gulli:board Logo

Anzeige


  Antwort
deleted user
 
Beiträge: n/a
Der Irakkrieg und die Wirtschaft

In einigen Themen zum Irakkrieg wird darüber spekuliert, wie viel Öl die USA verkaufen müssten, um die Kriegskosten wieder einzufahren. Bevor also noch darüber spekuliert wird, wie viel Nachtschichten Bush in seinem grenzenlosen Altruismus für die Rechte der geschundenen Iraker einlegen muss um die Kriegskosten wieder rauszubekommen, lohnt es sich vielleicht, ein paar wirtschaftliche Zusammenhänge zu diskutieren.

Das Öl, die Währung und der Krieg gegen den Irak:

Zitat:
Der Dollar ist faktisch die Welt-Reservewährung: Etwa zwei Drittel aller offiziellen Währungsreserven werden in Dollar gehalten. Mehr als vier Fünftel aller Außenwirtschaftstransaktionen und die Hälfte der Weltausfuhr werden in Dollar abgewickelt. Außerdem werden alle Kredite des Weltwährungsfonds in Dollar gewährt. Doch je mehr Dollar außerhalb der USA zirkulieren oder von außländischen Eignern in den USA angelegt werden, umso mehr auch muß der Rest der Welt die USA im Austausch für diese Dollar mit Gütern und Dienstleistungen beliefern. Die Herstellung von Dollar kostet die USA nahezu nichts. Die Tatsache, daß die Welt den Dollar auf diese Weise gebraucht, heißt also, daß die USA große Mengen an Gütern und Dienstleistungen praktisch umsonst importieren.
.........
Die jüngst veröffentlichten Zahlen zum Beispiel zeigen, daß im November letzten Jahres (2002, d. Ü.) die US-Einfuhr 48 Prozent mehr wert war als die Ausfuhr.
...........
Eines der anerkannten Wirtschaftsziele, und vielleicht das vorrangige bei seiner Einführung war, den Euro zu einer Reservewährung zu machen, die dem Dollar gegenüberträte, sodaß auch Europa für nichts etwas bekommen würde.

Aber das eben wäre ein Desaster für die USA. Nicht nur würden die USA einen Großteil ihrer jährlichen Subventionen, bestehend aus praktisch kostenlosen Gütern und Dienstleistungen, verlieren, sondern außerdem würden auch die Länder, die vom Dollar zum Euro als Reservewährung übergehen, den Wert der US-Währung beeinträchtigen. Einfuhren würden nach und nach die Amerikaner eine Menge mehr kosten, und da eine wachsende Zahl derer, die Dollar haben, sie nach und nach ausgeben, müßten die USA anfangen, ihre Schulden zurückzuzahlen, indem sie Güter und Dienstleistungen ins Ausland liefern. Damit aber würden sie den amerikanischen Lebensstandard senken. Wenn Länder und Unternehmen ihre Dollar-Anlagen in Euro-Anlagen umwandeln, dann wird ohne Zweifel die US-Immobilien- und Wertpapier-Blase platzen. Die Federal Reserve Bank wäre nicht mehr im Stande, mehr Scheine zu drucken, um die Blase wieder aufzupusten, wie sie es zur Zeit offen erwägt. Denn ohne eine Menge Ausländer, die scharf darauf sind, die Dollarscheine weg zu putzen, käme es zu einer ersthaften Inflation, die ihrerseits die Ausländer noch stärker davor zurückschrecken lassen würde, die US-Währung zu behalten, und so würde sich die Krise weiter vertiefen.

Aber auf diesem Weg liegt ein größeres Hindernis: Öl. Öl ist nicht nur bei weitem das wichtigste internationale Handelsgut, es ist der Lebenssaft aller modernen industrialisierten Volkswirtschaften. Hast du kein Öl, mußt du es kaufen. Und wenn du Öl auf den internationalen Märkten kaufen willst, mußt du normalerweise Dollar haben. Bis vor kurzem waren alle OPEC-Länder sich darüber einig, Öl nur gegen Dollar zu verkaufen. Solange wie das der Fall war, war es unwahrscheinlich, daß der Euro Hauptreservewährung werden könnte: Es hat nicht viel Sinn, Euros vorzuhalten, wenn sie in Dollar gewechselt werden müssen, sobald Öl gekauft werden muß. Diese Regelung hieß auch, daß die USA tatsächlich den gesamten Welt-Ölmarkt teil-beherrschten: Öl konnte nur kaufen, wer Dollar hatte, und nur ein Land hatte ds Recht Dollar zu drucken - die USA.

Bisher hat es erst ein OPEC-Land gewagt, zum Euro überzugehen: Irak im November 2000[2],[3]. Es besteht wenig Zweifel daran, daß es sich hierbei um einen bewußten Versuch Saddams gehandelt hat, gegen die USA zurück zu schlagen. Wirtschaftlich hat es sich als ein gewaltiger Erfolg herausgestellt: Zum Zeitpunkt der irakischen Umstellung war der Euro 83 US-Cent wert. Jetzt liegt er über 1,05 Dollar (Anm. d. Übers.: Mitte März 2003 über 1,10 Dollar). Aber diese Entscheidung könnte auch andere Folgen haben.

