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onkelchen Spender
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Review: Rammstein - Rosenrot

Es ist soweit, nur etwas über ein Jahr nach der letzten Veröffentlichen, gibt es wieder ein neues Album von Rammstein. Das Material sei dabei eine Mischung von Ausschussware aus dem "Reise, Reise"-Album und neuem Material.
Spätestens mit diesem Album, kann man sich endgültig vom monotonen Stampfrythmus verabschieden, den man von Rammstein gewohnt war. Was sich mit den Vorgänger Alben "Mutter" und "Reise, Reise" schon abgezeichnet hat, wird kontinuierlich weitergeführt. Längst steht die Ryhtmus-Gitarre und ansprichsvollere Gesangsparts im Hintergrund.


Die Tracklisting des neuen Albums:

1.Benzin
2.Mann gegen Mann
3.Rosenrot
4.Spring
5.Wo bist du
6.Stirb nicht vor mir // Don't Die Before I Do Feat. Sharleen Spiteri
7.Zerstören
8.Hilf mir
9.Te Quiero Puta!
10.Feuer und Wasser
11.Ein Lied

Der Opener Benzin dürfte schon von der Single bekannt sein, ein schwererer und schneller Gitarrenrythmus als Ode an den Kraftstoff Benzin. Deutlich besser gefällt mir da schon Mann gegen Mann, der das allseits bekannte Rammstein-Lieblingsthema Liebe auf dem neuen Album einleitet. Thema ist hierbei Homosexualität in der gewohnten impressiven Ausdrucksform von Till, der wieder 2-3 Mehrdeutigkeiten meisterhaft in einem Satz unterbringt, Beispiel:
[q]In meiner Kette fehlt kein Glied, wenn die Lust von hinten zieht[/q]
Musikalisch erinnert das Stück am ehesten an "Stein um Stein" vom Vorgänger, langsame Strophen, schnelle Refrainparts, eines der stärksten Stücke auf dem Album. Überraschend gut ist auch Titel Nummer 3, "Rosenrot". Ein ziemlich ruhiger Song, der allerdings ziemlich gut gelungen ist - Thema auch hier die (Blindheit der) Liebe, die Strophen erinnern musikalisch eher an The White Stripes, als an Rammstein, aber Till rückt auch hier wieder mit seiner progressiven, das r-rollenden Stimme alles wieder in das rechte Licht.
Als nächstes folgt "Spring", ein hochinteressanter Song, sowohl textlich als auch musikalisch. Thematisiert wird ein Suizid(-versuch), der in der auch schon gewohnten Rammstein-Ironie aufgearbeitet wird. Das dritte Lied am Stück, das nach dem selben Ryhtmus verfährt "langsam - schnell - langsam".
"Wo bist du", erinnert textlich an "Los" vom Vorgängeralbum und ist ziemlich schnulzig geraten, ohne den Bass und Schlagzeug könnte man damit auch in der Schlagerhitparade punkten.
Mit "Stirb nicht vor mir" kann ich absolut nichts anfangen, das muss ich ganz ehrlich sagen, das Ding ist absolut überflüssig. Hier übernimmt auch erstmals jemand anderes als Till große Teile der ersten Stimme. Durfte eine gewisse Bobo bei Engel nur ab und zu einen Satz singen, darf die hier erwähnte Sharleen Spiteri wirklich große Gesangsparts übernehmen (das klingt am Ende ein bisschen wie L'ame Immortelle). Am Ende kommt ein absolut hirnloses Duett heraus, in dem, zu allen Überfluss Till Deutsch und Sharleen Spiteri Englisch singt.
Zerstören hingegen ist wieder ein starker Song (mit ungewöhnlichem Beginn): harte, eingängige Gitarrenriffs, schnelles Schlagzeug und ein typischer Rammstein Text, Thema sagt schon der Titel.
Hilf mir ist wieder ein Titel aus dem Abschnitt Historienecke. Auf dem Vorgänger Album war "Dalai Lama" bekanntermaßen von Goethes Erlkönig inspiriert, diesmal musste Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter" herhalten, Thema: der Nachwuchs spielt mit Streichhölzern. Musikalisch eher unauffällig, aber mit eingängigen Text.
Überraschte Rammstein auf Reise, Reise noch dezent mit Mandorlinen auf "Los", kommt es diesmal mit Track 9 noch schlimmer: Harte Gitarrenriffs, progressives Schlagzeug und, haltet euch fest: Trompeten. Das Problem ist, das passt absolut nicht zusammen und klingt absolut lächerlich - zu allem Überflüss singt Till auch noch spanisch, der Text, würde man ihn verstehen ist hingegen ganz spaßig.
Feuer und Wasser punktet hingegen wieder mit anspruchsvollen, mehrdeutigen Metaphern, interessanten, gängigen Gitarren, die sich hier weitgehend angenehm zurückhalten. Thematisch kann man das Stück wohl als Fortsetzung von Mutters "Rein, Raus" betrachten, wenn auch diesmal aus anderer Betrachtungsweise. Dennoch kann der Song nicht ganz überzeugen, er hält sich aber wacker im gehobenen Mittelfeld.
Das letzte Lied, ist passenderweise "Ein Lied". Da dachte sich Herr Lindemann wohl, wenn wir schon nicht mit dem Publikum bei Konzerten reden, schreiben wir ihm wenigstens ein Lied. Gesagt getan, heraus kam eine ironische selbstverherrlichende Hymne auf sich selbst, wo sich wir, als einfache, unwürdige Hörer, praktisch glücklich schätzen dürfen Rammstein zu hören. Das Lied ist zwar textlich passabel, aber musikalisch ist ruhig noch gar kein Ausdruck, im Hintergrund ist das ganze Lied über nur eine sanfte, ruhige Gitarrenmelodie zu hören - das ruhigste Lied das Rammstein je von sich gaben.

