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ex-Moderator
Registrierungsdatum: Mar 2003
Beiträge: 5.842
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short-story
Der Tag hätte so schön werden können. Herr Schmidt hatte gerade seinen Dienst angetreten, und eine schöne heisse Tasse optimierten Kaffee (garantiert ohne Koffein und Gerbstoffe, angereichert mit Vitaminen) aufgebrüht. So ging er auch gutgelaunt an den ersten Termin heute heran.
Fröhlich pfeifend entriegelte er mit seinem Fingerabdruck die Bürotür, wodurch gleichzeitig das nächste wartende Pärchen informiert wurde, sich doch zu Zimmer 104 zu begeben. Herr und Frau Matussek - Doring setzen sich sofort von Ihrer momentanen Position in der Cafeteria in Bewegung. Dank der RFID-Chips in den Wartetickets, die zusammen mit den persönlichen Daten ausgelesen werden konnten, bereitete sich Herr Schmidt bereits auf den Fall vor, während Herr und Frau Matussek - Doring gerade den Fahrstuhl im 55. Stockwerk des Verwaltungsamtes für Soziale, Medizinische und Familiäre Angelegenheiten der Stadt Berlin verliessen.
Herr Schmidts Miene erhellte sich freudig: ein Antrag auf Schwangerschaft! Genau das Richtige für einen solch herrlichen Tag. Ein neues Leben genehmigen. Einem neuen Erdenbürger den Weg ebnen!
Fröhlich summend nahm er einen letzten Schluck seines Kaffees. Da öffnete sich auch schon automatisch seine Bürotür, und Herr und Frau Matussek - Doring betraten das Zimmer.
"Herr und Frau Matussek - Doring, setzen Sie sich, setzen Sie sich! Ich gratuliere Ihnen zu dieser fabelhaften Entscheidung!" johlte Herr Schmidt fröhlich.
Herr und Frau Matussek - Doring standen etwas verunsichert vor der grossen Schreibtischeinheit, bevor sie sich schliesslich hinsetzten.
"Eine Schwangerschaft ist immer hervorragend! Ich möchte Ihnen gerne helfen, zusammen mit Ihrem Kind glücklich zu werden. Also, erledigen wir mal den ganzen Papierkram!" grinste Herr Schmidt, während er das Antragsprogramm GA-104 aufrief. Automatisch erschien ein Hologramm, freischwebend über der Schreibtischeinheit.
"Was solls denn sein, Herr und Frau Matussek - Doring? Mädchen oder Junge?"
Herr und Frau Matussek - Doring schauten sich kurz an.
"Ähm, Herr Schmidt... das würden wir gerne dem Zufall überlassen, wissen Sie?"
Herr Schmidt war etwas irritert, aber das konnte seine gute Laune heute nicht trüben.
"Tja, wir können ja gerne einen Zufallsgenerator entscheiden lassen. Etwas unüblich ist das zwar schon, aber was solls - hauptsache gesund, nicht wahr? Ha! Ha!"
Herr und Frau Matussek - Doring schienen nun sichtlich verlegen.
"Nein, Herr Schmidt, entschuldigen Sie... wir meinen das etwas anders...."
"Sie brauchen mir doch nichts zu erklären! Ich bin nun fünfzig Jahre hier beschäftigt. In der Zeit hat man alles schon erlebt. Haha! Sie wollen es also dem Zufall überlassen, kein Problem!"
Herr Schmidt schloss die Augen, kreiste kurz mit dem Zeigefinger und stiess dann - bemerkenswert zielsicher - auf den Touchscreen herab. Ein heller Ton erklang.
"Na wer sagts denn, ein Mädchen solls also werden! Da seien Sie aber mal froh. Jungen sind ja immer etwas wilder. Haben Sie denn Vorstellungen über die Körperform, Haarfarbe, Augenfarbe? Oder soll ich wieder den Zufallsgenerator entscheiden lassen? HAHAHA!"
Herr Schmidt war ausserordentlich amüsiert über diesen tollen Witz. Zufallsgenerator - sein Zeigefinger. Zum Piepen musste das sein.
Herr und Frau Matussek - Doring bekamen etwas rote Köpfe. Schliesslich raffte sich Herr Matussek - Doring auf:
"Sehen Sie, Herr Schmidt... wir dachten eigentlich mehr daran, die ganze Sache der Natur zu überlassen."
