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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Charles Stross - Supernova


Dieses Buch habe ich eigentlich aus Verlegenheit gekauft, da es keine anderen passablen Neuerscheinungen gab und ich nicht mit leeren Händen nach Hause gehen wollte.

Nach ca. 2/3 habe ich es dann weggelegt, da es einfach langweilig und furchtbar schwafelig ist.

Zunächst lässt sich das Buch recht gut an. Der Plot ist auch nicht uninteressant, es hätte ein lesenswertes Bich werden können.
Auf der Erde hat sich das Eschatron herausgebildet, quasi der intelligente und selbstbestimmende Endpunkt des heutigen Internets. Eine KI mit gottgleichen Fähigkeiten.
Die KI beschließt die Erde zu retten und schickt Teile der Bevölkerung ohne Vorwarnung, durch Wurmlöcher, auf weit entfernte Planeten. Stattet diese neuen Population mit technischen Hilfsmitteln aus und lässt sie sich alleine 250 Jahre entwickeln.
Selbstredend das auf jeden dieser Planeten die Entwicklung sehr unterschiedlich gediehen ist. Das zahlreiche soziologische und politische Expermimente auf den diversen Welten gelebt werden.
Diese Informationen erschließen sich erst im Laufe des Buches. Ich vermute das dieses das Thema des ersten Buches von Charles Stross ist.
In Supernova wird nun, die unbedeutende Argarwelt mit Namen "Neu-Moskau" durch eine künstliche Supernova ausgelöscht. Deren Ursprung wohl in einem Handelskrieg mit "Neu-Dresden" liegt.
Schon bei diesen Namen fällt die augenscheinliche Deutsch-Affinität des Autors auf. Fast alle Personen heißen, Hanz, Heinz, Karin oder ähnliches. Es wird von Orten berichtet die "Neue Friesische Republik" heißen und deren Hauptstädte "Neu-Bonn" oder ähnlich heißen.
Woher das kommt kann ich mir gar nicht erklären, der Autor ist Brite.
Eine der Bewohnerin von Neu-Moskau findet zufällig kurz vor der Kastastrophe Unterlagen, die nahe legen, dass nicht Neu-Dresden sonderne ein Gruppe names "Die Übermenschen", die auf die Ankunft des "Noch nicht geboren Gottes" warten dafür verantwortlich ist.
Schon wieder eine Deutsch-Analogie. Die Untermenschen gehen, schon sprachlich, wunderbar als Nazis durch. Auch wenn dieses Thema nie richtig ausgebreitet wird, es wird immer nur angedeutet; die Hintergründe bleiben komplett unerwähnt.
Dieses Potential verschenkt Stross komplett, indem er irgendwann in der Mitte des Buches auf einen recht langweilige Kriminalgeschichte umschwenkt.
In dem er die Hauptpersonen alle nach irgendwelchen Attentäter suchen und von A nach B und dann über C nach D reisen lässt.
Das wird dann sowas von dröge und zäh erzählt, dass man irgendwann den Faden und die Lust verliert. Auf den nächsten 150-200 Seiten passiert quasi gar nichts. Außer wie die Hauptpersonen auf irgendwelchen Schiffen einchecken, sich besaufen, miteinander vögeln und andere Unerheblichkeiten.

Anfänglich war ich von dem Buch recht angetan. Stross schreibt dynamisch und modern. Ein Vertreter der "neuen" SF-Autoren, wie z.b Morgan, die eine andere dynamsichere Sprache verwenden, wie noch Niven oder Baxter.
Aber leider weiß er das nicht zu nutzen und das Buch dümpelt vor sich hin - man hat immer das Gefühl, dass gleich was passieren muss; das der große Knaller kommt.
Nachdem ich dann gut 2/3 gelesen hatte und dieser Knaller nicht kam, habe ich es dann weggelegt.

Ich muss zuegeben, dass wenn ich mir letzte Woche nicht den neuen Alistair Reynolds "Ewigkeit" gekauft hätte, hätte ich "Supernova" vielleicht fertig gelesen - irgendwann mache ich das vielleicht auch, so war es aber ein mäßige Unterhaltung die ich nicht fortsetzen wollte.
Alt 10. 07. 2006, 10:48 Mit Zitat antworten #51
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Alastair Reynolds - Ewigkeit

Endlich mal wieder ein Buch, welches von der ersten bis zur letzten Seite Freude machte zu lesen.

Die ersten vier Bücher von Reynolds spielten ja alle im selben Kontext und waren durch einen gemeinsamen Handlungsfaden verknüpft.
Mit "Ewigkeit" verläßt Reynolds dieses Universum um sich einem nicht minder faszinierenden zu widmen.
Als ich den Klappentext las, war ich zunächst etwas skeptisch. Auch auf den ersten Seiten war diese Skepsis, inhaltlich, noch vorhanden, aber diese Skepsis ist dann schnell anhaltender Spannung gewichen.
Es fällt schwer den Inhalt des Buches, wie in einer guten Rezension üblich, ausführlich zu beschreiben, da sich der Leser die gesamten Hintergründe erarbeiten- bzw. erlesen muß.

Im Jahr 1959 stirbt eine junge Amerikanerin in Paris beim Sturz vom Balkon ihrer Wohnung. Was bei der Polizei schnell als Selbstmord abgelegt wird, erzeugt das Mißtrauen ihres Vermieters so sehr, dass dieser einen Privatdetektiv anheuert um der Sache auf den Grund zu gehen.
Diese Detektiv, Floyd, auch ein Amerikaner ist eigentlich Jazzmusiker und hält sich als mit dem Job als Ermittler nur über Wasser.
In einem zweiten Handlungsstrang wird uns Varitie Auger vorgestellt, eine Archäologin aus dem Jahr 2377, die auf Paris spezialisiert wird.
Paris und die gesamte Erde sind seit Jahrhunderten unbewohnbar, nachdem der s.g. Nannocast alles Leben ausgelöscht hat. In den eisigen Ruinen leben intellilgente und bösartige Nannomaschinen, die eine Rückeroberung verhindern.
Die Menschheit verfällt in zwei Lager. Die Stroker und die Slasher. Während die Stroker jede Art von Nannotechnologie ablehnen, um aus den Fehler des Nannocast zu lernen, gehen die Slasher einen radikal anderen Weg.
Ihre Körper sind durchdrungen von Armadas von Nannomaschinen und anderen Hilfsagregaten, sodass die Slasher bzw. Bürger der Kommunitäten, kaum noch menschlich sind.
Selbstredend, dass diese beiden Lager in ständigen Konflikten und Scharmützeln leben. Altlasten und Vorurteile prägen das gegenseitige Miteinander der beiden Fraktionen.
Varitie Auger wird also durch ein Wurmlochportal zu einer E2 genannten riesigen Sphäre gebracht, die eben die Erde des Jahres 1959 beinhaltet um das Rätsel des Todes ihrer Vorgängerin zu lösen.

Mehr kann und will ich an dieser Stelle nicht schreiben, ich würde einfach zu viel verraten.
Natürlich wendet sich Reynolds wieder ausführlich einem seiner offensichtlichen Lieblingsthemen zu - der Veränderung des menschlichen Körpers, der menschlichen Identität durch technische Mittel. Welche bizarren Auswüchse können entstehen wenn der Nanno- und Gentechnologie keine Regeln auferlegt werden, wie bei den Slashern.
Das ganze wird mit einem düsteren Krimi verbunden. Das Paris im E2 ist anders als unseres. Die Alliierten haben die Deutschen 1940 in den Ardennen gestoppt und den Krieg beendet. Hitler wurde in Frankreich inhaftiert, der 2. Weltkrieg und seine Auswüchse fanden niemals statt. Allerdings auch keine Entwicklung von Computer, IC's oder anderen "Kriegs-inspiriten" Technologien.
Frankreich ist einem totalitären Regime unterworfen und alles wirkt dunkel und unfreundlich.
Was sich zu dem Punkt nach einer simplen Parallelwelt bzw.- Zeitreisegesichte anhört, entpuppt sich als weitaus intelligentere und lesenswerte Version dieses schon zu oft variierten Themas.

Auch ist es Reynolds gelungen all diese Elemente; den Krimi (Jazzmusik ist auch ständig ein Thema), Hard-SF, Parallelweltenthematik, und Space-Opera Kontrapunkte, auch noch mit gelungen und wohl beschrieben Personen zu besetzen.
Oft bleiben hinter all den abgedrehten Ideen die Personen auf der Strecke (Stephan Baxter ist ein typisches Beispiel), nicht so bei Reynolds.
Sie sind ausführlich und plastisch geschildert, teilweise ist es sogar richtig amüsant - ich mußte mehrmals lachen.
Auch hat mir die subtile Namensgebung gut gefallen.