Im Fazit kann das Album aber nicht ganz überzeugen, zweifellos enthält es einige sehr gute Songs wie Mann gegen Mann und Zerstören, aber auch viel Mittelmaß wie Benzin, Hilf mir und Feuer und Wasser. Durchwachsen wird das Ergebnis allerdings mit geisrigen Ausrutschern wie Te quiero Puta und Stirb nicht vor mir.
Alt 29. 10. 2005, 13:21 onkelchen is offline Mit Zitat antworten #1
Kokser
Going Down Under :)
 
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

100% Full Ack.

Textlich wieder große klasse, musikalisch höchstens Mittelmaß bis auf "Zerstören", "Rosenrot" und auch "Hilf mir", die sehr gelungen sind. Zwar finde ich es gut, dass sie versucht haben mal etwas Neues auszuprobieren, doch das Ergebnis konnte mich auch absolut nicht überzeugen. Was sie sich bei diesem spanischen Song gedacht haben würde mich mal interessieren...
Alt 29. 10. 2005, 16:17 Kokser is offline Mit Zitat antworten #2
FUZZI
nix
 
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Wobei ich sagen muss, dass mir inzwischen nach mehrmaligem hören fast alle Lieder gefallen.
Kommt zwar nicht an Mutter und auch nicht am Reise Reise ran, aber schlecht find ich das Album nicht.
Alt 29. 10. 2005, 17:50 FUZZI is offline Mit Zitat antworten #3
Gimli Nittner
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Meiner Meinung nach das schlechteste Album!!!
Rosenrot,Mann gegen Mann, Zerstören einfach sehr gute Lieder!!!
Mit dem Rest kann ich nix anfangen, mir irgendwie nicht mehr so hart wie es früher mal war!!!
Hoffe das es bald wieder ein "hartes" Album geben wird!!!
Alt 29. 10. 2005, 21:47 Gimli Nittner is offline Mit Zitat antworten #4
T-olle Tante
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Hallo,

Also so richtig vom Hocker gehauen hat es mich auch nicht.

