-
06. 01. 2012, 01:22 #1Mitglied
- Registriert seit
- Jan 2012
- Beiträge
- 8
Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Hab vor ein paar Monaten mich an meiner ersten Kurzgeschichte versucht und bitte nun um ehrliche Kritik. Danke schon mal.
„Was ist nur schief gelaufen? Habe ich den Punkt übersehen, an dem ich hätte umkehren sollen, die Dinge anders handhaben müssen?“ Ich sitze auf meinem Sessel in meiner viel zu kleinen Wohnung. Die Miete kann ich schon seit drei Monaten nicht mehr bezahlen, der Vermieter klingelt jede Woche. Vergebens. Vor meinem Fenster sinnierend, dem einzig vorhandenen in meinem Loch, meinem Moloch, zähle ich die Staubkörner in der Luft. Ich kann mich nicht einmal dazu überwinden aus dem Fenster zu schauen. Diese Ameisen da unten interessieren mich nicht mehr. Früher war das anders. Da war ich fasziniert von der Welt, voll Elan und Träumen. Doch jetzt fließt die bittere Realität durch meine spröden Adern. Der Wind peitscht ans Fenster, die Kälte zieht herein. In der Küche, die aus einer mickrigen Küchenzeile besteht, köchelt eine Kanne Kaffee.
Wenn ich überlege, was ich in meinem Leben richtig und falsch gemacht habe, sehe ich, dass gar nicht so viel verkehrt gelaufen ist. Dennoch ist alles anders gekommen, als ich es mir jemals vorstellen hätte können. Aber warum? Reichen ein respektabler Schulabschluss, ein mit „Gut“ abgeschlossenes Studium, Freunde und Familie nicht aus? „Was also ist schief gelaufen? Warum sitze ich jetzt zwischen zwei erdrückenden Achttausendern?“
Während ich in vergangenen Tagen dahin schweife, zünde ich mir eine Zigarette an, puste Rauchringe aus meinem Mund und beobachte, wie sie sich langsam auflösen. Draußen wird es langsam dunkel, der Tag metamorphosiert zur Nacht. Ich begebe mich in die vertraute Düsterkeit, schließe die Wohnungstür ab und wandere den verschwommenen Gehweg entlang. Noch immer kann man die Hektik des Tages verspüren. Massen von Menschen streifen meinen Weg, unzählige Autos fahren auf der Straße, bremsen, beschleunigen, hupen, parken irgendwo - nirgendwo. Menschen steigen aus den Blechkisten und schmeißen die Autotüren aggressiv zu. Egal wen ich anschaue, alle haben einen leeren gläsernen Blick, als wenn niemand Leben inne hätte. Nach ungefähr einem Kilometer und sieben Straßenkreuzungen später erreiche ich meine Stammkneipe. Der Barmann nickt mir vertraut zu, als ich eintrete. Wie gewohnt finde ich mich auf dem Barhocker, an dem hintersten Teil der Theke, in der hintersten und dunkelsten Ecke des Raumes, wieder. Das Licht leuchtet schwach, der Zigarettendunst erschwert die Sicht, erschwert das Atmen, erschwert das Leben. Ich fühle mich hier wohl und geborgen. Der Barmann kennt mich. Ohne etwas zu sagen, kommt ein gefülltes Whiskyglas zu mir herüber geschlittert und ich nicke dem Barmann dankend zu.
