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Qualität von SF-Literatur oder "War Heinlein ein Reaktionär"

Nachdem in den letzen Wochen in diversen Foren immer mal wieder Seitenblicke auf SF-Autoren und deren Werke geworfen wurden und auch von Arkaengel und dlfa Interesse signalisiert wurde, will ich mal einen "offenen" Thread zu diesem Thema eröffnen. Mit offenen meine ich nicht nur, die von Arkaengel angeregte Heinlein Diskussion, sondern ehr allgemeiner gehalten. Es sind ja auch ständig Namen wie Banks oder Lem im Spiel.

Nun denn mal zu Robert A. Heinlein.
Ich gebe zu, dass ich nicht allzu viel von Heinleins recht umfangreichem Werk gelesen habe. Im Wesentlich wären, dass 'Sternenkrieger' '
Ein Mann in einer fremden Welt', 'die Katze die durch die Wände geht' und natürlich 'Das neue Buch Hiob'. Eben dieses halte ich für ein echtes Meisterwerk. Abgesehen vom Inhalt erscheint das Buch recht "anti-christlich", zumindest werden die christlichen Tradition und Symbole durch den Kakao gezogen. Allerdings beweißt Heinleon in diesem Buch seine wirklich profunde Bibelkenntnis. Das alleine macht natürlich nicht den Reaktionär aus. Wenn ich mir allerdings seine anderen Bücher ins Gedächtnis rufe (auch die, die ich nur angelesen habe), habe ich den Eindruck, dass Heinlein mit dieser Anti-Haltung nur kokettiert. Im tiefsten Herzen ist er dem christlich fundamentalen Weltbild, wie es vor allem in den USA gepflegt wird, tief verwurzelt. Das ganze mache ich primär an seiner Sprache fest. Vielleicht sah er sich als eine Art "Abendland Satiriker".
Ich gebe zu, dass meine Argumente sehr dünn und vielleicht auch Fadenscheinig sind, allerdings sind das meine subjektiven Empfindungen beim lesen - ich fühle mich irgendwie nicht wohl. Das ist nicht meine Welt, in der sich der Autor befindet.

Als sehr subversiv betrachte ich allerdings, die auch schon erwähnten (besonders von mir ) Schotten Iain M. Banks.
Seine Bücher (hauptsächlich die "Kultur"-Romane), lassen es mir immer 'eiskalt' den Rücken runter laufen. Alles ist destruktiv und sehr düster. Die Hauptpersonen (die dem Leser sympathisch erscheinen und ans Herz wachsen), sind oft skrupellose egoistische Verbrecher (Bora Horza Gobuchul in "Bedanke Phlebas"), oder die Geschichten sind einfach sehr tragisch und traurig (wie in "Vor einem dunklen Hintergrund") bis sehr befremdlich ("Extension/Die Spur der toten Sonne").
Banks Welten sind wirklich böse und stellen alles in Frage, auch wenn sie vordergründig erstrebenswert und angenehm erscheinen. (meine die Kultur).

Nun gut, ich will hier ja keine Monologe über meinen persönlichen Geschmack halten (das tue ich oft genug ) und spiele den Ball mal elegant weiter...........



Alla
Alt 27. 05. 2003, 15:13 Mit Zitat antworten #1
shevek
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Beiträge: 1.566
Re: Qualität von SF-Literatur oder "War Heinlein ein Reaktionär"

Hm hm, Heinlein. IIRC habe ich von ihm nur 2 Bücher gelesen, vor sehr vielen Jahren "Fremder in einer Fremden Welt", und Ende letzten Jahres "Das neue Buch Hiob". Seltsamerweise habe ich letzteres sehr schnell wieder vergessen, und ich musste mir vorhin erst das Cover im Internet raussuchen, um sicher zu sein, dass es wirklich das Buch war, das ich meinte.

Info über Robert: http://www.wikipedia.org/wiki/Robert_Heinlein

Zitat:
Das neue Buch Hiob'. Eben dieses halte ich für ein echtes Meisterwerk. Abgesehen vom Inhalt erscheint das Buch recht "anti-christlich", zumindest werden die christlichen Tradition und Symbole durch den Kakao gezogen.
Naja, ein Meisterwerk würde ich es nicht nennen, sonst würde es nach so kurzer Zeit noch viel klarer in meinem Gedächtnis sein. ;) Aber lustig war es.
Für das Buch kam bestimmt auf ein paar fundamentalistische Todeslisten, es ist ja wirklich eine bitterböse Satire.

Zitat:
Allerdings beweißt Heinleon in diesem Buch seine wirklich profunde Bibelkenntnis.
Immerhin ist er in einer streng christlichen Umgebung aufgewachsen, und dort kennt man seine Bibel.