"Benzin" mit seinen minimalistischen, dafuer heftigen Gitarrenriffs, kommt irgendwie punkig rueber. Gefaellt mir gut.
Das Highlite der Scheibe ist fuer mich "Mann gegen Mann". Wie Till hier einen Menschen beschreibt, der seine Homosexualitaet entdeckt...
Zitat:
Ich nehm mein Schicksal in die Hand. Mein Verlangen ist bemannt...
und bei der Umwelt nicht nur auf positive Resonanzen stoesst...
Zitat:
Doch friert mein Herz an manchen Tagen, kalte Zungen die da schlagen...schwulah..
finde ich klasse gemacht. (Auch musikalisch).
Ansonsten ist mir "Spring" noch positiv aufgefallen.
Der Rest bewegt sich IMO irgendwo im unteren Mittelfeld. Wobei ich von dem "Trompetengetroete" in "Te Quiro Puta" schon fast einen Hoersturz bekomme.
Alles in allem bleibt fuer mich, trotz ein paar wirklich guter Sachen, ein fader Beigeschmack.
(Das Album "Herzeleid" ist halt immer noch, auch mit "monotonem Stampfrythmus", meine N1...)
Fuer alle die noch nicht Besitzer des neuen Albums sind, hier eine Hoerprobe.


mfg
dTT

Edit:
Ach herrjeh...scheiss Orthographie...

Geändert von T-olle Tante (25. 12. 2005 um 22:28 Uhr).
Alt 29. 10. 2005, 23:27 T-olle Tante is offline Mit Zitat antworten #5
Master_Of_Doom
VITA MIHI MORS EST
 
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Hi,


hat den meisten Gesprächsstoff aufsich gezogen, da hast Du recht und zerstören tut es die CD garnicht auch hier werden wieder kontroverse Themen aufgegriffen, wie schon bei Reise, Reise 'Mein Teil'.

Im ganzen gibt es nach 'Reise,Reise' keine neuen Überraschungen schade wie ich finde.
Trotz allem würde ein wie von onkelchen erwähnter 'monotoner Stampftrack' dem ganzen ein wenig auf die Sprünge helfen ist aber halt nicht jedermans Geschmack und damit weniger Kommerziell.


CU


MOD
Alt 31. 10. 2005, 16:16 Master_Of_Doom is offline Mit Zitat antworten #6
Uncleben
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Zitat:
Trotz allem würde ein wie von onkelchen erwähnter 'monotoner Stampftrack' dem ganzen ein wenig auf die Sprünge helfen ist aber halt nicht jedermans Geschmack und damit weniger Kommerziell.

Das stimmt, weniger kommerziell -> weniger Verkauf, daher wird eben so musiziert, dass auch die kleinen Kiddies, die keine Ahnung von Musik haben Rammstein kaufen.

Rammstein hat für mich schon seit dem Reise Reise Album abgenommen, der stampfende Takt, der auf der Herzeleid noch so richtig schön bestand und auf der Mutter-Scheibe ebenso noch die Songs prägte, ist seit Reise Reise irgendwie ein wenig entflogen. Und meiner Meinung nach war genau das das, was Rammstein ausmachte (anscheinend nicht nur meiner Meinung nach).

Ansonsten trifft das was Onkelchen noch sagte zu 100% zu.
Alt 31. 10. 2005, 17:07 Uncleben is offline Mit Zitat antworten #7
Sotho Tyg Ian
Stygian
 
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Ach waren das noch Zeiten, als Rammstein als völlig unkommerzielles Projekt an den Start ging.
Ich kann schon seit "Mutter" nicht mehr wirklich was mit Rammstein anfangen.
Ja, sie haben sich eindeutig weiterentwickelt. Ich glaub aber nicht dass es die Richtung ist, die mir gefällt.
Die besten Alben sind einfach noch immer "Herzeleid" und "Sehnsucht" und der Song "Kokain".

Für mich hören sich die Songs immer irgendwie unfertig an. So als hätten sie gerne gewollt, durften aber nicht und der letzte Akkord wird einfach nicht gespielt.
Ich seh schon beinahe den selben Abstieg wie bei Oomph!.
Zu viel Bravo ist des Sängers Tod.


