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Iain Banks - Einsatz der Waffen
(Neuüberarbeitung der Übersetzung im Doppelband "Das Kulturspiel")


"Einsatz der Waffen" ist Banks zweiter Kultur-Roman und gilt bei vielen seiner Leser als sein bestes Buch.
Einsatz der Waffen ist ein reinrassiger Kulturroman aber dennoch schwer einzuordnen. Sicher ist das ganze SF, aber als klassischer SF Roman geht "Einsatz der der Waffen" sicherlich nicht durch, dazu ist es einfach zu anders

Es geht um Cheradenine Zakalwe einen Söldner der im Auftrag Geheimdienst der Kultur der BU (Besondere Umstände) die Kohlen aus dem Feuer holt.
Da die Kultur dekadent, überheblich, arrogant und aber auch technisch überlegen ist, leitet sie daraus auch den Anspruch der moralischen Überlegenheit ab und mischt sich in Kriege außerhalb der Kultur ein, um deren Ausgang auf die eine oder andere Weise zu beeinflussen, sie zu verhindern oder gar einzuleiten.
Zakalwe ist eben der Mann vor Ort der dieses alles durchführt. Im Laufe der Jahrhunderte (die Kultur verfügt ja auch über exzellente medizinische Kenntnisse) war Zakalwe so in unzähligen lokalen Kriegen beteiligt, ist mehrmals den Tot von der Schippe gesprungen, hat Intrigen und Komplotte angeleiert, aber auch in Sauf und Braus gelebt.
Eine Biographie die Zakalwe in den Rand des noch zu Ertragenden gebracht hat, ein moralisch und seelisch total degenerierter Mensch.
Diese Geschichte wird im Buch von hinten nach vorne, aber in arabischen Zahlen nummeriert erzählt.
Die zweite Geschichte wird von vorne nach hinten, aber absteigenden mit römischen Zahlen erzählt.
Da liegt auch die Besonderheit des Buches; 2 Geschichten die gegeneinander aber abwechselnd erzählt werden.
In dieser zweiten Geschichte wird Zakalwes Vorleben erzählt. Wie er mit seinen zwei Schwestern und dem Ziehsohn seiner Eltern, Elethiomel dem späteren Stuhlmacher aufwuchs. Wie ihr Planet von einem Bürgerkrieg überrannt wurde und welch grausame und erschütternde Konsequenzen sich für die Leben der Geschwister darauf ergaben.

Der Schluss ist wie man es von Banks gewöhnt ist, furchtbar niederschmettert. Man liest die letzten Zeilen und würde kann es kaum glauben, welchen Abgrund Banks mal wieder für seine Leser vorbereitet hat....

Einsatz der Waffen fordert den Leser durchaus. Einmal die beiden unterschiedlichen Geschichten, die auch noch chronologisch auf einander zulaufen (was man aber erst spät im Buch bemerkt). Auch der stetige Wechsel von der hoch entwickelten Kultur mit all ihren fantastischen Errungenschaften und ihrer selbstgefälligen Dekadenz, zu Schauplätzen und Planeten die erst unlängst das industrielle Zeitalter erreicht haben, ist am Anfang etwas verwirrend.
Wie auch Banks üblich wimmelt es nur so von skurrile Einfällen, wie zum Beispiel eine Verstümmlungsparty (man lässt sich mal eben ein Bein amputieren, oder eine 3. Arm ansetzen oder noch bizarreres), einer Raumschiffbesatzung die aus Langweile ihr Immunsystem teilweise außer Kraft setzt um mal zu sehen wie das so ist wenn man eine Erkältung hat (Krankheiten gibt es in der Kultur selbstverständlich schon lange nicht mehr), der die hier nicht wiederzugebende aber sehr unterhaltsame Geschichte des Philosophenkönigs der klären will ob es eine Seele gibt oder nicht.
Eben genau die Sachen die man auch erwartet man einen Kulturroman von Banks liest.
Obwohl das Buch nicht so furchtbar umfangreich ist (~500 Seiten), wirkt das ganz recht episch und ausladend erzählt.


Eingefleischte Banks Fans wie ich, haben Einsatz der Waffen sicherlich schon lange gelesen (es wurde ja unlängst neu aufgelegt in diesem Doppelband), wer mal einen ungewöhnlichen SF Roman lesen will, der dann aber doch alle Elemente einer Space-Opera enthält, der auch noch toll geschrieben ist, sollte sich das Kultur-Spiel zulegen.


Das erste Buch in diesem Band "Das Spiel Azad" ist auch sehr lesenswert, mal sehen vielleicht kann ich dazu die Tage etwas ausführlicher was schreiben.
Alt 01. 10. 2005, 15:05 Mit Zitat antworten #26
Glen Runciter
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Respekt sehr gut geschrieben deine Kritik x12x13. Ich habe den Sammelband im Urlaub gelesen, übrigens das erste Mal, dass ich Banks gelesen habe. Und ich war begeistert. Vernor Vinge, Dan Simmons und Iain Banks sind für mich mit Abstand die aufregendsten aktuellen S-F Autoren. Von Dan Simmons habe ich vor kurzem Ilium gelesen. Jetzt warte ich ungeduldig auf Olympos. Dann werde ich dazu was schreiben.
Aber eine Frage zu Einsatz der Waffen hätte ich noch. Eine Stelle ist mir nicht so ganz klar. Dieser Typ auf dem Schiff "Abwesende Freunde" das ist doch Elethiomel, quasi in der Verbannung, oder täusche ich mich da?
Alt 01. 10. 2005, 22:21 Glen Runciter is offline Mit Zitat antworten #27
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Nein das täuscht du dich nicht, es ist der Stuhlmacher. Diese Episode schließt sich ja im zeitlichen Ablauf direkt an die Belagerung der Staberinde und eben die Sache mit den Stuhl an.....

Von Simons habe ich bisher nur die Hyperion Gesänge und das Anschlußbuch Endymion gelesen. Die Hyperion Gesänge gehören auf jeden Fall zu meinen persönlichen Top10.

Das gilt auch für beide Vinge Bücher "Eine Tiefe am Himmel" und "Ein Feuer auf der Tiefe", die beide wirklich großartig sind.
Von Vinge ist "Die Tiefen der Zeit" angekündigt, leider erst für den April 2006.

Für den akuellen Kultur Roman von Banks "The Algebrist" gibt es wohl leider noch keinen Termin für eine deutsche Ausgabe.
Alt 01. 10. 2005, 22:48 Mit Zitat antworten #28
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Iain Banks - Das Spiel Azad
(Neuüberarbeitung der Übersetzung im Doppelband "Das Kulturspiel")

Lange habe ich dieses Buch nicht gelesen und auch als ich mir das Kulturspiel kaufte es als zweites gelesen. Obwohl es vorne im Band ist.
Nachdem ich jetzt 2 Banks hintereinander gelesen habe und auch die meisten anderen recht gut präsent habe, muss ich feststellen, dass "Das Spiel Azad" einer meiner liebsten Bücher von ihm ist, wenn nicht sogar mein Favorit.

