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YKL
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Titellose Kurzgeschichte von mir

Dies ist meine erste Kurzgeschichte. Einen Titel habe ich noch nicht herausgefunden, aber ich möchte sie jetzt trotzdem mal posten. Über konstruktive Kritik würde ich mich freuen

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Dass mein grösstes "Hobby" das Mitwirken bei der anarchistischen Aktionsgruppe anarchAkt ist, verschwieg ich ihr. Ich hatte es satt, dass ich von jedem gleich in die Schublade des vermummten Vandalen mit dem Molotov-Cocktail in der Hand gesteckt wurde. Dass es auch intelligente Leute wie Noam Chomsky gibt, die sich als libertäre Sozialisten sehen, soweit denken die Leute gar nicht. Aber das war mir in dem Moment auch egal. Ihr wollte ich mich von meiner besten Seite zeigen und politisches Engagement für eine bessere Welt zählt zu dieser Seite nicht dazu. So erzählte ich ihr von meinem Interesse für independent Filme, von der Fussballmannschaft, in der ich Verteidiger bin und ich zählte ihr die Vorzüge meines Lieblingsbiers auf.

Ich beschrieb ihm mein Lieblingsbuch und erzählte von meinem letzten Urlaub. Meinen Nebenerwerb als Webmasterin verschwieg ich ihm. Das erzähle ich den wenigsten Typen die ich nicht gut kenne.

Sie sollte es sein. Sie war anders als die Anderen. Sie wirkte geheimnisvoll. Sie passte eigentlich gar nicht in diese Spiesserbar. Sie hatte keinen String-Tanga der ihren Bauchnabel verdeckte doch sie hatte auch keinen Ausschnitt der darauf hinzielen würde. Sie war im Gegensatz zu den anderen Frauen in der Bar sehr unscheinbar. Das war wohl der Grund, warum sie mir aufgefallen ist. Sie war extrem hübsch.

Er interessierte mich eigentlich nicht sonderlich. Er sah zwar ganz vernünftig aus und passte damit eigentlich gar nicht in die Bar, aber ich war nicht da um Männer aufzureissen. Sozial wie ich bin, hatte ich mich trotzdem in ein Gespräch mit ihm eingelassen. Ich hoffte, dass er mit dem Gespräch nichts weiteres beabsichtigt. Eigentlich sah er nicht so aus als ob er gerade auf Balztour war. Aber welcher Typ spricht ohne Hintergedanken eine Frau an? Doch ich muss sagen, sein Anmachspruch, wenn es denn einer war, war ganz schön originell. Trotzdem, ich hatte eigentlich schlechte Erfahrungen mit Typen, die ich nicht von meiner Aktionsgruppe her kannte. Ich möchte jemanden, der für seine politischen Ideale einsteht.