Stygian
Alt 31. 10. 2005, 17:18 Sotho Tyg Ian is offline Mit Zitat antworten #8
zEeKaY
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Dann werd ich meinen Senf auch mal dazu geben.
Ich finde das Album gar nicht mal so übel. Es ist das bis jetzt mutigste Album von Rammstein wie ich finde. Zwar sind manche Lieder nur Mittelmas, aber dafür sind auch wieder richtig gute Lieder drauf wie "Mann gegen Mann" oder "Rosenrot" oder auch "Zerstören".
Man merkt aber schon das das Album sehr schnell fertig gestellt wurde. Viele Lieder sind einfach nur schlecht.
Ich persönlich finde den spanischen Song ganz gut, auch wenn Till, wie ich finde, es bei dem Lied mit dem r rollen übertreibt.

Es ist nicht das beste Album von Rammstein aber hörenswert alle male.
Alt 02. 11. 2005, 13:37 zEeKaY is offline Mit Zitat antworten #9
Bombing_Squirel
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

JA...
Erstmal hallo.
Ich bin persönlich auch der Meinung das sie mit dem Album doch einen mutigen Schritt gewagt haben.
Ihc bin jetzt schon seit der Gründung Fan und muss sagen das mir bis jetzt jedes Album zugesagt hat.
Und irgendwo muss man mal auch was neues wagen...
Trotzdem sind die Tracks Rosenrot und Wo bist du die geilsten
Alt 04. 11. 2005, 13:55 Bombing_Squirel is offline Mit Zitat antworten #10
onkelchen Spender
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Naja, die Entwicklung ist nun wirklich nicht neu. Herzeleid und Sehnsucht (letzteres ist nach wie vor mein Lieblingsalbum) gehören zusammen, Mutter steht irgendwo in der Mitte und die letzten beiden Alben sind auch wieder das selbe. Neu ist das insofern nicht, dass die Entwicklungen von Reise, Reise konsequent weitergeführt worden sind.

Das ist nicht grundsätzlich eine schlechte Sache, Mann gegen Mann und Rosenrot können bei mir durchaus punkten, aber dann gibt es eben auch wieder so geistige Ausrutscher wie Te quiero puta. Mittlerweile mag ich sogar Stirb nicht vor mir, das ist eigentlich ein guter Song, nur ist das eben nicht Rammstein, geschweige denn das, was ich von Rammstein hören will.
Alt 04. 11. 2005, 17:00 onkelchen is offline Mit Zitat antworten #11
Ejup Bayrami
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

In die Diskussion, ob sich Rammstein verschlechtert oder verbessert möchte ich gar nicht einsteigen, da man bei jeder anderen Band genauso darüber diskutieren kann und solche Diskussionen in meinen Augen letztlich doch immer wieder gleich sind.

Mich interessiert an dieser Stelle etwas anderes:

Zitat:
Als nächstes folgt "Spring", ein hochinteressanter Song, sowohl textlich als auch musikalisch. Thematisiert wird ein Suizid(-versuch), der in der auch schon gewohnten Rammstein-Ironie aufgearbeitet wird. Das dritte Lied am Stück, das nach dem selben Ryhtmus verfährt "langsam - schnell - langsam".

Geht es in Spring wirklich um einen Suizidversuch? Mich würden da eure Meinungen interessieren. Ich glaube das nämlich nicht. Dagegen spricht, dass es heißt:

Zitat:
Jetzt fängt der Mann zu weinen an[...]
Fragt sich was hab ich getan[...]
Ich wollte nur zur Aussicht gehen[...]
Und in den Abendhimmel sehen

Da wird etwas ganz anderes thematisiert.
Ich behalte meine Idee mal zurück, weil ich gerne erst hören möchte, was ihr denkt.
Alt 05. 11. 2005, 03:00 Ejup Bayrami is offline Mit Zitat antworten #12
SumoMolle Spender
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Moin,

Zitat:
Da wird etwas ganz anderes thematisiert.
Ich behalte meine Idee mal zurück, weil ich gerne erst hören möchte, was ihr denkt.

Das Denke ich auch, ich habe den Titel nun sehr oft gehört und es geht hier um die Sensationslust in dieser Welt.