Das Ende läßt offen ob Reynolds sich diesen Kontext der Strocker/Slahser mit weiteren Büchern füllt.
Das Ende ist durchaus befriedigend, allerdings würde ein Folgeband keinen verkrampften Anschluß suchen müssen - Reynolds läßt sich die Tür für weitere Plots offen.....
Alt 19. 07. 2006, 23:19 Mit Zitat antworten #52
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Larry Niven - Hüter der Ringwelt.

Larry Niven zählt zweifelsohne zu den Altmeistern der modernen SF. Insbesondere sein 1970 erschienener Roman "Ringwelt" war für das ganze Genre prägend und eines der wichtigsten SF Bücher überhaupt.
Der von ihm entworfene "Know Space" ist eines der faszinierendsten und am besten ausgefeilten SF-Universen überhaupt. Durch de zahlreichen Bücher der "Kzin-Kriege" Reihe und Romane wie "Brenegens Legende" oder "Crahlander", fühlt man sich im "Known-Space" wie in seiner Heimatstadt. Bestens vertraut mit den Gegebenheiten. Auch ist die Idee der Pak Brüter/Protektoren ein wirklich grandioser Einfall um die Herkunft der Menschheit zu erklären.

Niven hat dann noch zwei Ringweltbücher in den 80ern nachgeschoben ("Ringwelt Ingenieure" und "Ringwelt Thron"), die aber nicht ganz an die Klasse des ersten Bandes anreichten.
Ringwelt, war das Buch was mich zur SF gebracht hat und ich habe es schon gut 4mal gelesen und werde es sicherlich noch ein 5. Mal lesen. Ringwelt ist ganz weit oben auf meiner persönlichen Favoritenliste.

Jetzt (endlich) nach über 20 Jahren, hat Niven einen weiteren Band - "Hüter der Ringwelt" veröffentlicht. Die Ringwelt Bücher habe vom ersten Tag an, eine große Fangemeinde. Studenten berechnen die physikalischen Parameter, ob denn so ein "Bauwerk" überhaupt machbar ist. Inzwischen gibt es auch unzählige Internetforen dazu, eines eben auch von Larry Niven.
Eben in diesem Forum hat er die Anregungen und Ideen der Leser gesammelt und daraus "Hüter der Ringwelt" gemacht.

Nach dieser langen Vorrede, möchte ich mein Fazit vorneweg nehmen. Larry Niven hat leider den Zenit seines Schaffens überschritten.
"Hüter der Ringwelt" kann nicht überzeugen.

Das liegt zum einen, an der inzwischen recht altertümlich und angestaubt wirkenden Sprache. Sehr konservativ und bedächtig. Kraftausdrücke wie "Tanji" wirken inzwischen ehr unfreiwillig komisch. Vielleicht liegt das aber auch an der Übersetzung, die seltsamer Weise nicht wie man von Bastei/Niven Büchern gewohnt von Axel Merz (der sein Handwerk wirklich versteht), sondern von einem mir total unbekannten Übersetzer.
Heute schreibt man frischer, alerter und dynamischer.
Das Buch schließt sich direkt an die vorherigen Bücher an, was bei einem so langen Zeitraum zwischen den Büchern, wirklich etwas zweifelhaft ist. Ich hatte wirklich Mühe mich zu erinnern um so die Zusammenhänge herstellen zu können. Glückerlichweise gibt es ein ausführliches Vorwort von Niven und ein Register.

Die gesamte Geschichte ist recht konfus und alles andere als innovativ. Louis Wu ist wieder die Hauptperson. Nachdem wir aber bereits wissen, dass die Ringwelt von den Pak gebaut wurde und deren Geheimnisse in den drei Büchern vorher ausführlich erkundet wurden, gibt es nicht mehr viel Neues von der Ringwelt zu berichten.

Am Rande des Ringwelt Systems findet der s.g. Randzonenkrieg statt. Die ARM (das Militär der UN), die Kzin, die Outsider (ja die gabs auch noch) und noch diverse andere Fraktionen belauern sich gegenseitig und verstricken sich in Scharmützel um Kontrolle über die Ringwelt zu bekommen. Die Ringwelt wird dadurch in Mitleidenschaft gezogen. Durch den Absturz eines ARM Schiffes, welches in Loch in den Boden der Ringwelt reißt, ist diese ernsthaft bedroht. Ein Umstand den die zahlreichen Protektoren der Ringwelt natürlich nicht hinnehmen.
Und so werden wieder unglaubliche Maschinen entworfen (im Reperaturzentrum unter der Karte des Mars, welches das 40-fache Erdvolumen beinhaltet), schwindelerregende Pläne und Allianzen geschmiedet, damit die Protektoren ihren alles bestimmenden Auftrag folgen können - ihre Blutlinien zu schützen.
Neben Louis Wu tauchen wieder der Hinterste (Nesus), der Sohn von Cheem (er später selber auch kurz) und andere bekannten Namen auf.
Das alles wirkt aber sehr verkrampft und zerfahren. Es fehlt eine klare Linie, eine spannende Handlung die einen vorantreibt, das ganze wirkt wie ein Flickenteppich.
Der Schluß ist wieder einigermaßen beeindruckend gewaltig, aber auch viel zu abrupt und viele Enden offen lassen.

Es ist wirklich schade. Ich hatte mich auf ein großartiges Buch gefreut. Für Kenner der Ringwelt Bücher mag dieses Buch, dass eine oder andere spannende Kapitel und neune Erkenntnisse bieten. Wir jemanden der noch nie ein Ringwelt Buch gelesen hat, kann man nur abraten.

Der "Known-Space" ist wirklich faszinierend und vielschichtig. Es gibt bestimmt 15 Bücher die in diesem Kontext angesiedelt sind. Es lohnt sich davon das eine oder andere zu lesen. Sie bieten gute und fesselnde Unterhaltung für viele, viele Stunden - insbesondere die Ringwelt als Initial dieser Reihe (ok, das war eigentlich "der kälteste Ort". Ist früher geschrieben, aber erst später veröffentlich worden und schon noch recht simpel und rudimentär).
Wer Interesse dran hat, soll mich anschreiben ich gebe gerne Tips zum Besten.
"Hüter der Ringwelt" enttäuscht aber leider, fast komplett.


Jetzt werde ich mich an die nächste aktuelle Neuerscheinung machen. Richard Morgan - Profit. Da gibt es sicherlich keine Einwände es wäre zu bedächtig geschrieben - ganz im Gegenteil. Man muß sich Mühe gegen im Morgans Tempo halten zu können....
Alt 13. 09. 2006, 13:30 Mit Zitat antworten #53
thrilled
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Zitat:
Zitat von x12x13
Jetzt werde ich mich an die nächste aktuelle Neuerscheinung machen. Richard Morgan - Profit. Da gibt es sicherlich keine Einwände es wäre zu bedächtig geschrieben - ganz im Gegenteil. Man muß sich Mühe gegen im Morgans Tempo halten zu können....

Den hätte ich doch glatt übersehen. Apropro Tempo ich hänge bei der aktuellen SF Literatur ganz schön hinterher und beginne jetzt erst mit Reynolds "Offenbarung".

So kommt es, dass ich mich auch noch nicht Venor Vinges neuen Roman "Rainbows End" widmen konnte, obwohl mir die diesem vorrausgegangene Kurzgeschichte "Fast Times at Fairmont High" sehr gut gefiehl. Hast bereits einen Blick in das Werk werfen können ?
Alt 19. 09. 2006, 10:22 thrilled is offline Mit Zitat antworten #54
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Leider nein.
Ich bevorzuge, wie gesagt, ob der feinen Nouancen, die Deutschen Übersetzungen.
Leider ist vorläufig kein neuer Vinge auf Deutsch angekündigt, außer "Eine Tiefe am Himmel", dass bei Amazon als Neuerscheinung im Februar 2007 auftaucht.
Ich vermute aber, dass es sich nur um eine Neuauflage handelt.

Leider werde ich mit dem neuen Morgan "Profit" auch nicht richtig glücklich.
Das Buch ist geschrieben wie man es von Morgan erwartet. Direkt und ohne Umscheife, was mich jedoch stört ist eine der essentiellen Komponenten der Handlung.
Das Buch spielt in einer nahen Zukunft, in der Konzerne bis aufs Blut um Marktanteile kämpfen (das ist wörtlich zu verstehen). Die Kämpfe werden durch Autorennen bzw. Autozweikämpfe ausgetragen.
Man trifft sich dann z.b. mit den Investment-Fachleuten des befeindeten Firmenkonsortien, in irgendeiner abgelegen und dafür ausgewiesenen Gegend. Wer das Rennen überlebt hat den Auftrag. Oder man wird auf dem Weg zur Arbeit von s.g. Nonames in ihren ebenfalls aufgerüsteten Wagen herausgefodert. Verliert man bekommt der Gegner den Job.

