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  1. #1
    chaotic evil
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    Standard [eigenes Werk / Kritik erwünscht!] Celine

    Die folgende Geschichte, habe ich diese Woche geschrieben. In Word sind das so ca. 11 Seiten, also müsst ihr euch schon 10 Minuten Zeit nehmen.

    Zumindest, wenn euch komische Szenen, vulgäre Worte und ein wenig schwarzer Humor, nicht sofort abschrecken. Außerdem ist die Formatierung hier etwas verloren gegangen. Ich hoffe so gehts.

    Ich weiß nicht, ob man merkt, daß ich ein paar Hintergedanken bei der Story hatte. Aber vielleicht ist sie auch einfach so unterhaltsam. Oder auch nur Scheiße

    Bin jedenfalls für jede Art von Response dankbar.

    Spoiler: 


    Celine

    Als die Nacht sich in die Straßen schlich, war Celine auf dem Rückweg von einer Schulfreundin. Es war spät geworden, aber ein lohnender Tag immerhin. Voller Freude auf das heimische Bett verließ sie die viel befahrene Hauptstraße und bog in eine schmalere Seitengasse.

    Den Mann, der sich von hinten näherte bemerkte sie erst, als er direkt hinter ihr stand. Überrascht drehte sie sich um, während der Mann bereits nach ihrer Schulter griff, sie packte und an die Hauswand drückte. Er presste ihr die Hand auf den Mund und erstickte damit Celines reflexhaften Schrei.
    Er hatte lange Haare, einen ungepflegten Schnurbart und trug eine Lederjacke. Er war ziemlich dürr, aber stärker als die junge Celine allemal. Ihr wurde übel als der Typ ihr ein „Kschhhhh!“ ins Gesicht fauchte und ihr ein Gestank von Fusel und schlechten Zähnen in die Nase stieg. Als sie versuchte ihn wegzudrücken, drängte er sich nur fester an sie.
    „Kschhhh!“ Bis sie schließlich ruhig blieb und ihre Augen sich mit Tränen füllten.

    „Ganz ruhig Kleine! Ich tu dir nichts, gib mir nur dein Geld und dein Handy.“
    Dann nahm er ihr die Hand vom Mund. Trotzdem blieb Celine ruhig und bebte nur schluchzend. Als der schmuddelige Lump es zuließ, begann sie in ihrer Tasche zu kramen. Sie bekam das Portemonnaie in ihrer Tasche zu fassen und versuchte unauffällig die Scheine daraus zu klauben. Es ging nicht. Der Typ merkte es.
    „Hey, du Schlampe so nicht!“
    Es folgte eine Backpfeife, die in der Gasse noch nachhallte. Celine schrie auf, woraufhin er ihr wieder den Mund zuhielt.
    „Okay, du kleines Dreckstück. Vergiss es, gib mir die Tasche.“
    Sie wehrte sich nicht weiter. Als er die Tasche an sich gebracht hatte, drückte er sich wiederholt an sie um ihr einen ekelhaften Kuss auf den Mund zu pressen. Sein Kuss traf sie an der Wange.

    „Glück gehabt Pussy! Mehr will ich heute nicht.“ hauchte er ihr mit unterdrücktem Lachen ins Ohr.
    Dann war er weg und Celine sackte schluchzend an der Hauswand zusammen.

    Julian sah sich nicht um. Er machte sich schnell und unauffällig aus dem Staub. Ging ab der nächsten Ecke langsamer und verbarg die Mädchentasche unter seiner Jacke. Sein Weg führte ihn zu einem schäbigen Appartement in einer verruchten Gegend. Dort angekommen konnte er endlich seine Beute in Augenschein nehmen. Seine Freude hätte kaum größer sein können. Na, das hat sich ja mal gelohnt. Ein Grund zu feiern. Die Tasche warf er achtlos weg, den gesamten Inhalt nahm er an sich. Er nahm alles gründlich in Augenschein, denn er fand es sehr spannend etwas über seine Opfer zu erfahren. Und er betrachtete die Utensilien nicht nur. Er befühlte sie, roch daran und ließ seiner Phantasie freien Lauf.

    Er sah auf den Ausweis. Sie zählte also 16 Jahre und benutze Tampons der kleinsten Größe. Der Gedanke erregte ihn. Ansonsten fand sich dort ein Fläschchen rosafarbenen Nagellacks, zwei Lippenstifte, Taschentücher und ein Pfefferspray, das heute seinen Dienst nicht erfüllen durfte.
    Julian lächelte und dachte sich, was für ein Dummerchen sie doch war. Sweet. Ein Handy war nicht dabei, aber die überraschend große Menge Bargeld, glich die Enttäuschung aus.

    Er packte alles zusammen und warf die Gegenstände in eine Kiste unter dem Bett, in der sich bereits diverse Beutestücke anderer Gelegenheiten stapelten. Hin und wieder holte er die Sachen hervor und machte sich süße Gedanken über die ehemaligen Besitzer.
    Besondere Freude bereitete ihn der Gedanke, dass er nun auch ihren Wohnort kannte. Dann holte er sich ein Bier aus dem Kühlschrank und öffnete es, trank ein wenig und schaltete zwischen langweiligen und langweiligeren TV-Kanälen hin und her.
    Er hatte Lust bekommen und dachte die ganze Zeit an das Mädchen. Daran wie er sich an sie drückte und nebenbei streichelte er die Beule, die sich in seiner Hose abzeichnete.

