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fiveofeleven
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Hiho,
vielleicht ein zu persönliches Thema, aber einen Versuch ist es ja wert...
Ich frage mich, angesichts der Threads der letzen Zeit - beziehe mich hier v.a. auf die Nazi Threads, deutsche Einheit etc., wie das Weltbild derjenigen aussieht, die der Meinung sind, die derzeitige Gesellschaftsform wäre der Kapitalismus én perfection und als ihre Zielgesellschaft einen - erst mal für mich nicht näher verständlichen "Kommunismus" anstreben.
Bin mir bewusst, dass eine gedachte Idealgesellschaft mit der Idee des Kommunismus schon recht weit übereinstimmt, aber wie stellt ihr euch das bitte konkret vor??
Wer behauptet, der Imerialismus in der EU gewinnne wieder an Boden, und andere Methoden fordert, gegen Rechtsradikalinskis vorzugehen (und von der Regierung behauptet, sie müsse mehr tun) der muss doch ein ausgefeiltes Bild vor Augen haben...

Ich denke mal, dass die Threads der letzten Zeit da leider immer irgendetwas im Raum haben stehen lassen, da zwar etwas kommentiert wurde, jedoch die dahinterliegenden Grundannahmen völlig verschiedene sind.
Bspw hier wäre es denke ich schon interessant, mal mehr über ein Zielkonstrukt zu erfahren.
Ohne jemand speziellen anzusprechen, ist es halt immer recht leicht, irgendetwas zu kritisieren, aber das basiert ja auch immer auf einer eigenen Meinung.

Soviel erst mal zum Opening...

so long fiveofeleven
Alt 06. 10. 2000, 23:58 fiveofeleven is offline Mit Zitat antworten #1
Korrupt
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Erstmal: das waere ein Thema fuer ne Hausarbeit, nicht fuer nen Thread, und es kamen schon die Beschwerden, dass ich immer solche Romane schreiben wuerde *lach*

Versuch in Kuerze:

ich hab wenig Gegenentwuerfe, ich halte das auch fuer etwas uebereilt. Prinzipiell ist mein Ziel, dass das aktuelle System von seiner aktuellen Unantastbarkeit wiede runtergehiolt wird. Solange was anderes als der allein seligmachende Kapitalismus nicht mal unter "Utopien" auf der Tagesaordnung steht, halte ich ein fundiertes Rangehen an detaillierte Gegenentwuerfe fuer eine Verschwendung von Gedanken und Arbeitskraft, weil wir grade akutere Sachen anstehen haben.
Kurz: mir ist eine breitere Kritik grade wichtiger als ausfuehrliche Gegenentwuerfe. Momentan sind "wir" ein paar Ewiggestrige, die nicht verstanden haben, dassdas "Experiment Sozialismus" im Feldversuch gescheitert ist. Dass das gewesene nur recht muehevoll als real existierender Sozialismus gedeutet werden kann, wird unter den Tisch gefegt, ebenso wird uebersehen, dass der Kapitalismus seine Zusammenbrueche ebenso mit erzeugt, nur passieren die nicht hier und nicht so unmittelbar sichtbar. Aber ich wiederhole mich.

Was stelle ich mir vor? Ich wuerde mir zum Beispiel wuenschen, dass an den Wiwi - und VWL - Fakultaeten wieder mehr ueber staatlich regulierte Produktion gelehrt wird. Ich denke, dass es Industriezweige gibt, wo das unabdingbar wird. Zum Beispiel.
Es wird eine Politik betrieben, die den Einzelnen zum Unternehmer seiner Arbeitskrat wird. Man muss drueber nachdenken, wie man Rahmenbedingungen schafft, in denen es sich lohnt, solidarisch zu sein.