Allmählich füllt sich das kleine, enge und modrig wirkende Kellergewölbe mit Menschen. Sie kommen in Paaren und Gruppen, suchen sich Sitzgelegenheiten an Tischen oder an der Bar. Niemand setzt sich in meine Nähe. Sie mögen das Licht und mögen es nicht, in der Dunkelheit zu sitzen, so wie ich. Die leichte, untermalende Musik aus der Stereoanlage geht langsam unter, je später es wird, je mehr die Gäste alkoholische Getränke zu sich nehmen und je lauter sie sich unterhalten. Diskussionen, Disputationen, Hofmachungen, all diese sozialen Interaktionen übertönen die Musik, meine Musik, mein letzter Halt, meine einzige akustische Unterhaltung. Ich leere mein mittlerweile drittes Glas und zünde mir die so und so vielte Zigarette an. Der Rauch schmeckt widerlich, doch je mehr man raucht umso weniger denkt man daran. Der Barmann ist recht beschäftigt, doch schaut hin und wieder zu mir herüber und würgt ein nettes Lächeln heraus. Er verspottet mich, dass sehe ich an seinen Augen. Auch wenn ich sein bester Kunde bin, weiß ich, dass er sich für etwas Besseres hält. Doch diese Tatsache interessiert mich nicht. Ich will einfach meine Drinks leeren und mich unter Menschen wissen. Schubweise verlassen die Leute die Kneipe, drei Männer torkeln durch die Tür, machen Witze, lachen lautstark und geben Kusshände in Richtung zwei junger hübscher Frauen, die nahe dem zur Straße gekehrten Fenster sitzen. Wenige Minuten später verlassen auch diese die Bar. Es wird leerer und leerer und irgendwann in der Früh bin ich der letzte, der noch in diesem dunklen, gar schwarzen Gewölbe verweilt. Der Barmann wischt mit einem schimmeligen Tuch über den Tresen, ich kippe das letzte Glas Whiskey in meinen Rachen, drücke den Zigarettenstummel im überfüllten Aschenbecher aus und lasse mich anschreiben. Der Barmann weiß, dass es gerade nicht gut für mich läuft.
Am nächsten Morgen wache ich spät auf. Gegen elf Uhr mache ich mich auf den Weg gen Redaktion, um die neuen Artikel-Ideen meinem Chefredakteur vorzustellen. „Ach Paul, das hatten wir vorgestern schon in der Zeitung und die zwei anderen Ideen können wir einfach nicht drucken. Komm nächste Woche wieder, vielleicht hast du dann etwas, was druckbar ist.“ Wieder einmal ein Griff in die Tonne. Eine Geschichte konnte ich verkaufen, doch da die Zeilen auf die Hälfte reduziert wurden, kamen nur Peanuts heraus.
Das helle Tageslicht beißt sich in meine Augen, ich versuche so schnell wie möglich weg von diesem Hell zu kommen. An der Straßenecke treffe ich einen alten Bekannten aus Schulzeiten wieder. „Hey Paul, eine Ewigkeit her!“, und solch Gewäsch höre ich ihn reden. „Schön dich wieder zu sehen, mir geht es gut, ich kann nicht klagen. Du, ich bin gerade im Stress, habe noch einige Termine. War echt toll, dich getroffen zu haben. Wir sehen uns.“ - werfe ich ihm hinterher, während ich so schnell wie möglich in Richtung Wohnung steche. Ein leichter Regen setzt ein, der in einen regelrechten Monsun überschwemmt. Ich renne die letzten hundert Meter und komme, wie kann es anders sein, durchnässt an meiner Haustür an.
Im Wohnzimmer streife ich mir meine nassen Sachen ab, werfe sie über meinen einzigen Stuhl, den ich noch im Zimmer habe, und lege mich auf mein Bett. Schimmelflecke in der Ecke der Wand fallen mir auf, während ich so an die Decke starre. Ich halte es nicht lange liegend aus, stehe auf, gehe in die Küche und gieße mir ein volles Glas Rum ein. Nach zwei Schlucken ist auch dieser Drink leer und ich schaue aus dem Fenster. Ein Meer aus schwarzen und rot-weiß gestreiften Regenschirmen schwappt in meine Augen, wie die Gischt an den Strand der Einsamkeit. Ich wende mich vom Fenster ab, mein Blick wandert an die gegenüberliegende Wand, an der ein alter, beinahe auseinander fallender Schrank steht. Ein widerlich knarzendes Geräusch schleicht sich in meine Ohren, als ich die Schranktür öffnete.
In der Dunkelheit der Schrankinnereien kann ich die Konturen vom Gewehr meines Großvaters sichten. Ich greife danach, umfasse den Lauf. Das Metall ist kalt, hart und leblos. Meine beiden Hände halten dieses Ungetüm liebkosend vor meinen Bauch. Es ist geladen. Ich gehe zum Fenster. In meinem Mund verspüre ich die gleiche Kälte, wie zuvor in meinen Händen. Es schmeckt nach Blut, nach Kupfer, metallisch.
-
06. 01. 2012, 11:40 #2
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Kritik kann ich dir nicht viel geben, da ich selber kein wirklich guter Schreiber bin, aber ich finde das ganze liest sich nicht schlecht...
