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ganztagsschule
es wird ja in letzter zeit oft über die einführung der ganztagsschule diskutiert.
nur kann ich wirklich überhaupt nicht verstehen aus welchem grund die ganztagsschule für die Kinder vorteilhaft sein sollte. es wird auf pisa verwiesen, was imho ja nicht als grund dargestellt werden kann, weil das lernergebnis an den allgemeinbildenden schulen ja nicht schon immer so schlecht wie jetzt war. außerdem kann ich mir auch kein besseres ergebnis aus einer, von dagegen opponierenden und deswegen unmotivierten lehrern, ganztagsschule vorstellen.
als zweites argument wird immer wieder die kinderbetreuung zugunsten berufstätiger eltern genannt. diese argument ist zwar teilweise richtig, aber in einer familie, in der beide elternteile berufstätig sind, die kinderbetreuung von der allgemeinheit zahlen zu lassen, ist imho auch nicht in ordnung. damit werden ausgerechnet die wirtschaftlich leistungsfähigsten begünstigt, denen aufgrund ihres höheren einkommens auch andere wege zur finanzierung der betreuung ihrer kinder offenstehen. zudem ist imho die schule auch nicht zur betreuung sondern zur ausbildung da. noch dazu kommt, dass die leistungsfähigkeit der kinder und auch der lehrer nach dem vormittag stark nachlässt. so sollte eher in betreuungsmöglichkeiten außerhalb der schule investiert werden anstatt die ganztagsschule einzuführen.
abgesehen davon fehlt den kinder ein wichtiger ihrer kindheit. das nachmittägliche spielen mit anderen kindern und die treffen jugendlicher mit ihrer clique sind meiner meinung nach für die entwicklung auch sehr wichtig.
meiner meinung nach kann die ganztagsschule nicht das allheilmittel für jahrelang verfehlte bildungs- und gesellschaftspolitik sein.
wie seht ihr das?
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18. 10. 2002, 20:35
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#1
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18. 10. 2002, 21:01
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#2
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Mitglied
(Threadstarter)
Registrierungsdatum: Oct 2002
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Beiträge: 824
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erstmal, danke für die antwort wire.
ich habe ehrlich gesagt keine ahnung, welche form die ganztagsschule in de haben soll. wenn es so wird, wie du schreibst, ist die dann *sogenannte* ganztagsschule ja in ordnung.
ich hatte allerdings die befürchtung, dass hier die ganztagsschule nach japanischem vorbild eingeführt werden sollte. dort sind die lernerfolge zweifellos besser. aber eben auch auf ein anderes gesellschaftliches umfeld zurückzuführen.
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18. 10. 2002, 21:33
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#3
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18. 10. 2002, 21:39
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#4
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Mitglied
(Threadstarter)
Registrierungsdatum: Oct 2002
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Beiträge: 824
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Zitat:
Original geschrieben von Wire
Das sagt mir nichts. Was weiß du darüber?
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ich hatte vor einiger zeit mal einen fernsehbericht darüber gesehen. der leistungsdruck ist dort unheimlich groß und ebenso die versagensangst der schüler.
gelernt wird teilweise zusätzlich noch ausserhalb der ganztagsschule in privaten zusatzschulen.
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18. 10. 2002, 22:15
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#5
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ex-Administrator
Registrierungsdatum: May 2000
Beiträge: 6.998
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Re: ganztagsschule
Zitat:
Original geschrieben von uiuiui
es wird ja in letzter zeit oft über die einführung der ganztagsschule diskutiert.
...außerdem kann ich mir auch kein besseres ergebnis aus einer, von dagegen opponierenden und deswegen unmotivierten lehrern, ganztagsschule vorstellen.
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Richtig. Wenn die Lehrer nicht mitziehen, kann das Ergebnis nicht positiv sein.
Zitat:
als zweites argument wird immer wieder die kinderbetreuung zugunsten berufstätiger eltern genannt. diese argument ist zwar teilweise richtig, aber in einer familie, in der beide elternteile berufstätig sind, die kinderbetreuung von der allgemeinheit zahlen zu lassen, ist imho auch nicht in ordnung. damit werden ausgerechnet die wirtschaftlich leistungsfähigsten begünstigt, denen aufgrund ihres höheren einkommens auch andere wege zur finanzierung der betreuung ihrer kinder offenstehen.