Das hört sich zwar ganz nett an. Eben das ist es dann aber auch nur - ganz nett.
Mich erinnert das ganze fatal an irgendwelche Billig-Film-Produktionen aus den frühen 80ern. Damals als Videorecorder und Videotheken aufkamen und neben unzähligen (italienischen) Zombiefilmen, Filme mit so ähnlichen Plots zu leihen waren.
Ich habe jetzt ca. 120-150 Seiten gelesen und weiß nicht ob ich das noch weitere 550-600 Seiten lesen will. Es langweilt mich irgendwie.
Nach meinem Eindruck hätte die Handlung eine nette Kurzgeschichte ergeben, aber ein ganzes Buch - ich weiss nicht so recht.....


Der neue Banks ist leider auch um einen Monat, auf November, verschobenen worden.
Alt 19. 09. 2006, 15:31 Mit Zitat antworten #55
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Iain Banks - Der Algebraist

Iain Banks – Der Algebraist

Für gewöhnlich „formuliere“ ich meine Buch Rezensionen bereits werden des Lesen grob vor und muss dann beim schreiben nur doch die „Textbausteine“ zusammenfügen.
Beim neuen Banks Roman konnte mir das nicht gelingen. Nicht weil die Handlung zu konfus zu verfahren wäre um sie wiederzugeben, sondern weil sie zu barock und komplex ist, zu vielschichtig und fremdartig. Ein echtes Banks Buch eben.
Ich will trotzdem versuchen, den Inhalt wenigstens formal wiederzugeben. Der Alegbraist gehört zu den Büchern die mal mehrmals lesen muss um all seine Nuance und an allen Ecken auftauchende seltsamen Einfälle erfassen zu können.
Der Alegbraist ist kein Kultur Roman, sondern in einem eigenen (neuen?) Kontext und Universum angesiedelt.
Die Menschheit gliedert sich in zwei Gruppen auf. Die R und die F-Menschen. Die F (Fortschrittlichen) Menschen, sind die Nachfahren von einzeln Menschen die im laufe der Jahrzehntausenden von der Erde entführt und in anderen Teilen der Galaxis, zunächst zur Belustigung, oder für Arbeitsdienste angesiedelt wurden. Mittlerweile sind sie aber Mitglied eines Galaxis umspannenden Zivilisation Verbundes – der Merkantoria. Der auf der Erde verbliebene Teil der Menschen sind die R-(Rest) Menschen und spielen in diesem Buch eigentlich keine Rolle. Die Merkantoria verfällt in unzählige Hirachie Ebene. Die Geflechte von Verbindungen, Beziehungen, Abhängigkeiten, Gefälligkeiten und Drohgebärden sind komplex und werdem von Banks in gewohnt erfrischender Weise, beschrieben und kommentiert. Alleine mit den zahllosen, sehr blumig benannten Titeln könnte man einen Anhangband füllen. Eine bizarre Parodie auf Ränge, Titel deren Erlangung und Erhaltung.
Die Merkantoria wird durch künstliche geschaffene Wurmlöcher zusammengehalten. Nur mit diesen Würmlöchern sind die großen Distanzen in akzeptabler Zeit zu bewältigen. Die Merkantoria hat jedoch mit den Beyonder Rebellen zu kämpfen und dem Hungerleider Kult, mir ihrem extrem unangenehmen, egozentrischen und gewissenlose Anführer, dem Archimandrit Lusiferus (Eine seine Spezialitäten ist es, aus angegriffen Städten Landschaftskunstwerke zu gestalten. Sie werden so zerstört und umgeformt, dass sie die Landschaft anschließend seinem Kunstverständnis genüge gereicht). Diese Fraktionen greifen die Wurmlochportal an, zerstören sie und isolieren so das das angegriffene System für einige Jahrhunderte vom Rest der Merkantoria (solange es eben dauert mit relativistischer Geschwindigkeit ein neues Wurmrochportal ins System zu transportieren).
Gasriesen sind die häufigsten Planeten im Universum. Quasi jeder Gasriese ist von den Dwellern bewohnt. Eine Rasse die schon 4 Milliarden Jahre nach Entstehung des Universums entstand. Dweller werden unglaublich alt, die ältesten sind einige Milliarden Jahre alt. Den Dwellern ist eigentlich egal was im Rest des Universums los ist. Sie kümmern sich nur um sich selbst und ihre Belange und haben für die anderen, verächtlich „schnelle“ genannten Rassen im besten Fall Spott übrig. Auch ist die Gesellschaftsstruktur der Dweller reichlich seltsam. Es gibt keine Strukturen oder Hierarchien, alle und niemand haben das Sagen, oder auch nicht. Gerade wie es den Dwellern eben passt. Sie pflegen einen derben und teilweise infantilen Humor, technisch erscheinen sie jedoch ehr unterentwickelt. Sie spiele und wetten gerne und sind schnell begeisterungsfähig. Sie benehmen sie wie sorglose Kinder. Es ist ihnen einfach egal, was der Rest der Galaxis entwickelt und verwendet. Ihr Hauptaugenmerk ist aber ist Leichtfertigkeit. Die Dweller haben ihre „Pah, mir doch egal“ Mentalität schon fast zur Kunstform entwickelt.
Seit Jahrtausenden existieren Gerüchte über einen geheime Dweller Liste. Eine Liste in der die geheimen, niemals offiziell bestätigten Dweller-Wurmlöcher verzeichnet sein sollen. Auch ein Indiz dafür, dass die Dweller alles andere als technisch unterentwickelt sind. Das aber lieber für sich behalten.
Einige aufgeschlossene Dweller erlauben Fremdrassen mit ihnen in Kontakt zu treten. Die so genannten Seher. In dem jeweiligen System haben sich die Seher zu einer gesellschaftlichen und politischen präsenten Gruppe entwickelt, die großes Ansehen genießen.
Einer dieser Seher Fassin Taak wird von der Merkantoria auf eine Geheimmission geschickt. Taak hat schon fast freundschaftliche Bande zu einem Dweller entwickelt und nach Auswertung seiner Reisen nimmt man an, der er zufällig auf eine Spur der sagenumwoben Dweller Liste gestoßen ist. Das heimatliche Ulubis-Sytem wurde vor 200 Jahren seines Wurmlochs beraubt und eine große Flotte des Hungerleiderkults befindet sich im Anflug um das System zu erobern. Also genau der richtige Zeitpunkt um die Liste zu finden, eine Wurmloch zu etablieren und Hilfe zu holen.
Fassin Taak wird zu einem Dweller Gasriesen geschickt um die Liste zu finden. Seine Suche führt ihn quer durch die Galaxis und lässt ihm am Ende mit………


Diese Inhaltsangebe ist nur ein ganz schwacher Abklatsch dessen was tatsächlich passiert. Diese Rezension ist nicht würdig mit ihren dürftigen Worten, Banks schier unendlichen Ideenreichtum zu beschrieben.
Jedes Detail wird wortreich und detailverliebt geschildet. An einen grandiosen Einfall schließt sich eine amüsante kurze Nebengeschichte an, an die sich dann eine Passage mit einer 20 seitigen Beschreibung einer Rasse und deren Geschichte anschließ, die einen die Tränen in die Augen treibt.
Wer Banks kennt weiß wie gerne er mal kurz abschweift um einen für die Handlung unerhebliche, aber lesenswerte, unterhaltsamen, traurige, oder bösartige Episode einzuflechten.
Das Buch tritt zu keiner Zeit auf der Stelle und nimmt immer mehr Fahrt auf. Selbstverständlich verzichtet Banks auch dieses mal nicht auf überraschende Wendungen und tiefe persönliche Abgründe seiner Hauptpersonen.
Man spürt die Freude die er zweifelsohne beim schreiben hatte und dieser Spaß überträgt sich auf den Leser.
Eine farbenprächtige und fassettenreiche Spaceopera, die beeindruckenden Einfällen, wirklich fremdartigen Lebewesen, merkwürdige Zivilisationsformen, kruden Humor, eine spannende Geschichte und ein ironische Augenzwickern bietet, aber niemals zum Hard-SF überwechselt.