-
06. 01. 2012, 11:56 #3
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Liest sich recht gut. Fragte mich die ganze Zeit, was "er" uns sagen will?!

Spoiler:
Aber die "Poente" ist geil.
P.S.
Titel der Kurzgeschichte?
-
06. 01. 2012, 14:56 #4Mitglied
(Threadstarter)
- Registriert seit
- Jan 2012
- Beiträge
- 8
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Einen Titel habe ich noch nicht. Mit Titeln habe ich immer Schwierigkeiten, auch wenn ich Artikel für Zeitungen schreibe.
Intention des Autors. -Keine- XD Hatte einen schlechten Tag mit zu viel Rum im Körper. Das Ende ist offen. Man kann sich selber ausmalen, ob er nun abgedrückt hat oder nicht. Blut schmeckt metallisch, wie Kupfer. Bzw. Kupfer schmeckt nach Blut, weshalb ich finde, dass es doch recht offen gehalten wurde. Natürlich wollte ich diese schwarze Note reinpacken, welche die ganze Geschichte durchzieht.
-
07. 01. 2012, 13:47 #5
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Liest sich echt wie eine der Muster-Kurzgeschichten in meinem alten Deutschbuch...
Also so aprubter Anfang, unerwartete Wendung, offener Schluss...
Doch finde ich gut und spannend geschrieben!

-
08. 01. 2012, 21:48 #6Laaaaaangweilig
- Registriert seit
- Aug 2005
- Beiträge
- 146
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Hi,
hier meine Kritik:
Ich finde den Anfang eben gerade nicht "in medias res". Warum beginnst du die Geschichte so statisch? Mitten in der Geschichte anzufangen wäre zum Beispiel, wenn er bereits auf dem Fensterbrett steht und fünf Stockwerke nach unten sieht. (Oder wie zum Beispiel in Fight Club, bereits mit dem Lauf einer Waffe im Mund) Das packt den Leser mehr, da er sofort mit Handlung konfrontiert wird. Bei deiner Geschichte wird mir am Anfang nur die Frage gestellt, warum es ihm schlecht geht, und das erzählt er mir dann über eine Seite lang.
Das ist auch schon mein zweiter Kritikpunkt: Ich würde dir empfehlen mehr mit Bildern zu arbeiten. Beispiel: Ein Mann sitzt auf einem Holzstuhl in einem sonst leeren Raum. Das Holz der Lehne ist gesprungen. An den Wänden hängt eine Tapete aus den 60ern. Jemand hat versucht sie abzureissen, hat aber irgendwann aufgegeben. Vor dem einzigen Fenster hängt ein dunkler Vorhang. Durch den Stoff sieht man einzelne Sonnenstrahlen. ... (Natürlich könnte man da noch etwas subtiler arbeiten)
Das Bild sagt genauso viel über die Person aus, als wenn man über eine Seite den Gefühlszustand beschreibt. Was meiner Meinung nach mit der Zeit ermüdend wirkt und bei dir öfter auch repetitiv wirkt. Achte darauf, das du auch bei jedem Satz, den du geschrieben hast ganz genau weisst, warum dieser dasteht und was seine Berechtigung ist. Versteh mich nicht falsch Repetition bzw sich im Kreis zu drehen ist ein wichtiger Bestandteil der Melancholie, aber trotzdem finde ich die Selbstanalyse deines Protagonisten nach dem ersten Absatz etwas ermüdend. Da würde ich mir etwas mehr Abwechslung oder Kürzungen wünschen.
Ein gutes Beispiel in deinem Text ist der Satz:
"Ohne etwas zu sagen, kommt ein gefülltes Whiskyglas zu mir herüber geschlittert und ich nicke dem Barmann dankend zu."
Wenn du dann noch knapp und kurz die Reaktion des Barmanns beschreibst ist das fertig. Die ganzen Sätze wie: Ich bin öfters hier... hier fühle ich mich wohl... der Barmann kennt mich, etc. kannst du dir sparen. Mit dem zitierten Satz hast du doch schon alles gesagt.
So nun zur Geschichte: Ich würde dir empfehlen mehr mit dem Spannungsbogen zu arbeiten. Die Geschichte plätschert ein wenig vor sich hin. Spannung fehlt.