Nachdem sie mir ihre Handy-Nummer gab, verabschiedete ich mich von ihr und ging wieder zu meinen Freunden zurück, auf der anderen Seite der Bar. Nachdem ich ihnen enthusiastisch von ihr erzählte, wobei sie mir jedoch nur mässig interessiert zuhörten, erzählten sie mir vom neuesten Plan von anarchAkt. Sie hatten nämlich gehört, dass die lokale Faschistengruppe irgendetwas gegen eine linke Gruppe plante. Die Faschisten, das ist eine Gruppe, die sich ArUntGo, Arier Unter Gott nennt. Normalerweise überfallen sie Dönerbuden, verprügeln alternativ Aussehende und lassen sich jedes Wochenende vollaufen. Ihre Treffen halten sie in einer verlassenen Lagerhalle im alten Industriegebiet ab. Dabei waren sie stets mit einem braunen Umhang vermummt. Als Folge weiss eigentlich kein Fascho vom anderen wer er ist. Ob sie das aus Sicherheitsgründen tun oder ob sie für ihre Ideologien nicht einstehen können, das weiss ich nicht. Wir halten unsere Treffen seit Neuestem aus Sicherheitsgründen in normalen Clubs wie dieser Spiesserbar ab, das reichte uns eigentlich. Aber für uns war es ein Vorteil, dass die Typen sich vermummt treffen, denn so konnten wir sie sehr einfach bespitzeln. Obwohl ich eigentlich noch immer die Schönheit von vorhin im Kopf hatte, meldete ich mich dieses Mal für den Job.
Nachdem ich ihr am nächsten Tag einige SMS geschickt habe auf die sie mir auch antwortete, ging ich dann am Abend zur Lagerhalle. Bis auf ein paar Strassenlaternen war sie die einzige Lichtquelle, alle anderen Gebäude waren unbeleuchtet. Schon von weitem hörte ich Lärm, der die Stille durchdrang. Ganz in der Nähe des Lagerhauses habe ich mir dann mein Gewand übergezogen. Am Eingang wurde ich nach dem Codewort gefragt. "Acht Zwei" sagte ich zum Türsteher. Die Symbolik der Faschos ist so simpel. In der Lagerhalle waren zirka zwanzig Vermummte Leute, die herumstanden und Bier tranken. Alle hatten eine Nummer um den Hals. Da meine Augen teilweise bedeckt waren und ich nicht allzu neugierig umherblicken wollte, sah ich nur knapp, dass der Raum wohl grob in zwei Teile unterteilt war. Der eine Teil war wohl der Aufenthaltsteil mit einem Fass Bier und einer Stereoanlage, die Rechtsrock abspielte, und der andere Teil war bestuhlt und hatte eine kleine Bühne. Obwohl das Ambiente mich fast ein bisschen an unseren alten Treffplatz erinnerte, war mir überhaupt nicht wohl. Mein Gefühl sprang hin und her zwischen Wut und Angst. Da ich ein bisschen abseits der Leute stand, konnte ich nicht so recht verstehen was sie redeten, aber sie witzelten wohl unter anderem über das Erdbeben, welches momentan in den Medien sehr präsent war. Ich wusste nicht, ob es mich beruhigen sollte, dass ich hinter den Gewändern auch ein paar Frauenstimmen hören konnte. Bald kam dann Nummer 1 auf mich zu und fragte mich ob ich neu sei. Ich erklärte ihm, dass ich gerne bei den ArUntGo mitmachen würde und beteuerte ihm meinen Hass gegen Türken und meine Liebe zu Gott. Ich hoffte, dass er meine zittrige Stimme nicht bemerkte. Ohne grossen Kommentar lief er zum Türsteher und ging hinaus. Der Türsteher warf mir einen seltsamen Blick zu. Ich fühlte, wie der Schweiss, der aus meiner Stirn trat, von meinem Gewand absorbiert wurde. Kurz später kam Nummer 1 mit einem Schild an einer Schnur und mit einer grossen 23 darauf zurück und begrüsste mich bei den ArUntGo.
An diesem Abend sollten dann auch die weiteren Pläne besprochen werden. Bald kam dann die Frage auf, gegen wen sich die neue Aktion der ArUntGo richten sollte. Nummer 1 fragte dann nach einiger Zeit mich. Völlig überrascht von der Frage stammelte ich spontan: "Nun, ich... ich f-finde, weiss nicht so genau wen es treffen soll... Ich finde es sollte niemanden von anarchAkt treffen, diese sind doch nur Trunkenbolde." "Ja", sagte Nummer 12 "ausserdem scheinen sich diese sowieso aufgelöst zu haben, an ihrem alten Treffpunkt sind sie jedenfalls schon seit einiger Zeit nicht mehr anzutreffen." Nummer 22 erwiderte daraufhin: "Ihr wollt es also bei jemandem der Kommunistischen Aktion tun? Das... das halte ich für keine gute Idee, denn..." An die Begründung kann ich mich nicht mehr richtig erinnern, denn ich war in diesem Moment zu geschockt. Die Stimme von Nummer 22 erinnerte mich verdammt an sie! Konnte es sein? Sie eine verdammte Faschistin? Zum Glück sass ich auf einem Stuhl, ich weiss nicht, ob mich meine Füsse gehalten hätten. Nachdem ich mich ein bisschen vom Schock erholt hatte und mich wieder ein bisschen konzentrieren konnte, war das Treffen auch bald schon zu Ende. Nummer 1 sagte, dass sich jeder noch ein bisschen Gedanken über die Frage nach dem Opfer machen soll und verabschiedete sich. Nummer 22 verliess die Fabrikhalle bald. Ich folge ihr. Ich wollte herausfinden, ob es wirklich sie war. Nachdem ich ihr so unauffällig wie möglich zur nächsten Bushaltestelle gefolgt bin, zog sie dann da ihr Gewand aus.
Es ist sie!
Jetzt sitze ich bei der Bushaltestelle und weiss eigentlich gar nicht was ich tun soll. Wenn ich sie als Faschistin kennen gelernt hätte, hätte sie mich überhaupt nicht interessiert. Doch ich habe sie eigentlich als sehr nette und attraktive Frau kennen gelernt. Warum ist sie wohl eine Faschistin? Mir fällt ein, dass ich mir noch gar nie überlegt habe, ob es irgendwelche Gründe gibt, die für Hass gegen irgendeine Gruppe sprechen. Da fällt mir ein, dass ich ja auch Hass gegen eine Gruppe verspüre, nämlich gegen die Faschisten. Bin ich nicht besser als die, die die Türken hassen? Doch, ich bin besser! Denn während Rassisten grundlos etwas gegen eine Bevölkerungsgruppe haben, die gar nichts dafür kann, haben die Faschisten ihren Rassismus selber gewählt. Eine falsche Wahl! Doch wie kann es sein, dass sie so ein Arschloch ist? Ist sie ein Arschloch? Vor heute Abend hätte ich das bestimmt nicht gesagt. Wie kann ich sie jetzt als eines bezeichnen, ohne mit ihr gesprochen zu haben? Vielleicht hat sie ja sogar gute Gründe, warum sie bei den Faschisten ist. Nein! Es gibt keine guten Gründe für Faschismus und Rassismus. Mir fällt ein Song von WIZO ein: "Es gibt Nichts was dich besser macht als mich, auch du hast deine Fehler, deine Fehler so wie ich!" Ob WIZO in diesem Song nur gegen Rassismus singen, oder ob sie damit auch zum Beispiel meine Intoleranz meinen? Intoleranz gegenüber Intoleranz? Hat die Toleranz wirklich da ihre Grenzen, wo sie auf Intoleranz trifft? Oder kann ich bei ihr eine Ausnahme machen? Kann ich ihre Intoleranz tolerieren? Scheisse, ich muss mit ihr sprechen!

Auf der Heimfahrt im Bus frage ich mich, an wen mich diese Stimme vom Neuen, Nummer 23 erinnert hat. Da fällt es mir ein! An Ihn! Das wäre ja ein Zufall! Ne, das kann nicht sein. Er ist mir nie so vorgekommen. Aber warum fällt er mir jetzt plötzlich ein? Wieso habe ich ihn noch immer im Kopf?