Herr Schmidt verstand nicht.
"Wie bitte? Ich verstehe nicht. Der Natur überlassen? Wie meinen Sie das?"
"Nun, eigentlich wollten wir ganz einfach nur... naja... Geschlechtsverkehr haben... also... ich wollte meine Frau gerne selber schwängern."
Herr Schmidt zog die rechte Augenbraue hoch. (Im Rahmen der Verordnung 12.334 hatte das Komittee für Ethische Fragen der genetischen Optimierung beschlossen, dass die Augenbrauen als einzige Form der Körperbehaarung neben den Wimpern nützlich wären.)
"Selber schwängern?" wiederholte Herr Schmidt ungläubig.
"Ja" antworteten Herr und Frau Matussek - Doring fast gleichzeitig. "Verstehen Sie, wir würden gerne einfach alles dem Zufall überlassen. Uns einfach überraschen lassen. Nicht gleich alles im Voraus festlegen..."
Herr Schmidt bekam schlechte Laune. Er konnte diese Natürlichkeitsfanatiker noch nie leiden.
"Aha. Sie wollen also selber Geschlechtsverkehr haben. Sie wollen Ihr Kind also der Gefahr aussetzen, eventuell behindert oder hässlich oder sonstwie beeinträchtigt zur Welt zu kommen?" schnaubte er.
Herr und Frau Matussek - Doring nickten schüchtern.
"Haben Sie denn überhaupt eine AHNUNG, was das bedeutet? Haben Sie jemals darüber nachgedacht, dass Sie damit ein Leben ruinieren könnten?"
Herr und Frau Matussek - Doring nickten wieder. Herr Schmidt verfärbte sich leicht ins rötliche, während er tief Luft holte und zu seiner Moralpredigt ansetzte.
"Wollen Sie Ihr Kind etwa dem Risiko aussetzen, dass es den Anforderungen der Gesellschaft nicht gerecht werden kann? Wollen Sie, dass Ihr Kind ein Aussenseiter ist? Und haben Sie überhaupt den Hauch einer Ahnung, was das für einen Paierkrieg bedeutet?"
Frau Matussek - Doring ergiff das Wort.
"Herr Schmidt, alles was Sie sagen ist ja durchaus auch uns schon durch den Kopf gegangen. Wir haben wirklich darüber nachgedacht - aber wir würden unser Kind lieben und es unterstützen, egal was aus Ihm wird. Wir möchten einfach nur, dass es wirklich unser Kind ist!"
Herr Schmidt bemühte sich sichtlich, seine Fasson wiederzugewinnen. Sowas unverschämtes war Ihm in 50 Dienstjahren noch nicht untergekommen.
"Herr und Frau Matussek - Doring, es hat seinen guten Grund, dass hier in der Föderalen Gemeinschaft Europäischer und Eurasischer Länder KEINE herkömmliche Zeugung gestattet ist. Das Komitee für Ethische Fragen der genetischen Optimierung hat eindeutig geurteilt. Schwangerschaften dürfen ausschliesslich von lizensierten Ärzten eingeleitet werden, mit genetisch optimiertem Zeugungsmaterial. Alles andere ist ILLEGAL!"
Das letzte Wort spuckte Herr Schmidt so verächtlich aus, als hätte er gerade in einen faulen Apfel gebissen (die es seit Verordnung 576 nicht mehr gab).
"Aber es gibt doch Sondergenehmigungen!" warf Herr Matussek - Doring kläglich ein.
"Sondergenehmigungen - die gibt es nur in ausserordentlichen Fällen für Ärzte, die sich mit der Optimierung genetischen Zeugungsmaterials beschäftigen. Ausschliesslich im Rahmen solcher Untersuchungen ist die schmutzige Zeugung geduldet - aber keinesfalls für... für..."
Herr Schmidt rang nach Worten. Am liebsten hätte er "Notgeile, verantwortungslose Ökoterroristen" gesagt, aber jedes Wort innerhalb des Büros wurde aufgezeichnet und ausgewertet. Das hätte seine Herabstufung um mindestens 4 Einheiten bedeutet. Er riss sich zusammen.
"Für spontane Affektschwangerschaften."
Herr und Frau Matussek - Doring sackten in sich zusammen. Aus Ihrem Auge rollte eine kleine Träne.
Herr Schmidt konnte weinende Frauen noch nie leiden.
