Fantasievolle Statistikinterpretationen im Focus
Während die Lehre aus den Londoner Bombenanschlaegen die ist, dass Videoüberwachung keine Straftaten verhindert, hindert das die üblichen Verdächtigen nicht, sich in Punkto mehr Überwachung gegenseitig rechts zu überholen: Schily und Beckstein überbieten sich momentan mit Forderungen nach mehr Videoüberwachung. Dabei erhalten sie Schützenhilfe vom Focus, wie Golem weiss.
Demnach sei Videoüberwachung ein probates Mittel gegen Kriminalität, die Zahl der Straftaten in überwachten Räumen sei teilweise drastisch zurückgegangen. In Bayern seien per Videoanalyse bisher 182 Straftaten aufgeklärt werden. Am Münchner Hauptbahnhof konnten die Delikte um 49,9 Prozent reduziert werden, bei Drogenvergehen gar um 60 Prozent. Aus Schweinfurt wird ein Rückgang um immerhin 13,7 Prozent berichtet. Ohne Prozentangaben werden weitere Erfolge aus Stuttgart, Singen und Böblingen berichtet.
Der Sinn der Übung ist offensichtlich, und auch Golem scheint darauf hereingefallen zu sein: Betitelt ist ihre Meldung mit "Videoüberwachung verdrängt Kriminalität nicht", was zusammen mit den Zahlen suggeriert, dass Videoüberwachung Kriminalität tatsächlich reduziere und nicht nur an unüberwachte Plätze verlagere. Allein, im Artikel wird nur von den Rückgängen an überwachten Orten gesprochen, die Zustände in unüberwachten Räumen werden vornehm außen vor gelassen - ein Schelm, der böses dabei denkt....
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