Jernau Morat Gurgeh (den vollständigen Namen unterschlage ich jetzt mal) ist ein Spieler. Der beste Spieler der Kultur.
Da man in Kultur ja nicht arbeitet, oder sonst was produktives oder auch nur sinnvolles tun muss, sind Spieler recht bekannte und prominente Persönlichkeiten (sofern man in der Kultur überhaupt von Prominenz sprechen kann). Gurgeh lebt auf einem recht neunen Plattenhabitat (schlappe 1000 Jahre mit der geradezu lächerlichen 4 Millionen Einwohner) und lebt mehr oder weniger in den Tag hinein und widmet sich dem spielen, dem Verfassen von Abhandlungen übers Spielen.
Das ganze befriedigt ihn aber nicht mehr richtig, er hat alles gewonnen quasi jeden Gegner besiegt und sucht eine neue Herausforderung als der Kontakt, (quasi das Außenministerium der Kultur) an ihn herantritt und ihm ein Spiel anbietet.
Er soll in der kleinen Magelllansche Wolke beim Spiel Azad teilnehmen. Dieses allumfassende Spiel mit dem das gleichnamige Imperium Azad seinen Kaiser ausspielt ist Jahrtausende alt, sehr komplex und der Dreh- und Angelpunkt des Imperiums.
Eine finstere (in Kulturmaßstäben), ararchische, traditionsverpflichtete und sehr gewaltbetonte Gesellschaft.
Auf der 2 Jährigen Reise dorthin musste Gurgeh neben den Spielregeln auch mit den seltsamen Gepflogenheiten des Imperiums vertraut machen.
Das dominante Geschlecht des Imperiums sind die Apex, ein drittes Geschlecht zwischen Mann und Frau. Abgesehen von der Tatsache, dass es so was wie ein dominantes Geschlecht gibt (in der Kultur ist es Usus, dass man mindestens einmal im Leben das Geschlecht ändert. Das man ein Kind zeugt und eines austrägt) tut sich Gurgeh mit den Konventionen, Dinge wie Eigentum und Sklaverei, Sühne und Schuld, Hass und Strafe sehr schwer.

Natürlich hat der Kontakt Gurgeh nicht nach Azad geschickt, ein Systemkontaktfahrzeug mit 5 Mrd. Passagieren umgeleitet und andere enorme Ressourcen aufgewendet (nicht das es in der Kultur daran mangeln würde, aber so was gilt als unelegant) damit er mal wieder eine Herausforderung hat, sondern als offiziellen Vertreter der Kultur, der das Imperium über die wahre Beschaffenheit der Kultur im unklaren lassen soll. Er soll verlieren damit das Imperium Azad über den wirklichen Stand der Kultur getäuscht wird. Das Imperium Azad ist schon wegen seiner ararchischen Strukturen, der Kultur in allen Belangen unterlegen, eine Tatsache die das Imperium nur schlecht akzeptieren würde. Das könnte wiederum einen Krieg auslösen. Den die Kultur zweifelsohne binnen kurzer Zeit gewinnen wird, aber Kriege sind nun wirklich sehr sehr unelegant.
Um seiner Aufgabe besser gewachsen zu sein wird ihm die nervtötende und etwas dubiose Kontakt Drohne Marwin Sehkel zur Seite gestellt.
Gurgeh spielt besser als erwartet, so gut das er sogar ins Finale gegen den Kaiser kommt und dann bei diesem letzten Spiel werden die wahren Ziele des Kontakts offenbar.....
Zwar fällt das Ende nicht so drastisch wie bei anderen Büchern von Banks auf.
Trotzdem hat er wieder einen Schluss geschrieben, der die Selbstgefälligkeit und dekadente Arroganz der Kultur zelebriert.


Entgegen einigen seiner anderen Bücher ist das Spiel Azad linear und ohne Experimente oder Schnörkel geschrieben. Auch sprachlich bleibt er ungewohnt konservativ aber erfrischend.

Neben einer guten Geschichte ist ja eine von Banks größten Qualitäten die Detailverliebtheit. Wieder schafft er es auf 430 Seiten das Imperium Azad recht ausufernd zu beschreiben. Mit wenigen eindrucksvollen Episoden kann sich der Leser ein komplettes Bild machen. Besonders die Szenen, welche die dunkle Seite des Imperiums beschreiben sind sehr eindringlich geschrieben. Trotz aller Grausamkeiten welche das Imperium auslebt, sind einige wirklich amüsante Dialoge zu lesen. Besonders mit Marwin Sehkel liefert sich Gurgeh einige nette Streitgespräche.

Das Spiel Azad ist vielleicht ein Einsteiger Banks, da es sein am leichtesten zu konsumierendes Buch ist, dennoch ein echter Banks, vielleicht sein Bester?



Als nächstes kommt dann der neue Alstair Reynolds "Offenbarung" dran, dass habe ich mir gestern gekauft.
Alt 09. 10. 2005, 23:08 Mit Zitat antworten #29
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Alastair Reynolds – Offenbarung

„Offenbarung“ ist der mittlerweile 4. Band, der sich um Yellow Stone, Chasm City, den Ultras, den Synthetikern und anderen Orten, Gruppen oder Personen rankt.
Leider ist dieser Abschlussband mit Sicherheit der schlechteste der Reihe (wobei ich glaube das Reynolds erst nach dem 2. Band beschlossen hat, eine Serie aus diesem „Plot“ zu machen), aber Offenbarung ist auch kein wirklich schlechtes Buch.

Die Reihe steigert sich ja kontinuierlich und wurde mit jeden Band komplexer, in „Offenbarung“ laufen nun all diese Geschichten und Episoden auf ihr Ende zu. Noch immer kämpft die Menschheit gegen die Unterdrücker/Wolfsmaschinen, jene Maschinenrasse die sämtliches intelligentes Leben in der Galaxis auslöscht, sobald es einen gewissen Entwicklungsgrad überschritten hat.
Das Buch knüpft mehr oder weniger direkt an „Die Arche“ an. Was passierte mit den Flüchtlingen an Board der „Sehnsucht nach Unendlichkeit“ nach der Zerstörung des Resurgam System? Wie entwickelt sich die Fehde der Synthetiker weiter und was macht eben der Kampf gegen die Unterdrückermaschinen?
In diesem Handlungsstrang tauchen dann auch die bekannten Protagonisten, wie Calvain, Skade, Ana Khouri und Scorpio das Hyperschwein wieder auf. Leider bleiben alle Charaktere etwas blas und farblos, nur Scorpio wird dem Leser näher gebracht. Reynolds wollte sich wohl etwas Zeit sparen und ging wohl auch davon aus, dass man dieses Buch eh nicht liest, ohne die Vorgängerbände zu kennen – der geneigte Leser, also die Charaktere schon ausreichend kennt. Da Scorpio bisher nur eine Nebenfigur war, die jetzt im letzten Band richtig in Szene gesetzt wird, ist zwar einerseits konsequent. Aber auf der anderen Seite schadet es dem Buch, da einfach etwas fehlt und auch die Beziehungen der Charaktere untereinander etwas flach bleiben.

Ein zweiter, abwechselnd erzählter Handlungsstrang, spielt ca. 60 Jahre später auf dem Mond Hela. Der Mond Hela wurde vor einiger Zeit von einem Kundschafter der Ultras entdeckt, der ob der Besonderheit gleich eine recht bizarre Religion auf Hela gründete. Der Dreh und Angelpunkt der Religion und eben auch die Besonderheit ist Haldora, ein Gasreise um den eben der Mond Hela kreist. Dieser Gasreise verwindet aber in unregelmäßigen Abständen für wenige Augenblicke komplett, um dann sofort wieder auf zu tauchen, als wenn nichts passiert wäre. Ein durchaus guter Ort für die Gründung einer Religion.
Dieser Teil ist Buches hat einige wirklich tolle Einfälle und Ideen. Reynolds hat sich wirklich Mühe gegeben und eine richtig schräge Religion mit sehr seltsamen Ritualen zu entwerfen, die er auch ausgiebig schildert.
Leider liegt in diesem Teil aber auch das Hauptproblem des Buches. Es erinnert fatal an eine Mischung aus „Endymion“ von Dan Simmons und „Der Strasse“ von Larry Niven. Ich weiß nicht ob es Faulheit, oder Ignoranz war, aber die Anleihen an diese Bücher sind schon sehr deutlich und offensichtlich.