Zitat:
Der Mann will von der Brücke steigen
Die Menschen fangen an zu hassen
Bilden einen dichten Reigen
Und wollen ihn nicht nach unten lassen

Ich finde der Text thematisiert das sehr gut.
Alt 05. 11. 2005, 06:05 SumoMolle is offline Mit Zitat antworten #13
Master_Of_Doom
VITA MIHI MORS EST
 
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Hi,


oder eben der Drang sich zur Schau stellen zu wollen (die Sprungabsicht im Hinterkopf macht das sehr zwiespältig) zum Glück wird damit am Ende abgeschlossen!

In diesem Sinne FALL!!!!


CU


MOD
Alt 05. 11. 2005, 09:57 Master_Of_Doom is offline Mit Zitat antworten #14
onkelchen Spender
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Ich meine es geht in der Tat um diesen Suizidversuch, aber wie ihr richtig sagt nicht aus der Perspektive des Verzweifelten, sondern aus der der Masse, die sich um ihn schart und ihn schließlich zum Sprung zwingt.
Der arme Mensch steigt ja alleine und aus welchem Motiv auch immer auf die Brücke und hat zumindest die Intention sich umzubringen; nun steht er zweifelnd da, während sich immer größere Menschenmassen um ihn scharen. "Der Mann will von der Brücke steigen", sprich er hat es sich doch anders überlegt und will zurück, doch da drängen ihn die Menschenmassen wieder auf die Brücke. Ich denke das ist eher metaphorisch, der Mann will den Erwartungsdruck erfüllen und sieht sich gezwungen nun zu springen. Schließlich taucht auch noch die Feuerwehr (oder wer auch immer) auf und richtet, nachdem es dunkel wurde, Scheinwerfer auf ihn ("Heimlich schiebt sich eine Wolke vor die Sonne, doch tausend Sonnen brennen nur für dich"). Schließlich bricht er zusammen und springt trotz allem in den Tod - von Till metaphorisch dadurch besungen, dass er dem Mann einen Schubs gibt.
Alt 05. 11. 2005, 16:14 onkelchen is offline Mit Zitat antworten #15
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Geändert von lamestar (13. 03. 2006 um 16:01 Uhr).
Alt 05. 11. 2005, 16:29 Mit Zitat antworten #16
Ejup Bayrami
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Ich glaube, dass hier das Thema "Erlösung" thematisiert wird:

Mann kann den Liedtext sehr gut auf den Tod Jesu am Kreuz übertragen. Vielleicht ist das sehr weit hergeholt, aber das passt, wie ich finde, sehr gut zu der Ausdrucksweise, die in dem Lied verwendet wird.

Ein Mann sticht aus der Masse hervor (Er steigt auf eine Brücke). Er macht die Arme breit (-> Metapher für das Kreuz). Dann strömen die Massen (-> Menschheit) heran und interpretieren die Situation in ihrem Sinne (Der Mann steht mit ausgebreiteten Armen auf der Brücke? -> Er will/muss für uns springen! Er will sich für uns opfern! Er will uns erlösen!)
Dafür spricht auch, dass die Menschen seine Innereien wollen. In der Antike wurden den Göttern bei Opferfeiern die Innereien der Tiere geopfert. Diese Rituale waren sehr wichtig um die Gesellschaft zu stabilisieren und den Machterhalt zu sichern.

Dann beginnt der Mann zu weinen, er wollte gar nicht springen, aber wird nun dazu gedrängt, weil die Menschen es von ihm so erwarten. Er ist zum Erlöser auserwählt worden!
Die tausend Sonnen interpretiere ich ebenfalls als die Menschen, die darauf brennen den einen Mann springen zu sehen.

Den Todesstoß versetzt ihm dann der "Erzähler", indem er ihn tritt. Das ist eine sehr schöne Metapher dafür, wie der Mann in seine Rolle gedrängt wird. Da gibt es keine Spur von Wahlmöglichkeit!