Im Verlauf der nächsten Woche schrieb sie mir einige SMS. Darunter waren einige wirklich nette Dinge. Ich wusste nicht so recht, ob ich ihr zurück schreiben sollte. Als sie mich dann aber fragte, ob ich Lust hätte mich mal wieder mit ihr zu treffen, sagte ich mit einem doch recht mulmigen Gefühl im Bauch zu. Am nächsten Samstagabend sassen wir dann in einem netten Café. Wir kamen schnell in ein interessantes Gespräch. Mit Überraschung stellte ich fest, dass sie sich sehr für Computer interessierte. Doch eigentlich wollte ich sie etwas anderes fragen. Ich brachte es aber nicht heraus. So fragte ich sie zuerst, was sie über das Erdbeben von vorletzter Woche denke, das Tausende von Toten gefordert hat.

"Verdammt traurige Sache! Aber die ganze Berichterstattung und die riesigen Spenden halte ich für Heuchelei. Was macht Erdbebenopfer würdiger als Hungertote?“ sagte ich. Er sah mich ganz perplex an.

Diese klugen Worte aus dem Mund einer Faschistin überraschten mich ganz schön. Nun wollte ich es wissen: "Und? Hoffst du, dass Jeb Bush oder Hillary Clinton die Wahlen in den USA gewinnen?" - "Hmm, keine Ahnung. Was hoffst denn du?" Verdammt, mit dieser Gegenfrage hätte ich nicht gerechnet! "Hmm, ich denke George W. Bush hat mit seinen versprochenen Spenden für die Erdbebenopfer wohl wieder einige Wähler ins Boot der Republikaner geholt, deshalb wird Jeb wohl gewinnen." - "Ich habe nicht gefragt was du denkst, wer gewinnen wird, sondern, was du hoffst." Mist! "Hmm, naja, ich hoffe dass, dass Bush gewinnt." - "Was?! Wie kannst du nur für Bush sein? Ich sage ja nicht, dass Clinton viel besser ist, aber Bush?! Dann... dann warst das also doch du letzte Woche bei den ArUntGo? Wusste ichs doch, dass du etwas gegen Kommunisten hast!"

Vier Jahre später sass ich vor dem Fernseher und schaute die aktuellen Prognosen für die US-Wahlen. Sie kam von ihrer "Mission", wie sie es scherzhaft nannte, nach Hause. Ihre „Mission“ war, dass sie gefälschte Noten in den Umlauf brachte, die den Euro-Noten sehr ähnlich sahen. Anstatt z.B. "10 Euro" stand aber "10 Nix" drauf und darunter: "Geld zerstört die Menschen!" In den dunklen Clubs und Bars fiel das aber nicht auf. Als sie sah, dass ich die Nachrichten schaute, fragte sie mich, ob ich es nicht besser fände, wenn Giuliani die Wahlen gewinnen würde.
Beide lachten.

Geändert von YKL (16. 01. 2005 um 14:13 Uhr).
Alt 02. 01. 2005, 20:18 YKL is offline Mit Zitat antworten #1
Brother-John
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Einen Titel habe ich noch nicht herausgefunden
Vielleicht liegt das daran, dass du mit einer Geschichte angefangen und mit einer ganz anderen aufgehört hast? Der Anfang ist noch komplett unpolitisch. Da geht es nur um zwei Menschen, die sich beim Kennenlernen gegenseitig ihre Hobbys verschweigen. Entsprechend habe ich auch die typische Beziehungs-Verwechslungs-Missverständnis-Geschichte erwartet. Leider hast du dann eine ganz andere Geschichte weitererzählt. Der eigentliche Kern sollte wohl die gegensätzliche politische Gesinnung der beiden sein. Leider passt die Einleitung da überhaupt nicht dazu.

Warum denn überhaupt die Kennenlernen-Vorgeschichte? Starte doch die Geschichte direkt mit dem Spitzeln bei den Faschisten und seinem Schock über die bekannte Stimme. Mehr als die Info, dass sich die beiden in der Disco kennen gelernt haben, brauchst du imo auch später nicht einbauen. Die unterschiedlichen Ansichten und dass beide nichts davon wissen, sind da schon klar.
Im Mittelpunkt steht ja der Konflikt zwischen politischen Ansichten und Liebe. Den fand ich sehr unbefriedigend abgehandelt. Du baust den Konflikt gerade mal auf und löst ihn dann in den letzten paar Sätzen so mir nichts, dir nichts. Die beiden sind also vier Jahre später noch zusammen. Schön, aber gerade wie sie trotz aller Gegensätze zueinander finden, wäre interessant gewesen.

Faschistenschwein (und ähnliches): Verdammt schlechter Ausdruck. Meine erste Reaktion darauf war: Aha, die Anarchos können also auch nix anderes als pöbeln und beleidigen. Dieser negative erste Eindruck von der »guten Seite« ist nie wieder verschwunden.

Die Sache mit der Dönerbude: Warum bringst du da den Vegetarier rein? Gäbe es nicht andere Gründe, warum ihn die Wiener bzw. die Aktion an sich fast zum Kotzen bringen, die direkt mit dem Thema der Geschichte zu tun haben?

Über den ganzen Text habe ich mich nie mittendrin gefühlt, sondern immer wie ein über der Szene schwebender Beobachter, der das Geschehen verfolgt, um ein staubiges Protokoll darüber zu schreiben.
Interessieren würde mich der Blickwinkel der Hauptperson. Was sieht, hört, riecht, denkt, fühlt er? Persönlich und ganz konkret. Wenn ichs als Anregung mal kurz am Beispiel des Treffens durchphantasieren darf? ... »Eine alte Fabrikhalle, ewig hoch, leer, metallisch hallende Schritte, fröstelnde Kühle trotz des warmen Sommerabends, hoch oben die typischen Riesenfenster, die in kleine quadratische Scheiben aufgeteilt sind. Die untergehende Sonne scheint gerade noch rein, so dass man mittendrin im Dämmerlicht einen alten Holztisch sieht, um den schon einige Gestalten sitzen. Vermummt. Die Kapuzen so tief ins Gesicht gezogen, dass man im Dämmerlicht niemanden erkennen kann.«
Auf die Art wäre ich kurz darauf auch nicht gestolpert, als Nummer 22 erwähnt wird. Mir war nämlich nicht klar, dass man die Leute nicht erkennen kann.