Mit dem Vorgehen gegen rechte hat das aber erstmal nix zu tun. Da sehe ich, wie es mir PeterPanter gerne an den Kopf schmeisst, eben die Parallele zu den 70ern, und wenn der Staat so antirechts waere, wei er grade tut, waerst du im Knast, wenn du "Hakenkreuz" auch nur denken wuerdest. Ich wuensch mir nen Staat, der sein Antifageheuchle auch umsetzt und eben nicht wartet, bis eben wieder Synagogen brennen. Der "Wert" eines Menschen wird eben grade nach seinem Verduienst festgeschrieben. Und wenn die RechtenWirtschaftsbosse und Politiker angreifen wuerden, wegen ihrer GreenCarduionitiative oder ihrern Einwanderungsplaenen, dann waere inzwischen ein anderer Kurs faellig...

Anderrerseits wird alles, was der Staat so an Restriktion schafft, frueher oder spaeter auch gegen Linke eingesetzt. Daher werfe ich dem Staat hier vordringlich seine Heuchelei vor. Der widerstand sollte schon aus der Gesellschaft kommen, nichtr von Staats wegen verordnet sein.

Oh shit, ich wollte eigentlioc bloss kurz reinsehen... Fortsetzung folgt, versprochen

Alt 07. 10. 2000, 11:16 Korrupt is offline Mit Zitat antworten #2
Boomer Spender
Blöder alter fetter Kater
 
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Ein bißchen Frieden, ein bißchen Sonne
für diese Erde, auf der wir wohnen.
Ein bißchen Frieden, ein bißchen Freude,
ein bißchen Wärme, das wünsch ich mir.

Ein bißchen Frieden, ein bißchen Träumen
und daß die Menschen nicht so oft weinen.
Ein bißchen Frieden, ein bißchen Liebe,
daß ich die Hoffnung nie mehr verlier' .


Alt 07. 10. 2000, 13:35 Boomer is offline Mit Zitat antworten #3
Korrupt
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Ups, da kann ich nicht gegen anpoeten :-)

Ich wollte noch kurz auf http://board.gulli.com/vb/showthread.php?threadid=11877
hinweisen, da gings ansatzweise um dieselbe Sache. Und dann wollte ich nioch ergaenzen, was ich, denke ich, als zentral betrachten mag: mein "Weltbild" ist vonMenschen gepraegt. Was ich damit sagen will: die Gravitationskonstante isteben diese 9,81, und wenn ich mich auf den Kopf stelle. Aber Gesellschaft ist von MENSCHEN gemacht, und die Art und Weise, wie sie funktioniert, ist von Menschen bestimmt. Das heisst, es *kann* auch anders sein.
Womit ich mich gegen die ganzen Thesen wie
"Es gibt eine Gesetzmaessigkeit, nach der Maerkte/Menschen/Preise/Solidaritaet/Konkurrenz/egal NATUERLICHERWEISE..." Schwachsinn sind. Was ist, wird von Leuten gemacht, und kann von Leuten auch anders gemacht werden. Ich glaube, das ist so ein zwentraler Punkt meines "Menschenbilds" grade wenns um die von Fiveofeleven angesprochenen Fragen geht.

Wollte ich nur ergaenzt haben.
Alt 07. 10. 2000, 15:15 Korrupt is offline Mit Zitat antworten #4
fiveofeleven
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Hiho
@ Korrupt,
erstmal fettes Thx, dass Du Dich überhaupt in einer solchen Weise zu einem zugegebenermassen schwierigen und "seitenfüllenden" Thema äusserst.
Bin mir der Schwierigkeit bewusst, seine Gedanken klar verständlich in schriftlicher Form darzulegen, da man Missverständnisse ja nicht sofort im Gespräch klären kann.
Mir persönlich sind dabei "Romane" lieber, als ein kurzes Statement, welches dann nur als eine unbedachte Provokation aufgefasst wird.
Denke aber schon, dass es dass wert ist...