Das Lied kann man auf sehr unterschiedliche Weise interpretieren, aber ich verstehe es in erster Linie als Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben. Nicht unbedingt als Kritik, aber als eine mögliche Sichtweise, die man sich überlegen sollte:

Ist es nicht so, dass Jesus von den Menschen getötet wurde und ihm die Rolle zugewiesen wurde dadurch die Menschen von ihrer Schuld befreit zu haben?!
Alt 05. 11. 2005, 17:19 Ejup Bayrami is offline Mit Zitat antworten #17
onkelchen Spender
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Eine interessante Theorie, aber wie passt die Tatsache, dass sich der Mann ursprünglich tatsächlich umbrigen wollte, in dein Erlöserkonzept?
Alt 05. 11. 2005, 17:49 onkelchen is offline Mit Zitat antworten #18
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Geändert von lamestar (13. 03. 2006 um 16:00 Uhr).
Alt 05. 11. 2005, 18:40 Mit Zitat antworten #19
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Mir war klar, dass meine Interpretation angezweifelt werden würde. Aber man sollte das, was ich schreibe nicht falsche verstehen.
Nur um meine Position klar zu machen:
Ich studiere Theologie und bin folglich niemand, der gegen das Christsein Einwände hat!

Ich interpretiere nur einen Text eines Rammstein Liedes, so wie ich ihn verstehe!

Zitat:
Eine interessante Theorie, aber wie passt die Tatsache, dass sich der Mann ursprünglich tatsächlich umbrigen wollte, in dein Erlöserkonzept?

Sieh dir den Text genau an:
Kommt der, der auf der Brücke steht zu Wort? Wer ist der Erzähler?

Zitat:
Nette Theorie hat leider garnix mit dem zu tun, wie Jesus Christus in den christlichen Schriften beschrieben wird.

Und das ist genau der springende Punkt:
Jesus spricht nicht selbst in der Bibel. In der Bibel stehen Aufzeichnungen von Menschen.

Zitat:
Auf Verschwörungstheorien oder Sachen wie "Christus gab es nicht" oder dein letzter Satz möchte ich hier nicht weiter eingehen...

Warum willst du auf meinen Satz nicht weiter eingehen?
Es geht hier nicht um Verschwörungstheorien oder ähnliches... Wenn du das schreibst, bist du polemisch. Du gehst nicht auf das ein, was ich geschrieben habe, sondern versuchst darüber hinwegzugehen und meine Interpretation schlecht zu reden. Ich habe nicht gesagt, dass es Christus nicht gibt!

Ich habe nur einen Text eines Liedes so interpretiert, wie ich ihn verstanden habe Das heißt nicht, dass es meine Meinung widerspiegelt!
Alt 05. 11. 2005, 23:17 Ejup Bayrami is offline Mit Zitat antworten #20
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Geändert von lamestar (13. 03. 2006 um 15:59 Uhr).
Alt 06. 11. 2005, 17:30 Mit Zitat antworten #21
Ejup Bayrami
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Ok, dann habe ich dich missverstanden.
Tut mir Leid.
Alt 07. 11. 2005, 19:41 Ejup Bayrami is offline Mit Zitat antworten #22
Timmitou
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Zitat:
Zitat von Sotho Tyg Ian
Ach waren das noch Zeiten, als Rammstein als völlig unkommerzielles Projekt an den Start ging.
Ich kann schon seit "Mutter" nicht mehr wirklich was mit Rammstein anfangen.
Ja, sie haben sich eindeutig weiterentwickelt. Ich glaub aber nicht dass es die Richtung ist, die mir gefällt.
Die besten Alben sind einfach noch immer "Herzeleid" und "Sehnsucht" und der Song "Kokain".

Für mich hören sich die Songs immer irgendwie unfertig an. So als hätten sie gerne gewollt, durften aber nicht und der letzte Akkord wird einfach nicht gespielt.
Ich seh schon beinahe den selben Abstieg wie bei Oomph!.
Zu viel Bravo ist des Sängers Tod.


Stygian


Uff... ich glaube irgendwie nicht, dass Rammstein es nötig hat, sich hinzusetzen und sich zu fragen: Hey, was machen wir jetzt für Musik - oder wie verändern wir unsere Lieder -, damit möglichst viele Menschen das kaufen?