    Sicher wäre es eine gute Idee das Geld etwas einzuteilen. Aber, der Lust sofort nachzugeben hatte einen größeren Reiz. Es war mittlerweile später Abend, als er sich auf dem Weg machte um sich Befriedigung zu verschaffen. Sein Ziel war das Bordell in der Stadt.
    Dort angekommen begutachtete Julian das Angebot, welches sich in kleinen Schaufenstern präsentierte. Vor dem Fenster einer atemberaubenden Schönheit blieb er schließlich stehen.
    Sie sah sehr jung aus, wenn auch nicht ganz so jung wie Celine, die seit einigen Stunden seine Gedanken beherrschte.
    Die Nutte öffnete das Fenster und sprach den Typen, der sie nun schon eine halbe Minute anstarrte, an.
    „Hey, willst du nur gucken, oder vielleicht auch reinkommen.“
    Julian kam dicht an das Fenster.
    „Ja, sicher will ich reinkommen.“
    Er öffnete seine Börse, ließ sie ein paar Scheine sehen.
    „Was bekomme ich denn dafür?“
    Sie lächelte.
    „Oh Baby, da hast du drei Wünsche frei. Komm rein und lass mich deine Genie sein.“

    Bei dem zweiten Wunsch hockte sie zwischen seinen Beinen vor dem Bett und bearbeitete ihn mit dem Mund, während er zurücklag, die Augen geschlossen und vor Lust stöhnend.
    Mit einigem Geschick wühlte sie mit der rechten Hand lautlos in dem Berg Klamotten, der achtlos über einem Stuhl neben dem Bett geworfen war. Sie fingerte die restlichen Scheine aus der Tasche und schob sie unter das Bett, bevor sie dazu überging Julians dritten Wunsch wahr werden zu lassen.
    Und das war eine traumhafte Nummer, an die Julian sich noch lange erinnern würde und die im Grunde fast das ganze Geld wert gewesen wäre. Nach dem Beglückungsritual ließ sich Julian wenig Zeit, zog sich rasch an und man verabschiedete sich nicht unfreundlich voneinander.

    Aline eilte zu ihrem Bett sobald die Tür geschlossen war. Verdammt, wo hat dieser widerliche Freak nur so viel Kohle her? Vielleicht ein Dealer? Hoffentlich kein Junkie. Sie schüttelte sich bei dem Gedanken, was dieser Typ alles an Bazillen an, auf und in ihr abgeladen haben könnte. Aber waschen konnte sie sich erst zu Hause, denn nun galt es erst einmal den Feierabend einzuläuten, bevor der Spinner sein Unglück bemerkte und zurück kommen würde.
    Sie ordnete in aller Eile das Bettzeug und versprühte etwas Raumspray. Dann hinterließ sie ihrer Kollegin noch eine Notiz, dass sie weg müsse und sie entschuldigte sich, ihr das Zimmer in diesem Zustand überlassen zu müssen.

    Aline lief zu ihrem Chevrolet und brauste in gewohnt rasantem Fahrstil davon. Auf einer Landstraße hielt sie in einer Parkbucht. Sie verriegelte die Türen und sah sich um. In der Dunkelheit, war weder ein Auto, noch sonst ein Zeichen möglicher Beobachter auszumachen. Trotzdem ließ sie den Motor laufen.
    Sie war eine vorsichtige Frau, was ihr schon mehrfach das Leben gerettet hatte. In ihrem Job lernte man schnell. Dann kramte sie das Päckchen Geldscheine hervor und zählte es durch.
    Der steigende Betrag, ließ ihr Lächeln immer breiter werden und gipfelte am Ende in einem freudigen Jauchzen. Verdammt, was für ein Glück! Partytime! Nach sehr kurzer Überlegung, wusste sie wie der Verdienst am besten zu investieren wäre. Sie griff nach ihrem Handy und wählte eine Nummer, die unter ‚Noir‘ abgespeichert war. Es klingelte lange, bis das läuten endlich erhört wurde.

    „Hey, hier ist Aline. Ich brauche heute noch was. Kann ich noch vorbeikommen?“ Die Freude in ihrer Stimme war kaum zu überhören und ihre Frage wurde positiv beantwortet.
    „Super, ich komme sofort vorbei. Bis gleich.“
    Endete das kurze Gespräch. Mit quietschenden Reifen und einem elegantem Drift, wendete sie den Chevrolet und raste in Richtung der westlichen Vororte. Ihr Ziel war in der Stadt allgemein bekannt und von zweifelhaftem Ruf. Die Villa Dignidad lag etwas abgelegen und trotz des hohen Tempos, brauchte sie fast 50 Minuten.

    Dort angekommen, fuhr sie durch den Torbogen auf dem der Schriftzug der Villa Dignidad breit über dem Tor prankte.
    Aline stellte den Chevrolet auf dem Hof ab. Der Motor knisterte leise nach der Tortur. Nur zwei weitere Wagen waren auf dem Hof abgestellt, was vermuten ließ, dass die Lady heute keine ihrer berüchtigten Partys feierte. Sehr gut. Dann würde ihr nichts dazwischen kommen.
    Aline betätigte die Schelle und es dauerte endlos lange, bis endlich jemand öffnete. Es war die Lady persönlich.

    „Hey, Sweetheart! Da warst Du aber fix.“ begrüßte Lady Noir sie, mit einem Lächeln, dass ihre männliche Kundschaft sicher nie zu sehen bekam.
    Nach kurzer, herzlicher Umarmung betrat Aline die Villa. Die Lady geleitete sie in die Wohnhalle. Ein imposanter Raum in dem sich mehrere elegante Sitzecken um kleine, nicht minder elegante, Tischchen fügten. Im Hintergrund lief eine klassische Musik, die Aline aber nicht benennen konnte. Auf dem Tisch standen bereits zwei, mit Wein gefüllte Gläser. Die Lady hatte Stil, dass, musste Aline anerkennend zugeben.
    ast hätte sie den Mann in der Ecke nicht bemerkt und sie zuckte erschrocken zusammen, als sie ihn erblickte.

    „Verdammt, was ist das denn?“ sagte sie irritiert und angewidert mit einem Blick auf den fetten, nackten alten Mann, der auf allen Vieren in der Ecke kauerte und mit einer Hundeleine an einem Gitter vor dem Kamin fixiert war.
    Er blickte zu den beiden auf. Mit seinem fetten Leib mit reichlicher, bereits ergrauter Körperbehaarung, bot er keinen schönen Anblick. Und dennoch fügte er sich irgendwie in die Ästhetik der Villa ein. Die Lady lachte auf und genoss Alines erschrockenen Blick mit sichtlicher Freude.
    „Das ist mein Köter, Ist er nicht süß?“ sprach sie immer noch lachend. „Zwar etwas alt, stinkig und ziemlich dumm, aber gut dressiert immerhin.“
    Sie näherte sich dem Kerl und herrschte ihn an.
    „Mach Wuff, Drecksköter!“
    „Wuff!“ erwiderte der alte und versuchte offensichtlich wie ein treuherziger Hund zu schauen, der die Gemeinheiten seiner Herrin nicht versteht. Dann hechelte er auch noch und nun musste auch Aline lauthals lachen.

