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foxi Spender
Pferdepfleger
 
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Fremd unter Fremden - Kurzgeschichte -

Fremd unter Fremden

Kopfschmerzen. Genau das verspüre ich. In einem verrauchten, überfüllten Zugabteils noch zwei Stunden von zu Hause entfernt. Zu Hause- ein schönes Wort. Doch ich fühle mich hier in Deutschland nicht zu Hause. Keiner hier im Zug redet mit einem „Fremden“, obwohl- sind wir nicht alle irgendwie fremd? Oder sind wir befremdet aufgrund der fremden Situation? Fremde Situation? Für wen in Deutschland ist Zug fahren heute noch fremd? Ich sehe meinen fremden Sitznachbar an. Ein älterer, dicklicher Herr mit traurigen Augen. Ich frage nicht wie es ihm geht, was mit ihm los ist; denn das wäre wohl eine fremde Situation für ihn, denn schon seine Mutter schärfte ihm ein: „Mit Fremden spricht man nicht!“. Doch wie außer im Gespräch wird dieser Mann mir sonst unfremd. Ich mustere den Mann intensiver. Er hat buschige Augenbrauen, kleine blaue Augen, eine große, rötliche Nase und sehr viele Falten. Ein Gesicht vom Leben gezeichnet. Irgendwie erinnert er mich an meinen Großvater. Gekleidet ist er sehr schick, alles ist schwarz. Meine Gedanken spielen mit mir. Ich stelle mir vor, dass er gerade auf einer Beerdigung war. Die Beerdigung seiner Frau, mit der er 37 Jahre lang glücklich verheiratet war. Die Liebe seines Lebens. Kinder hat er keine, denn sonst müsste er an solch einem Tag nicht mit der Bahn fahren. Oder aber sind er und seine Kinder so zerstritten, dass sie nicht mehr miteinander reden? Oder sind auch sie tot? Vor meinem inneren Auge spielen sich immer mehr und mehr Situationen ab. Immer konfuser, verwirrender, ausschweifender- schon sehe ich den alten Mann als kleinen Jungen. Der mir fremde Kleine sitzt auf einer roten Schaukel und lacht aus vollem Halse. Seine blauen Augen strahlen. Plötzlich- er fällt; daher die Narbe über dem linken Auge. Bei dieser Reise durch das Leben des fremden Mannes neben mir vergesse ich alles um mich herum. Zeit, Raum, alles scheint in weite Ferne gerückt, alles ist verschwommen und uninteressant geworden. Das Geschehen der Gegenwart ist ausgeblendet. Durch die Zugdurchsage „Nächster planmäßiger Halt ist Konstanz“ werde ich wieder in die Realität zurückgeholt. Ganz plötzlich, wie ein Schlag ins Gesicht, oder wie ein Fall von einer roten Schaukel. Ich schaue nach rechts- doch der alte Mann ist verschwunden. Verwundert schaue ich den Gang entlang, wo er nur hin sein könnte. Gerade jetzt, wo mir dieser alte, fremde Mann nicht mehr fremd vorkam- eher wie ein lang vermisster Bekannter- ist er gegangen. Einfach so- ohne Worte des Abschiedes. Aber wieso auch sollte er sich von einer Fremden verabschieden? Wahrscheinlich hat er mich nicht einmal wahrgenommen und kann sich schon morgen nicht mehr erinnern, ob jemand neben ihm im Zug saß. Wieso sollte er auch, denn es war wenn eh nur ein fremder Mensch- einer unter Tausenden die man am Tag sieht- den man nie wieder sehen wird und um den man sich nicht kümmern muss. Eben nur ein Fremder- ein fremder Mensch. Ein Mensch. Ich nenne ihn Richard, denn so ist dieser fremde Alte für mich zu einem Mensch geworden und nicht einfach nur ein Gesichtsloser unter seinesgleichen, die man täglich sieht ohne sie anzusehen. Meine Kopfschmerzen werden stärker. Machs gut Richard..