Natürlich haben die nix gegen Kohle und bringen so viel wie möglich auf den Markt, lassen die Plattenfirma allein entscheiden, welche Songs als Singles ausgekoppelt werden und so weiter... aber im Grunde denke ich trotzdem, dass das auch ganz normale Menschen sind: Sie setzen sich zusammen, machen Musik, wenn's ihnen gefällt, kommt's auf Album, wenn nicht, dann nicht. Und natürlich verändert sich auch ihr eigener Geschmack im Laufe der Zeit. Werden ja schließlich auch Älter.

Allgemein ist es doch so: Würde Rammstein den Stil nicht verändern, und immer noch genau so klingen, wie auf Sehnsucht oder Herzeleid, dann würde alle Welt schreien: Ach Gott, wie langweilig, wie einfallslos! Jetzt verändern sie sich aber, was ich auch für gut halte. Die logische Konsequenz daraus ist aber, dass sie mit den Veränderung vielleicht nicht mehr den Geschmack aller Leute treffen, denen das gefallen hat, was sie vorher gemacht haben. Dafür gewinnen sie aber auch neue hinzu.

Kurz gesagt: Egal was sie machen würden, gemeckert wird sowieso immer. Mir jedenfalls haben bisher alle Rammsteinalben gefallen, wenn auch auf unterschiedliche Art und Weise. Der Kern der Sache ist geblieben: Sie sind immer noch unverwechselbar.
Alt 11. 11. 2005, 19:49 Timmitou is offline Mit Zitat antworten #23
vetterweb
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Re: Review: Rammstein - Rosenrot

Einen wunderschönen Guten Abend ,

ich habe jeden einzelnen Beitrag mit großer Ausführlichkeit gelesen und bin daran interessiert, darauf zu antworten.

Rammstein:

Jede Scheibe von Ihnen kam bei mir bislang anfangs mit murren an, hörte ich die Titel länger, gefielen sie mir mehr und mehr. Konnte ich dann auch noch ein Konzert von Ihnen besuchen, war ich überwältigt. Bei Rammstein steht das Konzept für alles; poetische meisterhafte und sogar künstlerische Texte, die das Bild der Welt zeigen sollen; mittlere bis harte Musik und handfeste Bühnenshow´s. Rammstein macht durch all dem zusammen eine Number One aus.

Aber gehen wir ein Stück zurück:

Egal welche Band, wo auch immer Sie gegründet wurde, immer fängt es irgendwo in einer Garage mit 100 Euro Instrumenten an. Man versucht sich was aus der Seele zu spielen und keiner will dich. (Ich kenne einige Bands persönlich und ich äffe jetzt mal den Mund einiger Solcher nach, denn diese Diskussionen kommen auch in erhöhten Kreisen recht oft vor.) Musik wie Munition oder Brachiale Gewalt sind Demo Alben, das lassen wir mal außen stehen. Herzeleid und Sehnsucht waren Ihre ersten beiden Alben, doch keiner wollte sich damit identifizieren. Erst mit dem Titel „Engel“, der auf der Sehnsucht erschien, konnte sich Rammstein durchsetzen. (Für mich allerdings überhaupt kein Rammstein - Titel; klingt wie ne Bohlen Vorlage) Nach den Verkaufszahlen stieg erst das Album Sehnsucht, viel später ließ sich Herzeleid plötzlich auch verkaufen, weil die breite Masse endlich auf den Geschmack gekommen war. Wie es nun so ist, hat man dadurch ein erheblich gutes Sümmchen um gesetzt und will in den Erfolg investieren. Man will weiter kommen und kauft sich bessere, neuere Instrumente. Der Nationale Erfolg war damit bewältigt. Mit dem Album Mutter hörte man ganz deutlich heraus, das nun viel mehr Ideen umgesetzt werden konnten und das ganze nicht mehr mit ner 100 Euro Gitarre gespielt wurde.

Reise Reise und Rosenrot sind für mich mittlerweile auch sehr gut, man hört immer weitere Verbesserungen heraus. Immer häufiger kommen kleinere neuere Töne zum Vorschein und verbessern so das Gesamtkonzept.