Zunächst war ich etwas enttäuscht, dass der Algebraist kein Kultur-Roman ist. Nach der Lektüre dieses Romans spielt das aber keine Rolle mehr.
Der Algebraist ist ein waschechter Banks. Nicht ganz so böse wie ein Kultur-Roman, aber ebenso fantasievoll und unterhaltsam zu lesen.
Sicherlich auch wegen der gewohnt guten Übersetzung von Irene Holicki.
Ob Banks mit diesem Roman ein neues Universum etablieren will, wird sich zeigen. Der Kontext würde sicherlich noch einiges hergeben, aber lassen wir uns überraschen.
Alt 25. 11. 2006, 00:04 Mit Zitat antworten #56
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Peter F. Hamilton – Der entfesselte Judas

Der Entfesselte Judas ist der dritte Band der Commonwealth-Saga. Die ersten beiden Bände habe ich hier im Forum ja auch rezensiert.
Band 1
Band 2
Während der erste Band noch etwas schleppend war, der zweite dann deutlich an Fahrt aufgenommen hat, ist Hamilton nun im dritten Band da angekommen wo man ihn vermutet und erhofft. Heyne teilt die Commonwealth-Saga offenbar anders auf als in der Originalausgabe, daher rührt wohl auch der schwache erste Band her. Die ersten beiden Bände sind im Original ein Buch, so das sich dann natürlich dynamischer liest. Heyne verdoppelt einfach die Buchanzahl und setzt so „Cliffhanger“ so vom Autor keine geplant waren.
Daher musste ich den Vorgängerband („Die dunkle Festung“) nochmal kurz überfliegen um die Zusammenhänge wieder herzustellen.
Hamilton schreibt Space Operas im wahrsten Sinne des Wortes. Opulent und auslandend. Man muss sich mit gut 20-30 Hauptpersonen auseinandersetzen (und sich deren Namen merken). Nach 4-5 Monaten habe ich die allerdings nicht mehr präsent, sodass man Heynes Aufteilungssystem recht kritisch sehen kann. Wenigstens wurde meine Kritik der ersten beiden Bände erhört und ein Register angefügt, auch wenn dieses recht dürftig geraten ist. Aber besser als gar nichts.

Während Hamilton im ersten Band die Lokalitäten und Personen und aller Ausführlichkeit geschildert hat, im zweiten Band der Gegner der Menschheit MorningLightMountain bzw. der Gegner jeden vernunftbegabten Lebewesens eingeführt wurde und dessen wirklich fremdartigen Struktur, Geschichte und Gedankengänge offenbar wurden, zeigt sich im dritten Band das die Menschheit einem Gegner gegenübersteht der nur ein Ziel hat – die komplette Vernichtung der Menschen und jeder anderen Spezies im Universum außer ihm selbst. Es zeigt sich recht deutlich, dass dieser Gegner alles bisher dagewesen in den Schatten stellt. Die emotionslose Grausamkeit und Gnadenlosigkeit wird nur noch die die schier unglaublichen Ressourcen übertroffen die MorningLightMountain in die Eroberung der Menschheit wirft. Binnen weniger Stunden werden 23 Planeten von den Primes erobert, die Menschen getötet oder vertrieben und die Planten einem Umstrukturierungsprozess unterworfen, der deren Ökologie vernichtet, aber als Basen für die Primes und deren weitere Expansion ins Commonwealth dienen.
Keine Waffe, keine Strategie der Menschen hat auch nur den Hauch einer Chance gegen die Primes.
Hamilton wäre aber nicht Hamilton wenn er diese Geschichte einfach so erzählen würde. Nein er breitet einen Teppich aus, die Bezeichnung „Saga“ im Titel ist keineswegs untertrieben. Dutzende von Einzelgeschichten wechseln sich ab, laufen teilweise aufeinander zu und verschmelzen zu neuen Handlungssträngen. Zunächst unbedeutende Nebenereignisse, in einem halben Absatz geschildert bekommen plötzlich Kontur und Füllung und verändern sich zu einem Haupterzählstrang ( das Motile, welches die Erinnerungen von Dudley Bose trägt wird nach meiner Meinung eine entscheidende Rolle am Ende spielen, auch wenn dieser Erzählstrang bisher nur am Rand präsent war). Hamilton vermag uns gekonnt in das Commonwealth zu versetzen. Von der obersten Führungsschicht, den Dynastien und ihren Ränken, über das Militär und seiner Führung, bis zum einfachen Soldaten und Bürger, Hamilton bringt deren Leben und Überlegungen näher und läßt uns teilhaben am Kampf gegen die Primes. Er schreibt gewohnt schnörkellos und fadengerade. Keine sprachlichen Experimente oder poetische Einfälle. Sachlich und nüchtern schildert uns Hamilton die Ereignisse. Aber das macht das Buch auch so gut. Bei der Komplexität der Handlung, den zahlreichen Personen, Orte und Ereignisse ist das wohl auch die einzig richtige Herangehensweise. Sicherlich macht es Freude die zelebrierten Sätze eines Iain Banks zu lesen, oder die abgedrehten „sozio-physikalischen“ Taktrate eines Stephan Baxter. Bei einer Geschichte die auf mehreren tausend Seiten angelegt ist (die Originalausgabe hat bisher knapp 3000 Seiten und ist noch nicht zu Ende), würde das aber sicherlich etwas ablenken. Hamilton will Geschichten erzählen, detailgetreue moderne SF-Märchen; und so wie die Handlung wie ein Schweizer Uhrwerk vor sich hin schnurrt, so gradlinig ist es auch formal und vom Aufbau her.
Ich möchte an dieser Stelle auf eine nähere Inhaltsangabe verzichten. Den Plot habe ich ja schon in den anderen beiden Büchern skizziert. Den Inhalt detailliert zu beschreiben würde auch den Rahmen einer normalen Rezension sprengen und auch denjenigen die es auch lesen wollen die Spannung verderben.
Wer bisher noch nicht mit der Commonwealth-Saga begonnen hat und gerne mal wieder eine farbenprächtig, waschechte Spaceopera lesen will, soll sich alle drei Bände auf einmal kaufen und am Stück lesen. Die bereits begonnen haben, werden es eh kaufen.

Wie bereits erwähnt war ich zu Beginn der Saga etwas enttäuscht, wurde aber in den folgenden Büchern auf jeden Fall entschädigt; da Peter F. Hamilton wie schon mit dem „Armageddon-Zyklus“ hinlänglich beweisen, sein Handwerk – dem schreiben von opulenten, stimmigen und spannenden Spaceoperas wirklich vortrefflich beherrscht.

Der vierte Band "Die dunkle Festung" ist für April 2007 angekündigt. Am besten lese ich "Der entfesselte Judas" im März nochmal um den Faden wieder zu finden.
Alt 12. 12. 2006, 12:40 Mit Zitat antworten #57
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Andreas Brandhorst – Feuervögel

Mit Brandhorst hatte ich ja bisher etwas Probleme. Seine 3 Bücher des Kantaki-Zyklus waren zwar lesenswert. Aber auch recht zerfahren und mit einem extrem unbefriedigenden Ende.„Feuervögel“ ist mit Sicherheit Brandhorsts bisher bestes Buch.
Nachdem Eschbach sich als ernsthafter SF-Autor fast verabschiedet hat und sich mittlerweile auf Kinderbuchniveau bewegt, ist Brandhorst derzeit der einzige lesenswerte Deutsche SF-Autor.
"Feuervögel" ist der erste Band des neuen Zyklus von Brandhorst. Auf der Rückseite sind bereits die Einbände und Titel der beiden Nachfolger zu sehen. Der 2. Band soll im April 2007 erscheinen.
Das Buch spielt erneut im Kantaki-Universum allerdings ca. 4000 Jahre später, nach unserer Zeitrechnung im Jahr 9900. Anfänglich sind die Zusammenhänge, der gemeinsame Kontext auch nur sehr wage und am Rande erwähnt. Im Laufe des Buches prägt sich dieses allerdings im stärker aus. Aber das möchte ich hier jetzt nicht weiterausführen um die Spannung nicht zu verderben.