Natürlich vereinen sich beide Teile des Buches später, auch wenn leider die Zusammenhänge schon recht früh deutlich werden.

Der Schluss macht einem dann auch etwas zu schaffen, da er recht übereilt wirkt und weil plötzlich kurz vor Ende noch ein Spieler aus dem Hut gezogen wird – die Netz- bzw. Muschelbauer. Leider wird diese Rasse niemals vorher erwähnt, sie spielen aber eine entschiedene Rolle beim Abschluss des Buches (eigentlich aller 4 Bücher). Ein recht unausgegorener Schluss, der nicht wirklich zum Ende kommt und auch stilistisch etwas ungelenkt wirkt. Was man den Schluss wiederum zu gute heißen kann ist, dass sich konkret an die aktuellsten Erkenntnisse zur String-Theorie (die ja jetzt eigentlich M-Theorie heißt), wie Brans und den Aufbau der Gravitation, anlehnt und diese auch kurz erläutert.


Ein Buch hat einen recht zwiespältigen Eindruck bei mir hinterlassen. Während die ersten drei Bände recht behutsam zu Werke gingen und eigenständige, tiefschichtige Geschichten waren, die nur durch einen Rahmen zusammengehalten wurden, sind „Die Arche“ und „Offenbarung“ ehr wie ein Zyklus angelegt, dessen Vorgänger aber nicht so richtig dazu gehörten. „Offenbarung“ ist schon fast kein eigenständiges Buch mehr, sondern „nur“ die finale Erzählung einer Reihe, fast ein Art Ergänzungsband um die losen Ende zu verknüpfen.

Wer die Vorgänger Bände gelesen hat, sollte „Offenbarung“ auf jeden Fall auch lesen, schon um zu erfahren wie es denn weiter und zu „Ende“ geht, es ist dann trotz aller Kritik recht kurzweilig und spannend.


Noch mal kurz die Bände in der richtigen Reihenfolge:

Unendlichkeit
Chasm City
Die Arche
Die Offenbarung

Geändert von x12x13 (25. 10. 2005 um 18:31 Uhr).
Alt 25. 10. 2005, 17:02 Mit Zitat antworten #30
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Andreas Brandhorst - Der Zeitkrieg

Mit dem Zeikrieg schließt Brandhorst seine Kanthaki Reihe ab - zumindest der Teil der sich um Valdorian, Diamant, den Metamorph, den Omivor und die Temporalen dreht.

Wie schon die beiden Vorgänger hinterläßt auch der Zeitkrieg einen recht zwiespätligen Eindruck.
Die Geschichte ist dieses mal noch verworrener und noch methaphysischer als die beiden ersten der Reihe.

Nachdem im letzten Band "Der Metamorph" die Temporalen mit Hilfe von dem Inudustie Magnaten und skurellosen Vorsitzender des Konsortiums Valdorian, aus dem Null entkommen und einen zweiten, finalen, Zeitkrieg auslösen konnten (der den entgültigen Sieg des Geistes über die Materie bedeutet und das 5. kosmische Zeitalter einläutet, in dem der Omivor (geschaffen von den Erhabenen) und seine Keime die Realtität gefressen haben), versucht der Widerstand in der Zeitkrieg dieses zu revidieren und den orginären Zeitmanupilationspunkt zu finden.

Das Buch spielt in diversen Alternativrealtiäten und Zeitebenen. Im Null, im Transraum, im Nichts, im nirgendwo.
Valodarian aus dem Kerker von Olkin entkommen, versucht durch eine Reise durch verschiedene Alternativrealtitäten seine Schuld abzubauen und den entstanden Schaden wieder gerade zu rücken. Brandhorst "kennzeichnet" diese durch Farben, damit der Leser einen Überblick behält wo denn dieses Kapitel denn spielt.
Allemal wirkt das ganze stellenweise recht konfus und verzettelt. Auch wirken die Episoden mit Eklund und dem Metamorph teilweise etwas gezwungen - auch diese Geschichte musste ja irgendein Ende finden.
Auch wenn Brandhorst versucht alle Elemente an einem Punkt zusammen zu führen, fällt es dann doch schwer eine Geschlossenheit zu finden.
Auch die plötzliche 180 Grad Kehrtwende von Argorn, ist schwer verdaulich.
Da werden einige hundert Seiten Storry, (verteilt über 2 3/4 Bände) und Personenaufbau geopfert nur um ein Happyend zu finden.
Für mich wenig glaubwürdig und befriedigend.
Die Figur des Valdorian hat mir ansich ausnehmend gut gefallen, ein interessanter Charakter mit einigen Facetten.


Ja, das Ende ist eh so eine Sache. Es ist dann leider recht früh absehbar und ist auch etwas zu nett - zu zuckersüß.

Mit "Der Methamorph" hatte ich mich zunächst auch schwer getan. Als mir dann ein Freund erzählte, dass ihm dieses Buch hervorragend gefallen hatte, habe ich es (auch aus Verlegenheit) nochmal gelesen und es hat mir deutlich besser gefallen als beim ersten Mal.
Vielleicht geht mir das ja mit "Der Zeitkrieg" auch so.
Derzeit kann ich dieses Buch nur eingeschränkt empfehlen. Wer die beiden Vorgänger gelesen hat, sollte den Zeitkrieg auch lesen, auch nur wenn es nur deswegen ist um zu wiessen wie es zu Ende geht.
Der Zeitkrieg ist durchaus spannend und eigentlich auch gut und flott geschrieben.
Leider stellenweise etwas wirr und zu verzettelt.

Wenn man sich den Anhang anschaut und sieht wie Minitiös und ausgiebig Brandhorst sein Kanthaki-Unisersum kreiert und aufgebaut hat, kann man schon davon ausgehen, dass noch weitere Bücher in diesem Kontext folgen werden.
Was schon alleine deshalb zu begrüßen ist, da es leider sehr wenige passable oder gar gute Deutsche SF Autoren gibt.


Derzeit lese ich übrigens wieder einen Banks. Allerdings keinen Iain M. Banks, sondern ein Buch von Iain Banks.
Zwar der selbe Autor, aber wenn das "M" fehlt, ist es kein Science Fiction. In diesem Fall eine düstere selstsame schottische Familiengeschichte - "Straße der Krähen".

Aber eine Kritik wird es hier keine dazu geben.

Geändert von x12x13 (09. 12. 2005 um 13:05 Uhr).
Alt 08. 12. 2005, 23:04 Mit Zitat antworten #31
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Diesmal keine Vorstellung einer Neuerscheinung auch keine Rezension, sondern nur ein Hinweis.

Heyne hat vor einigen Monaten angefangen zahlreiche Bücher von Philip K. Dick neu aufzulegen.
Die verschiedenen Titel hier auszuzählen wäre müßig, da Dick ja ein sehr produktiver Schriftsteller war; auch ist er zweifelsohne einer der bedeutesden amerikansichen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
Auch wenn es nicht gerade ein Qualitätsmerkmal ist, aber 2/3 aller modernen Science-Fiction Film Produktionen gehen auf Romane oder Short Storries von Philip K. Dick zurück (Blade Runner, Paycheck, Total Recall, Minority Report etc. etc.).
Aber auch ohne diesen Aspekt ist Dick einer der großen seiner Zunft. Einer der großen Visionäre und auch Sozialkritiker. Viele seiner Erzählungen sind eine direkte Anklage gegen die herrschenden (US-Amerikanischen) Verhältnisse.
Sicherlich hat auch sein alles andere als gradeliniger Lebensweg (er wurde jahrzehnte lang verkannt und irgnoriert, er war jahrelang Herionabhängig) zu dieser kritischen Sicht auf unsere Gegenwart und Zukunft geführt.