Auf Rechtschreibung und Grammatik habe ich ehrlich gesagt nicht dermaßen intensiv geachtet. Jedenfalls war nichts dabei, was mich stolpern lassen hat. Mit einer Ausnahme: bist du Schweizer? Wenn nicht, solltest du dich dringend mit den Regeln zum ß auseinandersetzen (» grösstes«).

Insgesamt hat die Geschichte genug Potenzial, um gut zu werden. Leider hast du davon wenig genutzt. Würde mich aber interessieren, was bei einer Überarbeitung rauskommt!
Alt 03. 01. 2005, 14:51 Brother-John is offline Mit Zitat antworten #2
YKL
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Erst einmal vielen Dank für deine Kritik, Brother John.

Nun zu deinen Punkten. Grundsätzlich sollte ich noch sagen, dass ich versucht habe mich mit der Erzählung leicht an Mindfuck anlehnen wollte und ich habe auch versucht einige stilistische Elemente von der Illuminatus!-Trilogie zu übernehmen. Ich habe das absichtlich vorher nicht erwähnt, da ich zuerst eine Reaktion abwarten wollte.

Zitat:
Original geschrieben von Brother John
Entsprechend habe ich auch die typische Beziehungs-Verwechslungs-Missverständnis-Geschichte erwartet.

Genau diese Erwartung wollte ich auch aufbauen und dann zerstören.


Zitat:
Original geschrieben von Brother John
Im Mittelpunkt steht ja der Konflikt zwischen politischen Ansichten und Liebe. Den fand ich sehr unbefriedigend abgehandelt. Du baust den Konflikt gerade mal auf und löst ihn dann in den letzten paar Sätzen so mir nichts, dir nichts. Die beiden sind also vier Jahre später noch zusammen. Schön, aber gerade wie sie trotz aller Gegensätze zueinander finden, wäre interessant gewesen.

Hmm, dann habe ich den Schluss zu undeutlich geschrieben. Mit dem zweitletzten Abschnitt wollte ich eigentlich die ganze Geschichte auf den Kopf stellen. Der Leser soll erst gar nicht verstehen worum es geht und wer jetzt wer ist. Wenn er es dann verstanden hat, soll er sich nochmals die ganze Geschichte durch den Kopf gehen lassen und sich dann überlegen wer warum wie gehandelt hat. Anscheinden hat das nicht funktioniert, denn "sie" ist keine Faschistin, was sie ist verrat ich noch nicht. Den zweitletzten Abschnitt sollte ich also ein bisschen deutlicher machen.

Zitat:
Original geschrieben von Brother John
Faschistenschwein (und ähnliches): Verdammt schlechter Ausdruck. Meine erste Reaktion darauf war: Aha, die Anarchos können also auch nix anderes als pöbeln und beleidigen. Dieser negative erste Eindruck von der »guten Seite« ist nie wieder verschwunden.

Dieser Kritikpunkt steht in engem Zusammenhang mit folgendem:

Zitat:
Original geschrieben von Brother John
Über den ganzen Text habe ich mich nie mittendrin gefühlt, sondern immer wie ein über der Szene schwebender Beobachter, der das Geschehen verfolgt, um ein staubiges Protokoll darüber zu schreiben.

Wie gesagt, diese beiden Punkte stehen in engem Zusammenhang. Hier habe ich nämlich auch experimentiert. Ich wollte einen art auktorialen Erzähler schaffen, der die Dinge zwar aus einer dritten Perspektive erzählt, sich mit der Erzählung aber der momentanen Szene anpasst. So wird im Kreise der Anarchisten immer von "Faschistenschweinen" gesprochen, während im Kreise der Faschisten immer von den ArUntGo die Rede ist. Ich habe jedoch zusätzlich versucht den Erzähler nicht mehr sagen zu lassen als für die Fortsetzung der Handlung nötig ist, sodass der Leser sich dann selber Gedanken machen kann. So habe ich auch versucht möglichst wertungsfrei zu bleiben.

Zitat:
Original geschrieben von Brother John
Die Sache mit der Dönerbude: Warum bringst du da den Vegetarier rein? Gäbe es nicht andere Gründe, warum ihn die Wiener bzw. die Aktion an sich fast zum Kotzen bringen, die direkt mit dem Thema der Geschichte zu tun haben?

Ja, mit der Passage bin ich auch nicht ganz zufrieden. Damit wollte ich jedoch einerseits die beiden Handlungsstränge verbinden (indem er sich an sie erinnert) und ich wollte dem Leser auch klar machen, dass sie ihm etwas bedeutet.

Zitat:
Original geschrieben von Brother John
bist du Schweizer?

Ja, bin ich.
Alt 03. 01. 2005, 16:45 YKL is offline Mit Zitat antworten #3
YKL
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So, ich habe jetzt mal das Ende ein bisschen deutlicher geschrieben. Ich habe mein Posting oben editiert. Ich habe ausser dem zweitletzten Abschnitt nichts verändert. Ich bin eigentlich noch immer nicht ganz zufrieden damit, aber was solls.
Alt 03. 01. 2005, 17:55 YKL is offline Mit Zitat antworten #4
Brother-John
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[q]Original geschrieben von YKL
dass ich versucht habe mich mit der Erzählung leicht an Mindfuck anlehnen[/q]
In der Hinsicht bin ich ein guter Testleser, weil ich weder die Illuminatus-Trilogie kenne, noch »Mindfuck« vorher schon mal gehört hätte. Warum unbedingt ein neues Wort dafür her musste, hm. Was Mindfuck tut ist doch ein uraltes und millionenfach angewendetes erzählerisches Mittel. Na gut, gehört nicht zum Thema, also lassen wir’s.