    „Komm setzen wir uns.“ Forderte die Lady ihren Gast auf. „Erzähl mir, wie es Dir geht.“

    „Wunderbar, ich habe heute einen wirklichen Glücksgriff gemacht.“ Sagte die lächelnde Aline, erfreut über ihre treffliche Wahl der Worte. „Ein wirklich lohnender Tag.“ fügte sie hinzu.

    „Was musstest du dafür tun? Erzähl mir alles.“ erwiderte die ebenfalls lächelnde Lady.

    „Nicht mehr als sonst auch. Das ist ja das Glück daran!“ Beide tranken einen Schluck Wein. Dann holte die Lady einige Hundecookies aus einer Schale auf dem Beistelltisch und warf sie ihrem Hund vor die Schnauze. Beide lachten, als dieser sich mit Begeisterung darauf stürzte und seine Leckerchen gierig verschlang. Dann warf auch Aline einige Cookies dem Hund zum Fraße vor. Alle waren von wahrer Freude erfüllt.

    „Komm her, du räudiger Köter.“ rief die Lady den alten Hund zu sich. Dieser setze sich mit dem Gegenteil von Eleganz in Bewegung und trabte soweit heran, wie es die Leine zuließ. Dann hielt sie ihm die Lederstiefel dicht vor die Schnauze. „Komm! Leck schön sauber, alter Flohfänger.“
    Er begann die Stiefel gierig zu lecken bis seine Erregung kaum zu übersehen war. Dann stieß die Lady ihn mit einem heftigen Tritt von sich und der Köter kroch winselnd auf seinen Platz in die Nähe des Kamins zurück. Der Wein tat langsam seine Wirkung und die beiden Ladys lachten mit ungehemmter Freude über den Köter, über das Leben und die ganze verdammte Welt.

    „Wo bekommt man so einen her? Ich will auch so einen!“ sagte Aline immer noch lachend.
    „Oh, sie laufen überall herum. Man erkennt sie nur nicht immer gleich. Er ist mir hinterhergelaufen und hat gebettelt. Ich musste nichts dafür tun. Im Gegenteil, zahlt er mir noch dafür.“

    Sie warf einen weiteren Hundecookie in seine Richtung.
    „Natürlich zu Recht, schließlich muss ich den ja noch füttern und eigentlich ist er zu nichts zu gebrauchen.“
    Sie stand auf, und gab ihm einen Stiefeltritt in die Seite.
    Der Hund jaulte laut auf und zog sich winselnd auf seinen Platz zurück.
    Dann hockte sie sich über den Hundenapf und pisste hinein. Der Hund begann zu trinken.

    „Ich freue mich sehr über deinen Besuch, aber du bist ja nicht nur deswegen hier.“
    Die Lady verließ den Raum und kehrte eine halbe Minute später zurück.
    Sie legte einige Tütchen auf den Tisch.
    „Wieviel möchtest Du? Das ist bester Stoff. Also sei vorsichtig und strecke es, wenn du nicht soviel verträgst.“
    „Gib mir drei. Ich denke, das wird eine Weile reichen.“
    Aline holte das Geld aus der Tasche und gab es Lady Noir. Dann blickte sie auf den Hund.
    „Was ist mit ihm? Wird er ruhig sein?“
    Die Lady grinste finster.
    „Sei unbesorgt. Den hab ich fest in der Hand.“
    Dann testen beide das gute Koks und waren zufrieden mit der Wirkung. Die Flasche Wein war im nu geleert und für Aline war es an der Zeit sich zu verabschieden.
    Als sie aufstanden, schaute Aline erneut den Hund an.
    „Und er wird auch wirklich dicht halten?“
    „Pass auf.“ Sagte die Lady, öffnete eine Schublade und holte einen Revolver heraus. Dann zielte sie auf den Alten. Er hob die Vorderpfoten und blickte seine Lady mit traurigen Augen an.

    „Du Drecksköter. Du nervst mich langsam. Nichts als Dreck und Scherereien machst du mir.“
    Der Hund schaute nun mit seinem herzzerreißenden Hundeblick, bevor ihn der Schuss traf und er tödlich getroffen zusammensackte. Die beiden Ladys lachten laut auf. Dann verließen sie den Raum zum Abschied.

    Als Lady Noir allein in ihr Wohnzimmer zurückkehrte, blickte sie fast traurig auf den Hund, der jetzt nur noch ein widerlicher Haufen Fleisch war. Die Musik stellte sie ab und nahm sich etwas Hochprozentiges aus ihrer Hausbar.
    Sie füllte ein Glas zur Hälfte und goss es mit einem Schluck herunter. Dann stellte sie das Glas beiseite und trank aus der Flasche.
    Sie blickte auf das Blut, dass ihren schönen weißen Teppich besudelte und dachte kurz daran, wenigstens das Blut wegzuwischen. Sie verwarf den Gedanken aber schnell wieder. An diesem widerlichen Ding, würde sie sich nicht selbst die Finger schmutzig machen wollen.
    Ihr kam nur eine Person in den Sinn, die in ihrer Lage behilflich sein könnte und der Gedanke an ihn, war mehr als unangenehm.
    Im grauen Morgen, bei der zweiten Flasche Schnaps fiel ihr immer noch keine bessere Lösung ein. Es half nichts. Sie würde ihn anrufen müssen.
    Sie nahm zum tausendsten Mal in dieser Nacht das Telefon in die Hand und überwand sich diesmal zum Wählen der Nummer. Es klingelte lange. Wie spät war es eigentlich? 5:58 morgens. Eine unmögliche Uhrzeit. Er würde allein deswegen schon ausrasten. Schließlich ertönte eine verschlafene Stimme aus dem Hörer.