Zitat:
Das alleine macht natürlich nicht den Reaktionär aus. Wenn ich mir allerdings seine anderen Bücher ins Gedächtnis rufe (auch die, die ich nur angelesen habe), habe ich den Eindruck, dass Heinlein mit dieser Anti-Haltung nur kokettiert. Im tiefsten Herzen ist er dem christlich fundamentalen Weltbild, wie es vor allem in den USA gepflegt wird, tief verwurzelt.
Bestimmt nicht. Allein die beiden Bücher, die ich kenne, haben ihn ins ewige Fegefeuer verdammt. Er kennt sich wahrscheinlich recht gut mit christlichen Wertvorstellungen aus, so etwas vergisst man nicht so schnell, aber betrachtet man das, was er schreibt, scheint er wohl doch ein fundamental anderes Weltbild zu haben. Im Fremden wird die freie Liebe propagiert, transzendentale Meditation, nehmen die Leute in der Sekte des Marsianers auch Drogen? Ich weiss es nicht mehr.
Und Hiob wurde ja oben schon angesprochen. Falls Heinlein ein christlicher Fundamentalist war, hat er uns alle gründlichst verarscht. Was für einen Grund sollte er gehabt haben, seiner wahren Überzeugung diametral entgegengesetze Ideen in seinen Büchern aufzunehmen?

Zitat:
Als sehr subversiv betrachte ich allerdings, die auch schon erwähnten (besonders von mir :o) Schotten Iain M. Banks.
Seine Bücher (hauptsächlich die "Kultur"-Romane), lassen es mir immer 'eiskalt' den Rücken runter laufen. Alles ist destruktiv und sehr düster. Die Hauptpersonen (die dem Leser sympathisch erscheinen und ans Herz wachsen), sind oft skrupellose egoistische Verbrecher (Bora Horza Gobuchul in "Bedanke Phlebas"), oder die Geschichten sind einfach sehr tragisch und traurig (wie in "Vor einem dunklen Hintergrund") bis sehr befremdlich
Es gibt auch sehr gute non-SF von ihm, "die Wespenfabrik" und "The Business" kann ich nur empfehlen. "Die Brücke" fand ich etwas zu psychotisch, aber vielleicht sollte ich noch mal reinschauen.
Aber seine SF ist wirklich herausragend, die Welten, die er erschafft, haben immer wieder eine faszinierende Tiefe, die charaktere sind immer sehr interessant und vielschichtig.

Zitat:
("Extension/Die Spur der toten Sonne")
Excession, nicht Extension. :p

Zitat:
Banks Welten sind wirklich böse und stellen alles in Frage, auch wenn sie vordergründig erstrebenswert und angenehm erscheinen. (meine die Kultur).
Ich finde sie immer noch erstrebenswert und angenehm, das interessante an der Kultur ist ja eben, dass sie nicht die zuckersüsse Utopie ist(naja, für die meisten, die in ihr leben und es so wollen, schon ;), sondern dass auch sie ein Imperium ist im ständigen militärischen/diplomatischen Konflikt mit anderen Kulturen.
Und die Schiffe und Drones sind natürlich auch klasse.

So, er wurde jetzt weit genug in den Himmel gelobt.

Ursula K. LeGuin muss natürlich noch erwähnt werden als einer der Sterne am SF-Himmel. Das wurde sie hiermit. ;)

Geändert von shevek (27. 05. 2003 um 22:19 Uhr).
Alt 27. 05. 2003, 21:27 shevek is offline Mit Zitat antworten #2
Korrupt
Boeses junges Fleisch
 
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Re: Re: Qualität von SF-Literatur oder "War Heinlein ein Reaktionär"

Zitat:
Original geschrieben von shevek
Im Fremden wird die freie Liebe propagiert, transzendentale Meditation, nehmen die Leute in der Sekte des Marsianers auch Drogen? Ich weiss es nicht mehr.

An drogen kann ich mich nicht mehr erinnern, aber allein der kannibalismus ist ein wenig... hmmm

Wobei - das ist im nachhinein eine sehr 2christlich" scheinende geschicht - "nehmet hin und esset, das ist mein Leib", wo wir bei der Frage waeren, ob vegetarische, glaeubige Christen eigentlich am Abendmahl teilnehmen duerfen.

Ich kann mir nicht helfen, der Mann in einer fremden welt hat mir Spass gemacht zu lesen, aber der Mix aus Esoterik, einem gewissen Sektierertum und so einem Mensch-Uebermenschending ist mir an sich unsympathisch. ich wuerd ihn deswegen nicht reaktionaer nennen wollen, aber irgendwie suspekt ist er mir schon. Sorry, konkreter gehts nicht.

Zitat:
Ursula K. LeGuin muss natürlich noch erwähnt werden als einer der Sterne am SF-Himmel. Das wurde sie hiermit.


Von der hab ich nur Winterplanet gelesen, was in der feministischen Debatte gern mal angefuehrt wird. ich mag diese idee von Personen, die regelmaessig das Geschlecht wechseln und vielleicht hab ichs zu sehr unter dem gesichtspunkt gelesen und war daher enttaeuscht - ich hatte einfach auf mehr sichtbare Vision einer von geschlechterklischees und -polaritaet ferieren Welt gehofft.

