hab mich selten so befreit gefühlt. Ich spüre den sanften Wind, der kühl weht. Der mir über die Haut fährt. Diese kühle klare Luft, die sich in meinen Lungen mit dem schäbigen Nachgeschmack von zu viel Alkohol vermischt.
Ich habe wieder viel zerstört an diesem Abend. Ich schäme mich. Aber reicht die Scham um mich zu töten? Kann ich nicht ganz neu anfangen?
Mit einem neuem Psychiater, neuen Willen und wiederholten Vorsätzen? Habe ich mir beim letzten mal nicht gesagt: auch schlechte Erfahrungen, auch Schmerzen sind Erfahrungen, die man als Toter nicht mehr machen kann? Und der Tod kommt ohnehin. Früher oder später.
Ein paar Tränen , fließen mir an die Mundwinkel. Salzig. Ich muss kurz an den Türken denken? Was hätte er wohl gesagt? Vermutlich, dass man Respekt vor dem Leben haben soll. Und was hätte ich gesagt? Dass ich über mein Leben entscheide?
Aber was tue ich? Ich reiße die Leute um mich rum mit. Ich weiss nicht, warum mich manche Menschen mögen, aber es ist tatsächlich so. Mitleid? Kann sein.
Ich höre das Klingeln meines Handys. Es muss irgendwo im Gebüsch seitlich der Strasse liegen. Irgendwo rechts. Was hat sie mir wohl zu sagen? Macht sie sich Sorgen? Bestimmt. Sie hat das oft gesagt.
Ich schwanke zwischen dem Sturz, der hoffentlich auch den Tod bedeutet und der Alternative. Sich entschuldigen. Mal wieder. Das Klingeln des Handys zieht mich zurück, es hält mich fest auf dem Geländer. Es ist wie ein Ruf. „Bleib!“
Und vielleicht „Ich hab Dir was zu sagen.“
Und dann die Angst, die einem immer befällt. Ich habe nie Angst vor dem Tod. Außer, ich stehe gerade an der Schwelle. Das Handy läutet erneut… lange.
Es ist hell inzwischen. Vögel zwitschern. Meine Tränen fließen lautlos, und der Druck in meinem Schädel, ist kaum zu ertragen. Ich schwanke zwischen Ekel und Leidenschaft. Ein Fall nach hinten oder vorn. Ich lasse mich treiben vom Wind. Und dann falle ich.Geändert von elcucuy (20. 09. 2011 um 00:05 Uhr)
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20. 09. 2011, 20:04 #2
Re: [eigenes Geschreibe] Letzter Samstag
Ich finde dass du die für die Kurzgeschichte typische Charakteristik (offener Anfang/offenes Ende) schön implementiert hast. Obwohl es teilweise unfreiwillig komisch ist ("Okay, das hätten wir erledigt. Ich versinke kurz in Selbstmitleid."), hast du die innere Leere des Protagonisten gut dargestellt. Mir persönlich gefällt das Ende nicht, aber nicht wegen des Stils, sondern wegen des Inhalts. Und der bleibt schließlich dir überlassen, da hab ich nix zu kamellen. Auch wenn der Text nicht ganz mein Geschmack ist, habe ich daran nichts auszusetzen.
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21. 09. 2011, 20:52 #3chaotic evil
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Re: [eigenes Geschreibe] Letzter Samstag
Danke für Deine Rückmeldung.

Die unfreiwillige Komik, sollte einen gewissen Sarkasmus unterstreichen. Dachte ich mir währende des Schreibens zumindest. Aber wie mans auch liest, ich finde es schadet nicht.
Eine Geschmacksfrage ist es in jedem Fall. Mir selbst geht es so, dass ich in einer bestimmten Laune sein muss, um sie mir überhaupt nochmal durchzulesen.


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