    „Hallo?“
    „Herr Vater… ich…“ Ihre Stimme brach. Mehr brachte sie nicht hervor.
    „Constance? Bist Du das? Weißt du eigentlich wie spät es ist?“
    „Ja… es tut mir Leid. Mein lieber Herr Vater… ich…“
    „Was zum Teufel willst Du? Es gibt nur einen Grund, warum Du dich meldest. Immer nur dann, wenn Du dich ordentlich in die Scheiße geritten hast! Außerdem kann ich deine stinkende Fahne bis hierhin riechen! Also hör auf mit dem Gestammel und rück mit der Sprache raus!“
    „Es tut mir Leid, mein lieber Vater, ich brauche Deine Hilfe.“
    Ihre Stimme klang kläglich.
    Der Vater grollte. Seine Schimpftiraden nur unterbrochen von Constance`s beichte. Nach und nach, konnte sich der Vater ein Bild von der Situation machen. Auch was Constance verschwieg, entging ihm nicht.
    Ein schlechter Mensch mochte er sein, doch dumm sicherlich nicht. Nachdem ungefähr eine Stunde verging, traf der Vater ein. Nicht der Weg hemmte die Zeit, aber es galt noch einiges Equipment zu besorgen, dass zu einer Lösung des Problems beitragen würde. Und nicht nur das. Der Vater kam zusammen mit einem seiner Arbeiter. Ein muskulöser Mann, mit einigen Tattoos auf den Unterarmen.

    Karl Mader führte ein mittelständiges und mäßig erfolgreiches Bauunternehmen. Seine Arbeiter, allesamt harte Hunde, führte er mit rigider Hand. Wer nicht kuschte, musste mehr als eine Kündigung fürchten.
    Mit seinem Handlanger betrat er die Villa Dignidad, das Hurenhaus seiner Tochter. Es störte ihn wenig, dass seine Tochter eine erfolgreiche Domina war. Vielmehr zürnte er über die ständigen Eskapaden und die Aufmerksamkeit die sie damit auf sich, und auch auf ihn zog.
    Diesem Ärger machte er sich nach Betreten der Villa Dignidad lauthals Luft, ohne sich weiter an seinem Handlanger zu stören, der weder Augen noch Ohren zu haben schien und sich ausschließlich um die Beseitigung der Leiche kümmerte.

    „Du dreckige kleine Schlampe! Was ist das für eine gottverdammte Scheiße?!“
    Mit hochrotem Kopf deutete er auf die abstruse Szenerie. Ein alter, dicker Mann, der angeleint und leblos neben einem Töpfchen voller Pisse lag.
    „Was zum Teufel treibst du hier überhaupt du verzogenes kleines Stück Scheiße! Was hat mich dazu gebracht Dich zu zeugen? Selbst mit fünf Promille und der geilsten Frau, wäre es das nicht Wert!“

    Constance erwiderte kaum etwas. Hin und wieder brachte sie ein „Ja, Herr Vater“ oder ein „Es tut mir so Leid“ hervor. Niemals würde sie sich die Blöße geben und weinen. In ihrem Blick mischten sich Zorn, Trauer und Scham.
    Aber das hatte sie zu ertragen. Wie ihr ganzes Leben schon. Allein der Gedanke, dass es bald auch wieder vergangen sein würde, hielt sie aufrecht. Aufrecht, wie es sich einer Lady Noir geziemt.
    Und nach etwa einer Stunde war es dann auch vorüber und Mader und sein Gehilfe verließen die bereinigte Villa Dignidad. Der Gehilfe steuerte den Kastenwagen, mitsamt fluchendem Chef und Constances Haustier, zur Baustelle.
    Die Beseitigung der Leiche an sich stellte Mader weder vor ein großes Problem, noch war es eine Besonderheit.
    Es war immerhin sein erfolgreichstes Geschäft, von Zeit zu Zeit die Entsorgung, manchmal auch die Besorgung, von Menschen zu organisieren. Je nachdem, was von ihm verlangt wurde. Und diese Aufgaben erledigte er regelmäßig gut und zuverlässig. Auch der tote Hund würde ein friedliches Grab in dem Fundament eines großen Gebäudes finden.
    Mader war sich der ungestörten Ruhe des Toten sehr sicher.
    Der Wagen hielt vor einem der Container auf Maders größter Baustelle. Die Arbeiter gingen bereits eifrig ihrer Arbeit nach und legten noch einen Zahn zu, sobald sie die Anwesenheit des Tyrannen bemerkten. Den Gehilfen wies er an, sich um eine ordentliche Beseitigung der Leiche zu kümmern, nicht ohne ihn wissen zu lassen, dass er seine Arbeit kontrollieren werde.
    Während er noch sprach kam ein anderer Bediensteter hinzu, den Mader bereits erwartete. Mader wandte sich an ihn.
    „Und hat alles gut geklappt?“
    „Ja, Chef. Wir haben eine. Ist in ihrem Büro.“
    „Und euch hat auch niemand gesehen?“
    „Ne, wir haben gut aufgepasst. War alles total einfach diesmal.“
    „Gut, ich schau sofort nach. Hilf Vlad hier mit dem Typen weiter und passt bloß auf, das euch keiner sieht.“
    Etwas verwundert schaute der Arbeiter schon, beim Anblick der Leiche. Aber er war es gewohnt, keine Fragen zu stellen.

    Maders Laune besserte sich schlagartig. Er ging direkt zu seinem Büro.
    Dort saß, an einen Stuhl gekettet, ein junges Mädchen. Schlank, lange dunkelblonde Haare und ein verweintes Gesicht. Ein Knebel war hier auf dem Bau unnötig. Er schloss die Tür und kam lächelnd auf sie zu.

