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24. 12. 2011, 14:21 #1
Weihnachten - Und der Weihnachtsmann?
Kleiner Text zu Weihnachten, damit es euch so richtig Weihnachtlich geht:
Die Heilige Nacht steht vor der Tür - aber irgendwie muss ich die Klingel überhört haben: Ein Weihnachtsgefühl stellt sich bei mir nicht ein. Vielleicht hängt das damit zusammen, dass der Verzicht auf Zimt, Zucker und Zahnschmerzen auch einen Teil von Weihnachten verhindert. Vielleicht bin ich aber auch nur so weit "gereift", dass mich gewisse Dinge an diesem Fest äußerst verwundern: Ich kann verstehen, wenn Leute den Weihnachtsmann "Nikolaus" nennen, auch mit "Santa" habe ich kein Problem. Aber der Konsum von Wiesnbier muss die Hirne von manchen Leuten anscheinend dauerhaft geschädigt haben: Wer kommt auf die Idee, einen dicken, bärtigen, in rote Gewänder gehüllten alten Mann "CHRISTKIND" zu nennen?
Auch lassen mich meine labyrinthartigen Hirnstrukturen manchmal hilflos innerhalb meiner eigenen Gedanken zurück, in denen ich dann zu dem Schluss komme, dass, wenn es einen Weihnachtsmann am Nordpol (oder sonst wo) gibt, er zwangsläufig ein griesgrämiger Zyniker sein muss. Warum? Hier eine kleine Verdeutlichung in Form einer Geschichte, die in meiner Meinung nach irgendwann so stattgefunden haben muss/noch stattfinden wird:
Verbittert schaute der Greis aus dem Fenster auf das ewige Eis hinaus. Unbarmherzig brannte sich die Kälte durch seine Hände, was gäbe er nur dafür, normale Handschuhe zu haben, mit seinen konnte man keine Briefe öffnen und da er das nun mal zu tun hatte, blieb ihm nichts anderes übrig, als dieselben abzulegen. Angestrengt enzifferte er durch seine gefrorenen Wimpern das Wachsmalstiftgekrakel auf dem Papier, das vermutlich "Frieden für alle" darstellen sollte. Mit einem Seufzen tastete die rechte Hand nach dem Stempel, hob ihn an und fuhr mit einem Ruck auf das Blatt nieder: "Abgelehnt". Ein Drittel der Briefe, die hier ankamen, waren mit Wünschen nach abstrakten Begriffen wie "Friede, "liebe" oder "weniger Einsamkeit" gefüllt, ein anderes Drittel mit Wünschen nach Unerfüllbarem wie "ein Einhorn", "Pokemon" oder "nette Geschwister". Das restliche Drittel war von irgendwelchen reichen Vorstadtkindern, die unbedingt die neuste Konsole und das neuste Spiel haben mussten. Doch zwei Sachen hatten alle Briefe gemeinsam:
Zum Ersten war kein einziger richtig frankiert, die Rechnungen für Strafporto stapelten sich mittlerweile bis unter die Decke.
Zum Zweiten war kein einziger an ihn persönlich gerichtet.
Niemand, aber auch wirklich niemand interessierte sich für das Wohlergehen des alten Mannes, seine Depressionen oder Rückenschmerzen, die einen erbitterten Kampf um die tiefste Stelle im Körper des geschundenen Wohltäters kämpften. Vorprogrammiert durch die Monotonie der alltäglich wiederkehrenden Langeweile bewegten sich seine Hände mechanisch weiter, weiter zum nächsten Brief, weiter zum Stempel, ZACK, noch einer weniger, wird wohl nichts aus der Versöhnung deiner Eltern.
Nächster Brief, ein iPhone 4 will das Balg. Ächzend greift der Geplagte hinter sich und zieht ein Päckhen aus dem Regal, mühselig rollt er es in Verpackungspaier ein, lässt es sich aber nicht nehmen, zum Schluss noch einen Flyer für das neue iPhone 4S mit einzupacken.
Mit einem müden Lächeln gleiten seine Gedanken ab in einen Dämmerzustand, Fragen türmen sich in seinem Kopf genauso hoch wie die Briefe auf seinem Tisch:
Warum tust du dir das an?
Warum willst du die Kinder fröhlich machen, wenn sie sich doch trotzdem nur beschweren? Warum nimmst du das alles auf dich? Wann ist es genug, wann gehst du deinen Träumen nach?
Du hättest so viel werden können. Deine Fantasien als Kind, wo sind sie hin? Du wolltest doch mal ein kleiner Drache sein, Feuer speien können.
Dann wolltest du Feuerwehrmann werden. Die rote Kleidung hättest du sogar schon gehabt.
Doch nichts davon ist wahr geworden.
Stattdessen sitzt du in einer kleinen Hütte am Nordpol, liest Einkaufslisten von Leuten, die du nicht kennst, hilfst von Zeit zu Zeit mal den Rentieren, wenn sie mal wieder mit der Zunge am Futtertrog festgefroren sind, und wartest.
Wartest, dass dich irgendeines Tages jemand besucht.
Fröhliche Weihnachten
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24. 12. 2011, 15:46 #2Quoten-Hesse
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Re: Weihnachten - Und der Weihnachtsmann?
Für Texte gibt es eigentlich einen Sammelthread

Aber machen wir mal eine einmalige (!) Ausnahme und nehmen den Thread gleich als Weihnachtsthread des Fun-Bereichs
In diesem Sinne: Frohe Weihnachten
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24. 12. 2011, 17:19 #3
Re: Weihnachten - Und der Weihnachtsmann?
Wenn irgendwo die Anwesenheit eines überirdischen Geschenkboten wahrscheinlich war, dann gestern in der winterlichen - allerdings völlig schneelosen - Sturmnacht bei unserem Einkauf.
Das Rauschen in der Luft könnte von einem Schlitten stammen, von laut vorpreschenden Windhunden ...äh... Rentieren und dem Polarwind, der um die Geschenksäcke pfeift. In Wahrheit standen wir bei Lidl und die Geräusche kamen vom Verkehr und dem mächtigen Sturm, der die tief heruntergezogene Mütze über die Ohren und die Einkaufstüten im Einkaufswagen flattern lässt. Und aus dem Sehschlitz zwischen Jackenkragen und Wollpudel-Unterkante war beim besten Willen kein goldumstrahltes Gefährt zu erkennen, das durch den stockschwarzen Himmel zieht. Nicht einmal der Polarstern war auszumachen. Doch das alles beweist gar nichts. Denn einerseits ist es noch nicht der 24. Dezember und andererseits wird niemand im Ernst glauben, dass Ruprecht nach Fahrplan vorbeikommt. Beim Einladen der Nahrungsmittel hätten wir uns fragen können, was er uns bringen wird.
Haben wir aber nicht.
Wir alle sind alt genug zu wissen, daß es sich nur um einen Mythos der Geschenkindustrie handelt.
In jedem Fall überbringe ich hiermit meine besten Wünsche für die Feiertage und ein tolles Jahr 2012 an Euch und an alle die Ihr liebt.
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