"Herr und Frau Matussek - Doring, ich kann nichts für Sie tun. Ich muss Ihren Antrag ablehnen. Sie können in einem Jahr erneut einen Antrag auf Schwangerschaft stellen. Ich hoffe, bis dahin haben Sie diese fixen Ideen überwunden. Guten Tag."
Herr und Frau Matussek - Doring standen schleppend auf und gingen Arm in Arm zur Tür, welche vor Ihnen aufglitt und sich hinter Ihnen wieder schloss.
Herr Schmidt holte ein paar mal tief Luft um die aufkeimende Wut zu verdrängen, bevor er mit seinem Fingerabdruck das nächste Pärchen heranrief.
Herr und Frau Heinze setzten sich.
"Guten Tag, Herr und Frau Heinze!!"
"Guten Tag, Herr Schmidt!"
"Was solls denn werden, Junge oder Mädchen?" fragte Herr Schmidt misstrauisch.
"Junge bitte! Blond, grüne Augen. Das Haar bitte lockig. Ach, und nicht zu zierlich - er darf ruhig etwas kräftiger sein! Ist es eigentlich auch möglich, die Körperproportionen zu wählen?"
Herr Schmidt strahlte übers ganze Gesicht.
"Aber ich BITTE Sie, natürlich ist das möglich! ALLES ist möglich! Wir leben doch in einem freien Land!"
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15. 11. 2004, 21:36
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#1
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Guest
Registrierungsdatum: May 2000
Beiträge: 4.272
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Hat hier jemand "Demolition Man" gesehen?
"Wie sie wollen Sex haben? *angewidert*Sie meinen den austausch von Körperflüssigkeiten?"
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15. 11. 2004, 21:49
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#2
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Hab keine Ahnung von nix!
Registrierungsdatum: Aug 2001
Beiträge: 5.146
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Ich mag die story, wie gesagt Schmidt finde ich ein bisschen doofe und der Doppelname liest sich irgendwie komisch, obwohl das auch wieder einen reitz hat 
Die Werbung hat sich gelohnt
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15. 11. 2004, 22:08
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#3
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Naseweis
Registrierungsdatum: Jun 2003
Ort: bei Klaus
Beiträge: 692
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Gattaca?
Ich finde die Form unangenehm zu lesen, du solltest imo mehr Absätze einbauen.
Den Dialog hast du ganz gut ausgearbeitet, gefällt mir.
Gruß
M
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16. 11. 2004, 09:27
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#4
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Mitglied
Registrierungsdatum: May 2000
Ort: Germany
Beiträge: 188
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Mir gefällt es gut, weiter so!
Der Name ist schon einwehnig blöd,  aber in ordnung
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27. 11. 2004, 22:14
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#5
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Ach was weiß ich...
Registrierungsdatum: Sep 2004
Ort: Hamburger Sonne
Beiträge: 110
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Hmm.
Mein Lehrer hieß Matussek.
WirGym Hamburg.
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28. 11. 2004, 12:29
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#6
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Chef
Registrierungsdatum: Aug 2004
Beiträge: 571
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Gefällt mir qauch allerdings wie schon gesgat mit ein paar Absätzen wäre das ganze besser zu lesen...
Gruß PHil
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28. 11. 2004, 14:09
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#7
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( OvO )
Registrierungsdatum: Aug 2003
Beiträge: 395
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Ich finds klasse. Gerade die Namen find ich gut.
Schmidt - als der typische deutsche Einheitsname und
der Doppelname weils vielleicht inzwischen aufgrund der Gleichberechtigungsverordnung xxx Zwang ist, beide Geburtsnamen in den Familiennamen aufzunehmen.
Hat mich spontan stark an Gattaca erinnert.
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05. 12. 2004, 15:30
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#8
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Cloogshicer®
Registrierungsdatum: May 2000
Ort: fuck'nmiddlofnowhere
Beiträge: 13.259
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Zitat:
Original geschrieben von Chrische
...weils vielleicht inzwischen aufgrund der Gleichberechtigungsverordnung xxx Zwang ist, beide Geburtsnamen in den Familiennamen aufzunehmen.
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Mhh? Nee, das wäre mir neu.
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05. 12. 2004, 16:17
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#9
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( OvO )
Registrierungsdatum: Aug 2003
Beiträge: 395
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War auch eher ironisierend auf die Zeit des Textes bezogen...
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05. 12. 2004, 18:56
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#10
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