    „Ei, da haben wir ja eine besonders hübsche junge Dame.“
    Sie erwiderte nichts. Saß nur still da. Sie wusste, dass es keinen Sinn hätte, sich jetzt zu wehren oder zu schreien. Nach einer Weile brach sie ihr Schweigen. „Was wollt ihr von mir?“ zischte sie Mader hasserfüllt an.
    „Keine Sorge Kindchen. Wir werden Dir nichts tun. Für uns arbeiten wirst du.“
    „Als Nutte oder was?!“
    „Nana, so würde ich das nicht sagen. Wenn du kooperierst wird es sich jedenfalls für dich lohnen.“
    Sie versuchte Mader ins Gesicht zu spucken. Da er aber zu weit weg stand, spuckte sie nur auf den Boden. Und der Speichelrest an ihrem Mundwinkel ruinierte diese hasserfüllte Geste vollkommen. Von ihrem Gegenüber, wurde dies nur mit einem Lächeln quittiert.
    „Hörzu, wir werden dich heute noch woanders hinbringen. Nachher holen Dich ein paar Freunde ab und die werden sich um Dich kümmern.“
    „Ich hasse Dich!“ fauchte das Mädchen in hilfloser Wut.

    Mader zündete sich eine Zigarette an und schaute in verschiedene Papiere auf dem Schreibtisch. Das Mädchen beobachtete ihn dabei aus den Augenwinkeln, aber er schien sie nicht weiter zu beachten. Nach einigen Minuten beschloss Mader, dass es nun an der Zeit wäre, nach der Leichenbeseitigung zu schauen, denn sowas ist Chef-Sache.
    Ein Fehler am Bau ist schon unangenehm, aber ein Fehler bei der Leichenbeseitigung, kann direkt in den Knast führen. Er vergewisserte sich kurz ob die Handschellen ordentlich sitzen. Dann ging er hinaus und verriegelte die Tür.

    Celine sah sich um. In was für eine Scheiße war sie da nur geraten? Die Tür war zwar verschlossen, aber zumindest die Fenster müssten sich ja öffnen lassen.
    Das größte Problem waren aber die engen Handschellen. Mit kurzen Ketten waren sie an den Stuhlbeinen befestigt, die durch ein Quergestänge verbunden waren. Das zwang sie zu einer fast kauernden Stellung auf dem robusten Metallstuhl. Sie tastete den Stuhl von unten ab und stellte fest, dass die Stuhlbeine lediglich in die Sitzfläche geschraubt, aber nicht untereinander verbunden waren.
    Wenn es ihr gelingen würde, das Sitzkissen von den Stuhlbeinen zu trennen, könnte sie sich befreien. Konnte es so einfach sein? Konnten die so dumm sein?
    Sie musste es versuchen. Sie sah sich nach etwas um mit dem sie das Gestell des Stuhls halten könnte, während sie versuchen würde die Sitzfläche von dem Gestell zu lösen. Immerhin schien der Stuhl schon recht alt zu sein.
    Das einzige in ihrer Nähe war ein niedriger Tisch. Mit dem Stuhl hoppelte sie näher heran und versuchte die Kante des Tisches in das Quergestänge zwischen den Stuhlbeinen zu klemmen. Sie hielt die Sitzfläche mit den Händen, doch nichts rührte sich. Es war zum verzweifeln.
    Ihre Finger verkrampften sich unter der Sitzfläche. Dann versuchte sie es mit einem Ruck, kippte mit dem Stuhl um und schlug mit dem Hinterkopf hart auf den Boden.

    Mader stand währenddessen an der Baugrube. Dort wurde der Köter gerade in ein Zement-Fundament gegossen und er fragte sich ob es eigentlich die Statik des Gebäudes beeinträchtigen würde, wenn in dem Fundament, noch etwas Weicheres als Zement enthalten war. Aber es wäre eine schlechte Idee den Statiker dazu zu fragen. Dies verlief alles zu seiner Zufriedenheit.
    Seine Leute waren gut ausgewählte Leute, die keine Hemmungen kannten und über jeden Bonus dankbar wären. Doch dann lief einer der Arbeiter aus Richtung des Container-Komplexes auf ihn zu. Mit wedelnden Armen und einem Gesichtsausdruck, der nichts Gutes ahnen ließ. „Chef! Chef!“ rief er und blieb völlig außer Atem, vor ihm stehen.
    „Chef, das Mädchen ist weg!“
    „Was?!“ entfuhr es ihm. Und er brauchte einen kurzen Moment um die Tragweite dieser Information zu erfassen.
    „Es tut mir Leid, Chef.. aber sie ist weg…! Einfach weg.“
    „Einfach weg? Willst Du mich verarschen? Wie kann sie weg sein?!“ Mader war einem Herzinfarkt nahe. Zum zweiten Mal an diesen Tag, wurde er von einem cholerischen Anfall überwältigt.
    „Also ich wollte nur nach ihr sehen, ob alles in Ordnung ist und so.“ stammelte der Arbeiter mit einem osteuropäischem Akzent los. Mader wartete bebend vor Zorn, was für eine Erklärung dieser Hornochse für dieses Unding, diese Unmöglichkeit, zu bieten hatte.
    „Sie lag da… sie war bewusstlos. Ist irgendwie umgekippt mit dem Stuhl und hat auch geblutet am Kopf und dann hab ich sie losgemacht. Und die lag da, dachte die stirbt und dann wollt ich den Rousseau holen. Der ist doch Ersthelfer!“
    Er brauchte gar nicht weiterreden. Außer sich vor Zorn fiel Mader ihm ins Wort.
    „Du Arschloch!“ und stampfte in hilflosem Zorn auf dem Boden. „Du Arschloch! Du kannst dich direkt einbetonieren lassen! Wie kann man denn so dumm sein?!“