Heyne hat die Übersetzungen überarbeiten lassen und bringt die Bücher in einer wunderbar schlichten aber doch sehr edel wirkenden Taschenbüchereihe heraus.

Wenn man seine SF Bibliothek um ein paar echte Klassiker vervollständigen möchte, oder einfach nur gute Bücher lesen will, sollte sich diese Reihe von Heyne mal anschauen.

Leider sind sie teilweise etwas teuer, 8,95 für ein 250 Seiten Buch finde ich schon heftig, aber die dicken Schwarten wie Valis kosten das selbe, es gleicht sich dann wieder etwas aus.



Peter F. Hamilton hat offenbar einen neuen Zyklus geschrieben, den "Comonwealth-Zyklus" (den Namen finde ich seit Alan Dean Foster etwas einfallslos). Mit dem ersten Band "Der Stern der Pandorra" (auch nicht gerade ein toller Titel), werde ich denmächst beginnen......
Leider bei Bastei-Lübbe verlegt, die das schlechteste Lektorat überhaupt haben und deren Umschläge immer schrecklich bunt sind. Aber wenigstens von Axel Merz übersetzt, der ja sein Handwerk sehr gut ausübt.

Geändert von x12x13 (05. 01. 2006 um 12:06 Uhr).
Alt 05. 01. 2006, 10:57 Mit Zitat antworten #32
tAXMAN
 
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

... und weiter gehts, Schlag auf Schlag!

Vor anderhalb Büchern habe ich die von x12x13 wärmstens empfohlenen Romane von Banks gelesen. Besonders begeistert bin ich vom "Spiel Azad". Den "Einsatz der Waffen" habe ich mit gemischten Gefühlen fertig gelesen. Die Erzählweise, die aufeinander zulaufenden Geschichten machen es nicht eben einfach, das Buch beim ersten Lesen zu ergründen. Für meinen Geschmack war das Lesen ziemlich anstrengend. Ich musste mich zum Ende hin durch das Buch kämpfen.

Die Romane von Banks sind mit Sicherheit nichts für 10 Minuten lesen vorm einschlafen oder 5 Minuten in der U-Bahn. Bei Banks muss(!) man einfach am Ball bleiben. Lesepausen machen das Buch irgendwie kaputt. Die Erzählweise, die verschiedenen Zeitschienen und Locations fordern den Leser und lassen kein Beiseitelegen zu. Die bereits genannten bizarren Ideen wie das ausgeschaltete Immunsystem und die Verstümmelungsparty im Einsatz der Waffen oder die perversen Spielchen und Folterungen im Kulturspiel, die plastisch geschilderten Tötungen werden wohl ebenfalls nicht jedermanns Geschmack sein.

Mein Fazit: Spiel Azad = Top, Einsatz der Waffen = anstrengend, vielleicht beim zweiten Lesen Top
Alt 05. 01. 2006, 11:43 Mit Zitat antworten #33
thrilled
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Hallo,

auch ich widme mich zur Zeit Banks, allerdings aus Geld/Zeit sowie logistischen Problemen ausschliesslich auf English, so das mir trotz recht akkurater Kenntnisse der Sprache vielleicht der ein oder andere vergrabene Rubin, innerhalb der Buecher verlorgen geht.

Andererseits blicke ich natuerlich auf die richtigen Worte des Autors und nicht auf eine, sei sie auch sehr gute, Uebersetzung.

Auf Grund der Tatsache, das in der oertlichen Bibliothek alle Anfangs Werke der Cultur Serie, staendig ausgeliehen sind, konnte ich hier bisher nur einige spaetere Werke lesen, so das mir immer noch die Hauptwerke der Kulturserie fehlen

Auf folgenden Roman eingehen:

Ian M. Banks - Excession

(Kann mir jemand den deutschen Titel mitteilen ?! DANKE )

Leider fehlt mir wieder einmal die Zeit und die Mu[sz]e fuer einen ausfuehrliche Beschreiung, ich hoffe aber diesen Abriss kann man zumindest in groben Zuegen nach voll ziehen.

Die Story wird, typisch fuer Banks, in sehr vielen verschiedenen Straengen und Perpektiven erzaehlt, von denen die meisten das Ende erreichen und die folgenden komplexen Entwicklungen erklaeren.

Das Hauptthema des Romans dreht sich um das Auftauchen einer Anomalie oder Ausnahme im "Kultur" Universum, dessen Faehigkeiten die der Kultur umweites ueberschreitet, und so die Aktivitaet einer Gruppe von Schiffsinteligenzen auf den Plan ruft, die in der Anomalie eine einzigartige Chance sehen an Wissen und Moeglichkeiten hinzu zugewinnen.

Waehrend die gerissensten und schlausten Schiffsinteligenzen versuchen so schnell wie moeglich die Position der "Excession" (im geheimen!) zu erreichen, erhaelt eine Alienrasse informationen ueber die Anomalie, die daraufhin ebenfalls am "Kampf" um die Anomalie teilnimmt. Vielleicht sollte ich hier jedoch eher sagen, wird die Alien Rasse in den "Kampf" hinein manipuliert.....

Ein voellig anderer Erzaehlstrang berichtet von Byr Gen-Hofoen, einem Diplomaten der von "Spezielle Umstaende", einer Abteilung der Kultur. fuer die "schmutzige" Arbeit, angeworben wird um eine die Speicherung des Geistes einer Frau zu stehlen die mit der "Excession"(anamolie) vor 2500 Jahren in Beruehrung kam.

Ueber das Buch hinweg entwickeln sich diese und weitere Handlungstraenge zu einem recht nachvoll ziehbaren Schluss, in einem guten und fluessigen Schreibstil.

Meiner Meinung nach und das mag ich an Banks Buechern, zeugt Banks wieder einmal viel kreativitaet und komplexitaet sowie interessante Probleme oder Gedankengaenge.

Auch ist die Story recht interessant geschreiben und passt soweit ich das beurteilen kann, ganz gut in die Kultur Reihe.

Was mich allerdings neben allen positiven Effekten stoert ist das Banks zumindest in diesem Buch, die menschlichen Charactere nicht ueberraschend oder interessant praesentieren konnte, was mich einiges an Spannung gekostet hat, da es mir letzlich gleichgueltig war ob Byr ueberlebt und wie er ueberlebt.

Demnaechst gibt es dann einen kleinen weiteren Bericht ueber Inversions das ich vor Excession gelesen habe, und deutlich aus dem "Kultur"rahmen (was ein wort spiel)
herausfaellt.

Bye thrilled
Alt 09. 01. 2006, 11:32 thrilled is offline Mit Zitat antworten #34
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Das Buch heißt in Deutsch mittlerweile auch Exession - die Erstausgabe erschien allerdings unter dem Titel "Die Spur der toten Sonne".

Was mir an diesem Banks am besten gefallen hat sind die Namen der Schiffsgehirne.
"Vorfreude auf die Ankunft des neuen Geliebten", "Hier falsch verbunden" "Mühervoller Aufstieg".
Auch die verschiedenen Klassen und Gewohnheiten der Schiffe sind wirklich schräg. (Fleischfickerklasse)
Am schrägsten finde ich das die "Sleeper Service" (ein Schiff der Exentrikerklasse) historische Schlachten mit echten in Stasis befindlichen Passagieren im Orginalmaßstab nachstellt.