[q]Genau diese Erwartung wollte ich auch aufbauen und dann zerstören.[/q]
Wenn du mit Geschichte A anfängst und mit Geschichte B weitermachst, erzeugst du nur Frust. Gerade der Anfang sagt mir, welche Art Geschichte ich erwarten darf. Und daran entscheide ich, ob ich überhaupt weiterlesen will. Kommt dann später ein so harter Schwenk, fühle ich mich verarscht. Gerettet hat dich nur der »Community-Bonus«. In einer Zeitschrift oder einem Buch hätte ich spätestens bei dem Satz »Er meldete sich sofort für den Job« weitergeblättert, denn an der Stelle war spätestens klar, dass nicht die Geschichte folgt, auf die ich mich eingestellt und gefreut hatte.
Schau dir mal die Filmbeispiele auf der Wikipedia-Mindfuck-Seite an. Alle kenne ich nicht, aber ich behaupte, in keinem wirst du einen so harten Bruch wie bei dir finden. Oft wird mit dem Zuschauer/Leser in der Art gespielt, dass man am Anfang was verschweigt, viele kleine Hinweise einstreut, am Schluss auflöst und zwei Gefühle erzeugt: Erst »Also so ein Ende hätte ich ja niemals erwartet« (im positiven Sinn) und hinterher (spätestens beim zweiten Mal schauen/lesen) »Es war doch von Anfang an so offensichtlich. Wie konnte ich nur so blöd sein, und alle Hinweise übersehen?«.
Davon abgesehen sind diese Geschichten stockkonservativ linear aufgebaut. Muss auch sein, weil kaum jemand Lust hat, sich zusätzlich zum Überraschungseffekt am Schluss auch noch mit einer verwinkelten Handlung zu stressen.

[q]So habe ich auch versucht möglichst wertungsfrei zu bleiben.[/q]
Ich würde den Ausdruck »Faschistenschwein« nicht als besonders wertungsfrei bezeichnen.

[q]Ich wollte einen art auktorialen Erzähler schaffen, der die Dinge zwar aus einer dritten Perspektive erzählt, sich mit der Erzählung aber der momentanen Szene anpasst.[/q]
Dann willst du ja gerade nicht den auktorialen (= allwissenden) Erzähler. Der würde für diese Geschichte sowieso eher nicht passen. Schließlich soll doch der Leser eben nicht über alles Bescheid wissen. Auktorial erzählt ist es übrigens eh nicht. Du bleibst immer bei deiner Hauptperson und dem, was der weiß. Das ist der ganz typische Dritte-Person-Erzähler. Die Frage der Perspektive ist größtenteils Geschmacksache. Persönlich würde ich bei dieser Geschichte sogar mit dem Ich-Erzähler liebäugeln.
Was ich mit der Phantasiererei über die Fabrikhalle eigentlich aussagen wollte: Mir hat der Film gefehlt, der beim Lesen im Kopf abläuft. Ich konnte mir keinen der Schauplätze vorstellen, und dadurch kommt dieses unschöne Protokollgefühl zustande.

Eins ist mir nach dem Posten noch aufgefallen: Der einzige, der in der Geschichte einen Namen hat, ist die unwichtige Nebenfigur Karl. Warum ausgerechnet der? Keine Namen zu vergeben erzeugt eine Anonymität, die mir gar nicht mal schlecht gefällt. Dann würde ich aber auch konsequent sein. Es sei denn Karl ist mehr als die unwichtige Nebenfigur.

[q]Ich bin eigentlich noch immer nicht ganz zufrieden damit, aber was solls. [/Q]
Wie? So schnell gibst du auf?
Alt 05. 01. 2005, 17:02 Brother-John is offline Mit Zitat antworten #5
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@Brother John: Nochmals thx für die Kommentare. Habe mir deine Kritik nochmals durch den Kopf gehen lassen und ich gehe unterdessen mit dir in den meisten Punkten einig.

Zum auktorialen Erzähler: Ich habe nicht gesagt, dass ich genau einen auktorialen Erzähler machen wollte, aber sowas ähnliches. Denn es ist keine strikte dritte Perspektive, da der Erzähler einiges über das Innere der Charaktere weiss und sich so auch den Personen anpasst. Deshalb auch das "Faschistenschwein". Das ist die Hauptperson, die durch den Erzähler spricht/denkt.

Das mit "Karl" ist mir im Nachhinein auch aufgefallen. Eigentlich wollte ich nur die beiden Hauptpersonen anonym lassen, die anderen wollte ich benennen. Das Problem war dann, dass ich die von den ArUntGo nicht benennen konnte und ich ansonsten keine andere Figur hatte.

Wenn du sagst, dass Mindfuck Filme stockkonservativ sind, dann muss ich dir widersprechen. Bei "schlechten" Mindfuck Filme wie The Sixth Sense, The Others oder auch Vanilla Sky trifft das vielleicht zu, bei Filmen wie Donnie Darko, Mulholland Dr. oder Memento jedoch bestimmt nicht. Übrigens, wie würdest du "Mindfuck" denn sonst nenne, wenn die Idee schon so alt ist?