    Es half nichts. Wütend schubste er den Arbeiter weg. Er musste jetzt einen kühlen Kopf bewahren. Zum einen könnte seine Aktion auffliegen und dann würden die Bullen nicht lange auf sich warten lassen.
    Weitaus unangenehmer wäre es, vor dem Präsidenten Rechenschaft ablegen zu müssen, für den das Mädchen beschafft wurde. Und ganz besonders schlimm wäre die Beichte vor dem Präsidenten, wenn die Bullenschaft bereits angetanzt wäre.
    „Die kann ja noch nicht weit gekommen sein! Verdammt! Los geht sie suchen! Und zwar alle! Seht zu, dass ihr mir dieses Drecksweib wieder hier her schafft! Egal in welchem Zustand!“
    Ohne zu zögern liefen die Schergen los um ihren Auftrag zu erfüllen.
    Mader überlegte nur kurz. Er beschloss seinen Leuten eine viertel Stunde zu geben. Dann müsste er den Gang nach Kanossa wagen und dem Präsidenten berichten, dass ihm das versprochene Mädchen entkommen ist.
    Ersatz wäre ja nicht das Problem, aber eine Ermittlung bei ihm, würde die Polizei unweigerlich zum Präsidenten führen. Und auf so eine Gelegenheit warteten diese Ärsche doch schon lange. Er zündete sich nervös eine Zigarette an, rauchte diese und steckte sich eine weitere an. Dann rief er ungeduldig einen seiner Leute an. Negativ. Das Mädchen war weg.

    Der Präsident genannte, saß in seinem Büro und regelte seine Geschäfte mit einem Lächeln. Dieses verging ihm erst als Mader, leichenblass wie man ihn sonst nicht kannte, sein Büro betrat und erschöpft auf dem Stuhl vor seinem Schreibtisch Platz nahm.
    Er hörte sich die ganze Story von einem verschwundenen Mädchen an. Das Lächeln des Präsidenten wurde erst kühler, dann schmaler und wich schließlich einem Strich, von einem Mund. Eigentlich wirkte er sehr gefasst, bis er sein plötzlich klingelndes Mobiltelefon, ohne den Anruf anzunehmen, an der Wand zerschmetterte. Spätestens da, verging Mader jeder Anflug von Optimismus.
    Das Büro verließ Mader geknickt. Er wusste, dass es seine einzige Chance war, das Mädchen wieder zu finden. Ansonsten würde ihn der Präsident abservieren. Und auch hier, bedeutete das keine Kündigung.

    Der Präsident verlor selten die Fassung. Er war sicher, dass sich Mader seiner Lage bewusst war. Es kam selten vor, dass so etwas geschah. Aber hin und wieder kam es vor und erforderte entsprechende Maßnahmen. Auf seinem Computer öffnete er ein verschlüsseltes Verzeichnis, in dem unter anderem, ganz besondere Kontakte gespeichert waren. Unter Verwendung einiger technischer Kniffe, die ihm Anonymität gewährten, sendete er eine E-Mail. Diese enthielt lediglich Maders Namen, Anschrift sowie eine Telefonnummer.


    Nachmittags lief nur Schrott im Fernsehen. Julian fragte sich gerade, ob das nicht schon einen Rausch zu dieser Uhrzeit, rechtfertigen könnte. Sein Handy klingelte. Er schaute auf das Display. Keine Nummer. Naja. Vielleicht einer seiner Kollegen.
    „Ja?“ nölte er in gelangweilten Tonfall in die Sprechmuschel.
    „Bist du Julian?“
    „Ja, Mann.“
    „Drei Männer gehen in den Puff. Was machen sie?“
    Julian war sofort hellwach und antwortete.
    „Einer leckt, einer steckt, der dritte verreckt…“

    Was für ein schwachsinniger Code, aber leicht zu merken. Und ihm war schon damals klar, dass er nur einmal darüber lachen würde.
    Die Stimme am Telefon fuhr nun fort.
    Er erfuhr den Namen einer ihm unbekannten Zielperson, sowie Anweisungen, was er nach Erfüllung seines ersten Auftrages zu tun hätte. Der Anrufer zögerte am Ende kurz und fügte dann noch hinzu, dass es sehr wichtig sei und er wissen müsse, welche Konsequenzen ein Versagen hätte.
    Julian fühlte sich durchaus in der Lage, den Auftrag durchzuführen. Es störte ihn nicht, jemanden umzunieten. Die Bezahlung zerstreute alle Bedenken, denn die entsprach etwa dem Jahresgehalt eines einfachen Büroangestellten. Zunächst galt es die Waffe aus dem Versteck zu holen. Den Weg hatte der Anrufer ihm erklärt und Julian hatte alles penibel notiert. Und tatsächlich, fand er dort eine Walther P99 und drei gefüllte Magazine. Was sich seine Auftraggeber wohl bei dieser Menge an Munition dachten? Wie das Ding zu bedienen war, wusste er. Kurz überlegte er einige Übungsschüsse abzufeuern, verwarf den Gedanken aber schnell.
    Er wollte sich nicht dem Risiko irgendeiner Aufmerksamkeit aussetzen.