Diese Kurzgeschichte hat meine Freundinn auf der Zugfahrt geschrieben und ich fand sie sehr beeindruckend. Was sagt ihr dazu ?

greetz foxi
Alt 28. 04. 2004, 18:28 foxi is offline Mit Zitat antworten #1
foxi Spender
Pferdepfleger
(Threadstarter)
 
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Registrierungsdatum: Apr 2002
Ort: Wo ich umfalle
Beiträge: 1.367
keine meinung dazu ? Schade mich hätte mal interessiert ob nur ich glaube das meine Freundin talent hat *g*
keine angst vor kritik
Alt 29. 04. 2004, 14:32 foxi is offline Mit Zitat antworten #2
theloverider
 
Beiträge: n/a
Zitat:
Original geschrieben von foxi
Schade mich hätte mal interessiert ob nur ich glaube das meine Freundin talent hat *g*
Ich glaube, dass deine Freundin kein bißchen Talent hat. So vom Niveau her, würde ich sagen Aufsatz 9-10te Klasse Gymnasium. Ich bin schon in einigen Ländern Zug gefahren, mit Gesprächsversuchen wurde ich (zum Glück) nie überhäuft. Etwas deutschlandspezifisches kann ich darin nicht erkennen. Das Thema ist also, sich fremd fühlen. Ob man das nicht etwas eleganter, als durch die inflationär gebrauchte Verwendung des Wörtchens fremd, hätte lösen können? Wenn diese häufige Verwendung jedoch als adäquates Stilmittel angesehen wird, dann ist sowieso Hopfen und Malz verloren. Die Schilderung des alten Mannes erschöpft sich in Stereotypen. Wundert mich nur, dass die "rötliche Nase" nicht noch durch den übermäßigen Konsum von billigem Rotwein, näher erklärt wird. Sorry. Aber Du wolltest eine ehrliche Meinung. Vielleicht sollte deine Freundin auch abwarten, bis sie die Pubertät überstanden hat und dann noch mal einen neuen Versuch starten.
Alt 30. 04. 2004, 09:54 Mit Zitat antworten #3
Znorko
False memory
 
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Registrierungsdatum: Apr 2001
Beiträge: 274
Nuja, ist ok, fällt aber eher in die Kategorie "Gedankenstrom" als Kurzgeschichte. Für eine Kurzgeschichte fehlt ein tatsächlicher Handlungsmoment, bzw. eine Entwicklung der Figur.
Was mich rein stilistisch stört sind Doppelungen wie:
Zitat:
Kopfschmerzen. Genau das verspüre ich.
oder
Zitat:
Meine Gedanken spielen mit mir. Ich stelle mir vor, (...)
Da reicht jeweils einer der beiden Hinweise.
Aber wie gesagt - als Gedankenfluss ok, eine Kurzgeschichte müsste man erst noch draus bauen.
Alt 30. 04. 2004, 18:24 Znorko is offline Mit Zitat antworten #4
Brother-John
(schein)heilig
 
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Ort: zwischen den Zeilen
Beiträge: 3.657
Ich möchte mich theloverider im Prinzip anschließen. Der Kritik am Text gibts wenig hinzuzufügen.

Das Talent würde ich deiner Freundin trotzdem nicht absprechen. Ich denke eher, ihr fehlen das handwerkliche Wissen und viel Erfahrung.
Viele andere würden nicht einmal bis zur Idee der Geschichte kommen, vom Text selber ganz zu schweigen. Und die Idee an sich gefällt mir recht gut. Zwar nicht spektakulär, aber gut genug für eine solide Geschichte. Also zurück an den Schreibtisch!

P.S.: Als ein Anreiz, weils mir beim Lesen durch den Kopf ging: Die Erzählerin entschließt sich, den Mann doch anzusprechen, bevor sie merkt, dass er nicht mehr da ist. Das geht in Znorkos Richtung: Figurentwicklung.
Alt 30. 04. 2004, 18:54 Brother-John is offline Mit Zitat antworten #5
Mauspad
Das Ding unter eurer Maus
 
Registrierungsdatum: Apr 2002
Beiträge: 192
Eine schöne Geschichte, die mir viel Freiraum für inhaltliche Interpretationen lässt, was ich als positiv empfinde.Man könnte diese Geschichte sogar als Gesellschaftskritk auffassen. Nur am Schreibstil muss gearbeitet werden, ich meine nicht den Gedankenfluss zu irritieren, sonder vielmehr unnötige Ausschmückungen wegzulassen siehe Znorkos Beitrag.

Und ich muss sagen mir kommt die Kritik die hier gemacht wurde als oberflächig vor, in gewisser Weise. Als sei man hier nur von "Fachidioten" umgeben, sozusagen Homo Faber am Anfang des Romanes

Lesst nicht gegen sondern mit der Geschichte, versucht mehr zu fühlen, weniger zu analysieren.
Alt 02. 05. 2004, 18:35 Mauspad is offline Mit Zitat antworten #6
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