Aber vielleicht sollte ich mich nicht so sehr zum Thema aeussern, letzten Endes bin ich ja eh der Ansicht, dass es ausser Lem und P.K. Dick keine SF - Autoren braucht...
Alt 28. 05. 2003, 09:38 Korrupt is offline Mit Zitat antworten #3
Morphi
fauler Student
 
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Re: Re: Qualität von SF-Literatur oder "War Heinlein ein Reaktionär"

Zitat:
Original geschrieben von shevek

Ursula K. LeGuin muss natürlich noch erwähnt werden als einer der Sterne am SF-Himmel. Das wurde sie hiermit.

Ich hab zwar noch keine SF von LeGuin gelesen, aber ich hab mir in meinen letzten Urlaub den Erdseezyklus von ihr mitgenommen und war ziemlich enttäuscht davon. Meiner Meinung nach wurde das Buch dem vielen Lob, dass es bekommen hat nicht gerecht, die Charaktere waren eher flach, der Handlung fehlte sowohl Spannung, als auch Tiefgang.
Als Urlaubslektüre war es noch recht kurzweilig, aber der viel zu oft bemühte Vergleich mit Tolkien hinkt IMO gewaltig, da LeGuin es nicht schafft ihre Welt so phantasievoll und lebendig zu gestalten und um als Unterhaltungslektüre zu gelten waren die Bücher stellenweise doch sehr zäh und die Handlung wirkte manchmal aufgesetzt und konstuiert.
Recht interessant fand ich eigentlich nur das letzte Buch, da hier die Protagonisten mal keine Helden mit Supermächten waren, sondern einfach nur versuchen ihr Leben und ihre Probleme zu meistern, aber auch hier hat das Drachenkind das Ende ruiniert.

Zitat:
Original geschrieben von Korrupt

Aber vielleicht sollte ich mich nicht so sehr zum Thema aeussern, letzten Endes bin ich ja eh der Ansicht, dass es ausser Lem und P.K. Dick keine SF - Autoren braucht...

also da fehlen auf jeden Fall noch Isaac Assimov, Douglas Adams, Aldous Huxley und bedingt auch Ray Bradburry...
Alt 28. 05. 2003, 12:02 Morphi is offline Mit Zitat antworten #4
Arkaengel
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Re: Qualität von SF-Literatur oder "War Heinlein ein Reaktionär"

Ahh, der versprochene SF-Thread.
Zitat:
Original geschrieben von x12x13
Wenn ich mir allerdings seine anderen Bücher ins Gedächtnis rufe (auch die, die ich nur angelesen habe), habe ich den Eindruck, dass Heinlein mit dieser Anti-Haltung nur kokettiert. Im tiefsten Herzen ist er dem christlich fundamentalen Weltbild, wie es vor allem in den USA gepflegt wird, tief verwurzelt. Das ganze mache ich primär an seiner Sprache fest. Vielleicht sah er sich als eine Art "Abendland Satiriker".
Heinlein kann man viel nachsagen, aber Christentum weniger. Ich habe mittlerweile fast alles von ihm gelesen, auch Interviews, und zur Religion an sich pflegte er ein wissenschaftliches Verhältnis - "Insufficient data to base a position on". Über Religionsfanatiker jeglicher Couleur hat er seinen Spott ergossen;Gläubige, die anderen nicht den Glauben aufzwingen wollen, hat er gewähren lassen. Das wohl deutlichste Statement dazu stammt aus To Sail Beyond The Sunset, in dem der Vater der Hauptperson sinngemäß sagt, "Wenn die Gesellschaft von dir erwartet, dir blauen Schlamm in den Bauchnabel zu reiben, dann ist es oft einfacher, den Schlamm einzureiben und den Popen im kleinen Kreis auszulachen". (Das Statement wird so um 1900 gemacht, nur um den zeitlichen Kontext herzustellen.)
Teilweise hatte Heinlein aber schon das, was man heute ein reaktionäres Weltbild nennen würde. Von Pazifismus hielt er nicht viel (von Wehrpflicht und Zwang allerdings auch nicht); gewisse alttestamentarische Werte (Respekt gegenüber Älteren, Bereitschaft zum Individualopfer für das Gemeinwohl) hielt er auch hoch bzw. betrachtete sie als notwendig für das Funktionieren einer Gesellschaft. Ich habe in letzter Zeit einiges übers republikanische Rom gelesen und finde dort einige Positionen, die ganz ähnlich auch bei Heinlein auftauchen; auch bei Heraklit scheint er einiges entliehen zu haben. Allerdings lehnt Heinlein in all seinen Schriften den Zwang zur Pflichterfüllung ab; er scheint eher vom "perfekten Republiksbürger" auszugehen, der sich dahingehend mit seiner Gemeinschaft identifiziert, dass sich die Frage nach der Pflichterfüllung gar nicht erst stellt.
Aus meiner Sicht schwankt Heinleins Weltbild zwischen Anarchismus (im Sinne von Bakunin, nicht von den Hobby-Anarchos, die jährlich Kreuzberg zu Schutt und Asche schlagen) und einem klassisch-archaischen Republikanismus. Er war pro Todesstrafe (reaktionär), pro Frauenrechte (liberal), pro Kapitalismus, gegen aufgeblähte Regierungsapparate und bei Drogen neutral. Insgesamt schwer einzustufen. Was seine exakte politische Position angeht, ist das Buch Take Back Your Government aufschlußreich; da bilanziert er seine politisch aktive Phase und gibt Anregungen für einen politischen Wahlkampf "von unten", d.h. außerhalb des normalen Parteigefüges.