    Es war später Abend als Julian mit einem Fahrrad an der Baustelle ankam. Die P99 trug er unter seiner Jacke. Das Rad stellte er an der Rückseite der umzäunten Baustelle ab. Die Baugrube wurde mit Schweinwerfern bestrahlt. Dort wurde offensichtlich noch gearbeitet. Er hielt es für eine gute Idee, sich von hier aus auf das Gelände zu schleichen und kletterte ohne Schwierigkeiten über den Bauzaun.
    Es dauerte ein wenig, bis sich Julian zu orientieren wusste. Einige Container standen recht verwinkelt auf der linken Seite der Grube.
    Es gab nur zwei beleuchtete Container und in einem davon vermutete Julian sein Zielobjekt. Zwischen ihm und den Containern lag ein Feld, welches mit niedrigen Sträuchern bewachsen war und ihm einen guten Schutz bieten würde.
    Er schlich sich heran, hörte ein Knacken im Gesträuch hinter sich. Erschrocken blickte er sich um. Was war das? Haben die etwa Hunde? Nein, die würden sich wohl kaum anschleichen. Etwa eine Wache? Aber warum sollten die ihm nachschleichen und nicht gleich stellen? Er horchte und wartete eine Weile ab. Nichts war zu hören. Sicher hatte er sich das Geräusch nur eingebildet.
    Er erreichte den ersten Container und schlich sich um die Ecke, auf einen der beleuchteten Container zu. Dort angekommen, sah er ganz kurz durch ein Fenster. Das Fenster war aufgekippt und er konnte einen Mann von der Seite her sehen.
    Die Beschreibung passte perfekt. Ein Mann, der vielleicht 60 Jahre zählen mochte, mit Glatze und stämmigen Körperbau. Er saß an seinem Schreibtisch und blickte in Gedanken versunken in die Leere.
    Hin und wieder nahm er einen Schluck von seinem Bier. Alles schien sehr einfach, denn sonst war niemand in der Nähe. Er holte die P99 hervor und wollte gerade um die Ecke zur Tür schleichen, als er ein Motorengeräusch vernahm, dass sich mit Tempo näherte. Mit Karacho bog eine dunkle Limousine auf das Gelände ab und kam auf den Container zu.
    Julian kehrte zurück unter das Fenster und sah kurz hinein. Der Mann rührte sich kein bisschen. Der Wagen hielt auf der anderen Seite des Containers und Julian hörte wie jemand ausstieg. Die Person klopfte an die Tür und trat ein, ohne eine Antwort abzuwarten.
    Mader murmelte fast ohne jede Betonung, die eine gewisse Verzweiflung nahelegte. „Constance...“
    Julian riskierte abermals seine Entdeckung und erhaschte einen kurzen Blick auf die hübsche junge Frau, die soeben eingetreten war. Sie trug ein kurzes schwarzes Jäckchen, einen schwarzen Minirock, Netzstrümpfe und Lederstiefel. Verdammt! Hat er sich etwa ein Mädchen herbestellt? Das wäre vielleicht ein guter Grund zu warten, bevor er der den Typen umlegen würde. Und warum auch nicht? Sei es dem Kerl doch gegönnt. Sein letzter Spaß im Diesseits.
    Aber dann fingen sie zu reden an und Julian konnte unter dem aufgekippten Fenster jedes Wort mithören.
    „Herr Vater, es tut mir Leid, dass ich dich heute nochmal brauche.“ Sie klang irgendwie bedrück, niedergeschlagen.
    „Constance! Ich will gar nicht wissen, was dich jetzt plagt. Ich kann dir heute nicht mehr helfen. Verschwinde! Für immer am besten! Bleib in deinem Scheiß-Nutten-Haus.“

    Er klang nicht wirklich wütend. Trotz der harten Worte, hinterließ er mehr den Eindruck eines gebrochenen Alten. Nahe der Resignation.
    „Vater, bitte höre mich an!“ Es vergingen einige schweigsame Sekunden, bis Constance erneut das Wort an den Mader richtete.
    „Vater, kannst du noch einmal… etwas für mich wegräumen bitte?“
    „Wie bitte?“ fuhr der Mann hoch. Jeder Anflug von Resignation war sofort verflogen „Was hast du gemacht? Ist meine Tochter jetzt eine perverse Serienkillerin, oder wie habe ich das zu verstehen?!“
    „Nein, nein.“
    Und dann begann sie zu schluchzen.
    Julian grinste in seinem Versteck. Was waren denn das für Leute?
    „Es ging nicht anders. Sie hat gesehen wie ich den Alten umgelegt habe. Sie wollte mich erpressen!“ sagte Constance.
    Mader schaute seine Tochter sprachlos an. Und das kam sehr selten vor.

    „Ich… Sie war eine gute Freundin. Ich hätte es doch auch nicht so gedacht, aber was sollte ich denn tun?“
    Seit über zwanzig Jahren hatte Mader seine Tochter nicht mehr weinen sehen. Alles hatte sie ertragen. Alles, womit er aus seiner Tochter einen harten Kerl machen wollte. Aber diesmal verschlug es ihm die Sprache. Angesichts seines eigenen Dilemmas, angesichts der Gesamtsituation, überkamen ihn Zweifel an seinem bisherigen Leben.
    Er begann sich zu fragen, was er falsch gemacht hatte. Im Container sagte nun niemand mehr etwas. Gänzlich unerwartet wurde die Stille von Julians Handy unterbrochen.
    Oh, Fuck! Julian fuhr erschrocken zusammen. Wie konnte er denn vergessen, das Scheissding abzuschalten? Er drückte eilig Tasten an dem Gerät bis es verstummte, aber ihm war klar, dass es zu spät war.
    Er hörte Geräusche im Container und eilte um die Ecke auf die Tür zu, riss sie auf. Irritiert schauten Vater und Tochter ihn an.
    „Wer zum Teufel…?“ sagte Mader und Julian zögerte. Warf ein peinliches „Ähm…“ in den Raum.

    Dann wurde er sich der Situation bewusst, zielte auf Mader und die P99 gab nicht mehr als ein lautes „klick“ von sich. Scheisse! Mader schnellte erschrocken empor, während das Mädchen hinter den Schreibtisch stürzte und irgendwas schrie.
    Dann gelang es Julian die Pistole zu entsichern und einen Schuss abzufeuern.
    Der erste Schuss traf den Schreibtisch, der die einzige Deckung bot. Dann ging er um den Schreibtisch und erschoss, ohne zu zögern, den Mann.
    Das Mädchen wimmerte und schaute ihn an. Er zögerte. Zögerte so lange, bis sie weinerlich etwas murmelte.

    Was? Julian glaubte sich verhört zu haben. Verdammt!
    „Was hast du da gesagt?“
    Sie flüsterte nochmal „Danke…“

    Und Tränen liefen ihr über das Gesicht. Dann traf sie eine Kugel in den Kopf. Julian war außer sich. Panik ergriff ihn. Verdammt was zur Hölle…? Das wollte er so nicht. Was hatte er gerade getan? Wieso bedankt sie sich? Fuck! Fuck! Fuck!
    Er wusste weder ein noch aus, schockiert über seine eigene Tat. Ein guter Mensch war er wohl nie gewesen, aber der Mord, brachte ihn nun doch mehr aus der Fassung, als er gedacht hätte.
    Und wenn sie ihn nun erwischten? Dann würden sie ihn wieder in den Knast stecken. Und diesmal für eine lange Zeit! Gänzlich mit der Situation überfordert, hockte er sich vor der Längsseite des Schreibtisches auf den Boden. Er musste einen klaren Kopf behalten. Dann hörte er ein Geräusch an der Tür. Jemand stand vor der halb geöffneten Tür.
    Julian blickte nicht auf. Er war sich sicher, dass es nun um ihn geschehen war. Er war sehr überrascht, als das junge Mädchen in den Container eintrat. Er erkannte sie sofort.
    Er brachte nur ein überraschtes „Was…?“ hervor.