Die Menschheit und zahlreiche andere Völker der Galaxis leben im Jahr 9900 seit tausend Jahren im Krieg mit den Graken. Ein Gegner der plötzlich aus dem Nichts auftauchte und dem man wenig entgegen setzen kann. Die Graken überbrücken die großen Entfernungen in dem sie s.g. Sonnentunnel etablieren. Sie bedienen sich der Energie von Sonnen um Tunnel durch das Raum-Zeit Kontinuum zu schaffen. Das erste Zeichen eines solchen Tunnels sind die s.g. Feuervögel. Plasmaentladungen in der jeweiligen Sonne, die wie Vögel aussehen und das Entstehen eines Sonntunnels ankündigen – daher der Buchtitel.
Die Graken kommen mit ihren drei Vitäen Spezies. Den Chati, die Geeta und die Kroon. Wissenschaftler, Verwalter und Krieger. Die bewohnten Planten werden von den Graken regelrecht infiziert, in dem sie ihren gigantischen Körper tief in den Planten bohren. Die Graken ernähren sich von den Träumen der Menschen. Sie infiltrieren deren Unterbewusstsein und versetzen sie in einen Grakentraum, aus dem es kein entrinnen mehr gibt. Die Menschen verlieren ihre Persönlichkeit und werden intellektuell und körperlich geradezu ausgelutscht. Es gibt keine Chance auf Heilung wenn man einmal in einen Graken-Traum gefangen war – man zu den Konterminierten gehört. Wurde man nur kurz berührt aber nicht in de Traum gezogen, gehörte man zu den s.g. „Berührten“ die Krieger-Klasse der „Allianz der freien Welten“. Nur wer berührt wurde kann die drohende Gefahr ahnen und mit Hilfe eines Gegenträumers versuchen sich vor dem Graken abzuschotten. Wer Gefühle zeigt hat keine Chance und wird vom Graken konterminiert. Daher ist man allenthalben bestrebt seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Das Militär macht das durch bionische Komponenten die Gefühle unterdrücken können, ganz Radikale durch einen operativen Eingriff.
Neben dem Militär gibt es noch eine zweite Fraktion die den Graken Paroli bietet. Die Schwesternschaft des Tal-Telassi-Ordens. Ein 5000 Jahre alte Orden der nur aus Frauen besteht, die sich selbst klonen um die zehn Stufen ihrer Weltanschauung zu meistern. Die Großmeisterinen des Ordens haben ihre Gefühle komplett unterdrückt und bieten so keine Angriffsfläche für die Graken. Der Orden gibt sich allerdings recht arrogant und verschlossen und sieht den Rest der Freien Welten ehr mit Verachtung.
Auf einem Planten der von den Graken infiziert wurde, versucht ein kleiner Trupp die Brut eines Graken zu vernichten, als sie einen 9 jährigen Jungen treffen, der den Graken mental Wiederstand leisten kann und auch die körperlichen Merkmale einer Großmeisterin des Orderns - violette Fingerkuppen – aufweist. Da es sich einerseits um ein Kind handelt und nicht um einen 3000 Jahre alte Großmeisterin und dann auch noch einen Jungen/Mann macht die Sache umso bemerkenswerter – könnte dieser Junge die nicht mehr abzuwenden Niederlage, den Untergang aller Völker dieser Galaxis aufhalten?
Der Roman schildert dann abwechselnd die Gesichte des jungen Dominiks, der vom Orden mehr oder weniger beschlagnahmt und ausgebildet wurde und seinem Retter auf dem Planten dem Keil (das ist ein militärischer Rang) Karides in den folgenden Jahren. Während der Junge auf dem geheimen Zentral Planeten des Orderns gegen die Gefühllosigkeit seiner Ausbilderinnen und dem Gefühl und dem Wissen das er etwas anderes ist, das etwas in ihm schläft und lauert, kämpft; steigt Karides weiter in der Millitärhirachie auf.
Die Wege der beiden kreuzen sich erst wieder am Ende des Buches, kurz vor der finalen und endgültigen Niederlage……..

Feuervögel ist ein äußert metaphorisches Buch. Brandhorst schwelgt geradezu in Spähern, Bewußtseinsstufen, Zwischenwelten, Metawelten, Visionen, telepathischen Verbindungen und Kämpfe, jahrtausende alten Meditationsregeln, Ordensregeln. Er schildert das alles recht blumig, wortreich, facettenreich und detailliert. Brandhorst gelingt der Spagat zwischen Hard-SF, Space Opera und Esoterik/Philosophie.
Ich musste mich allerdings erst in diesen etwas gewöhnungsbedürftigen Stil einlesen. Brandhorst überschreitet zum Glück aber niemals die Grenze zum sinnlosen Eso-Gebrabbel, auch wenn er sie nachmal haarscharf streift. Eigentlich ist sowas gar nicht mein Stil, ich mag es lieber etwas sachlicher. Trotzdem habe ich das Buch gerne gelesen. Das es neben diesen “nebulösen“ Teil, sehr spannend und gut geschrieben ist. Besonders zum Ende hin, wenn die Wahrheit langsam ans Licht kommt, kann Brandhorst seine große Stärke – epische Geschichten zu erzählen, wunderbar demonstrieren.
Der Plot bietet einiges an Potential für die beiden kommenden Bände. Auch wenn „Feuervögel“ ein stimmiges Ende hat, gibt in von den Graken nach einiges zu erzählen. Deren Herkunft und ihren Weg zu uns, die Gegner vor denen sogar die Graken fliehen haben mich neugierig gemacht auf mehr.
Alt 18. 12. 2006, 21:01 Mit Zitat antworten #58
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Alan Dean Foster – Safari

Alan Dean Foster ist ja sicherlich einer der prominentesten SF-Autoren, zumindest wenn man das in der Zahl seiner verfilmten Bücher bemisst. „Krull“, „der elektrische Reiter“ und allen voran „Alien“ nur sind nur ein paar Beispiele.
Meiner Meinung nach ist Foster aber bisher der große Wurf nicht gelungen. Das Homax Universum ist zwar ganz unterhaltsam, ebenso die Geschichten um Flinx, aber ein echtes „Meisterwerk“ war bisher nie dabei.
Allemal sollte man denken, dass Foster genug Geld mit seinen Büchern verdient hat – denn anders als mit akuten Geldnöten kann man ein Buch wie „Safari“ nicht verstehen.
Man hat den Eindruck, dass Foster in seine Schublade gegriffen und irgendeine alte Kurzgeschichte rausgenommen, diese etwas aufgebläht und als Roman unter die Leute gebracht hat.
Das Buch ist, um es mit einem Wort zu beschreiben einfach nur läppisch.
Dazu ist es unglaublich schwülstig und altmodisch erzählt – ein Reinfall auf der ganzen Linie.
Das erste Mal zucken musste ich schon auf der zweiten Seite, als ich diesen Satz lesen musste:
„Da er sich trotz einiger viel versprechender Gelegenheiten standhaft geweigert hatte, um Erlaubnis für die Einfahrt in der Hafen der Ehe zu ersuchen……“
Was soll das denn sein? Ein Hedwig Kurz-Maher Roman? In diesem Stil zieht sich das ganze Buch weiter fort. Foster versucht dauernd irgendwelche mehr oder minder komischen Wortspiele, aber irgendwann nervt das einfach nur noch.
Neben diesen sprachlichen Mängeln ist die Geschichte dieses Buches an Einfach- und Ausgelutscheit kaum zu unterbieten.
Ein Börsenmakler wird während seines Camping-Ausfluges von Außerirdischen entführt, auf deren Raumschiff zusammen mit zahlreichen anderen Außerirdischen Rassen in Gehege gesperrt, wohl um als Sklave bzw. Kuriosität verkauft zu werden. Natürlich schließt er Freundschaften und zettelt einen Ausbruchsversuch an.
Ob dieser gelingt, weiß ich nicht, da ich nach 2/3 aufgehört habe zu lesen und es auch gar nicht wissen will.
Mehr passiert auf 332 Seiten nicht.
Der eine oder andere 12 Jährige mag diesem Buch gute Seiten abgewinnen können. Ich kann mich nicht dran erinnern, wann ich das letzte Mal ein derart schlechtes Buch gelesen habe.
Alt 27. 12. 2006, 14:12 Mit Zitat antworten #59
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Stephan Baxter – Transzendenz

Erneut widmet sich Baxter seinem derzeitigen Lieblingsthema – der menschlichen Evolution. Wohin geht unsere Reise. Wer oder was sind wir in einigen hunderttausend Jahren?