Ich werde die Geschichte wohl bald mal überarbeiten und auf deine Punkte achten. Das Problem, welches ich schon beim Schreiben bemerkt habe, war wohl, dass ich die Geschichte so kurz wie möglich halten wollte. Die nächste Version wird also bestimmt länger sein.
Alt 05. 01. 2005, 17:44 YKL is offline Mit Zitat antworten #6
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[q]Wenn du sagst, dass Mindfuck Filme stockkonservativ sind, dann muss ich dir widersprechen.[/q]
Stockkonservativ in Sachen Linearität, meine ich. Memento ist ein schönes Beispiel, denn der hat eine absolut lineare Handlung. Der Trick an Memento war, ihn in Episoden und gleichzeitig rückwärts und vorwärts zu erzählen. Diese Erzählweise gaukelt eine Verworrenheit vor, die gar nicht da ist. Bastle ihn dir mal in chronologischer Reihenfolge zusammen: direkter geradeaus könnte die Handlung nicht sein.

Wie man »Mindfuck« sonst nennen sollte, weiß auch nicht. Der Begriff ist ganz passend. Mir klang der Wikipedia-Artikel nur ein bisschen zu sehr danach, als wäre das Konzept dahinter etwas ganz Neues, noch die da gewesenes. Das ist doch absolut nicht so. Alle Arten von Leuten (Leser, Untertanen, ...) werden seit je her auf verschiedenste Weise an der Nase herumgeführt.

[q]Denn es ist keine strikte dritte Perspektive[/q]
Bis auf eine Ausnahme schon. In dem Absatz am Anfang mit ihren Gedanken über ihn springst du einmal kurz in ihre Perspektive, ansonsten bleibst du ausschließlich im Erfahrungshorizont deines Protagonisten.
Sehe ich das richtig: Du willst einerseits den Leser in die Geschichte und den »Mindfuck« mitten rein ziehen, aber andererseits auch ein etwas distanziertes Gefühl erzeugen? Das lässt sich anders schöner lösen als durch eine zu kompliziert gestaltete Erzählperspektive und Wortwahl. Die fehlenden Namen sind ein schönes Mittel für die Distanz. Zusätzlich kannst du versuchen, den »Film im Kopf« an den Rändern etwas ausfranzen zu lassen (Mann, wie soll ich das allgemeinverständlich ausdrücken...). Passende Umweltbedingungn (Regen, Nebel, Nacht oder noch besser Dämmerung) helfen da schon mal unheimlich.
Der »Film im Kopf« ist ein gutes Stichwort. Daran mangelt es der Geschichte ganz deutlich. Dass der Film flüssig läuft ist imo handwerklich der zentrale Punkt, auf den du beim Überarbeiten achten solltest.
Alt 05. 01. 2005, 22:32 Brother-John is offline Mit Zitat antworten #7
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Zitat:
Original geschrieben von Brother John
[q]Wie man »Mindfuck« sonst nennen sollte, weiß auch nicht. Der Begriff ist ganz passend. Mir klang der Wikipedia-Artikel nur ein bisschen zu sehr danach, als wäre das Konzept dahinter etwas ganz Neues, noch die da gewesenes. Das ist doch absolut nicht so. Alle Arten von Leuten (Leser, Untertanen, ...) werden seit je her auf verschiedenste Weise an der Nase herumgeführt.

Die Meisten Mindfuck-Filme haben aber den gemeinsamen Nenner, dass der Protagonist nicht weiss, was mit ihm passiert. Das ist imho eine ziemlich neue Idee. (Natürlich bin ich mir bewusst, dass meine Geschichte nicht Mindfuck ist.)
Alt 06. 01. 2005, 16:16 YKL is offline Mit Zitat antworten #8
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So, ich habe jetzt die Geschichte komplett überarbeitet. Deinen Hauptkritikpunkt konnte ich jedoch nicht ganz beheben und so gibt es noch immer einen ziemlich grossen Schnitt. Ich habe aber versucht ihn so gering wie möglich zu halten.
Alt 06. 01. 2005, 20:26 YKL is offline Mit Zitat antworten #9
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Sehr schön! Der neue Entwurf macht einen viel runderen Eindruck. Der Film im Kopf ist bis auf eine Ausnahme (s. unten) schön flüssig gelaufen, und auch den harten Bruch am Anfang kann ich nicht mehr erkennen (weil auch sie gleich auf die »politischen Ideale« zu sprechen kommt).

Bis nach dem ArUntGo-Treffen habe ich mich wohl gefühlt. Zwei Kleinigkeiten sind in dem Teil erwähnenswert:
[q]Die Symbolik der Faschos ist einfach zu durchschaubar.[/q]
Da wollte ich schon fast den Rotstift zücken und in »einfach zu durchschauen« ändern. Dann habe ich es doch noch kapiert, wie du den Satz meinst. Etwas wie »Die Symbolik der Faschos ist so durchsichtig« o.ä. wäre weniger stolperanfällig.

[q]Der eine Teil war wohl der Aufenthaltsteil mit einem Fass Bier und einer Stereoanlage, die Rechtsrock abspielte, und der andere Teil war bestuhlt mit einer kleinen Bühne.[/q]
Moment mal! »Mit einer Bühne bestuhlt«? Um einen Raum zu bestuhlen, braucht man da nicht eher Stühle anstatt Bühnen?


Im hinteren Teil habe ich einige Anmerkungen mehr.
[q]Jetzt sitze ich bei der Bushaltestelle und weiss eigentlich gar nicht was ich tun soll. [...] Kann ich ihre Intoleranz tolerieren?[/q]
Der Absatz driftet zu sehr in pseudophilosophisches Gegrübel ab. Inhaltsmäßig erzählst du keine weltbewegenden Dinge, die zudem für die Handlung nichts bringen. Aber das Wichtigste: Ich nehme ihm seine Reaktion nicht ab. Offenbar beherrscht ihn der Gedanke an sie gerade vollkommen, und dann überlegt er plötzlich, welche politische Ansicht die bessere ist? Glaub ich nicht. Er wird doch eher mit dem Schicksal hadern, sich verzweifelt einreden »vielleicht ist sie doch keine Faschistin« oder ähnliches.
Erzählerisch betrachtet stoppst du die Geschichte, schiebst das Gegrübel ein und erzählst dann weiter. An der Stelle ist deswegen der Film im Kopf gerissen und hat erst beim Absatz danach wieder eingesetzt.