On topic:

Wenn man beispielsweise das Vorgehen gegen die RAF in den 70ern betrachtet, bist Du da nicht der Meinung, dass es damals leichter war gegen (nagelt mich bitte nicht auf genaue Zahlen fest, mir geht es um die Dimensionen) 100 oder 200 als Terroristen festgelegt Personen zu verfolgen und gegen sie vorzugehen, als heutzutage gegen eine wesentlich grössere Masse, die zwar (so sehe ich dass) gleichermassen ausserhalb des Gesetzes steht, aber doch auch inhomogener ist. Was ich damit meine, wie soll ein Staat effektiv bspw. gegen Rechtsradikalismus vorgehen, wenn er sich immer in einem Zielkonflikt zwischen dem Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit und dem Schutz der Allgemeinheit vor Kriminalität befindet.
Die RAF seinerzeit, liess sich genau als eine kriminelle Vereinigung festmachen, der Personenkreis der ihr zugehörte, wusste mehr oder minder um die Ziele der RAF und deren Vorhaben, Wirtschaftbosse und Politiker umzubringen.
Wer heutzutage Rassismus in welcher Form auch immer in sich trägt, der kann ein weites Spektrum durchlaufen, von blosser Ignoranz anderer, bis hin zu eben jenen verabscheuungswürdigenden Verbrechen wie sie ja den meisten bekannt sein dürften.
Wo also die Grenze ziehen ? Wo kann und muss der Staat tätig werden und wo ist er auch mit den im Grundgesetz festgeschriebenen Menschenrechten in einem Konflikt ?
Soll man alle verhaften, die auf einer Demo rumlaufen ?
Umerziehungslager? (mal ganz polemisch)
Was kann der Staat gegen das Denken der Menschen tun, wenn er es den hin zu Toleranz beeinflussen will??


Zur Wirtschaftspolitik und zur Verteilung des Wohlstandes in den Industriestaaten und den Entwicklungsländern.
Angesichts der Zahl der Arbeitslosen wirft sich ja immer Die Frage auf was ein Staat hier tun soll.
Zumindest sehe ich das so, dass trotz der Ungleichgewichte der Märkte, die sich ja (zumindest nach fast einhelliger wissenschaftlicher Meinung) nicht in automatisch einander angleichen, dem Staat schon ein gewisse Verantwortug zukommt, hier für ausgleichende Rahmenbedingungen zu sorgen.
Aber ist nicht sie staatsgelenkte Wirtschaft (also nach dem praktizierten Konzept des "real exist. Kommunismus" nicht genau das gleiche wie die durch hierarchisch gelenkte Unternehmen ?
In beiden erfolgt eine Bündelung der Interressen und dementsprechend eine Ausformung von Hierarchien und Machtverhältnissen. Die Mitbeteiligung des Arbeitnehmers und die Übertragung von Verantwortung auf den Einzelnen schafft imho ein Art Dezentralisierung und Enthierarchisierung.
Selbstverständlicherweise bleibt das Streben nach Gewinnmaximierung treibende Kraft der Unternehmen, welches sich von den Zielen eines Staates zu unterscheiden hat und dies auch tut.
Aber ist dies nicht ein Entwurf, der dem Gegensatz zwischen Individualegoismus und den ausgleichenden Zielen des Staates (Chancengleichheit für alle bei gleichzeitiger Akzeptanz von Diversität -individuell, materiell und immateriell- der Bürger) noch am Nächsten kommt ??

so long fiveofeleven

Alt 07. 10. 2000, 15:19 fiveofeleven is offline Mit Zitat antworten #5
PeterPanter
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Ahoi,

ich seh auch die Gefahr, dass dieser Thread zum Proseminar mutieren könnte und versuche deshalb, mich bei meinem 'Roman' so kurz wie möglich zu fassen:

Der Grundtenor der Marx'schen Analyse vom Charakter des Kapitalismus ist auch heute noch richtig.

Das Wesen dieses mittlerweile weltumspannenden Gesellschaftssystems - Ausbeutung menschlicher (Arbeitskraft) und natürlicher (Bodenschätze) Ressourcen zum Zweck der Profitmaximierung der Besitzer von Produktionsmitteln und Grund und Boden - macht es untauglich, das lebenswerte Überleben der menschlichen Spezies dauerhaft zu gewährleisten.