Auch die Kommunikation zwischen den Gehirnen, auch wenn das zu Anfangs schwer zu lesen ist ("Gestammelter Dichstrahl an Knoten 33.2a"), ist sehr amüsant und lesenswert.

Der vielleicht anspruchsvollste Banks, da man das Kultur-Universum schon gut kennen sollte, da man 20 Seiten seltsamer Gespräche im Telegramstil und ohne einen vollständigen Satz, nur als Fan genießen kann.
Ist man das aber hat man sehr viel Freude an diesem Buch.
Alt 09. 01. 2006, 13:04 Mit Zitat antworten #35
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Zitat:
Zitat von x12x13

Was mir an diesem Banks am besten gefallen hat sind die Namen der Schiffsgehirne.
"Vorfreude auf die Ankunft des neuen Geliebten", "Hier falsch verbunden" "Mühervoller Aufstieg".
Auch die verschiedenen Klassen und Gewohnheiten der Schiffe sind wirklich schräg. (Fleischfickerklasse)
Am schrägsten finde ich das die "Sleeper Service" (ein Schiff der Exentrikerklasse) historische Schlachten mit echten in Stasis befindlichen Passagieren im Orginalmaßstab nachstellt.

Auch die Kommunikation zwischen den Gehirnen, auch wenn das zu Anfangs schwer zu lesen ist ("Gestammelter Dichstrahl an Knoten 33.2a"), ist sehr amüsant und lesenswert.

Der vielleicht anspruchsvollste Banks, da man das Kultur-Universum schon gut kennen sollte, da man 20 Seiten seltsamer Gespräche im Telegramstil und ohne einen vollständigen Satz, nur als Fan genießen kann.
Ist man das aber hat man sehr viel Freude an diesem Buch.

Das stimmt, die kommunikation zwischen den Schiffen ist ausserst interessant und zuweilen komisch. Mich erinnerte die Form etwas an meine ICQ Chatlogs

Besonders gut und witzig habe ich in erinnerung beim ich glaube ersten Treffen der Schiffsgang, bei dem all die "Excentriker" auftauchen oder ein Schiff das als "tod/zerstoert" registriert wurde

So schwirig fand ich das Buch nicht, wobei ich wie gesagt schon ein paar Cultur Buecher gelesen habe, und mein einstiegsbuch wohl das denkbar schlechteste war (Bllicke WIndwaerts).

Cheers
Alt 13. 01. 2006, 00:06 thrilled is offline Mit Zitat antworten #36
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Peter F. Hamilton
- Die Commenwelth Saga -
Der Stern der Pandorra


Der "Armagedon Zyklus" war mit seinen 6000 Seiten mit Sicherheit eine der spannendsten, detailreichsten und unterhaltsamsten Space Opera überhaupt.

Mit "Der Stern der Pandorra" eröffnet Hamilton eine gänzlich neue Saga. Im Englischen Orginal sind bisher zwei Bände mit zusammen 1800 Seiten erschienen. In Deutsch jetzt eben der erste mit 700 Seiten, ein zweiter ist angekündigt.
Da Bastei leider immer die ursrpüngliche Zusammenstellung auseinander reißt und kleinere Happen zerlegt, weiß ich nicht wieviel denn da noch nachkommt - liest man den ersten Band sollt es noch einiges sein.

Das Buch spielt in ca. 250 Jahren. Reisen mit Raumschiffen gehören der Vergangenheit an, da man Wurmlöcher gezielt an Orten errichten und so auch die weitesten Entfernungen instantat überwinden kann.
Alter, Krankheit und Tot spielen keine große Rolle mehr. Man läßt sich in neue Körper "resleeven", nachdem ein Backup vom bisherigen Bewußtsein gezogen wurde.

Das klingt nicht nur wie eine Mischung aus Richard Morgan und Dan Simmions (Hyperion Gesänge) - das liest sich teilweise auch so. Es ist natürlich lobenswert, dass Hamilton sich nicht selbst kopiert sondern sich bei Kollegen bedient - allerdings ist es mir etwas zu viel, zu offensichtlich.

Einer der wenigen beobachtenden Astronomen macht eines Tages am Rande des derzeit durch Wurmlöcher erreichbaren Raum, eine Entdeckung die das Commenwelth aus den Angeln haben soll - so zumindest der Klappentext - im ersten Band ist von dieser enormen Bedrohung wenig zu lesen. Da liegt auch das zweite Problem des Buches, ein Problem welches viele Mehrbänder haben.
Es langweilig teilweise und ist sehr behäbig. Natürlich kann sich der Autor, wenn er denn vor hat meherere tausend Seiten zu schreiben, viel Zeit lassen. Die Charaktere und die Orte der Handlung kann man ausgiebig und detaillert beschrieben.
Genau das tut Hamilton auch, leider fehlt der letzte Funken. Der Kick, der mich veranlasste schon in der Mitte des ersten Bandes alle anderen 5 Teile vom Armagedon Zyklus zu kaufen. Sein gekonnt zelebrierter Spannungsaufbau fehlt in "der Stern der Pandorra" leider fast ganz.

Auch vermisse ich ein Register. Wenn man, ich ich derzeit, wenig zum lesen kommt, ist die Menge an handelden Personen und Begebenheiten schon etwas verwirrend und man braucht gut die Hälfte des Buches um sich einzulesen. Ab diesem Zeitpunk nimmt auch die Handlung langsam Fahrt auf und präsentiert die guten Seiten des Buches. Die einzelnen Handlunsstränge nehmen dann an Spannung zu und auch die ersten Zusammenführungen finden statt - bis dieser Band dann leider recht unvermittelt endet.
Auch kommen wir viele Details seltsam vertraut und oft gelesen vor. Die Silfen, diese seltsame lebende Habitat - das sind alles Dinge, die ich so oder so ähnlich schon öfters gelesen habe. Hamilton ist kein Banks der Abgründe aufbaut und den Leser hinterwirft, er ist auch kein Simons der Poesie und SF mit einander verbinden kann und er ist kein Baxter der Handlung durch abgedrehte Einfälle und Techniken kompensiert.
Hamilton ist ein guter Old School Erzähler - fadengerade Gesichten, spannend aber ohne Schnörkel und Experimente. Wenn man so einen konservativen Stil pfelgt, muss man den Leser durch Handlung überzeugen. Das versäumt er leider etwas.
Zum Glück hat Axel Merz die Übersetzung gemacht. Wäre es ein weniger kongenialer Übersetzer gewesen, würde das Buch vielleicht wirklich unerheblich sein.

Insgesamt läßt sich sagen, dass Hamilton lange nicht die Qualität wie beim Armagedon Zyklus an den Tag legt. Die Handlung ist bei weitem nicht so dicht und komplex, auch das atemlose Vorantreiben fehlt gänzlich.
Die Geschichte ansich, ist weder neu und inovativ, aber durauchaus spannend und mit viel Potential für die folgenden Bände.
Bisher gibt es nur diesen einen Band auf Deutsch und ich muss zugeben, gäbe es den zweiten wüsste ich nicht ob ich den direkt im Anschluß lesen wollte.
Aber lesen werde ich ihn auf jeden Fall - denn unter dem Strich habe ich mich gut unterhalten.