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Meistens sind leider genau die Eltern beide berufstätig, die sich den Wegfall eines der Familiengehälter nicht leisten können. Sprich, da "will" man nicht arbeiten, da "muß" man. Leute mit ausreichendem Einkommen leisten sich bereits heute die private Kinderbetreuung, bzw. bleiben zu Hause.
Zitat:
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zudem ist imho die schule auch nicht zur betreuung sondern zur ausbildung da. noch dazu kommt, dass die leistungsfähigkeit der kinder und auch der lehrer nach dem vormittag stark nachlässt. so sollte eher in betreuungsmöglichkeiten außerhalb der schule investiert werden anstatt die ganztagsschule einzuführen.
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IMHO sind wir genau da, wo wir sind, gerade WEIL die Schule sich auf ihre Ausbildungsfunktion zurückgezogen hat. Lehrer nehmen meist keine Betreuungsaufgaben mehr auf sich, können es in der knappen Zeit auch gar nicht. Eine Verdoppelung der zur Verfügung stehenden Schulzeit könnte aber auch dazu führen, daß nicht mehr nur "das Klassenziel" erreicht wird, sondern persönlicher und streßfreier auf die Kinder eingegangen werden kann.
Zitat:
abgesehen davon fehlt den kinder ein wichtiger ihrer kindheit. das nachmittägliche spielen mit anderen kindern und die treffen jugendlicher mit ihrer clique sind meiner meinung nach für die entwicklung auch sehr wichtig.
meiner meinung nach kann die ganztagsschule nicht das allheilmittel für jahrelang verfehlte bildungs- und gesellschaftspolitik sein.
wie seht ihr das?
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Kein Allheilmittel, aber mal ein anderer Lösungsansatz.
Gruß,
dlfa
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19. 10. 2002, 09:38
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#6
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Think Tank
Registrierungsdatum: Apr 2001
Beiträge: 2.203
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in der grundschulzeit halte ich ganztagsschule für völlig unnötig. wie es uiuiui schon gesagt brauchen die kinder die zeit nachmittags zum spielen etc..
es sollte vielmehr etwas an den schulen und besonders am unterricht der zum teil völlig verpeilten grundschullehrer (falls jemand lehrer ist: bitte nicht persönlich nehmen) getan werden.
auf weiterführenden schulen halte ich sowas in sofern führ sinnvoll, als das die schüler nachmittags 1 bis 2 stunden wirklich in der schule bleiben nur um hausaufgaben zu machen. denn in dem alter trifft man sich ja auch eher abends oder auch am spätnachmittag und die schüler haben auch nicht mehr einen so großen bewegungsdrang wie kleine kinder (ihn haben sollten).
der vorteil ist: die schüler machen alle ihre hausaufgaben und aufkommende fragen können eventl. in der nächsten stunde geklärt werden.
bei uns läuft und lief es fast immer so, dass mehrer ihre hausaufgaben einfach nicht machten, weil sie keine lust hatten. da plant man zum teil schon nachmittags, wann man am nächsten tag in welcher pause welche hausaufgen macht und von wem man abschreibt. verstanden hat man es dann zwar nicht, aber das ist egal. hauptsache man kommt irgendwie durch.