Von Ian Banks kenne ich bislang nur Wasp Factory, welches genial und zutiefst krank war. Seine SF-Sachen sollte ich mir mal zu Gemüte führen. Bei SF laviere ich ohnehin zwischen zwei Polen: einerseits liebe ich klassiche SF (Heinlein, Asimov, Frank Herbert, E.E. "Doc" Smith, Larry Niven, et al); andrerseits finde ich deren Zukunftsvorstellungen teilweise sehr angestaubt, wenn man sie mit den Welten neuerer Autoren (Philip K. Dick, Bruce Sterling, William Gibson, Neal Stephenson, usw.) vergleicht. An den erstgenannten Autoren gefällt mir die weitausholende, teils utopische Sicht des Menschen und seiner Möglichkeiten in einem unendlichen Universum; die letztgenannten Autoren überzeugen mich dadurch, dass sie mit einem hohen Maß an Zynismus und schwarzem Humor darauf hinweisen, dass der Mensch so weit von der Höhle doch noch nicht entfernt ist.

@Korrupt, bezüglich des Kannibalismus in Stranger In A Strange Land: die Jesus-Parallele ist ja von der Hauptfigur gewollt; es ist ja sein Ziel, exakt diesen Weg zu gehen. Ob das der beste ihm zur Verfügung stehende Weg ist, sei dahingestellt. Es hilft bei diesem Buch aber, zu wissen, dass Heinlein von seinem Verlag zu sehr weitreichenden Änderungen gezwungen war; erst in den englischen Ausgaben ab 1996 steht der Originaltext. Die Übermenschengeschichte ist auf den ersten Blick suspekt, da gebe ich dir recht; IMO relativiert sich das aber dadurch, dass ja der Übermensch Smith nicht qua Genetik der Übermensch ist, sondern durch seine Kenntnis der marsianischen Sprache, und dass er dieses Wissen auch gerne und bereitwillig weitergibt. Nirgendwo in dem Roman ist mir ein Statement aufgefallen, dieses Wissen sei zu esoterisch, um von der breiten Masse verstanden zu werden; die Hauptfigur ist eher egalitär als elitär. All in all ist es nicht sein Meisterwerk, auch wenn's der erste Heinlein war, den ich gelesen habe (mit elf Jahren, nebenher, und danach war Naked Lunch dran - Heinlein und Burroughs sind schuld, dass ich so geworden bin )

Diejenigen, die Heinleins Sternenkrieger (Starship Troopers) gelesen haben, sollten sich mal von Harry Harrison Bill, The Galactic Hero zu Gemüte führen - es ist sozusagen der Gegenentwurf zur teilweise arg unkritischen Sicht des Militärs, die in Heinleins Roman ausgebreitet wurde. Harrison ist insgesamt sehr gut und witzig, eher der satirischen SF zuzuteilen; seine Stainless Steel Rat-Reihe ist besonders gelungen. Ich weiss leider nicht, ob und inwieweit es deutsche Fassungen gibt.
Alt 28. 05. 2003, 20:18 Arkaengel is offline Mit Zitat antworten #5
shevek
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Re: Re: Re: Qualität von SF-Literatur oder "War Heinlein ein Reaktionär"

Zitat:
Korrupt
Von der hab ich nur Winterplanet gelesen, was in der feministischen Debatte gern mal angefuehrt wird. ich mag diese idee von Personen, die regelmaessig das Geschlecht wechseln und vielleicht hab ichs zu sehr unter dem gesichtspunkt gelesen und war daher enttaeuscht - ich hatte einfach auf mehr sichtbare Vision einer von geschlechterklischees und -polaritaet ferieren Welt gehofft.
Le Guin erwähnte später selbst die Probleme dieses Buches, speziell dass sie die Androgynität der Figuren schon allein dadurch in Frage stellte, indem sie durchweg männliche Pronomina verwendete und mehr "typisch männliche" Verhaltensweisen beschrieb. Sie wertete das Buch sogar als "Misserfolg"(vom feministischen Aspekt her), wobei zu bedenken ist, dass sie das Buch recht früh in ihrer schriftstellerischen Karriere schrieb und auch ihre feministische Entwicklung noch am Anfang stand, sie sah das ganze wohl eher als Experiment an.
Das bringt mich zu Problemen der Sprache, die bestimmte Denkweisen produziert bzw.erst ermöglicht, was LeGuin später in "The Dispossessed" aufgreift(als Nebenaspekt der imho brillianten Beschreibung einer anarchosyndikalistisch organisierten Gesellschaft). Den Nick, den ich benutze, habe ich übrigens schamlos dem Protagonisten von "The Dispossessed" geklaut. Er würde sich darüber freuen, hoffe ich. ;)

Zitat:
Aber vielleicht sollte ich mich nicht so sehr zum Thema aeussern, letzten Endes bin ich ja eh der Ansicht, dass es ausser Lem und P.K. Dick keine SF - Autoren braucht... [/b]
Verkürzte SF-Rezeption nenne ich das mal.