Ich würde mir auch überlegen, ob die Perspektive des Protagonisten überhaupt so interessant ist. Wäre nicht zum Beispiel die des Barmanns interessanter. Er sieht jedes Wochnenende den selben Gast, der kaum ein Wort spricht und sich dann in die dunkelste Ecke verkriecht. Wäre es nicht spannender zu wissen welche Geschichte der Barmann in deinem Protagonisten sieht?
Dein Schreibstil gefällt mir teilweise sehr gut. Besonders wie du einige Sachen sinnbildlich beschreibst. Allerdings musst du dort aufpassen, da einiges dann doch schnell in den klischeehaften/kitschigen Bereich kippt.
Zum Ende: ein offenes Ende ist interessant, trotzdem solltest du als Autor genau wissen wie die Geschichte ausgeht, auch wenn du das niemals kommunizieren solltest. ;-)
Ich würde dir auch empfehlen einen so wichtigen Gegenstand wie die Waffe nicht am Ende in zwei Sätzen einzuführen. Das wirkt, wie aus dem Hut gezaubert.
Auch hier hätte es sich angeboten, etwas härter in die Geschichte einzusteigen z.B.: er zielt mit dem Gewehr aus dem 8. Stock auf die Menschen die wie Ameisen unter ihm vorbeilaufen. Sie sind so mit sich selbst beschäftigt, das sie nie auf die Idee kämen jemand anderes könnte ihr Leben in der Hand halten. Natürlich schiesst er nicht. Natürlich ist die Waffe auch nicht geladen. (Das wäre dann auch der letzte Satz, den er zu sich sagt, bevor er am Schluss abdrückt
)
Das wäre glaube ich alles, was mir beim Lesen eingefallen ist.
Das hier soll keine vernichtende Kritik sein, sondern ist konstruktiv gemeint. Du hast durchaus Talent mit der Sprache zu spielen. Aber ich habe oft gemerkt, dass es mich nicht ansatzweise weiterbringt, wenn mir Leute nur Honig ums Maul schmieren, selbst, wenn es ehrlich gemeint ist.
In diesem Sinne freue ich mich, deine nächste Geschichte zu lesen.
Gruss DC
PS: Rauchst du? Ich kenne kaum Raucher, denen der Rauch nicht "schmeckt" bzw. die durchgehend Rauchringe blasen.
-
08. 01. 2012, 23:56 #7Mitglied
(Threadstarter)
- Registriert seit
- Jan 2012
- Beiträge
- 8
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Super, danke an meinen Vorredner. Schön, dass du dir Zeit genommen hast, für solch eine ausführliche Kritik. Hat mir recht gut geholfen. Mehr Bilder habe ich mir auch überlegt, vllt arbeite ich noch welche ein, da ich die Geschichte nicht abhaken möchte.
Zur Spannung: ich wollte es so trist halten, ohne Spannung. Wie ein Jazz-Stück ohne höhen und tiefen...einfach nur grau.
Und ja, ich rauche,... nicht regelmäßig...aber ich wollte damit ausdrücken, dass sogar so etwas keinen Spass mehr macht... in der Richtung.
Aber auf jeden Fall vielen Dank :-)
-
09. 01. 2012, 13:08 #8Laaaaaangweilig
- Registriert seit
- Aug 2005
- Beiträge
- 146
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Schön, dass es dir weiterhilft. Ich würde dir Zwecks Spannung den Film Melancholia von Lars von Trier zu sehen. Dort wird auch Depression dargestellt mitsamt ihrer Tristesse dargestellt. Die Analogie zu einem Jazzstück finde ich sehr schön, man hat sofort eine Vorstellung der Situation, warum baust du das nicht auch in den Text ein?
Gruss DC
-
09. 01. 2012, 16:23 #9Mitglied
(Threadstarter)
- Registriert seit
- Jan 2012
- Beiträge
- 8
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
--in meinem Ordner habe ich gestern ein konzept für eine andere Geschichte gefunden, welches ich vorches Jahr irgendwann geschrieben hab... ich werde jetzt die anderen Ideen mit einflechten, wodurch das ganze ein stück größer wird... paul sitzt in der kneipe... lauscht den gesprächen der anderen, kann hin und wieder den kontext erhaschen, sodass man in die geschichten der barbesucher eintauchen kann.... (ca. 3-4 verschiedene oder so) und tatsächlich stand im konzept was von einer jazz-band im hinteren teil der bar... vllt. stell ich das ganze ding noch einmal rein... lg
-
09. 01. 2012, 18:03 #10
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
das ende kommt mir etwas zu abrupt. ein absatz mehr hätte nicht geschadet.