Da sich das aber eh eine Ecke zieht und sich die Frage akut nicht stellt, werde ich mich später in den Buchladen begeben und "Heiliger Zorn" kaufen.
Der neuste Roman von Richard Morgan - mal sehen ob Takeshi Kovacs immer noch das gleiche Arschloch wie in den beiden Bänden zuvor ist, dass wir so mögen und schätzen...
Alt 06. 02. 2006, 12:02 Mit Zitat antworten #37
thrilled
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

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Zitat von x12x13

Da sich das aber eh eine Ecke zieht und sich die Frage akut nicht stellt, werde ich mich später in den Buchladen begeben und "Heiliger Zorn" kaufen.
Der neuste Roman von Richard Morgan - mal sehen ob Takeshi Kovacs immer noch das gleiche Arschloch wie in den beiden Bänden zuvor ist, dass wir so mögen und schätzen...

Danke, den Titel haette ich doch glatt uebersehen.

Ich habe gerade Feersum Endijinn von Banks und A million Open Dors von John Barnes
zu Ende gelesen.

Zu naechst einmal zu ersterem. Aus meiner Perspektive handelt es sich dabei um das am schwersten zu verstehende Buch von Ian
M. Banks, einmal durch die Sprache und einmal durch die unuebliche Geschichte.

Auch nach laengerem Nachdenken, faellt es mir schwer hier eine vernuenftige Zusammenfassung zu geben.

Die Story ist ausserst kreativ, bewegt sich jedoch auch ferner von allem was ich als normale "Space Opera" bzw. normalen SciFi bezeichnen wuerde.

Die Geschichte spielt (vermutlich) irgendwo in der Zukunft der Erde und ist jedoch nicht an das Cultur "Erbe" gebunden.

Die herschende Regierung bilden ein Koenig und verschiedene Clans jeweiliger Berufsgruppen, wobei die Gruppe der "Ingeneure", die Opposition bildet und gegen den Koenig Krieg fuehrt.

"Normale" Menschen haben 8 in der "realen" Leben, und danach weitere 8 in einem weltumspannenden Computernetz, nein eher in einer virutellen Realitaet, die "crypt" genannt.

In diese koennen sich die meisten Menschen, wenn auch mit beschreaenkten Moeglichkeiten, einklinken.

Gefahr lauert der Menschheit, durch einen misterioesen Computervirus der mehr und mehr teile der gigantischen Virtuellen Realitaet verinnimmt, da diese jedoch eng mit der realen Welt verknuepft ist auch diese "bedroht".

Darueberhinaus droht eine Wolke aus Kommetenstaub die Erde in duesternis zu huellen und so eine jahrhunderte langeiszeit hinauf zu beschwoeren......

Die Loesung zu diesen Problemen liegt irgendwo in den jahrtausenden Systemen der Erde vergraben, die von Menschen oder Aliens erschaffen wurden, die nun in der "Diaspora" wohnen, zu denen niemand mehr Kontakt hat oder versteht wie die Systeme funktionieren.

Es gibt 4 Hauptcharactere, die sich auf unterschiedlichen Zeitstraengen bewegen und von denen einer nur eine Art "lautschrift" beherscht. (was mir das lesen des Buches enorm erschwert hat, auch wenn es irgendwie gut zum Character passt)

Zum einen gibt es den Character von Chefwissenschaftler Gadfium, die an einer Verschwoerung gegen die Aristrokatische Klasse beteiligt ist, einen Armeeangehoerigen namens Sessine der einer reihe von toedlichen Anschlaegen zum Opfer faellt, eine "Message" der Computersysteme, in menschlicher Gestalt, namens Asura, und "Bascule" der von den Computersystemen zur Bekaempfung des Viruses eingestellt wurde.


Wie bereits zu anfang erwaehnt, faellt das Buch meiner Meinung nach sehr aus dem ueblichen Rahmen, schoen ist jedoch die spruehende Kreativitaet. Ich werde das Buch noch einmal auf Deutsch lesen um einen klareren Ueberblick zu erhalten, und dann hier vllt einige aenderungen posten.

Geändert von thrilled (08. 02. 2006 um 02:01 Uhr).
Alt 06. 02. 2006, 22:54 thrilled is offline Mit Zitat antworten #38
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Leider muss ich zugeben dieses Buch - Förchtbar Maschien so heißt es in Deutsch - nicht zu Ende gelesen zu haben.

Ich gehe aber davon aus, dass dieses Buch nicht zu übersetzen ist und es daher in Deutsch einfach keinen richtigen Spaß macht. Es ist sprachlich zu experimentell das man es in einer Übersetzung genießen könnte.
Und so gehört es zu einem der wenigen Bücher in meinem Bücherschrank das ich nie fertig gelesen habe.
Allerdings fallen die meisten in diese Kategorie weil sie schrecklich übersetzt sind. Ein echtes extrem Beispiel ist "Der Ring um das Auge Gottes" von Larry Niven. Bei den beiden Übersetzern dieses Buches bin ich mir sicher, dass sie eigentlich weder Deutsch noch Englisch können.
Ich spreche und lese zwar einigermaßen passabel Englisch, allerdings nicht so gut, dass ich die feinen Nuancen einens Banks im Orginal verstehen könnte, daher greife ich dann lieber zur Übersetzung.

Was ich von Banks auch noch sehr empfehlen kann ist "Vor einem dunklen Hintergrund".
Dieses Buch spielt zwar auch im Kultur Universum, jedoch spielt die Kultur in diesem Roman gar keine Rolle, sie wird nichtmal erwähnt.
Allemal ist das eine seiner besten und tragischsten Geschichten.
(Leider ist es schon eine Zeit her, als ich es das letzte Mal gelesen habe. Eine ausführliche Rezenssion bekomme ich jetzt nicht zustande )

Wenn du sprachliche oder auch formale Experimente magst, möchte ich dir "Barfuß über Glas" an Herz legen.
Ich meine sein erstes Buch überhaupt, auf jeden Fall ein Frühwerk. Es verbindet drei total unterschiedliche Kurzgeschichten kunstvoll miteinander, wobei jede für sich schon seltsam genug ist. Es ist aber ein Iain Banks Buch - also das "M" fehlt, daher kein SF.
Ich denke aber das läßt sich nur noch über Antiquariate beziehen, bei Amanzon taucht es nicht mehr auf (aber ich habe gerade entdeckt, dass sein aktueller Kulturroman "Der Algebraist" im Oktober auf Deutsch erscheint ).
Ein Bücherfreund und Banks Fan sollte dieses Buch aber durchaus gelesen haben, da es seine Qualitäten schon damals wunderbar aufzeigt.
Alt 07. 02. 2006, 12:09 Mit Zitat antworten #39
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Against a Dark Background, fand ich auch sehr sehr gut. (Ich hatte ganz vergessen das Buch in meinem obrigen Tread zu erwaehnen)

Aus meiner Sicht ist Lady Sharrow in gewisser weise die passende Partnerin zu Takeshi Kovacs

Der "Style" von "Against a Dark Background" hat mich doch ueberrascht, eine unerwartete brutalitaet, eine enorme anhaufung von Feuergefechten und eben wie auch bei bei den Morgan Buechern ein Character der der in gewisser weise uneben ist, ja durch die eigene Vergangenheit gezeichnet ist.

Waehrend man selbst bei "Feersum Endijinn" noch einen gewissen Bankchen wiedererkunnungswert gefunden hat, findet man in meinen Augen bei "Vor einem dunklen Hintergrund". einen fuer Banks unueblichen Stiel vor.
Alt 08. 02. 2006, 02:21 thrilled is offline Mit Zitat antworten #40
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Sehr zartbeseidet und schöngeistig ist Banks ja nicht unbedingt.
Wenn ich an manche Szenen in "Einsatz der Waffen" (Use of Weapons) oder "Das Spiel Azad" (Player of the Game) denke, ist Banks tendenziell schon deutlich und unvermittelt, was Gewaltdarstellungen anbetrifft. (Ich denke da hauptsächlich an die TV Kanäle des Imperiums im Spiel Azad, oder eben die legendäre Stuhlmacher Passage im Ensatz der Waffen).