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19. 10. 2002, 10:06
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#7
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Sonnenkönigin
Registrierungsdatum: Oct 2002
Beiträge: 1.649
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Zitat:
In Ganztagsschulen wird in der Regel nicht nur unterrichtet, die Schüler werden bei der Erledigung der Hausaufgaben betreut und überwacht. Verpflegung, Sport und Freizeitangebote gehören dazu. Die Angebote richten sich in der Regel zunächst an Kinder und Jugendliche, bei denen als Folge von Problemen im familiären und privaten Umfeld nicht damit gerechnet werden kann, dass sie bei der Erledigung der Hausaufgaben und der Freizeitgestaltung überwacht und unterstützt werden
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Anscheinend habe ich was verpasst. Ich bin seit '94 auf einer Gesamtschule mit Ganztagsunterricht, und sowas hat bei uns nie stattgefunden. Es gab versuche, einmal in der Woche nachmittags eine Doppelstunde einzurichten, in denen Hausaufgaben erledigt werden können. Der aufsichtführende Lehrer war aber nur dazu da um für Ruhe zu sorgen. Hilfestellung konnte man nur in den wenigsten Fällen erwarten. Nach einem Halbjahr wieder abgeschafft. Dann gab es Versuche, die erste Schulstunde in eine Hausaufgabenstunde umzuwandeln. Dann gab es eine Aufsicht für fünf Klassen, und wofür war die da? Richtig, um für Ruhe zu sorgen. Hilfestellung konnte man widerrum nicht erwarten. Nach einem halben Jahr wieder in der Versenkung verschwunden. Sportangebote? Nein, ein unbeaufsichtigter Fußballplatz und ein paar vergammelte Tischtennisplatten. Bis zur acht gab es AGs, die in den meisten Fällen nur gewählt wurden weil man mußte. Motivierte Lehrer waren eher die Ausnahme. Und trotz gemeinsamer Zeit war ein entspanntes Miteinander auch seltenst zu erreichen...
Zitat:
bei uns läuft und lief es fast immer so, dass mehrer ihre hausaufgaben einfach nicht machten, weil sie keine lust hatten. da plant man zum teil schon nachmittags, wann man am nächsten tag in welcher pause welche hausaufgen macht und von wem man abschreibt. verstanden hat man es dann zwar nicht, aber das ist egal. hauptsache man kommt irgendwie durch.
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Das kenne ich nur zur genüge. Das schlimmste ist, es funktioniert. Vorraussetzung ist natürlich, man versteht was man abschreibt.
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19. 10. 2002, 12:40
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#8
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19. 10. 2002, 13:10
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#9
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Sonnenkönigin
Registrierungsdatum: Oct 2002
Beiträge: 1.649
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Ich habe mich damit abgefunden, und wenigstens wurden bei uns noch Versuche unternommen was zu ändern. Bei meinem Bruder, der zwei Jahrgänge unter mir war, wurden nichts versucht um den Schülern die Möglichkeit zu geben ihre Hausaufgaben mit Betreuung zu erledigen.
Im Laufe der Zeit hat sich die Schule sozial auch immer mehr ins negative entwickelt. Ich weiß, man soll nicht vorschnell urteilen. Aber wenn man diese ganzen kleinen Möchtegerngangster sieht und ein wenig zuhört kommt man sich vor wie in einem schlechten Film.
Mein ehemaliger Religionslehrer hat sich kurz vor Ende des vorletzten Schuljahres bei uns im Kurs ausgeweint, nachdem er eine Statistik der Neueinschulungen gesehen hat. Eigentlich war es so geplant, dass jeweils ein drittel (jeweils ca. 50 Schüler) der neuen fünfer eine Empfehlung der Grundschule für das Gymnasium, für die Realschule und die Hauptschule bekommen haben sollten. Von knapp 250 Bewerbungen für 150 Schulplätze waren es ganze drei potentielle Gymnasiasten.
Und ich habe das selber oft genug erlebt, wenn es am Gymnasium nicht läuft wechselt man eben zur Gesamtschule. Aber genug davon, 2004 sollte ich mein Abi in der Tasche und mit dieser Schule nichts mehr zu tun haben.
P.S.: Großes Lob dafür, dass du auf Anhieb meinen Nick komplett übernommen hast
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19. 10. 2002, 13:27
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#10
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19. 10. 2002, 13:34
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#11
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Sonnenkönigin
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Aber selbst Copy&Paste ist vielen schon zu viel. Egal, ich bin das ja selber schuld
Bei uns wurde eigentlich keiner richtig betreut, wenn es irgendwelche Informationen gab wurde das vor der ganzen Klasse gemacht, einfach nur damit es gemacht wurde. Im Rückblick war die Entscheidung mich auf eine Gesamtschule zu schicken falsch, der Überzeugung bin ich unabhängig von meiner Mutter gekommen, die derselben Meinung ist.
Aber genug davon, lassen wir die SPD im Glauben darüber, dass Ganztagsschulen die Lösung auf alle Probleme im Bildungswesen sind...
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20. 10. 2002, 15:01
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#12
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