schöne geschichte und liest sich sehr flüssig. die atmosphäre kam ganz klar an und hatte wirklich stil.
man geht davon aus du kannst dich noch mehr mit deinen storys entwickeln und darauf wartet man auch die ganze zeit. dann liest man weiter und ist trotzdem zufrieden. trotzdem oder gerade dewsegen war das ende zu kurz.
vllt liest man mal wieder was.
würde mich freuen.
bist du ausgebildeter schreiber oder ist das ein hobby?
-
09. 01. 2012, 23:59 #11Mitglied
(Threadstarter)
- Registriert seit
- Jan 2012
- Beiträge
- 8
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
nee... bin derzeit student der geschichte und interessiere mich nebenbei für die schreiberei... schreibe für eine tageszeitung, ein magazin und bin noch bei nem radio tätig... möchte aber mehr prosa nebenbei schreiben- das is recht frisches neuland für mich... aber ich bleib dabei... und bin dankbar für jede kritik, da ich noch keine workshops in creative writing oda desgleichen besucht habe... cheers
-
10. 01. 2012, 18:49 #12
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Ich finds gut geschrieben.

Ist zwar traurig aber gut.
Und das Ende? Bleibt jetzt unserer Fantasie überlassen ob er abdrückt oder nicht.
Also schreib ruhig mehr!
-
11. 01. 2012, 15:05 #13
-
11. 01. 2012, 15:29 #14
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Also meine Gedanken zum Schluss waren, dass er dieses scheiß Leben immer und immer wieder erfährt. Dabei ist es egal, ob er abdrückt oder nicht. Allein schon, dass er jeden Tag drüber nachdenkt abzudrücken, ist viel grausamer...
-
11. 01. 2012, 16:26 #15
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Ich will nochmal auf dem Spannungsbogen rumreiten. Denn dass der völlig fehlt, ist imo ein großes Problem, lässt den Text ereignis- und konsequenzlos vor sich hinplätschern und macht ihn dadurch langweilig. Wenn du das so haben willst, ist das okay – also der fehlende Spannungbogen, nicht die Langeweile ;-). Aber dann schreibst du keine Geschichte, sondern eher sowas wie einen inneren Monolog. Damit das auf der Ebene interessant wird, fehlt es aber deutlich an Tiefgang.
Bleiben wir bei dem Text als Geschichte. Es passiert nichts, zumindest nichts, was irgend eine Konsequenz hätte. OK, er hat zum Schluss den Gewehrlauf im Mund. Das wäre eine Konsequenz, wenn ihn denn ein Ereignis aus dem Text dazu getrieben hätte. Das bleibt aber unklar. Eine richtige Geschichte mit Handlung und Spannungsbogen braucht Ereignisse, die Konflikte erzeugen und deine Figur zum Handeln anregen. Ich sehe dafür zwei verpasste Möglichkeiten: die Ablehung in der Reaktion und der alte Bekannte.
Bis zum Ende der Kneipenszene sind Handlung und Spannungsbogen noch am Nullpunkt, es sind aber schon 2/3 des Textes vorbei. Da muss deutlich früher was passieren. Das erste Ereignis überhaupt ist die Ablehnung in der Redaktion. Aber auch das bleibt ohne jede erkennbare Konsequenz: reine Routine und damit immer noch reine Zustandsbeschreibung. Interessant wäre es dann, wenn Paul fest davon überzeugt wäre, jetzt endlich den Knüller in der Hand zu haben, auf die Titelseite zu kommen und damit alles herumzureißen. Dann sorgt die Ablehnung für Konflikt, bekommt eine Bedeutung und kann als Auslöser für weitere Ereignisse dienen. Und erst dann ist Spannung möglich.
Ähnlich die Begegnung mit dem alten Bekannten. Auch die bleibt komplett folgenlos, obwohl Potenzial drinsteckt: der alte Bekannte mit seinem zufriedenen Leben, der es »geschafft« hat, gegen Pauls Endzeitsituation – um nur eine Möglichkeit zu nennen. Ob er zum Schluss abdrückt oder nicht, ist unwichtig. Aber um überhaupt soweit zu gehen, den Lauf in den Mund zu kriegen, braucht er um Welten stärkere Motivation als einfach noch einen normalbeschissenen Alltagstag.
