„Ach, da isser ja wieder!“ mag sich der Zuhörer denken, hört er/sie sich das neuste Machwerk von Judas Priest an. Rob Halford, der Ex- und nun Wiedersänger hat sich eines Besseren besonnen, seine Solokarrieren a la „Fight“ (das war nun wahrlich nur noch grausam) oder aber „Halford“ an den Nagel gehängt und sich wieder mit den Herren aus besseren Tagen in ein Studio begeben und „Angel Of Retribution“ eingespielt.
Was erwartet nun aber des Käufers Ohr?
Ich sage es mal so: Durchaus nettes.
Wer denn an dem guten, alten Heavy Metal seinen Gefallen gefunden hat, der wird von der neuen Scheibe nicht enttäuscht werden, geht es zum Großteil recht heftig zur Sache.
Lässt das Anfangsliedl „Judas Rising“ den Freund des HM schon recht heftig strahlen, gibt´s doch Metal der Richtung „Ram It Down“, setzt „ Deal With The Devil“ ansatzlos ebendort an, fette Gitarren paaren sich mit dem typischen Gesang des wiedergefundenes Sohnes Halford.
Bei „Revolution“ scheinen die Priester gewissen Anleihen bei „We will Rock You“ genommen zu haben, von Stuhl haut das Liedl einen nicht.
„Worth Fighting For“ ist für mich der absolute Schwachpunkt der CD, geht es in die Richtung Def Leppard, nicht Fisch, nicht Fleisch das Ganze, 08/15 Mainstreamschwermetal.
Umso erfreuter guggt der Freund des guten, alten NWOBHM wieder aus der Wäsche, tönt aus den Lautsprechern „Demonizer“. Die Poscht geht in geschätzter Judas Priest Manier ab, satte Riffs, ein gar vorzüglich Schlagzeug und der passende Gesang von Freund Halford. Ja, es macht Freude zuzuhören ...
„Wheels Of Fire“ flacht wieder etwas ab, ist es ein einfach gestricktes Liedchen, hat aber dennoch seinen Reiz, sind dort die Gitarren der Herren Downing/Tipton dominant und rocken das Liedchen aus dem Keller in die 2. Etage.
„Angel“ ist eine Ballade. Ja, auch Judas Priest haben auf dieser CD eine Schmusenummer draufgepackt. Haut mich auch nicht zwingend vom Stuhl, aber schlecht ist das Teil nicht. Es gibt besseres, aber auch schlimmeres.
„Hellrider“ macht wieder einfach nur Spaß, ist´s ein typisches Judas Priest Liedl; einfache Riffs, der übliche Halfordgesang, das bekannte Strickmuster aus den 90-igern „Ram It Down“ Zeiten halt.
Mit „Eulogy“ vermag ich nun garnix anzufangen. Und weil es nicht nur nichtssagend, sondern einfach nur dämlich ist, verweigere ich mich auf diese Aneinanderreihung von Tönen weiter einzugehen :-)
Und nun zum Höhepunkt der CD: „Lochness“. Schlappe 13 Minuten erfreut das Liedl die Gehörgänge. Wäre das Lied von der Konkurrenz dargebracht worden, es hätte einen Verriss gehagelt. Und genau das ist es, was Judas Priest von anderen Gruppen des Heavy Metal unterscheidet, schwingt Halford seine Stimmbänder; es wirkt nicht peinlich, nicht aufgesetzt. Und nein, ich verwende nun nicht den mehr wie abgelutschten Begriff des „True Heavy Metal“, aber fast wäre ich verleitet selbigen in den Raum zu werfen ...*gg*
Kurzum: Diese CD ist für den Freund des guten, alten Heavy Metal einfach nur hörenswert.
Lemmy
P.S. Wer einen guten, fast geradezu genialen Judas Priest-Clone hören will, dem sei die Gruppe „Primal Fear“ ans Herz gelegt, gehen die noch ein Stückchen kompromissloser zur Sache, aber nicht wesentlich schlechter ...