Zitat:
Morphi
Meiner Meinung nach wurde das Buch dem vielen Lob, dass es bekommen hat nicht gerecht, die Charaktere waren eher flach, der Handlung fehlte sowohl Spannung, als auch Tiefgang.
Als Urlaubslektüre war es noch recht kurzweilig, aber der viel zu oft bemühte Vergleich mit Tolkien hinkt IMO gewaltig, da LeGuin es nicht schafft ihre Welt so phantasievoll und lebendig zu gestalten und um als Unterhaltungslektüre zu gelten waren die Bücher stellenweise doch sehr zäh und die Handlung wirkte manchmal aufgesetzt und konstuiert.
Naja, ganz so schlimm war es doch nicht. Ogion, Ged und die Herrscherin der Altengewölbe, Tenar, gefielen mir schon recht gut. Besser, schlechter als Herr der Ringe? Keine Ahnung. Da dies die einzigen beiden Fantasy-Stories sind, die ich kenne, bin ich besser still. Ich gebe zu, dass Tolkiens Geschichte komplexer ist.
Es gibt eine Kurzgeschichte von ihr, die mit dem Patriarchat im ursprünglichen Erdsee-Zyklus wenigstens teilweise aufräumt oder es "erklärt", den Titel der Anthologie kann ich dir leider grade nicht sagen, ich habe sie verliehen. ;)
Aber wir reden ja auch nicht über Fantasy, Zaubern nervt sowieso.

Zitat:
Arkaengel
Aus meiner Sicht schwankt Heinleins Weltbild zwischen Anarchismus (im Sinne von Bakunin, nicht von den Hobby-Anarchos, die jährlich Kreuzberg zu Schutt und Asche schlagen) und einem klassisch-archaischen Republikanismus. Er war pro Todesstrafe (reaktionär), pro Frauenrechte (liberal), pro Kapitalismus, gegen aufgeblähte Regierungsapparate und bei Drogen neutral.
Dass man das auch nur ansatzweise als anarchistisch defnieren kann, bezweifele ich mal.

Zitat:
(Heinlein, Asimov, Frank Herbert, E.E. "Doc" Smith, Larry Niven, et al); andrerseits finde ich deren Zukunftsvorstellungen teilweise sehr angestaubt, wenn man sie mit den Welten neuerer Autoren (Philip K. Dick, Bruce Sterling, William Gibson, Neal Stephenson, usw.)
Wow, da stösst es mir aber sauer auf, wenn ich diesen Herrn Smith in der Reihe der Autoren auftauchen sehe. Ich kenne seinen Skylark-Zyklus zwar nicht, aber die Lensman-Reihe würde ich selbst unter Folter noch in die Kategorie der schlechtesten Bücher, die mir je untergekommen sind, einordnen. In 6 Büchern a ca. 200 Seiten schafft er es nicht, auch nur annähernd interessante Charaktere zu entwickeln, von seinem Frauenbild, dieser puren Beleidigung an der Hälfte der Menschheit, ganz zu schweigen. Die Elite des Universums, natürlich hauptsächlich Menschen, von irgendwelchen geistigen Überwesen gefördert, treten an gegen komplett hirnverbrannte Bösewichte, natürlich hauptsächlich keine Menschen, gefördert von irgendwelchen schleimigen Überwesen. Mein Hirn schmerzt.

Zitat:
seine Stainless Steel Rat-Reihe ist besonders gelungen. Ich weiss leider nicht, ob und inwieweit es deutsche Fassungen gibt.
Sollte es in recht vielen Büchereien geben. Irgendwas mit Stahlratte nennen sich die Bücher auf Deutsch. Du meinst, es ist sinnvoll, das zu lesen? Ich bin bis jetzt immer aus nicht definierbaren Gründen davor zurückgeschreckt, es mir auszuleihen.
Harrisons "New York 1999" habe ich mal gelesen, fand ich eine ganz interessante Dystopie. Basiert nicht dieser Film namens "Die überleben wollen" oder "Soylent Green" oder so darauf?