-
23. 02. 2012, 05:13 #16Mitglied
- Registriert seit
- Feb 2012
- Beiträge
- 2
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Bei allem notwendigen Respekt der vermuteten Schöpfungsintention gegenüber, handwerklich in Bereichen Artikulation und Handlung sicherlich optimierbar.
Die Mischung aus Umgangssprache und antiquierten Ausdrücken wirkt konstruiert, nicht emotionsauthentisch, besonders nicht in diesem Stimmungszusammenhang, hat aber den erstaunlichen Effekt, die Außenseitigkeit, die Anormalität des Protagonisten (wohl eher zufällig) zu unterstreichen, da dieses Denken weder aktuell noch realistisch (/normal) erscheint.
Auch fehlt jeglicher Hinweis auf die Anamnese, auf das Warum, so bleibt es nur die Beschreibung einer Depression, auch die Beschreibungen auf die Auswirkungen im Umfeld sind zu wenig und dann aber zu wiederholt.
Aus den versucht-emotionalen Motiven [Depression und Einsamkeit resultiert zu sozialer Verachtung führt zu Selbstmord] liest sich gesellschaftliche Ausgrenzung [hinterfragen wäre angenehm, die Ursachen nicht nur des Ausgegrenzten, sondern auch der Ausgrenzenden] psychosozial Belasteter [oder allgemeiner Außenseiter/Minderheiten].
Das ist ein großes und nicht unbeliebtes Thema, dem immer Beachtung geschenkt werden muss.
Eine Beachtung, die Du übrigens auch bei den Antworten auf Deine Geschichte erhälst.
Dieser Ansatz ist also gut, weil generalisierbar, die Egoperspektive imaginiert dem Betrachter persönliches Erleben, der Versuch der Schilderung emotionaler Eindrücke könnte die Bindung (/Interesse) vertiefen.
Ich vermute, das es sich hierbei um eine persönliche (biographische) Geschichte handelt. Sollte dies zutreffen, ist ein tiefergehendes Hinterfragen der wahren Ursache dieser Depression notwendig (das auch der Geschichte fehlt, gerade heute im Zeitalter 2.0, der Emanzipierung der Persönlichkeit in der Masse, unverzichtbar.).
Zum Abschied noch eine Flaschenpost ins Blaue:
Wärst Du ein RL-Freund von mir, würde ich Dir auf einer Emoparty ein paar Mädels vorstellen)Geändert von S3r10s (23. 02. 2012 um 05:25 Uhr)
-
02. 03. 2012, 21:38 #17chaotic evil
- Registriert seit
- Dec 2008
- Ort
- NRW
- Beiträge
- 363
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Okay, wie ich sehe hast Du ja strenge Kritiker

Vielleicht bin ich ja anspruchslos, oder hab eben eine Faible für solche Geschichten, aber ich mag es so, wie Du es geschrieben hast.
-
03. 03. 2012, 00:41 #18Mitglied
(Threadstarter)
- Registriert seit
- Jan 2012
- Beiträge
- 8
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
Hey, danke für all die Kritik.
Mittlerweile habe ich die Geschichte ein wenig umgeschrieben: in der Kneipe habe ich Personen beobachten lassen, eine Jazzband spielt im hintergrund und eine verflossene Liebe wird kurz als Thema gemacht. Der Spannungsbogen entfällt trotzdem, ich kann mich einfach nicht damit anfreunden.
Ich will die neue Fassung nicht noch hochladen, bin trotzdem sehr dankbar für die Kritik und Tipps.
Die nächste Story kommt bestimmt und ich würde mich freuen, wieder von euch zu lesen. Sela!
PS: die Geschichte war nicht biografisch (vllt. ein Paar wenige Sätze)
Bis dahin
Der Bong
-
03. 03. 2012, 19:06 #19
Re: Kurzgeschichte - Bitte um Kritik
@DerBong
Die Geschichte ist gut geschrieben. Gefällt mir. Zwar ein wenig traurig, aber sehr schön zu lesen.
Glückwunsch!


Zitieren

mehr lesen...







Resident Evil 6 erscheint in...
Heute, 15:21 in gulli:news