Aber ich gebe dir insofern recht, als dass "Vor einem dunklen Hintergrund" teilweise wie ein Aktionfilm daher kommt, was dann doch ehr Banks untypisch ist und man ehr eben von Richard Morgan kennt.

Aber das macht ja auch einen Gutteil des Buches aus. Seine gradliniege und rassante Gesichte und eben die große Tragik die darin steckt. Das Ende ist wirklich sehr deprimierend. Als Muz stirbt war ich wirklich entäuscht, da er mein Lieblingscharakter war.
Trotzdem ist das Buch auch sehr amüsant. Alleine die Ausgangsgesichte um die Chaos-Waffe (Lazy Gun), das mit diesen radioaktiven Schutzpässen und nicht zu letzt der Teil mit den Namen der Tiere bei den Wettrennen, die immer nach Muz letzten Fehlschlag benannt werden.
Einfach eine gelungene Mischung.


Mal was anderes, hast du dich schonmal an Vernor Vinge gemacht?
Lese doch mal "In den Tiefen der Zeit". Das erscheint im April auf Deutsch.
"Eine Tiefe am Himmel" und "Ein Feuer auf der Tiefe", waren ja wirklich großartige Bücher, die Beschreibung für diesen seine neusten Roman macht mich jedoch jetzt stutzig.
Aber das gibt es ja schon im Orginal und vielleicht findet sich ja jemand, der sich dieses zulegt und dann erste Eindrücke posted.......
Alt 10. 02. 2006, 11:16 Mit Zitat antworten #41
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Da ich nicht mehr lange im Ausland weile, spare ich mir die neuen Buecher von Venor Winge sowie Richard Morgen auf, um sie dann in meine Bibliothek hinzu fuegen zu koennen

Ich habe allerdings gerade "The collected Storys of Venor Vinge" von diesem beendet, habe also immerhin noch etwas *anderes* von Vinge gelesen

Obowohl ich normalerweise kein Fan von SF Kurzgeschichten bin, war ich von Vinge's Sammlung recht angetan. Zwar ist das Nivau der Geschichten sehr unterschiedlich, die Kommentare zu den einzelnen Storys sind jedoch durchgehend ausserst lesenswert und erlautern wie Vinge zu den verschiedenen Geschichten und Romanen gekommen ist und welche Situationen er mit seinen Geschichten ansprechen will.

Herraussragend sind die Geschichten die u.a. in den Kontext von "Ein Feuer auf der Tiefe" u. "Eine Tiefe am Himmel" oder der "Blasenkriegsaga passen bzw. aus denen die Romane ueberhaupt erst entwickelt wurden ! Vinge merkt uebrigens auch an wie/warum er auf die Idee mit den verschiedenen Zonen in eine Tiefe am Himmel gekommen ist !

Auf der anderen seite gibt es auch einige Kurzgeschichte, die mich entweder einfach nicht so gefesselt haben, deren Idee ich nicht interessant war, oder Geschichten die in den 50er Jahren verfasst wurden und heute einfach nicht mehr dem gaengigen Zukunftserwartungen entsprechen. (Trotzdem sind manche Storys ,die in den 50er Jahren geschreiben wurden, recht interessant zu lesen um Vinges erwartngen fuer die 90er Jahre zu "erleben")

Alles in allem, kann ich das Buch wohl eher Personen empfehlen die bereits einige Buecher von Vinge gelesen haben, da viele Kurzgeschichten im rahmen von Buechern wie "Eine Tiefe am Himmel" spielen. (Ravna taucht uebrigens auch wieder auf..)

Bye thrilled
Alt 13. 03. 2006, 05:10 thrilled is offline Mit Zitat antworten #42
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Richard Morgan - Heiliger Zorn


Hier ist er also, der 3. Band der Geschichten um Takeshi Kovacs, den symphatischen Söldner, Verbrecher, Privatdedektiv und Massenmörder.....

Dieses mal führen ihn seine Wege zurück nach Harlans Welt, seinen Heimatplanet. Dort wird er mit einem äußerst unangenehmen Gegner konfrontiert - sich selbst.

Die ganze Geschichte ist extrem verwickelt und vielschichtig und teilweise auch etwas unübersichtlich (die vielen japanischen Namen machen es einem auch nicht gerade einfacher). Ohne die Vorgänger Romane gelesen zu haben, wird man mit diesem Buch nicht glücklich werden, da man einfach die Hälfte nicht kapiert.
Besonders das Thema Quellismus, jener stark links angehauchte Religion, die bisher ehr ein Nebenthema war und in Heiliger Zorn einen zentralen Platz einnimmt, wird uns nahe gebracht.
Kovacs kommt also auf Harlans Welt zurück um mit den "Bärten" aufzuräumen. Die Bärte sind fundamental Christen, die die einzige Frau auf dem Gewissen haben die Kovacs je richtig liebte.
Das Buch kommt auf den ersten Seiten gleich deutlich zur Sache. Takeshi Kovacs wie man ihn kennt und mag, wenn er in einer Bar eine Gruppe von Mönchen auf wirklich sehr schmerzhafte Weise niedermetzelt (was wie bei Morgan üblich, sehr deutlich und direkt dargestellt wird) - diese fulminante Einstieg endet dann mit einem typischen Kovacs Kommentar:
"Die meisten Kulturen haben es nicht gerne, wenn man ihre Geistlichen abschlachtet".

Auf den folgenden Seiten breitet Morgan dann einen Reigen aus Verrat, Gewalt, religiösen Ver- und Entwirrungen, Yakuza Traditionen und Cyberwar Elementen aus. Der erste Band war ja von Heyne als "Cyberthriller" in William Gibson Tradition (ich mag Gibson gar nicht) verkauft - was er sicherlich nicht war. Dieser dritte Band hat jetzt ein recht starkes Cyberpunk/Thriller Element. Die Passagen um die DeCom Einheiten, die in einer ehemaligen Kriegszone außer Kontrolle geratene Kampfroboter und anderes mit KI gesteuertes Kriegsgerät räumen.
Natürlich fehlt wie bei Morgan üblich ein gesellschaftskritisches Element nicht. Der Kampf gegen die Yakuza und ihre starren Traditionen, die ersten Familien, die aristokratisch den ganzen Planeten kontrollieren und ausbeuten, das Envoy-Chors, welches für das UN-Protektorat die Kohlen aus den Feuer holt usw. Das sind alles Elemente die uns schon bekannt sind und nun hier teilweise ihren Abschluss finden und die Hintergründe erhellt werden.
Auch wie bei Morgan üblich wird das ganze in einer sehr deutlichen Sprache beschrieben und dargestellt.
Die Auseinandersetzung mit seinem jüngeren, illegal gesleevten ich, fällt leider etwas knapp aus. Aber das ist mal wieder das übliche Thema - die Heyne Klappentexte. Sie haben meist mit dem Buch wenig gemeinsam.
Sicher ist dieses Zusammen bzw. Aufeinandertreffen eines der Themen dieses Buches, aber bei weitem nicht der zentrale Dreh- und Angelpunkt, wie einem der Klappentext suggerieren möchte.