Ein anderes OPEC-Land hat seit 1999 öffentlich über einen möglichen Wechsel zum Euro gesprochen: Iran[4], ein Land, das seitdem zu George W. Bushs "Achse des Bösen" gehört.
Der Dollar als Leitwährung und das vertrauen in den Wert des Dollar- sichert den USA also ihr Auskommen. Um diese Funktion weiter erfüllen zu können, brauchen die USA die Kontrolle über das Öl!

http://www.nd-online.de/artikel.asp?AID=30239&IDC=25

Zitat:
Dies ist für die USA umso bedeutender, da sich die Spannungen mit dem wichtigsten OPEC-Land, Saudi-Arabien, verschärfen. Allein der Abzug von ca. 250 der 850 Milliarden Dollar saudischer Direktinvestitionen aus den USA war für Washington ein schwerer Schlag, der Vorbote noch gravierenderer Maßnahmen gewesen sein könnte. Die internationale Dollarhegemonie basiert nämlich zu einem wesentlichen Teil auf den Petrodollars. Hierzu schreibt die »Asia Times«: »Jeder akzeptiert Dollars, weil man mit ihnen Öl kaufen kann. Das Recycling von Petrodollars ist der Preis, den die USA den Öl produzierenden Ländern für die Toleranz der OPEC abverlangt hat.« Bislang wurde das in Dollar abgerechnete Öl entweder durch die OPEC-Länder direkt (Waffenlieferungen) oder indirekt (über den Dollar) in den USA reinvestiert. Für die USA kommen demzufolge Überlegungen Saudi-Arabiens, sein Öl künftig in Euro abzurechnen, einer Kriegserklärung gleich. Dies hätte katastrophale Folgen für die Rolle des Dollar als Weltleitwährung und damit für das gesamte (Verschuldungs-)Konzept der USA. Es verwundert nicht, dass jüngst bei einem Briefing vor dem das Pentagon beratenden »Defense Policy Board« mit der Besetzung der Ölfelder des Landes gedroht wurde, falls Riad nicht auf einen USA-freundlichen Kurs zurückkehrt.
Um diese Drohung umsetzen zu können, benötigt man aber das irakische Öl.
Alt 30. 03. 2003, 17:05 Mit Zitat antworten #1
deleted user
 
Beiträge: n/a
Darüber hinaus bringt Krieg auch in den USA wie ein riesiges Investitionsprogramm für die US-Wirtschaft mit sich:

http://www.freitag.de/2003/08/03080302.php

Zitat:
Wir werden uns also auf weitere Kriege gefasst machen müssen. Schauen Sie auf die öffentlichen Ausgaben. In den USA gibt es eine massive Umleitung zugunsten des Militärs. Das Besondere an einem Rüstungskonzern ist ja, dass er nicht auf dem freien Markt verkauft, sondern an das Verteidigungsministerium. Es gibt nur einen Käufer. Wenn die Firmen diesen Markt nicht haben, sind sie tot. Sie können ihr Zeug ja nicht im Supermarkt verkaufen. Und die Zahlen sind doch astronomisch: Der US-Verteidigungsetat 2003 ist 30 Prozent größer als das Bruttoinlandsprodukt Russlands, wo mehr als 150 Millionen Menschen leben.

http://www.nato-tribunal.de/mies.htm

Zitat:
Bis vor kurzem waren die wirtschaftlichen Interessen hinter Kriegen immer noch mehr oder weniger deutlich zu identifizieren. Während des Golfkrieges schrieben sogar Kinder in Köln auf die Straße: "Kein Krieg für Öl!" Sie verstanden, daß es bei diesem Krieg nicht eigentlich um den "zweiten Hitler" Saddam Hussein ging, sondern um die Kontrolle "unseres" Öls am Persischen Golf. Und die Ökonomin Hazel Henderson hat nachgewiesen, daß dieser kurze Golfkrieg die USA aus der Rezession herausgezogen hat. Nach dem Golfkrieg verzeichneten die USA ihren ersten Handelsüberschuß seit 1982. Dieser Handelsüberschuß sei allein auf die 22,7 Billionen US Dollars zurückzuführen, die von den Koalitionspartnern des Golfkriegs in die Staatskasse geflossen seien, schrieb damals der USA TODAY. Schon vor dem Krieg hatten einige Wirtschaftsexperten verkündet, "daß ein kurzer Krieg die USA aus der Wirtschaftsrezession herausziehen würde" (Henderson 1993, S. 235). In den USA seien viele Menschen der Meinung, daß Krieg gut für die Wirtschaft sei, denn Krieg schaffe Arbeitsplätze. Der Golfkrieg habe aber dieser Alltagsmeinung noch eine weitere Dimension hinzugefügt. Er habe einen neuen Trend in der US-Politik begründet, nämlich die Entwicklung hin zu einer "Söldnerwirtschaft". Die USA lassen sich ihre Kriege bezahlen, wenn sie als Weltpolizist auftreten.
Auch die Rüstungsindustrie ist ein Garant für einen wundersamen Wirtschaftsaufschwung, ohne das gigantische Ölmengen vorher verkauft werden müssten.
Alt 30. 03. 2003, 17:09 Mit Zitat antworten #2
Schnapsdrossel
Mitglied
 