    Celine schaute sich um und wirkte kühl. Nicht schockiert, oder irgendwie angetan, wie man es von einem jungem Mädchen erwarten würde. Julian kam sich nun komisch vor und setzte erneut zu einer Frage an.
    „Was machst Du hier? Wo kommst Du denn jetzt her?“
    „Ich bin dir gefolgt.“ sagte sie. „Ich habe dich auf der Straße erkannt und bin dir bis zu deiner Wohnung gefolgt.“
    Julian war nun sehr erstaunt. Dieses Mädchen war sehr mutig.Das musste man ihr lassen. Immerhin stand sie vor einem bewaffneten Mann, der eben erst zwei Menschen erschossen hatte.
    „Aber warum denn? Das verstehe ich nicht.“ fragte Julian.
    „Das glaube ich dir.“ Sagte sie mit einem kühlen Lächeln. „Aber ich verstehe dich auch nicht. Was bist Du nur für ein Mensch?“
    Julian wich ihrem Blick beschämt aus. Dieselbe Frage hatte er sich selbst mehr als einmal gestellt.
    „Ich meine die Frage ernst. Was bist Du für ein Mensch?“ sie lächelte nicht mehr.
    „Wie meinst du das? Was willst Du von mir? Ich könnte dich umlegen, du solltest besser abhauen!“
    „Nein, ich will nicht abhauen. Ich hätte auch schon die Polizei rufen können, aber ich wollte mit dir sprechen. Ich möchte wissen, was das für ein Mensch ist, der nachts junge Mädchen überfällt! Der den ganzen Tag besoffen ist und nicht einmal genügend Achtung vor sich selbst hat, um sich zu waschen!“
    Die Anklägerin griff sich den Stuhl, auf dem sie am selben Tage schon angekettet war. Sie blickte Julian unverwandt in die Augen. Der Prozess hatte begonnen.
    Julian fühlte sich nun immer unwohler. Zunächst hatte die Überraschung ihn von seinem eigenen Konflikt abgelenkt, aber nun kehrte das Gefühl zurück und wurde nur noch stärker.
    „Antworte mir! Erklär mir das!“ forderte sie abermals.
    Julilan antwortete zögerlich.
    „Hörzu, ich bin kein schlechter Mensch, auch wenn Du das von mir denken musst. Ich habe einfach viel Pech gehabt in meinem Leben. Ich wollte das alles doch nicht.“
    Beide wussten, dass dies nur eine bescheidene Ausrede war.
    „Spar Dir dein Selbstmitleid! Du bist ein Mörder und ein gemeiner Dieb! Du hast mein hart verdientes Geld gestohlen! Du bist sehr wohl ein schlechter Mensch und weißt das auch!“
    Ihre Augen funkelten. Sie hatte etwas Majestätisches in sich. Sie war nicht einfach ein Mädchen. Vielmehr eine stolze Frau, die in ihrer Position eine Autorität ausstrahlte. Zumindest auf Julian, wirkte es so.
    Normalerweise hätte Julian keinen Deut um ihre Worte gegeben. Aber jetzt, ließ es ihn fast zusammenrechen. Er vergrub sein Gesicht in den Armen und gestand in einem weinerlichen Tonfall die Verfehlungen seines Lebens.

    „Du musst die Konsequenzen tragen! Das ist deine einzige Chance!“, lautete Celine`s Urteil.


    Es war um sechs in der Früh, als der Präsident sich auf dem Weg zur Baustelle machte. Von dem Auftragskiller war in der Nacht keine Antwort mehr gekommen.
    Mader konnte er aber auch nicht erreichen und so hatte er beschlossen, sich selbst ein Bild zu machen bevor der Baubetrieb begann. Auf der Straße vor der Baustelle begegnete er einem jungen Mädchen. Sie lächelte ihn glücklich an.
    Er erwiderte ihr Lächeln und dachte sich, dass dies ein guter Tag werden müsse, wenn er so begann. Was hatte sie bloß um diese Zeit hier zu suchen?
    Er betrat die Baustelle und ging zu Maders Container. Die Tür war verschlossen. So ging er zu einem der Fenster und traute seinen Augen kaum, als er reinschaute.
    Der Auftrag wurde offensichtlich erledigt.
    Hinter dem Schreibtisch lagen zwei Leichen.
    Mader erkannte er. Daneben lag eine jüngere Frau in aufreizenden Kleidern.
    Die dritte Leiche erstaunte ihn aber mehr.
    Ein schmuddeliger Typ, der auf den Boden, an dem Schreibtisch gelehnt saß. Mit der Waffe in der Hand und dem Hirn auf dem Schreibtisch. Er schien sich selbst in den Mund geschossen zu haben.

    Einiges war er gewohnt, aber die Schrift auf dem Boden hinterließ ein Fragezeichen in seinem Blick.
    Auf dem Boden stand mit Blut deutlich geschrieben „Danke Celine!“.
    Geändert von elcucuy (30. 10. 2011 um 00:02 Uhr)

  2. #2
    Absoluter Beginner
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    Standard Re: [eigenes Werk / Kritik erwünscht!] Celine

    Gar nicht mal so schlecht Mir gefällt, wie du am Anfang von Charakter zu Charakter springst und später alles wieder zusammen läuft.

    Kommasetzung ist nicht so deins, aber kann man ja alles verbessern!

  3. #3
    chaotic evil

    (Threadstarter)


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    Standard Re: [eigenes Werk / Kritik erwünscht!] Celine

    Oh ja, mit den Kommas hab ich es wirklich nicht so. Wird aber auch nochmal überarbeitet.

    Danke jedenfalls, für Deinen Kommentar

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