[q]Scheisse, ich muss mit ihr sprechen! [dann 2 Absätze weiter] Als sie mich dann aber fragte, ob ich Lust hätte mich mal wieder mit ihr zu treffen, erinnerte ich mich daran, dass ich unbedingt mit ihr sprechen wollte.[/q]
Ähnlich wie oben hat diese Stelle den Würde-er-wirklich-Test nicht bestanden. Ich glaube es absolut, wenn er tagelang mit sich kämpft und sich nicht dazu durchringen kann, sie anzurufen. Aber dass der Gedanke in den Hintergrund tritt, so dass er schließlich wie etwas Vergessenes aus der Erinnerung auftaucht – nein, das nehme ich dir nicht ab.

[q]So fragte ich sie zuerst, was sie über das Erdbeben vom Vortag denke[/q]
Das Erdbeben kommt sehr überraschend. Kann man machen, aber ich fände es schöner, das Thema vorher schon am Rande einzuführen. Vielleicht läuft im Hintergrund ja gerade die Tagesschau, als er aus dem Haus geht.

[q]"Verdammt traurige Sache! [...] Oder was soll die Erdbebenopfer würdiger machen als Hungertote?"[/q]
Was dadurch rüberkommen soll ist doch ihr fascho-untypische Ansicht, richtig. Dem Ziel würde eine kurze, knackige Aussage – idealerweise ein einziger Satz – besser dienen als ein kompletter Absatz wörtliche Rede. Das lenkt die Aufmerksamkeit stärker auf das Erdbeben an sich und lehnt sich leicht in die Richtung der politischen Grübelei weiter oben. Gerade bei dem Absatz wäre es auch nötig, den Wechsel in ihre Perspektive gleich am Absatzanfang zu zeigen. Jetzt wird das erst am Ende klar.

[q] Wusste ichs doch, dass du etwas gegen Kommunisten hast!"

Vier Jahre später sass ich vor dem Fernseher[/q]
Ich sehe schon, du lässt dir den Zeitsprung nicht ausreden. Ok, akzeptiert . Um den eigentlichen Höhepunkt drückst du dich aber nach wie vor herum. Die beiden schaffen es also, ausgehend von ihrer Wut auf ihn trotzdem zusammenzukommen. Aber wie machen sie’s denn? So einleuchtend finde ich die Entwicklung nicht: Warum z.B. sollte sie ihm ohne weiteres glauben, dass er kein Faschist ist? Er könnte sie doch einfach ein bisschen an der Nase herumführen und ausnutzen wollen? So in Fahrt wie sie zum Schluss kommt, warum sollte sie ihn überhaupt noch zu Wort kommen lassen?
Dann zum Zeitsprung. Nein, nichts dagegen. Nur wenn du springst, dann mach doch aus dem letzten Absatz eine richtig ausgearbeitete Szene.


So weit erstmal. Weil dieses Posting doch wieder verdammt nach Rundumkritik klingt, lass es mich noch mal sagen: Dieser Entwurf spielt in einer deutlich höheren Liga als die erste Version.
Auch schade, dass außer mir niemand sonst einen Kommentar abgibt. Ich bin ja schließlich nicht das Maß aller Dinge und was ich vorschlage, ist sicher nicht sofort der Weisheit letzter Schluss. Deswegen habe ich mich mit wirklich konkreten Handlungsvorschlägen diesmal auch zurückgehalten (für das 4-Jahre-später würde mir z.B. eine sehr konkrete Szene vorschweben). Es soll ja deine Geschichte bleiben und nicht zu meiner mutieren.
Alt 11. 01. 2005, 16:20 Brother-John is offline Mit Zitat antworten #10
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Nochmals herzlichen Dank für deine Kritik!
Ich habe leider momentan keine Zeit die Geschichte zu überarbeiten, deshalb werde ich wohl auch erst am nächsten Wochenende auf dein Posting eingehen.
Alt 11. 01. 2005, 17:11 YKL is offline Mit Zitat antworten #11
YKL
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[q]Da wollte ich schon fast den Rotstift zücken und in »einfach zu durchschauen« ändern. Dann habe ich es doch noch kapiert, wie du den Satz meinst. Etwas wie »Die Symbolik der Faschos ist so durchsichtig« o.ä. wäre weniger stolperanfällig.[/q]

Habs verbessert.

[q]Moment mal! »Mit einer Bühne bestuhlt«? Um einen Raum zu bestuhlen, braucht man da nicht eher Stühle anstatt Bühnen? [/q]

Das auch, blöder Fehler


[q]Der Absatz driftet zu sehr in pseudophilosophisches Gegrübel ab. Inhaltsmäßig erzählst du keine weltbewegenden Dinge, die zudem für die Handlung nichts bringen. Aber das Wichtigste: Ich nehme ihm seine Reaktion nicht ab. Offenbar beherrscht ihn der Gedanke an sie gerade vollkommen, und dann überlegt er plötzlich, welche politische Ansicht die bessere ist? Glaub ich nicht. Er wird doch eher mit dem Schicksal hadern, sich verzweifelt einreden »vielleicht ist sie doch keine Faschistin« oder ähnliches.
Erzählerisch betrachtet stoppst du die Geschichte, schiebst das Gegrübel ein und erzählst dann weiter. An der Stelle ist deswegen der Film im Kopf gerissen und hat erst beim Absatz danach wieder eingesetzt.[/q]

Da bin ich nicht deiner Meinung. Diesen Abschnitt habe ich ganz absichtlich so gestaltet. Wie du vielleicht gemerkt hast, ist dieser Abschnitt in der Gegenwart geschrieben. Damit wollte ich einfach ausdrücken, dass in dem Moment für den Protagonisten alles stehenbleibt. So etwas wie "vielleicht ist sie doch keine Faschistin" wollte ich nicht reinnehmen, da ich den Leser damit wohl zu stark auf die richtige Spur bringen würde und weil ich damit ausdrücken wollte, dass er sich zuerst fragt ob er sich für sie ändern könnte.