Das Buch zerfällt in zwei zunächst unabhängige Handlungsstränge. Auf der einen Seite die Geschichte um Michael Poole. Dieser Name taucht mehrmals in Baxter Büchern auf (auch wenn ich mich nur sehr dunkel dran erinnere), scheint also eine feste Größe bei Baxter zu sein.
Michael Poole lebt auf der Erde um das Jahr 2050. Die Welt hat sich weiterentwickelt, mit ihr aber auch alle Probleme die uns derzeit beschäftigen. Individualverkehr gibt es seit der Erschöpfung der Erdölvorräte quasi keinen mehr. Man reist in erdgebundenen Massenverkehrsmitteln auf Elektrotechnikbasis. Flugreisen sind extrem teuer und selten geworden. Urlaubsreisen in die Karibik gehören der Vergangenheit an, oder können nur von einer kleinen wohlhabenden Gruppe unternommen werden. Das hat auch Auswirkungen auf die Gesellschaftsstruktur. Alle Städte in Küstennähe sind verschwunden, nachdem die Polkappen abgeschmolzen sind. Die Menschen leben wieder in dörflichen Einheiten und sind näher zusammengerückt. Visuelle Kommunikationstechniken sind verbessert worden. Holographische „Telefonate“ gehören zum Alltag.
Die Fauna und Flora hat am stärksten gelitten. Es gibt kaum noch Wildtiere, Fleisch stammt von gentechnisch erzeugten Tieren. Alle Nationalstaaten sind zerfallen und es gibt eine Weltregierung – das Patronat.
Auch der Terrorismus hat sich geändert. Es wurde ~2030 die s.g. Jahrestagbombe gezündet. Eine Atombombe welche in einigen hundert Kilometer Höhe gezündet wurde und verehrende Auswirkungen hatte.
Micheal Pool ist Ingenieur. Er beschäftigt sich mit Raumschiffantrieben auf Basis s.g. Hicks-Feld-Generatoren (eine nicht allzu abwegige Idee. Erste Überlegungen in der Richtung gibt es bereits jetzt schon). Da die Welt aber in Umwelt- und Terrorproblemen versinkt hat kaum jemand Interesse an der Raumfahrt, so dass sich Poole sehr unausgefüllt fühlt.
Vor 17 Jahren verstarb seine Frau Morag bei der Geburt ihres 2. Sohnes – ein für Poole traumatisches Erlebnis, von dem er sich nie wieder erholte. Allerdings erscheint ihm seine Frau, bzw. ein Wesen das aussieht wie seine jetzt Tote Frau seit seiner Kindheit in unregelmäßigen Abständen als eine Art Spuk oder Geist – jedoch niemals Bedrohlich.
Als sein ältester Sohn bei einer Methanhydrat Eruption in Sibirien fast stirbt, beginnt Poole sich mit diese Problematik auseinander zusetzten. Die Pole sind abgeschmolzen, das Erdklima ist deutlich wärmer geworden und dadurch werden auch die Meere wärmer. Das wiederum bedingt einen Zerfall des Methanhydrats an den Kontinentalschelfen, welches in die Atmosphäre entweicht und somit den ganzen Prozess weiter beschleunigt (ein sehr realistisches Szenario, was uns durchaus in einigen Jahrzehnten blühen kann).
Poole entwickelt mit Unterstützung von Freunden und einer Firma, die sich der Stabilisierung des Klimas verschrieben hat, eine Methode dieses Prozess zumindest deutlich zu verlangsamen.
Da die Erscheinungen durch seine Frau immer häufiger werden holt er sich seine Tante Rosa (bekannt aus „Der Orden) ins Boot, die einem obskuren katholischen Orden angehört. Die Erscheinungen werden immer massiver und seltsamer, sodass sich ein Zusammenhang mit dem zweiten Handlungsstrang aufdrängt.
Diese zweite Handlungsebene spielt in 500.000 Jahren. Die Menschheit hat sich über die gesamte Galaxis ausgebreitet und jeden andere Spezies in zahlreichen Kriegen ausgerottet. Die Menschen haben sich weiterentwickelt und an ihre zahlreichen Lebensräume angepasst. Einige Sub-Spezies haben sogar ihren Verstand aufgegeben, da es in ihrer Umgebung keine Notwendigkeit für Intelligenz gab.
Alia lebt auf einem ziellos durchs All treibenden ehemaligen Generationenschiff – der „Nord“. Auch sie ist an das Leben in Mikroschwerkaft angepasst und erinner optisch ehr an einen kleinen Organ-Utan als denn an einen Homa sapiens.
Teile der Menschheit leben in der Transzendenz. Sie sind unsterblich und befinden sich auf einer höheren Bewusstseinsebene. Das Ziel der Transzendenz ist die Erlösung. Die Erlösung der Menschheit – alle jemals gelebten Menschen von ihrem Leid. Ein wie es scheint ehrenhaftes Ziel, was aber bei näherer Betrachtung recht egoistische Ziele verfolgt.
Alia soll auch in die Transzendenz aufgenommen werden, während der Aufnahmeprozedur kommen ihr jedoch Zweifel an dien Zielen der Transzendenz. Ein alter und schwelender Streit bricht los, der nur mit Hilfe des seit 500.000 Jahren toten Michael Poole gelöst werden kann…..

Das Buch beginnt fesselnd und faszinierend. Auf den ersten 200 Seiten konnte ich kaum aufhören zu lesen. Die Beschreibung der Welt in 50 Jahren ist wirklich gelungen. Baxter denkt die aktuellen Entwicklungen zu Ende. Er entwirft ein wirklich glaubhaftes und nachvollziehbares Modell unserer Zukunft. Entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten widmet sich Baxter auch den zwischenmenschlichen Tönen. Die verwickelte Geschichte der Familie Poole und deren Verhältnisse und Beziehungen untereinander spielen eine große Rolle. Die eigentliche Projekt Pooles – die Abkühlung der Kontinentalschelfe spielt jedoch nur eine Nebenrolle. Nach dem guten Anfang tritt dieser Teil der Geschichte irgendwann auf der Stelle und verflacht Zusehens.
Der andere Teil um Alia in 500.000 beginnt auch recht unterhaltsam. Die Menschheit hat sich wirklich sehr weit von uns entfernt. Die unterschiedlichen Sub-Spezies und deren Lebensräume und Gewohnheiten werden interessant geschildert. Leider bleibt Baxter an dieser Stelle nur an der Oberfläche, was sich auch dadurch ausdrückt das diese Kapitel (die beiden Handlungsstränge werden immer abwechselnd erzählt) deutlich kürzer als die um Poole sind.
Im letzten Drittel bekommt das Buch aber dann einen eigenartigen metaphysisch-religiösen Touch. Seitenweise diskutieret Alia mit anderen Transzendenten über philosophische, soziologische, religiöse und allgemeine Implikationen und Auswirkungen der Transzendenz. Das ganze ist aber auf die Dauer recht ermüdend, da Baxter dem ganzen einen basis-katholischen Anstrich gibt. Schuld, Sühne, Liebe, Vergebung, und Erlösung sind die zentralen Begriffe und Versatzstücke.

Leider fallen die Zusammenführung der beiden Geschichten und das Ende des Buches auch nicht gerade befriedigend aus. Das Ende ist irgendwann vorhersehbar und tritt dann auch genauso ein. Dass die ganze Geschichte vernünftig und schlüssig zu Ende erzählt werden würden kann man leider nicht gerade behaupten.

Insgesamt ein zwiespältiges Buch. Auf 400-500 Seiten entfaltet Baxter all sein Können, dann nimmt er deutlich Fahrt raus, verharrt auf der Stelle um dann auf den letzten 200 Seiten den Leser mit zu viel Religion schon fast zu langweilen.
Ich muss zugeben, dass ich froh war als ich fertig war; möchte aber nicht behaupten ein schlechtes Buch gelesen zu haben.
Vielleicht bin ich auch mit den falschen Erwartungen an das Buch gegangen. Von Baxter erwarte ich sehr harte Hard-SF und keine Denkschriften wie im letzten Drittel von Transzendenz.
Alt 12. 01. 2007, 11:30 Mit Zitat antworten #60
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Larry Niven / David Gerrold – Die fliegenden Zauberer

Für meine letzte Buchbesprechung habe ich ein echtes Kleinod ausgesucht, was man nicht unbedingt nur dem SF-Genre zuordnen muss.
Die Originalausgabe ist 1971 erschienen, die Deutsche Übersetzung 1976 – man kann „Die fliegenden Zauberer“ also durchaus als Klassiker bezeichnen.
Ein Buch das durch eine reizende teilweise putzige Art aus dem Rahmen fällt, zumal unter dieser netten und leichten Fassade einige ernsthafte Betrachtungen über unsere Zivilisation und deren vermeidliche Errungenschaften stecken.

Auf einem Planten, welcher eine rote, eine Blaue Sonne sowie dutzende Monde umkreist und welcher durch Staubwolken vom Rest der Galaxis optisch abgeschnitten Planeten, lebt eine subindustrielle extrem patriarchische Zivilisation deren Leben voll und ganz von der Magie bestimmt wird.
Alles wird geweiht, muss einem Zauber unterzogen werden, oder der richtige von den Göttern bestimmte Zeitpunkt abgewartet werden. Die Zauberer sind die wichtigsten Personen der Dörfer, denn nur sie sind Herr über die zahlreichen Mysterien und Unwegsamkeit die die Götter auftürmen. Das wird natürlich durch die beiden Sonnen und die zahlreichen Monde unterstützt, welche seltsame optische Effekte, extreme Gezeiten und einen merkwürdigen Lebensrhythmus erzeugen. Es gibt keine Industrie, es wird das hergestellt was benötigt wird und für jede Aufgabe gibt es seinen Spezialisten. Sachen wie Geld, Handel und auch Verbrechen sind unbekannt und es gibt nicht einmal Worte dafür. Einzig die meist recht exzentrischen Dorfzauberer trügen die entspannte Idylle etwas.
Eines Tages landet ein Zauberei auf den Planeten, dem ein seltsamer haarloser Zauberer entsteigt, der mit Magie und den gewohnten Traditionen gar nichts an Hut hat. Die beiden Autoren sagen an dieser Stelle nicht explizit, dass es sich um einen Menschen handelt, man kann aber davon ausgehen das es sich dabei um einen Menschen handelt – spezialisiert auf die Untersuchung von primitiven Gesellschaften.
Durch seine Ignoranz gegenüber der Magie und der Praktizierung eignen dämonischen Magie (die er in seiner bizarren Dämonensprache Naturwissenschaften nennt) erregt dieser Zauber sofort den Zorn des lokalen Dorfzauberers, der sogleich ein Duell mit dem neuen, vermeidlichen Konkurrenten anzettelt. Ein Duell das der neue Zauberer einfach ignoriert und so tut als ob nichts wäre. Allemal schafft es der Dorfzauberer durch den multiplen Einsatz seiner tückischsten Zauber, dass Zauberei des Dämonen zu vernichten und ihn vermeidlich zu töten.
Allerdings wurde bei diesem Duell das Dorf komplett vernichtet, sodass man sich auf die lange Wanderschaft nach einem neuen Platz zum leben machen muss. Dazu kommen noch die gnadenlosen Jahreszeiten durch die eigenartige Konstellation im lokalen Sonnensystem. Dadurch sitz man irgendwann auf einer Insel fest und muss warten bis die periodischen Fluten das Land wieder freigeben. Auf dieser Insel gibt es ebenfalls ein Dorf. Ein Dorf das gerade einen neuen Zauberer bekommen hat – eben Purpur der fremde, haarlose und gar nicht tote Dämon.
Durch die Vernichtung seines Zaubereis ist Purpur auf dem Planeten gestrandet und ist nicht in der Lage sein Mutterei aus dem Orbit (Dämonensprache) zu rufen. Möglich wäre dieses nur weit im Norden des Planeten, da kommt man aber wegen der Wassermassen nicht hin.
Durch viel diplomatisches Geschick gelingt es dem Dorfsprecher Laat beide Zauberer zu einem Waffenstillstand zu bringen. Die Abmachung ist – der einheimische Zauberer lässt seine Duelle ruhen, im Gegenzug wird Purpur mit ihm einen Flugzauber machen. Einen Flugzauber der ihn in den Norden und den alten Zauberer den Flugzauber einbringt.

