Ich weiss, ich weiss ... seine Bücher sind weder brandneu noch gänzlich unbekannt, dennoch, man erlaube mir, hier ein wenig meiner Begeisterung für diesen Autor Ausdruck zu verleihen.
Südamerika, dieser so ferne und weite Kontinent, der uns durch seine bloße geographische Entrücktheit ein wenig märchenhaft anmutet, dieser Kontinent, den wir eigenlich nur durch Negativmeldungen in der Presse (großes Währungsdesaster in Argentinien, Kriminalität in Brasilien, Banden- und Drogenkriege in Kolumbien) und durch das Pop-Sternchen Shakira in Erinnerung gerufen bekommen, dieses Südamerika bleibt uns Europäern dennoch verschlossen, auch wenn so einige unserer Vorfahren dorthin ausgewandert sind (auf der Flucht vor Hitler, auf der Flucht nach Hitler - auch eine Ironie).
Nun ist dieses Südamerika keineswegs arm an großen, namhaften Autoren, von Borges bis Allende, denen imho allen ein wenig die Neigung zum epischen Erzählen anhaftet. Pablo Neruda sei da noch erwähnt, auch ein Nobelpreisträger, dessen Lyrik ich sehr schätze, aber allen voran der Kolumbianer Gabriel Garcia Márquez ist es für mich, der mir "sein" Südamerika zeigt, so wie ich sehen will.
Das Südamerika der Jahrhundertwende, der Dreissiger Jahre, das Südamerika der skurrilen, tragisch-komischen Figuren wie z.B. ein Florentino Ariza, (aus "Die Liebe in den Zeiten der Cholera") oder ein José Arcadio Buendía (aus "Hundert Jahre Einsamkeit") die alle gewaltig, stur auf ihre Idee bezogen leben und von so zahllosen, bis in liebevollste Details gezeichneten "Randfiguren" wie etwa dem überirdisch-geheimnisvollen Zigeuner Melchíades oder der aufopfernden, dennoch etwas schlemischen Mutter Transito etc. umgeben sind, dass einem die jeweils rund 500 Seiten der genannten Roman fast zu kurz anmuten, jedenfalls für mich war keine Seite davon überflüssig oder gar langweilig.
Daher meine Empfehlung für all jene, die García Márquez noch nicht kennen - lasst euch nicht von der Seitenzahl abschrecken, wenn ihr den breiten, liebevoll ausgefeilten Erzählstil etwas abgewinnen könnt, ist García Márquez euer Mann. Für alle, denen 500 Seiten dennoch zu heavy sind, fangt mit seinen kürzeren Werken an, z.B. "Der Oberst hat niemand, der ihm schreibt" (112 Seiten).
Kleiner Serviertipp - eine CD mit den Lieder von Mercedes Sosa einlegen und ein wenig Mate-Tee dazu trinken (oder Caipirinha) je nach Laune und Neigung ...
wohl bekommts
ME