Geändert von shevek (29. 05. 2003 um 00:19 Uhr).
Alt 28. 05. 2003, 23:43 shevek is offline Mit Zitat antworten #6
Arkaengel
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Re: Re: Re: Re: Qualität von SF-Literatur oder "War Heinlein ein Reaktionär"

Zitat:
Original geschrieben von shevek
Dass man das auch nur ansatzweise als anarchistisch defnieren kann, bezweifele ich mal.
Die Romane um die Howard Families und Lazarus Long sowie die Beschreibungen des Planeten Beulahland tendieren schon dahin, einen anarchistisch geprägten Kapitalismus hochzuhalten. Für Regierungen und Politik hatte Heinlein wenig gute Worte übrig, sagen wir's so.
Zitat:
Wow, da stösst es mir aber sauer auf, wenn ich diesen Herrn Smith in der Reihe der Autoren auftauchen sehe. Ich kenne seinen Skylark-Zyklus zwar nicht, aber die Lensman-Reihe würde ich selbst unter Folter noch in die Kategorie der schlechtesten Bücher, die mir je untergekommen sind, einordnen. In 6 Büchern a ca. 200 Seiten schafft er es nicht, auch nur annähernd interessante Charaktere zu entwickeln, von seinem Frauenbild, dieser puren Beleidigung an der Hälfte der Menschheit, ganz zu schweigen. Die Elite des Universums, natürlich hauptsächlich Menschen, von irgendwelchen geistigen Überwesen gefördert, treten an gegen komplett hirnverbrannte Bösewichte, natürlich hauptsächlich keine Menschen, gefördert von irgendwelchen schleimigen Überwesen. Mein Hirn schmerzt.

Aber so funktioniert space opera nun mal. Über Gordon Dicksons Dorsai-Romane und E.C. Tubbs Novellen kann man ähnliches sagen; das Subgenre lebt halt von gewissen Klischees. Ich habe die Romane für die Traveller-RSP-Kampagne, die ich damals am Laufen hatte, schamlos ausgeschlachtet, und nahezu jeder SF-Fan kennt die Dorsai sowie den Lensman; insofern sind's Genreklassiker. Ob sie dadurch auch hohe Literatur sind oder nicht, steht auf einem anderen Blatt. Asimovs Foundation handelt ja auch von einer Gesellschaft der Übermenschen, auch wenn sein Frauenbild etwas differenzierter ist. Man sollte bedenken, dass viele dieser Werke in den späten 50er Jahren entstanden; H.P. Lovecrafts Ansichten zu Frauen und Nicht-Angelsachsen sind ja auch verheerend, aber trotzdem habe ich seine Bücher alle und lese sie regelmäßig.
Zitat:
Du meinst, es ist sinnvoll, das zu lesen? Ich bin bis jetzt immer aus nicht definierbaren Gründen davor zurückgeschreckt, es mir auszuleihen.
Hör auf, zurückzuschrecken. Lies sie einfach. Wenn die Übersetzung nicht völlig daneben sind und du für satirische SF etwas übrig hast, werden sie dir gefallen.
Zitat:
Harrisons "New York 1999" habe ich mal gelesen, fand ich eine ganz interessante Dystopie. Basiert nicht dieser Film namens "Die überleben wollen" oder "Soylent Green" oder so darauf?
Ja. Auf Englisch hieß das Buch Make Room! Make Room! Ist aber nicht ganz repräsentativ für sein Werken, das sind eher die SSR-Romane.
Alt 29. 05. 2003, 01:24 Arkaengel is offline Mit Zitat antworten #7
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Re: Re: Qualität von SF-Literatur oder "War Heinlein ein Reaktionär"

Zitat:
Original geschrieben von Arkaengel
Bei SF laviere ich ohnehin zwischen zwei Polen: einerseits liebe ich klassiche SF (Heinlein, Asimov, Frank Herbert, E.E. "Doc" Smith, Larry Niven, et al); andrerseits finde ich deren Zukunftsvorstellungen teilweise sehr angestaubt, wenn man sie mit den Welten neuerer Autoren (Philip K. Dick, Bruce Sterling, William Gibson, Neal Stephenson, usw.) vergleicht. An den erstgenannten Autoren gefällt mir die weitausholende, teils utopische Sicht des Menschen und seiner Möglichkeiten in einem unendlichen Universum; die letztgenannten Autoren überzeugen mich dadurch, dass sie mit einem hohen Maß an Zynismus und schwarzem Humor darauf hinweisen, dass der Mensch so weit von der Höhle doch noch nicht entfernt ist.

Naja, Dick würde ich nicht unbedingt zu den neueren Autoren zählen
Aber ich möchte mal etwas Werbung machen, dafür iost dieser Thread ja auch da, um zu dokumentieren, dass SF wesentlich mehr als Perry Rhodan zu bieten hat.
Aber mal zum Thema weit ausholdend, aber doch klassisch.
Da möchte ich dir unbedingt mal von Peter F. Hamilton den "Armagedon Zyklus" an Herz legen.
Hamilton ist mehr als auslandend, er kommt in 6 Bänden mit insgesamt 6000 Seiten daher. Das Buch (Bücher), ist klassisch und schnörkellos geschrieben, bereitet aber eine unglaublich Facettenreiche Utopie aus. An allen Enden und Ecken glänzen verblüffende Ideen. Für mich eine der aufregendens und spannendens Space Opera überhaupt.
Ich hatte mir mal mehr oder weniger Zufällig den ersten Band geholt, in der Mitte dieses bin ich dann in den Buchladen gefahren und habe die restlichen 5 sofort gekauft.