Natürlich ist es in einer nicht industriellen Zivilisation nicht einfacheine Art Luftschiff zu bauen. Luftdichte Säcke herzustellen und Wasserstoff durch elektrische Aufspaltung von H2O zubekommen.
Am Ende des Buches wurde eben mal kurz die Fließbandarbeit, das monetäre System, die Lockerung des Patriachats und globale Handelsbeziehung auf die Beine gestellt um dieses Projekt zu verwirklichen.
Die komplette Gesellschaftsstruktur wird umgekrempelt. Zum Guten und zum Schlechten.

Niven und Gerrold gelingt es Famos den Leser zu zeigen, dass Magie und Wissenschaft eigentlich dasselbe sind – es kommt nur auf den Standpunkt an. Neben diesem beruhigenden Aspekt ist da aber noch die Tatsache das eine ehedem friedliche zufriedene und sich ruhenden Gesellschaft, der es an nichts mangelt, binnen kurzer Zeit durch einen einzigen äußern Einfluss ihre komplette Struktur, ihre Integrität verlieren kann ohne das es den Beteiligten negativ auffällt. Sie erscheinen genauso zufrieden wie zuvor, aber trügt der Schein?
Niven und Gerrold lösen diese Krux nicht auf und überlassen es dem Leser sich seine eigenen Gedanken zu machen und über uns zu reflektieren. Dieses tun sie jedoch ohne den erhoben Zeigefinger. Ganz im Gegenteil – das Buch ist leicht und locker geschrieben, wie das Leben der Einheimischen vor Purpurs Ankunft. So ist es auch komplett aus der Ich-Perspektive des Dorfsprechers Laat geschrieben. Der auf den neuen Zauberer und seine Dämonenwerkzeuge und Methoden ebenso verwirrt regiert wie alle anderen seines Volkes. Auch der Leser muss sich erarbeiten was Purpur denn dann überhaupt genau macht (wobei dass uns mit unsere naturwissenschaftlichen Bildung natürlich recht leicht fällt), dass sein Zauber nicht so dämonisch ist, wie er zunächst wirkt. Auch Purpur wird im Laufe des Buches immer mehr bewusst, das überlegene Technik nicht alles ist und teilweise sogar ehr hinderlich ist.

Ein großartiges Buch, ein erfrischendes und selbst heute 37 Jahre nach seiner Erscheinung kein altmodisches Buch.
Ein Buch das man einfach gelesen haben muss……

Ich möchte mich an dieser Stelle verabschieden und mich weiter vom g:b zurückziehen.
Ich hoffe dem einem oder anderen einen guten Lesetipp gegeben zu haben.
Ich wünsch Euch was………
Alt 26. 01. 2007, 15:10 Mit Zitat antworten #61
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Zitat:
Zitat von x12x13
Ein großartiges Buch, ein erfrischendes und selbst heute 37 Jahre nach seiner Erscheinung kein altmodisches Buch.
Ein Buch das man einfach gelesen haben muss……

Ich möchte mich an dieser Stelle verabschieden und mich weiter vom g:b zurückziehen.
Ich hoffe dem einem oder anderen einen guten Lesetipp gegeben zu haben.
Ich wünsch Euch was………

Schade. War mal wieder eine schöne rezension
Alt 27. 01. 2007, 00:09 thrilled is offline Mit Zitat antworten #62
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Ich habe eben erst bemerkt, dass das Forum verschoben wurde und thrilled was geposted hat.

Die Sache ist einfach die, thrilled:

Das Feedback auf meine Rezensioen war dürftig bis nicht vorhanden. Außer dir und Netlord weiss ich nicht mal ob die jemand wahr genommen hat.

Ich sehe mich aber nicht als Alleinunterhalter oder jemanden der gerne Monologe hält.
Ich will über die Bücher diskutieren und nicht nur den Inhalt zusammenfassen.
Auch würde ich auch gerne mal ein paar Tipps bekommen.
Ich war jetzt mehrmals im Buchladen und habe einem totalen Fehlgriff (Warnung: Wil McCarthy - Sol - habe ich nach ca. 20 Seiten beenden müssen. Ein ganz mieses Buch) nichts gefunden, obwohl es augenscheinlich genug gibt; meine Fehlgriffe häufen sich aber in letzter Zeit.

Das ist der Grund warum ich dieses "Projekt" eingestellt habe, es fällt auf wenig fruchtbaren Boden.
Außerdem beschleicht mich hier immer mehr ein Perlen-vor-die-Säue-Gefühl......
(Dich nehme ich da natürlich aus.)

Auf irgendwelche SF-Boards habe ich keine Lust, dass ist mir zu krampfhaft und dogmatisch. Amazon weigerst sich meine Rezensionen zu veröffentlichen (vielleicht weil ich da nie kaufe) - also lese ich nur noch die Bücher und rede nicht mehr drüber.
Alt 21. 02. 2007, 13:47 Mit Zitat antworten #63
Yagharek
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

na, dann nachtraeglich vielen dank fuer deine rezensionen x12x13.

die haben mir in letzter zeit den buchkauf stark vereinfacht und ich habe im grunde im scfi-bereich das gelesen, was du hier rezensiert hast. (bin gerade bei der commwealth saga)

leider habe keine zeit ein bischen in diesem bereich zu experementieren und verschiedene buecher zu kaufen. hatte mich schon nen bisle schuldig gefuehlt, das ich hier soviele buchvorschlaege erhalte, ohne selber was liefern zu koennen.
Alt 21. 02. 2007, 13:54 Yagharek is offline Mit Zitat antworten #64
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Ich muss auch sagen, dass ich Deine Rezensionen immer klasse fand. Weiss auch nicht, warum ich nix dazu gepostet hatte.

Lässt Du Dich vielleicht doch wieder dazu überreden, weiterhin in diesem Thread zu posten?
Alt 21. 02. 2007, 14:16 NEO0978 is offline Mit Zitat antworten #65
Angmar
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Ich finde es auch schade keine Rezis mehr von dir hier zu lesen.
Die Sachen haben mir sehr gefallen. Einiges kannte ich manches nicht. Habe jetzt auch zwei Bücher hier herumstehen, die ich mir aufgrund deiner Rezi zugelegt habe und werde sie lesen, wenn die Zeit dafür vorhanden ist.
Zusaätzlich möchte ich noch dazu sagen, daß immer eine gwisse Zeit zwischen Rezension und dem Lesen vergeht. Manchmal vergehen ein, zwei, oder gar vier oder mehr Wochen vom lesen der Rezension bis zu dem Zeitpunkt, da man selbst den letzten Satz des Buches liest.
Desshalb auch waren Reaktionen auf deine Rezis wohl etwas dünn gesät.
Weiterhin viele vergnügte Lesestunden.
Alt 06. 03. 2007, 21:19 Angmar is offline Mit Zitat antworten #66
Hainish
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Ich als Neuling hier hab gerade erst den Thread endeckt und muss sagen nach dem ich mich hier eingelesen hab find ichs sehr schade das du keine Rezensionen mehr schreibst hier reinstellst wobei ich deine Gründe nachvollziehen kann. Ich muss sagen das ich bei dem Tempo das du hats wahrscheinlich auch nicht mit gekommen wäre einfach weil ich auch noch anderes lese. Dennoch sehr schade vll kann man ja mal eine Diskussion über eine Klassiker des Genre entfachen. Falls diese bereits wo anders stattfindet und ich sie noch nicht entdeckt habe bitte ich um Verzeihung.