Zwei Beispiele (nur, um den Rahmen nicht zu sprengen) möchte ich anführen, um diese These zu belegen:
1. Die weiter fortschreitende Rationalisierung bringt keinen gesamtgesellschaftlichen Nutzen, sondern dient den Besitzenden, deren Ziel es ist, Rohstoffgewinnung, Warenproduktion oder Abwicklung von Dienstleistungen in ihrem Sinne effektiver zu gestalten, d.h. kostengünstiger und 'ergebnisorientierter' (wie es in deren Jargon heisst, was aber nichts anderes bedeutet, als den Profit zum Mass aller Dinge zu machen). Die Folge ist, dass Menschen nur noch nach Verwertbarkeit ihrer Arbeitskraft benötigt werden und -um in möglichst kurzer Zeit möglichst viel aus ihnen herauszupressen- die Arbeitshetze weiter steigt. Nicht-Verwertbare werden an den Rand gedrängt, zeitweise nicht-Benötigte haben sich als Reserve bereitzuhalten.
2. Die ungebremste Ausbeutung natürlicher Ressourcen ohne Rücksicht auf die Tatsache, dass sie zum grössten Teil nicht regenerierbar sind und dass deren Gewinnung, Verarbeitung und Nutzung zum Teil katastrophale ökologische Folgen hat, führt
augenblicklich dazu, dass weniger entwickelte Länder, die über diese Bodenschätze verfügen entweder in Knechtschaft gehalten, oder mit den dort Herrschenden Vereinbarungen getroffen werden und
in Zukunft dazu, dass Szenarien (auch nicht-Kapitalismuskritischer Wissenschaftler) Wirklichkeit werden, die das (Über-)Leben kommender Generationen als Albtraum erscheinen lassen.

Das mag erstmal als Beschreibung des Status Quo, wie ich ihn sehe, genügen.

Aber wichtiger war ja wohl die Frage nach Alternativen ('Zielkonstrukten')...

Tja, im Gegensatz zu Marx' Zeiten geht heute kein Gespenst um in Europa.
Der gerade mit einem Röcheln zu Ende gehende 'Realsozialismus' (btw, wenn der Kapitalismus mal vor seinem Ende steht, werden seine Machthaber nicht so lautlos von der Bildfläche verschwinden, da könnt ihr einen drauf lassen!) hatte im Lauf seiner kurzen Geschichte unter anderem die Funktion, durch seine blosse Existenz die 'kapitalistische Bestie zu zähmen'. Seine Anziehungskraft als wirkliche Alternative hatte er im Stalinismus verloren. Dass die Antikommunisten den Stalinismus mit Kommunismus gleichsetzten, um (dann natürlich eine leichte Übung) letzteren zu diffarmieren, liegt genauso auf der Hand, wie es falsch ist.
Genausowenig, wie Korrupt kann ich hier mit einem grossen Gegenentwurf aufwarten und genauso wie er bezweifle ich auch, dass sich diese Frage im Moment stellt.
Aber ich will nicht kneifen.
Ich hoffe, dass, wenn der Kapitalismus abgewirtschaftet hat (und er nicht alles mit sich in den Orkus zieht), ein Sozialismus/Kommunismus wieder auf der Tagesordnung steht, der aus seinen Fehlern gelernt hat, zB Einparteienherrschaft, Negieren ökologischer Tatbestände, denen Rechnung getragen werden muss, miefige Ritualisierung an sich richtiger Slogans, Diskussionsfeindlichkeit, Personenkult.
Mag sein, dass das 'ewiggestrig' ist ( @ Korrupt), aber ich habe noch keine Alternative kennengelernt, die mich überzeugt hätte.

Bis dann

PeterPanter
Alt 07. 10. 2000, 16:09 PeterPanter is offline Mit Zitat antworten #6
dAs Elend
hoffnungslos...
 