[q]Ähnlich wie oben hat diese Stelle den Würde-er-wirklich-Test nicht bestanden. Ich glaube es absolut, wenn er tagelang mit sich kämpft und sich nicht dazu durchringen kann, sie anzurufen. Aber dass der Gedanke in den Hintergrund tritt, so dass er schließlich wie etwas Vergessenes aus der Erinnerung auftaucht – nein, das nehme ich dir nicht ab.[/q]

Hab ich auch verbessert.

[q]Das Erdbeben kommt sehr überraschend. Kann man machen, aber ich fände es schöner, das Thema vorher schon am Rande einzuführen. Vielleicht läuft im Hintergrund ja gerade die Tagesschau, als er aus dem Haus geht.[/q]

Ich habe jetzt das Erdbeben beim ArUntGo Treffen schnell erwähnt.

[q]Was dadurch rüberkommen soll ist doch ihr fascho-untypische Ansicht, richtig. Dem Ziel würde eine kurze, knackige Aussage – idealerweise ein einziger Satz – besser dienen als ein kompletter Absatz wörtliche Rede. Das lenkt die Aufmerksamkeit stärker auf das Erdbeben an sich und lehnt sich leicht in die Richtung der politischen Grübelei weiter oben.[/q]

Ich habe den Abschnitt stark verkürzt. Ich hoffe die Aussage ist damit noch klar genug nicht-faschistisch.

[q]Gerade bei dem Absatz wäre es auch nötig, den Wechsel in ihre Perspektive gleich am Absatzanfang zu zeigen. Jetzt wird das erst am Ende klar.[/q]

Das ist Absicht, damit will ich ein bisschen Verwirrung stiften.

[q]Die beiden schaffen es also, ausgehend von ihrer Wut auf ihn trotzdem zusammenzukommen. Aber wie machen sie’s denn? So einleuchtend finde ich die Entwicklung nicht: Warum z.B. sollte sie ihm ohne weiteres glauben, dass er kein Faschist ist? [/q]

Hmm, gute Fragen. Die habe ich mir gar nie richtig überlegt. Aber mir gefällt es so eigentlich auch, da das für mich nicht der Höhepunkt ist. Vielleicht mach ich aber mal noch einen neuen Abschnitt.

[q]Dann zum Zeitsprung. Nein, nichts dagegen. Nur wenn du springst, dann mach doch aus dem letzten Absatz eine richtig ausgearbeitete Szene.[/q]

Was meinst du damit genau? Inwiefern ist die Szene nicht richtig ausgearbeitet?
Alt 16. 01. 2005, 14:12 YKL is offline Mit Zitat antworten #12
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[q]Das ist Absicht, damit will ich ein bisschen Verwirrung stiften.[/q]
Wahrscheinlicher ist Verärgerung.

[q]Hmm, gute Fragen. Die habe ich mir gar nie richtig überlegt. Aber mir gefällt es so eigentlich auch, da das für mich nicht der Höhepunkt ist.[/q]
Ok, vielleicht hätte ich da eine Frage schon viel eher stellen sollen (bin halt auch kein Profi-Textkritiker). Beschreibe doch mal in einem möglichst kurzen Satz das zentrale Thema der Geschichte. Worum geht’s im Kern? Je prägnanter, desto besser.
Ohne diese Antwort ist es auch wenig sinnvoll, weiter auf dem »pseudophilosophischen Gegrübel« rumzureiten. Deswegen dazu erstmal kein weiterer Kommentar.

[q]Was meinst du damit genau? Inwiefern ist die Szene [der letzte Absatz] nicht richtig ausgearbeitet?[/q]
Stell dir ganz konkret vor, was in der Szene nacheinander passiert. Was tun und sagen die beiden. Was denkt er/sie (je nach Perspektive). Den Ablauf brauchst du dann nur noch aufzuschreiben.
Alt 23. 01. 2005, 13:30 Brother-John is offline Mit Zitat antworten #13
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Zitat:
Original geschrieben von Brother John
Beschreibe doch mal in einem möglichst kurzen Satz das zentrale Thema der Geschichte.

Hmm. Ich würde sagen, beim Text gehts um den Faschismus/Rassismus und wie Linke damit umgehen.
Alt 29. 01. 2005, 14:18 YKL is offline Mit Zitat antworten #14
Brother-John
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Zitat:
Original geschrieben von YKL
Hmm. Ich würde sagen, beim Text gehts um den Faschismus/Rassismus und wie Linke damit umgehen.
Ok, da wird mir das eine oder andere klar. Das ist nämlich eine ganz andere Richtung, als ich im Kopf hatte.

Sehr viel von dem Thema kann ich bis jetzt nicht entdecken, dazu steht die Liebesgeschichte zu sehr im Vordergrund und die Faschisten sind mit dem einzigen Auftauchen in der Lagerhallenszene kaum mehr als Randfiguren.
Alt 03. 02. 2005, 17:49 Brother-John is offline Mit Zitat antworten #15
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