Diesen dritten Band empfand ich persönlich, als den schlechtesten. Wobei das der falsche Begriff ist - am wenigsten gut - wäre sicherlich besser getroffen.
Die ganze Geschichte ist schon recht verwickelt und erfordert hohe Aufmerksamkeit beim Leser um die die zahlreichen Personen zu merken (wie die Japanischen Namen.....), die teilweise später unter anderen Namen wieder auftauchen.
Das Ende ist allerdings etwas misslungen. Das Buch findet zwar ein Ende, aber es ist irgendwie unvollständig wenig befriedigend und viele Fragen offen lassend (ich vermute einen vierten Band).

Geschrieben ist es wie man es auch erwarten konnte, wie eine Achterbahnfahrt auf Koks, Schnell, direkt, sachlich und schnörkellos. Auch wenn dieses mal einige Cyber/Traum/Visionen/Drogenrausch Passagen dazu kommen, die recht metaphysisch angehaucht sind.

So gerne ich diese Bücher gelesen habe, so sehr mir Takeshi Kovacs als Hauptperson gefällt, habe ich den Eindruck das dieses Thema mit "Heiliger Zorn" ausgelutscht ist. Morgan hat mit der Rückkehr von Kovacs auf Harlans Welt, auch den Kreis geschlossen in dem er ihn zu seinen Anfängen zurückkehren und ihn sich seiner Vergangenheit stellen lässt.

Wer die beiden anderen Bücher gelesen hat, für den ist "Heiliger Zorn" eine Pflichtlektüre, viele Dinge werden erklärt oder hellen sich auf, der ganze Unterbau der gesamten Geschichte wird beleuchtet und Kovacs ist eben Kovacs......


Nächste Woche werde ich mit dem neuen Vernor Vinge "Die Tiefen der Zeit" beginnen - aber erstmal muss ich in den Buchladen kommen.
Alt 19. 03. 2006, 12:22 Mit Zitat antworten #43
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Jack McDevitt - Die Sanduhr Gottes.

Ich schiebe diesen Buch kurz zwischen rein, so habe ich es auch gelesen. Nachdem ich es monatelang herumliegen hatte, es aber nur geliehen war und der Besitzer des Buches es dann auch mal lesen wollte.


Jack McDevitt ist ja ehr ein Vertreter der Texas-SF, alles ist sehr Amerikanisch und etwas zu griffig.
Allerdings hat er einige recht passable und unterhaltsame Bücher geschrieben. Mehr ist es allerdings nie. Solide konventionelle SF ohne Schnörkel, Experimente oder allzu abgedrehte Ideen oder gar Visionen.
Das ist zwischendurch ganz nett, aber mehr als 1-2 Bücher dieser Qualität im Jahr muss man dann nicht unbedingt lesen.

"Die Sanduhr Gottes" passt sich fugenlos in diesen Stil ein. Wie Bastei üblich ist das Titelbild schrecklich bunt und kitschig, auch ist der Titel (den Bastei ja schon in mehreren Abwandlungen für McDevitt Bücher verwendet hat) nicht gerade einfallsreich, aber seis drum das sind nur die Äußerlichkeiten.
Die Übersetzung hat allerdings auch einen seltsamen Eindruck bei mir hinterlassen. Teilweise gleitet die Übersetzerin in einen recht altmodische Sprache ab. Nicht das mir so was generell missfallen würde, nur tauchen diese Stilelemente nur ab und zu und dann auch immer recht unvermittelt auf. Ich denke nicht das im Englischen Original ähnliche Stilblüten zu finden sind.

Paricalla Hutchins, genannt "Hutch" ist ja eine feste Größe in den McDevitt Büchern. Dieses mal reist sie zu einem Planeten der in wenigen Tagen mit einem durch die Galaxis vagabundierenden Gasriesen kollidiert und dabei zerstört wird. Ein spektakuläres Ereignis das natürlich einige Zuschauer anlockt, dabei wird entdeckt das auf dem Planeten intelligentes Leben existiert hat oder es sogar noch welches gibt.
Grund genug eine kleine Expedition, unter der Leitung von Hutch, nach unten zu senden und einige wenige Artefakte zu untersuchen bevor alles definitiv vernichtet wird.
Durch unglückliche Umstände und menschliche Fehler strandet die Expedition auf der Oberfläche und es gibt nur eine sehr gewagte Option noch rechtzeitig zu flüchten......
Während die Gestrandeten versuchen eine vor Jahrzehnten zurückgelassene Fähre zu erreichen (auch diese erste Expedition endete in einem Fiasko und der damals versagende Expeditionsleiter ist wieder unter den Schiffbrüchigen), arbeiten die Schiffe im Orbit an einem noch gewagteren Plan.

Das Buch nimmt keine überraschende Wendungen, auch ist der Spannungsbogen nicht allzu hoch. Allemal erzählt McDevitt eine schon fast klassische Abenteuergeschichte. Die Personen sind teilweise etwas klischeehaft überzeichnet. Aber McDevitt gleitet nicht in eine schmierige Sentimentalität ab, wenn er viele zwischenmenschliche Komponenten schildert und ausführt, auch wenn er gelegentlich etwas "schwafelig" ist.

Für McDevitt Freunde ein durchaus lesenswertes Buch, er bleibt wie gehabt im Rahmen seiner Möglichkeiten, für den anspruchsvollen SF-Freund ist "Die Sanduhr Gottes" allerdings keine Pflichtlektüre.
Aber es ist auch mal ganz angenehm, eine nettes unaufgeregtes Buch zu lesen und sich dabei wirklich zu entspannen ohne gefordert zu werden.
Alt 04. 04. 2006, 21:57 Mit Zitat antworten #44
thrilled
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Auch ich habe Richard Morgans - Heiliger Zorn nun vollendet und kann mir ein kleines Feedback hier trotz x12x13 auswurf nicht verkneifen.

Wie x12x13 schon richtig zusammenfasste liest sich das Buch wie auf Koks, Sex und Gewaltscenen sind mMn nach noch stärker ausgerpägt als in den ersten beiden Bänden

Als Schlechter oder nicht so gut würde ich den Band jedoch nicht bezeichnen, mMn bietet Morgan in seinem neuen Band durch aus neues. Im besonderen Blick habe ich dort die "Decoms". Diese Gruppierungen von Söldnern sind untereinander vernezt und kämpfen gegen verschiedene KIs. Das Innovative an den Decoms ist jedoch das der "Kommandokopf", eine art Mensch der extreme Implantate am Kopf besitzt, seine spezielle Fähigkeiten nutzen kann um Kontakt mit KIs aufzunehmen und diese auf elektronischem wege zu attackieren/zu hacken. (Ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten )

Ganz amüsant fand ich Teile des Buches bei denen Morgan Teile der Quellisten Bewegung beschreibt, das hat mich doch in einer gewissen Komik an die "Alt 68er" Jahrgänge erinnert.

Schwach fand ich genau wie X auch das Ende, allerings nicht aus dem Grund das der Kampf zwischen den beiden Kovacs mMn zu kurz ausfällt.

Nein eher im Gegenteil die ganze "Ich kämpfe gegen mich" Thematik fand ich sowie so recht abgekaut. Donnoch fehlt die bei Morgan fast schon erwartete drastische Wendung des Buches.

Ebenfalls leicht negativ anzumerken ist das Kovacs doch irgendwie dümmer (in seinem Hass), schwächer und älter wirkt, ein bischen habe ich den Kovacs vermisst der mit seiner Envoy intuition (fast) immer ein Ass aus dem Ärmel schütteln konnte.

Cheers thrilled
Alt 24. 04. 2006, 23:41 thrilled is offline Mit Zitat antworten #45
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