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hallo zusammen,
an sich ist zur analyse der gegenwärtigen (weltweiten) situation nichts mehr von meiner seite zu ergänzen.
um es kurz darzustellen: mein menschenbild ist schlecht, vielleicht sogar sehr schlecht.
wenn mann/frau sich vor augen führt (wobei wir nur einen einen teil des "grauens" sehen [können]), was um uns/i.d. welt geschieht, an ausbeutung von natur und mensch, dann wird mir *gelindegesagt* schlecht. die "verwertung" natürlicher ressourcen, ob mensch und/oder natur, ist pervers.
der kapitalismus versklavt in meinen augen alles und jeden.
das schlimme an der jetztigen situation ist, es sieht nicht so aus, das es besser wird, eher das gegenteil ist der fall.
der "siegeszug" des grosskapitals und die damit verbundenen folgen, ist nicht mehr aufzuhalten.
ich hoffe, das wenn der mensch stirbt, die natur sich von der kurzen und zerstörerischen "phase" mensch erholen kann.
Alt 07. 10. 2000, 17:12 dAs Elend is offline Mit Zitat antworten #7
Korrupt
Boeses junges Fleisch
 
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Es sind Beitraege wie dieser, die mich dran hindern, mein Studium abzuschliessen *lach*

@PeterPanter: ich meine natuerlich nicht, dass der Kommunismus "ewiggestrig" ist, ich behaupte nur, r wird grade als so dargestellt. Was ich mit Bedauern sehe.

Wenn wir grade dabei sind:

Zitat:
Zumindest sehe ich das so, dass trotz der Ungleichgewichte der Märkte, die sich ja (zumindest nach fast einhelliger wissenschaftlicher Meinung) nicht in automatisch einander angleichen, dem Staat schon ein gewisse Verantwortug zukommt, hier für ausgleichende Rahmenbedingungen zu sorgen.

Hui, das ist ja fast schon revolutionaer :-)
Im Ernst: meines Wissens nach ist es auch voellger Bloedsinn, von der SmithSchen Unsichtbaren Hand auszugehen, und wenn man sich das Ausmaß an Regulierung ansieht, das grade unter den Industrielaendern markttechnisch abgeht (ich sag nur USA - Japan), dann ist es schon ein Witz, vo "freien Maerkten" zu reden. Grade da sah man ja, dass alle nur bedacht waren, ihre eigenen Maerkte zu schuetzen (das waren die USA gegenueber Japan auf dem Technologiesektor, das ist die EU mit den Agrarmaerkten usw. -)

Trotzdem wird so getan, als laege in der Liberalisierung das allein Seligmachende, und dahinter steht Strategie. Das sorgt mich, und um aufs Weltbild (modifiziert) zurueckzukommen: Es gibt eine Portion Leute, die in der Lage sind, die Regeln weitestgehend zu bestimmen, nach denen auf der Welt gehandelt und getauscht wird. Diese sind unfreundlich denen gegenüber, die wenig haben, seien es Entwicklungslaender oder Arbeiterschaft. Die Propaganda, nach der das alles unvermeidlich ist und zum Wohle aller, funktioniert prima. Was Aufgabe der linken ist: Informieren, aufwecken, aufklaeren. Die teilnahme am freien Welthandel hat den meisten Drittweltlaendern nur Probleme, Überschuldung und Abhaengigkeit gebracht, das wird verschwiegen. Im interesse derer, die eh schon genug haben.

nun aber die Gegenentwuerfe:
Zitat:
Aber ist nicht sie staatsgelenkte Wirtschaft (also nach dem praktizierten Konzept des "real exist. Kommunismus" nicht genau das gleiche wie die durch hierarchisch gelenkte Unternehmen ?
In beiden erfolgt eine Bündelung der Interressen und dementsprechend eine Ausformung von Hierarchien und Machtverhältnissen. Die Mitbeteiligung des Arbeitnehmers und die Übertragung von Verantwortung auf den Einzelnen schafft imho ein Art Dezentralisierung und Enthierarchisierung.