Registrierungsdatum: Mar 2003
Beiträge: 9
wer arbeitet denn in der Rüstungsindustrie????

dort verdienen doch nur reiche Milliardäre noch etwas hinzu, nix mit Wirtschaftsaufschwung
Alt 31. 03. 2003, 01:59 Schnapsdrossel is offline Mit Zitat antworten #3
deleted user
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Original geschrieben von Schnapsdrossel
wer arbeitet denn in der Rüstungsindustrie????

dort verdienen doch nur reiche Milliardäre noch etwas hinzu, nix mit Wirtschaftsaufschwung
Wirtschaftsaufschwung, oder gestiegenes Bruttosozialprodukt sagt doch nichts darüber aus, wer davon provitiert.

http://www.zeit.de/2003/06/R_9fstung

Zitat:
Im Haushaltsjahr 2003 kann das Pentagon mit insgesamt 379 Milliarden Dollar rechnen. Das sind rund 29 Prozent mehr als im Jahr 2000.
Schon jetzt ist der Verteidigungsetat der Vereinigten Staaten 25-mal größer als die Summe aller Mittel, die die so genannten Schurkenstaaten Iran, Irak, Lybien, Syrien, Sudan, Nordkorea und Kuba zusammen für die Rüstung aufwenden.
Ist doch ein riesiges Investitionsprogramm für die Wirtschaft.
Ich wollte auch nur darstellen, das nicht erst der Verkauf massenhaft geklauten Öls die Wirtschaft beflügelt, die Kosten für die Initiatoren des Krieges relativiert oder sogar als Peanuts erscheinen lassen. Nicht das ich das gutfinde!
Die Quelle amerikanischen Wohlstandes ist nunmal das Vertrauen in den Dollar. Um das Vertrauen notfalls gewaltsam herzustellen, braucht es die Rüstungsindustrie und Kriege.
Die "Mutter allen Vertrauens" in den Dollar ist das Öl, sofern die USA die Verteilung der Resource Öl kontrollieren und das Öl ausschließlich in Dollar bezahlt wird. Es gibt neben Öl auch noch andere Geschäftsfelder, wie die "zu Tode-Sanierung" von Entwicklungsländern oder Ländern, die in Kriegen dazu gemacht wurden (IWF,Weltbank und Nato). Und auch noch andere Rohstoffinteressen, innere Sicherheit, Verblödungsindustrie u.s.w. Aber Öl ist derzeit wohl das wichtigste und gewinnbringenste Geschäftsfeld.
Alt 31. 03. 2003, 04:40 Mit Zitat antworten #4
videodivx
 
Beiträge: n/a
Ist der IRAk-Krieg nicht auch eine gute Methode gewesen, um ein abschreckendes Beispiel für anderen Staaten zu sein, enn diese etwas gegen die Interessen der Amerikaner tun (BSP: Nordkorea - Atomreaktor!)?

Und die Altbombem müssen auch weg! Also ab über Bagdag - ist billiger als alle zu entschärfen und entsorgen! Das Militär hat dann auch noch paar schießübungen, und man sieht, wie die US-Bürger zu ihrem Präsidenten stehen!

Die einzigen die daran verdienen werden, sind die Rüstungsunternehmen und die (meist) amerikanischen Firmen, die beim Wiederaufbau helfen (Wasserversorgung, Stromversorgung, etc). Das kurbelt die US-Wirtschaft nicht sonderlich an. Ok, das Benzin und Öl wird billiger. Erzeugnisse aus Öl (Kunststoffe, etc. werden auch billiger - das wiederum könnte zu einem wachstum weltweit führe. Könnte das der Aufschwungsein??

Jedenfalls frage ich mal so in diese Runde: Werden wir, wenn der Ölpreis steigt wieder mit nem Bleifuss fahren. Öl und Sprit verschwenden und die Ölreserven so schneller verbrauchen? Was hat die OPEC zu sagen? Die Amis pumpen sicher den Irak leer. Oder?
Alt 31. 03. 2003, 09:59 Mit Zitat antworten #5
Themen-Optionen Antwort


Themen-Optionen

Gehe zu



Alle Zeitangaben in UTC +1. Es ist jetzt 17:30 Uhr.
Angetrieben von vBulletin
Copyright ©2000 - 2006, Jelsoft Enterprises Ltd.
asperger.gullisys.net

Anmelden

Benutzername
Kennwort
© Copyright 2008 gulli.com home | regeln | sitemap | kontakt | impressum | partner | downloads | disclaimer |
Message Boards and Forums Directory