Alla
Alt 29. 05. 2003, 02:45 Mit Zitat antworten #8
Arkaengel
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Philip K. Dick

Zitat:
Original geschrieben von x12x13
Naja, Dick würde ich nicht unbedingt zu den neueren Autoren zählen
Chronologisch nicht, das stimmt. Aber ich sehe ihn stilistisch und thematisch eher bei den New-Wave-SF-Authoren wie Moorcock angesiedelt, als bei den Golden-Age-Authoren wie Asimov und Herbert. Kann man drüber streiten; Larry Niven ist ja chronologisch nicht Golden Age, thematisch schon eher.

Hamilton hatte ich bislang noch nicht gelesen, zumindest nicht, soweit ich mich daran erinnere. Muß ich mal nachholen...meine Bibliothek vor Ort hat leider eine miserable Abteilung englischer Bücher, und ich vermeide Übersetzungen, wann immer es geht. Mit etwas Glück sind die Sachen ja im Depot.

Den schlechtesten SF-Autoren aller Zeiten hat noch keiner erwähnt, btw. Sagt euch L. Ron Hubbard etwas? Nicht nur seine Religion ist scheiße; seine Bücher taugen auch nichts. Das ist der Mann, der das Buch zu Battlefield Earth verbrochen hat.
Alt 29. 05. 2003, 03:13 Arkaengel is offline Mit Zitat antworten #9
Tigger Spender
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orginal von Arakaengel
Zitat:
Den schlechtesten SF-Autoren aller Zeiten hat noch keiner erwähnt, btw. Sagt euch L. Ron Hubbard etwas? Nicht nur seine Religion ist scheiße; seine Bücher taugen auch nichts. Das ist der Mann, der das Buch zu Battlefield Earth verbrochen hat.


na ja...ich sehe in nicht so sehr als SF-Autor..also mit sehr viel gutem willen und einem ordentlichen schlag zur fantasy schon... fuer mich ist er eher ein Gaukler wie es vor im schon viele gegeben hat.mir wuerde auch der ausdruck"scharlatan" einfallen,obwohl ich ihn fuer den begnadesten von allen vorbehalte "jesus von nazareth"

natuerlich ist "sternenkrieger" ..Konservativ - reaktionär und auch "etwas" faschistoid aber mit recht..oder vielmehr mit absicht..wen man in den spiegel blickt muss das licht hell sein....gleissend hell.
fuer mich persoehlich, brachten das am besten "sternen-krieger" glockwork-orange" und natuerlich "der staehlerne traum" von norman spinnrad zustande..


seeya Tigger

Geändert von Tigger (04. 06. 2003 um 22:10 Uhr).
Alt 04. 06. 2003, 21:58 Tigger is offline Mit Zitat antworten #10
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Zitat:
Original geschrieben von Tigger
na ja...ich sehe in nicht so sehr als SF-Autor..also mit sehr viel gutem willen und einem ordentlichen schlag zur fantasy schon... fuer mich ist er eher ein Gaukler wie es vor im schon viele gegeben hat.mir wuerde auch der ausdruck"scharlatan" einfallen,obwohl ich ihn fuer den begnadesten von allen vorbehalte "jesus von nazareth"
Ich muß demnächst doch mal den Scientology-Thread aufmachen. Da ist mir in letzter Zeit soviel Material in die Finger gekommen; ausserdem haben diese Ärsche eine meiner Websites kicken lassen.
Zitat:
natuerlich ist "sternenkrieger" ..Konservativ - reaktionär und auch "etaws" faschistoid aber mit recht..oder vielmehr mit absicht..wen man in den spiegel blickt muss das licht hell sein....gleissend hell.
fuer mich persoehlich, brachten das am besten "sternen-krieger" glockwork-orange" und natuerlich "der staehlerne traum" von norman spinnrad zustande..
Weiß nicht. Ich habe letzthin Heinleins Briefwechsel von 1939-1975 (Briefe an Redakteure, Agenten, Mitautoren usw.) gelesen; als Satire hat er den Roman nicht gemeint. Das Buch entsprang einer seiner unveröffentlichten "Juveniles" (für den Jugendmarkt geschriebene Novellen), die während des 2. Weltkriegs entstand. Heinlein fing IMO erst nach dem Ende des Vietnamkriegs an, die Rolle des Militärs etwas kritischer zu sehen.
Alt 04. 06. 2003, 22:08 Arkaengel is offline Mit Zitat antworten #11
dlfa
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Na toll, wenn man mal im Urlaub ist, entstehen gleich die interessantesten Threads. Hat jetzt noch jemand das Bedürfnis, weiterzudiskutieren, sonst lasse ich das Ding doch weitergammeln...