Nein, das ist nicht der Unterschied. Der real existierende Sozialismus kam/kommt nicht ohne Hierarchien aus, da mag man ihm vorwerfen, mir ist keine andere Art des Uebergangs bekannt. Dein Fehler ist die Betrachtung der Hierarchie und der mAchtverhaeltnisse, es geht aber um Produktion. Das ist auch das Problem der Planwirtschaft: Wie wird der Bedarf festgestellt, wie der Preis festgelegt usw. - es ist egal, ob die Produkte dann in autonomen Produktionsgenossenschaften oder in sklavenhaltenden Staatsbetrieben produziert werden (extremes Beispiel, welches mit Sozialismus nix zu tun hat, mir gehts drum zu zeigen, dass den Maerkten die Art der Produktion egal ist).

Im einen Fall (Kapitalismus) hast du vordergruendig eine Nachfrage, der dann ein Markt entgegengestellt wird, der die Nachfrage befriedigt. Sagen wir so, alle wollen saubere Waesche. Clevere Leute kommen drauf, Waschmaschinen und Waschpulver zu produzieren. Treten in Konkurrenz zueinander. Produzieren dann irgendwann Waschaschinen, Waschpulver, Werbespots, Anzeigen und Prospekte. usw. -
- irgendwann hast du Produkte, fuer die irgendwie eine Nachfrage geschaffen werden muss. Alle stellen Waschmaschinen her wie verrueckt und dazu noch Massnahmen, die den Verkauf der jeweils eigenen Waschmaschine sicherstellen und den Verkauf der anderen vereiteln soll. Das ist im Prinzip das Grundproblem des Kapitalismus. Der Verkauf eines Produkts wird aufwendiger wie seine Herstellung.

Im anderen Fall hast du einen Bedarf, der festgestellt wird. Dann stellst du die Kapazitaeten bereit, mittels derer der Bedarf gedeckt werden kann. Prinzipiell effektiver. Die Waschmittelfabrik stellt Waschmittel her. Gut. Nebenbei noch, natuerlich Forschung und Entwicklung. Um das Waschmittel mit der Zeit zu verbessern. Und natuerlich werden mehrere Duftnoten angeboten.

Du sparst dir eine Menge Arbeit. Im Prinzip sinkt das Quantum an Arbeit, das jeder einzelne leisten muss. Denn du brauchst keine Werbung, du hast keine Ueberkapazitaeten, die im Fall des Verdraengens der Mitbewerber die zuusaetzliche Nachfrage befriedigen koennten. Meines Wissens nach bestehen 98% des Weltpapierverbrauchs aus Werbung, btw.

Das schlimme ist, ich weiss nichts naeheres drueber. Eine VWL, die nicht marktartig stattfindet, wird afaik nirgends auch nur mal vorgestellt. Vielleicht mal wo als Kuriosum. Das ist das, was ich so bekloppt finde, es geht grade Wissen verloren in grossem Masstab, weil das "Experiment Sozialismus" abgeschrieben wird und das uebriggebliebene kapitalistische Modell als einziges weiter diskutiert wird.

Wie kam ich drauf. *gruebel* Ich glaube, dass ein Sozialismus Hierarchien nicht notwendig abschafft. Braucht er erstmal auch gar nicht. Mir gehts nur drum, dass das momentan aktuelle System der Welt(un)ordnung seine eigenen Widersprueche hat, dass diese nicht diskutiert werden und das ist scheisse. Die Ursache liegt darin, dass die Leute, die vom aktuellen System profitieren, kein Interesse an einer Veraenderung hin zu einem allgemein angehobenen Wohlstand haben.