MfG Hainish
Alt 08. 03. 2007, 00:48 Hainish is offline Mit Zitat antworten #67
thrilled
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

So dieses mal habe ich verschlafen, das hier einige Antworten reingetrudelt sind.

Ich habe in den letzten monaten fast nichts mehr an Scifi lesen können (sieht man mal von Eric Idle - Die Reise zum Mars) ab, ich werde jedoch Ende März bis Mitte April, ein oder zwei von x12x13s Büchern nachholen und vllt auch mal wieder etwas neues Vorstellen können.

Anders als x12x13, empfinde ich übrigens den letzten Teil der Resurgam Saga, als durchaus gelungen auch wenn das Ende den Leser irgendwie unbefriedigt darliegen lässt, aber auch ich will an dieser Stelle nicht zu viel verraten

Sicher ist, und da stimme ich mit x12x13 überein, das Reynolds im letzten Band, die Geschichte schneller Vorantreibt und dem Leser nicht mehr so viele abschweifende Passagen gönnt. Nach meinem Empfinden, passt dieser schnellere Stil, jedoch gut zu den immer dramatischeren Ereignissen. Dort würde ich dann sehr sehr lange Beschreibungen auch als etwas quälend empfinden..... ja fast als ein (kleiner) Hemmschuh im Strom der Erzählung.

Dieser neue Stiel ist meiner Meinung nach im übrigen ein wunderbarer Gegensatz zum ersten Teil der Saga, in dem Reynolds erst einmal mit gefühlten 100 Seiten reiner Beschreibungen loslegt. Das ist aber zu diesem Zeitpunkt der Geschichte auch irgendwie passend, schließlich scheint die Bedrohung für die Menschheit noch in sehr weiter Ferne.

Das einzige, was mich wie gesagt stört ist der Schluss, obwohl es bereits mehrere Monate her ist das ich das Buch gelesen habe,ertappe ich mich ab und zu dabei, das ich mich frage wie die Reihe wohl weitergehen würde. Findet man ein mittel um den "neuen" Feind zurück zudrängen, und handelte es sich bei den Stimmen doch um die letzten überbleipsel der Menschheit ?

Verdammt, für mich ist dieser Schluss einfach nicht vollständig
Alt 08. 03. 2007, 22:27 thrilled is offline Mit Zitat antworten #68
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Also gut - überredet....
Alt 23. 03. 2007, 18:03 Mit Zitat antworten #69
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Re: Buchvorstellung von SciFi Neuerscheinungen

Scott Westerfeld – Weltensturm

Eine eigentlich ganz simple Geschichte präsentiert S. Westerfeld uns.
Das Reich der 80 Welten wird seit 1600 Jahren, vom auferstandenen und dennoch toten Kaiser regiert. Die Menschheit hat sich in Jahrtausenden in Wellen über die Galaxis ausgebreitet und eben jene 80 Welten kolonisiert, die heute das Reich darstellen. Vor Jahrhunderten erkrankte die Schwester des Kaiser an einer unheilbaren Krankheit, was ihn dazu veranlasste den alten Feind - den Tot zu besiegen. In dem er Selbstmord begann und ihm danach der sogenannte Symbiant eingesetzt wurde, wurde er wieder ins Leben geholt. Zwar grau, bleich und weitgehend emotionslos, das bisherige alte Leben immer weiter vergessend, aber dennoch irgendwie am Leben. Aber eben nur irgendwie, sodass alle Auferstandenen in den nächsten Jahrhunderte, alle die privilegiert genug sind um den Symbianten zu empfangen, von den lebenden normalen Menschen nur die Toten genannt werden. Privilegiert sind natürlich das Militär und andere hohen Würdenträger, sodass der Kaiser im Laufe der Jahrhunderte quasi absolutistische Macht erlangen konnte. Einzig der RIX-Klut ist ein externer, feindlicher Faktor im Machtgefüge der 80 Welten und des Kaisers. Der RIX-Kult „huldigt“ Verbundbewußtsein; eine Art von Leben die sich in jedes der extrem vernetzten Geräte auf der entsprechenden Welt einnistet und seinen dunklen Plänen nachgeht.
Als auf einer dieser Welten auf der die Schwester des Kaiser, genannt der Grund (sie war ja eben der Grund, dass der Kaiser anfing den Tot zu überwinden), aufhält, die RIX mit ihren fast unbesiegbaren Kriegern angreift und ein Verbundbewußtsein (welches sich Alexander nennt) etabliert, wird Kapitän Zai mit dem modernsten Raumschiff der Flotte zu diesem Planeten geschickt um die kaiserliche Schwester zu retten und das Verbundbewußtsein zu eliminieren. Doch der Angriff erfolgte nicht zufällig – den der Kaiser hat ein Geheimnis, was die Grundfesten des Reiches erschüttern könnte und über das das Verbundbewußtsein unbedingt Kenntnis erlangen will…

Wie gesagt, eine simple Geschichte. Mehr oder weniger totalitäres System mit einem absolutistischen Monarch, versucht unter Aufbietung des Militärs, ein Geheimnis zu wahren.
Allerdings ist diese Geschichte alles andere als simpel und flach – ganz im Gegenteil Scott Westerfelds Weltensturm ist eine Facetten- und temporeiche SF-Opera mit einem ganz anderen und eigenen Stil.

Ein Buch das man sich erarbeiten muss. Ohne jede Umschweife wird der Leser in ein Gefecht gegen die RIX geworfen. Es gibt keinerlei Vorreden, Erläuterungen, Erklärungen oder Vorstellungen. Das Buch beginnt einfach an einem scheinbaren x-beliebigen Punkt einer komplexen Geschichte.
Man hat zunächst keine Ahnung um was geht und was für eine merkwürdige Schlacht wir denn da erfolgen. Ganz langsam und behutsam rückt Westerfeld dann langsam mit dem Grundgerüst der 80 Welten heraus. Über die gesamte Buchlänge hinweg werden mehr und mehr Details offenbart, Dinge die 100 Seiten zuvor noch Verwirrung auslösten, werden erklärt und die Zusammenhänge dargestellt. Dieses hält Westerfeld bis zum Ende des Buches durch. Entscheidens Wissen über die RIX und der Entstehung des Kaiserreichs werden erst im letzten drittel des Buches offenbar. Das gut gehütete Geheimnis des Kaisers wird dem Leser erst auf den letzen Paar Seiten präsentiert.
Westerfeld rangiert virtuos zwischen Hard-SF (sprich technischen Erklärungen und Konzepten), einem wunderbar ausgearbeiteten Gesellschaftskonzept, einem Abenteueroman und religiösen Ideen (nicht ganz so vordergründig wie in den Hyperion-Gesängen von Dan Simons, aber die Grundstruktur dieser Erzählkomponente erinnert, insbesondere der Komplex um die Auferstehung, stark an den 2. Band von Simons Endymion.
Diese bunte Mischung, macht Weltensturm zu einem großartigen Buch, bei dem man sich schwer tut aufzuhören.
Blumig wird das Kaiserreich und seine strengen Dogmen und Hierarchien beschrieben, die dort herrschenden Intrigen und das bestreben des Kaisers, das Zentrum seiner Macht geheim zu halten, dazu bedient er sich des Apparats, quasi die Priesterschaft der toten/Grauen. Eine große Rolle spielt der Erzählstrang an Bort der Luchs, jenes Flaggschiff des Kaisers welches er dem RIX-Kult entgegen wirft. Im Mittelteil breitet Westerfeld über mehr als 100 Seiten eine Raumschlacht aus, die ihres gleichen sucht. Selten habe ich anschaulicher komplexe Techniken und Vorgehensweisen beschrieben bekommen und richtig spannend ist diese Schlacht auch.
In einem anderen Teil der Handlung, werden uns die Vorgehensweise der RIX und des Verbundbewußseins geschildert. Deren Innensichten und Überlegungen und (vermeidlich) nicht menschlichen Plänen.

Die Personen sind allesamt sehr schön ausgearbeitet, die Flachheit der Charaktere wie sie so oft in Hard-SF zu lesen sind, fehlt zum Glück. Westerfeld ist einfach ein toller Erzähler, der aber erwartet das der Leser mitarbeitet; man wird genötigt sich in die Handlung zu vertiefen, die Puzzlesteine einzeln zu finden und platzieren.

Der einzige Kritikpunkt ist das recht abrupte und nicht ganz finale Ende des Buches. Im Englischen Original besteht Weltensturm aus zwei Bänden. Ich hoffe des Westerfeld die Geschichte weiter erzählt und uns mehr aus dem Reich der 80 Welten präsentiert.

Ich bin begeistert von dem Buch, endlich mal wieder ein mir bis dahin unbekannter Autor der auf der ganzen Linie überzeugt.



Nachtrag:
Leider wird sich das mit einem weiteren Band noch etwas ziehen, habe das hier auf der Webseite des Autors gefunden:
Zitat:
One day, I will be writing more in this universe (see the faq). But not right away.