Gruß,
dlfa
Alt 05. 07. 2003, 21:04 dlfa is offline Mit Zitat antworten #12
Arkaengel
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Zitat:
Original geschrieben von dlfa
Hat jetzt noch jemand das Bedürfnis, weiterzudiskutieren, sonst lasse ich das Ding doch weitergammeln...
Ich persönlich bin noch durchaus diskussionsbereit. Legst du ein Posting vor?
Alt 07. 07. 2003, 21:55 Arkaengel is offline Mit Zitat antworten #13
dlfa
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Hmm.. ich muß definitiv mehr auf die anderen Foren achten.
Ein Posting vorlegen? Das ist wie die Aufforderung, nicht an grüne Krokodile zu denken.
Je nun, nachdem ich von Heinlein den "Mann in einer fremden Welt", "Sail beyond the sunset" und "Die Leben des Lazarus Long" gelesen habe (plus ein, zwei Bücher, an deren Titel ich mich momentan nicht erinnere), nehme ich von ihm doch so einige persönliche Eindrücke mit.
Ganz stark fällt mir natürlich seine seltsame Einstellung zum Inzest auf. Einvernehmlicher Sex zwischen blutsverwandten Erwachsenen (wobei er die Definition von "Erwachsen" doch etwas weit zieht - mit vollendeter Pubertät) ist ja wirklich nur aus kultureller Geschichte verboten - und wenn man das Argument der ungünstigen Genkombinationen so entkräften kann, wie er es ja in seinen Stories tut, gibt es noch nicht einmal naturwissenschaftliche Gründe dagegen. Trotzdem kommt mir diese wiederholte "Tochter/Sohn/Bruder/Schwester ist scharf auf Vater/Mutter/Schwester/Bruder"-Konstellation doch etwas künstlich vor. Sicherlich hat er es nicht gewagt, eine vom älteren Teil ausgehende Beziehung zu beschreiben, weil er damit gefährlich in den Bereich des Kindesmißbrauchs gerückt wäre - ich frage mich nur immer, wenn ich sowas lese, ob der Mann Kinder (Töchter?) hatte.
Auf jeden Fall kann man mit so einer sexuellen Überzeugung wohl auch kaum bibelkonform leben und denken. Daß er seine Religion dabei kennt, ist in meinen Augen eher schon verpflichtend, wie will er sich sonst qualifiziert dazu äußern. Aber einige seiner Bemerkungen über den amerikanischen "Bible belt" sprechen doch nun wirklich Bände - ganze Bibliotheken sogar. Ihn in dem Sinne "reaktionär" zu nennen, sogar zu denken, daß er im tiefsten Herzen zustimmt... nein, wirklich nicht. Kann ich absolut nicht nachvollziehen.
Eher witzig finde ich da schon seine Bereitschaft, für seinen Staat sein Leben und seine Gesundheit sozusagen fraglos zu riskieren, obwohl er bei jeder sich bietenden Gelegenheit auf das dramatisch bröckelnde Niveau (und den schon im Kern verpfuschten Ansatz) der demokratischen Gesellschaften hinweist. Da scheint mir schon eher das reine "Lippenbekenntnis" zu stecken.

Nun ja.
Wo der Name LeGuin gefallen ist - die Frau ist absolut nicht mein Ding. IMHO schafft sie es nicht, eine gesellschaftskritische Idee in einen spannenden Roman zu packen - die Bücher, die ich von ihr gelesen habe, schienen entweder eine utopische These vorzuführen, aber keine Spannung und fortlaufende Geschichte mit Klimax zu haben, oder sie verlor sich in einer - mäßig - spannenden Geschichte, die aber reichlich konventionell und vorhersagbar verlief. Meine Erfahrungen beziehe ich allerdings aus nur zwei, drei Geschichten von ihr, die ich hoffentlich jetzt auch richtig ihr zuordne - die Story über das Doppelplanetensystem, auf deren einem Planeten der absolute Kommunismus herrscht - Titel total vergessen - und dem "großen Abenteuer des Mutanten" - und der Story über den matriarchalischen Planeten, wo alle "richtigen" Kinder perfekte Klone ihrer Mütter sind und nur die Unterschicht der "Sommerkinder" auf konventionellem Wege gezeugt wurden.

Ach, und kennt jemand die Reihe der "Uplift"-Romane von ... äh... verflixt... Name vergessen?
Mit der Theorie, das jede Rasse ihre Intelligenz von einer "Patronen"-Rasse "angezüchtet" bekommt, nur die Menschheit anscheinend nicht? Stichwort "Streaker"... und ich lauere auf die Fortsetzung.
(Der hat auch "The Practise Effect" geschrieben, eine neckische SF-Fantasy-Story über "umgekehrte" Entropie... sehr gut.)

Gruß,
dlfa
Alt 15. 07. 2003, 20:12 dlfa is offline Mit Zitat antworten #14
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