Weiss nicht, wie sehr das hier OT wird... mein Ziel war grade einfach, vorzustellen, wie "vorbestimmt" die momentanen Diskussionen des "Wie weiter mit der Welt" aktuell einfach sind.
Alt 07. 10. 2000, 17:55 Korrupt is offline Mit Zitat antworten #8
hans-drach
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hallo,
So, wie in den letzten 50 Jahre immer die Begriffe Kommunismus und Stalinismus synonym benutzt wurden ( natürlich zu Unrecht, denn das sind zwei verschiedene Paar Schuhe) wird heute Sozialismus gleich mit dem "real existierenden" gleichgesetzt. Das ist zwar auch falsch aber ist erstmal nicht so einfach aus den Köpfen der breiten Mitte heraus zu bekommen! Ausserdem erleichtert es den Kapitalisten die Ab- und vor allem die Ausgrenzung der Linken! Imho hat der real existierende Sozialismus versagen müssen, da er sich immer mehr dem Kapitalismus angepasst hatte! Ausserdem gab es (kurz) eine Phase, in der Arbeiterrechte im Kapitalistischen Westen eher umgesetzt wurden, als in der Planwirtschaft. Der Mehrwert der Arbeit wurde auch im real existierenden Sozialismus von einer Minderheit abgeschöpft! Seitdem entwickelt sich aber der Kapitalismus immer mehr in eine menschenverachtende Richtung und die sozialen Probleme treten immer mehr in den Hintergrund gegenüber der Profitmaximierung!
Staaten beugen z.T ihr eigenes Recht um Firmen Vorteile zu verschaffen! (Negativbeispiel Nr. 1 ist imho .uk, Blair, der smarte Politiker, der lächelnd im Namen des Wirtschaft jedes soziale Ziel kippt.... aber Schröder versucht ihn ja nachzuahmen!)
Imho kann es auf Dauer nicht gutgehen, dass eine verschwinden kleine Minderheit die Macht über alle Ressourcen des Planeten behält:
Maybe , dass der Kapitalismus tatsächlich sein eigenes Grab schaufelt!
Den Hauptvorwurf den ich in Bezug auf die Nazis dem deutschen Staat machen muss ist der, dass durch populistische Äusserungen, restriktive Asylpolitik und aussenpolitischem Grossmachtsgehabe, das Gedankengut der Nazis gesellschaftfähig gemacht wurde! Dieser Vorwurf ggeht an alle bürgerlichen Parteien, zu denen ja jetzt auch die Grünen gehören! Da waren diese furchtbaren "das Boot ist voll" Parolen, es war die absolut unmenschlische Abschiebepraxis, es war die unsägliche Doppelpass Stimmungsmache meines Lieblingsdemokraten Koch, es waren aber auch Gerichtsurteile die die Nazis straffrei ausgehen, es war und ist die Ignoranz der Politik gegenüber diesem Problem!
Diese Stimmungsmache dieser dumpfe Nationalismus ist der ideale Nährboden für rechte Ideologien! Und dieser Nährboden wird von bürgerlichen Politikern gedüngt und das ist ein Problem diese Landes!
Solidarität mit den Opfern bedeute auch, dass das restriktive Asygesetz geändert wird und so den Nazis gezeigt wird, das es nichts gibt, was diese Land mit ihnen verbindet!
Alternativen?
Sozialismus ?
Mehr Menschlischkeit?
Ja, bitte!
mfg hans-drach
Alt 07. 10. 2000, 21:22 hans-drach is offline Mit Zitat antworten #9
fiveofeleven
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Hiho,
hups erstmal, so viel Response hatte ich mir eigenlich nicht gedacht, aber das ist ja das das Erfreuliche.
Irgendwo sehe ich mich zwar im Zugzwang, auf alles antworten zu müssen (was die Quali der Beiträge auch stark verdient hätte..) aber nur dazu nur soviel:
"Warum 90 Prozent seiner Zeit auf den Gegenbeweis poolen, anstatt eine gemeinsame Lösung zu finden."


so long ersteinmal fiveofeleven



Alt 07. 10. 2000, 23:20 fiveofeleven is offline Mit Zitat antworten #10
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