Brecht setzt sich im Jasager und dem neinsager mit dem verhaeltnis von historischem materialismus und der skeptischen haltung dessen zur religion auseinander. "Ja" und "Nein" zu sagen sind Metaphern fuer das Akzeptieren eines Gottes, der als moralische Instanz ueber den menschen und ihren materiellen Beduerfnissen steht.
Dementsprechend akzeptiert der "Jasager" (der Lehrer) im ersten Stueck diese hoehere Macht (=Gott) und ordnet ihr das Schicksal des Knaben unter. Der Tod des Schuelers symbolisiert damit die Opfer, die die R eligion auch in aufgeklaerten (d.h. marxistischen) Gesellschaften fordern kann. Die "drei Studenten" stellen, glaube ich, auch nen Bezug zur "Dreieinigkeit" dar.
Im Neinsager wird entsprechend Gott geleugnet und der Knabe gerettet. Der Lehrer beruft sich zwar symbolisch auf Gott ("dem Brauch gemaess"), aber er wird abgelehnt und damit selber zum Sinnbild von Gott, der im Materialismus nicht mehr gebraucht wird.
E.M. Cioran hat den begriff des "Demiurgen" gepraegt, der unfaehig gewesden sei, eine lebenswerte Welt zu schaffen. Brecht hatte vor dem Verfassen der "Lehrstuecke" auf einer Rumaenienreise Cioran getroffen und war tief beeindruckt. es heisst entsprechend, der Atheismus der "Lehrstuecke" sei auf diese begegnung zurueckzufuehren, denn derart mit dem Holzhammer wie in den Lehrstuecken hatte Brecht sonst selten geschrieben (Sozialismus gut, Religion boese).
hth,