Weil ich eben das Wort „Kommerziell“ gelesen hatte, Rammstein bräuchte in Deutschland keine einzige Platte oder Konzertkarte mehr verkaufen, so reich sind Sie an Fan´s. Allein was die Verkaufszahlen in Russland, Australien, Japan und Amerika aussagen, trotz deutsch sprachigen Texten, so können wir nicht mal mit dem kleinen Finger dienen. Und genau da liegt der Schlüssel, wenn man Erfolg hat, will man sich weiter verbessern und wenn das ankommt dann versucht man weiter besser zu werden. So wie jeder den Reiz hat, sich in seinem Job zu verbessern. Und wenn man so weit ist, kann man leider den 2 – 3 Hundert „Ur“ Fans in Berlin nicht mehr gerecht werden, weil man einem Million Publikum treu sein will. Das heißt: Kommerziell wird jede Truppe mit zunehmendem Erfolg, oder Sie bleibt in Ihrer Garage und hottet weiter für 300 Fans...aber wer will das schon als Musiker??? Und ich kenne den Unterschied von einer 100 zur 5000 Euro Gitarre. Wenn du auf einer Johnson spielst, willst du eine Fender haben. Wenn du eine Fender hattest, dann ist der Traum von einer Gibson mit Ziegendarmsaiten nicht mehr weit...und so geht das jedem in seinem Job mit den beruflichen Werkzeugen...

Schaut Euch allein die Bühnenshows in Deutschland und dann im Ausland an: In Deutschland gibt es eine dB Vorlage (Lautstärke), nur 20% Feuer und Effekteinlage, Rettungswege, Medizinisches und Ordnungsfachpersonal, Massenhemmde Zäune, und bla bla bla… gewisser maßen ja richtig, aber wenn Du auf einer Bühne stehst und Deinem Publikum durch geknallt erscheinen möchtest, dann macht es im Ausland mehr Spaß, denn da wird dich niemand daran hindern, in Deutschland füllst Du erstmal nen 160 seitigen Vertrag aus. Dafür brauchst du erstmal wieder nen Manager und 3 Anwälte, und wehe dem du hast einen Punkt außer Acht gelassen. Es kam häufig vor, das Bands in Deutschland aus Protest wegen dieser erhöhten Normen nicht spielten.

Allem in Allem will Rammstein sich verbessern und das scheint zu fruchten. Das belegen die Verkaufszahlen International.

Und im Übrigen, jeder Mensch wird mit zunehmendem Alter ruhiger, und das drückt sich meist in der Musik auch aus. Aber wir, dass Publikum werden auch älter und ruhiger. Und wir müssen auch nicht mehr wie vor 10 Jahren bei Rammstein hotten, vor 20 Jahren bei den Onkelz in den Tod saufen oder gar vor 30 Jahren bei den Stones ne ganze Bühne in Schutt und Asche legen. (Die Betonung lag auf Waldbühne Berlin)…

Rammstein ist ein hervorragendes Projekt, aber die Geschmäcker sind verschieden…

Weg von der Grundsatzdiskussion:

„Spring“ ist für mich ein kleiner nach aussen normal wirkender und nach innen durch geknallter Mensch, der einfach mal etwas tut, was sich andere nicht trauen. Er steigt auf die Brücke um etwas zu genießen…. Was er dabei nicht beachtet ist die breite dumme sensationslüsterne Masse, die sein Tun falsch versteht.

Ich wollte nur zur Aussicht gehen,
und in den Abendhimmel sehen…

Stellt euch nun vor wie auf der Titanic, du stehst vorn auf dem Bug, 70 m erhöht über dem Wasser, die Arme ausgebreitet, dadurch wird das Schiff für dich unsichtbar und du hast plötzlich das Gefühl 70 m über dem Wasser zu schweben, ein wahnsinns Gefühl. Projektiere das nun auf die Brücke. Er will den Abendhimmel sehen, nur nicht wie jeder andere. Er breitet die Arme aus, damit wird die Brücke unsichtbar und du bekommst das Gefühl über der Stadt zu schweben. Wehe das sieht jemand, da ist sofort die Feuerwehr mit Sprungtücher da. Dabei hattest du nicht einmal den Gedanken zu springen in dir. Du wolltest nur etwas einmaliges und leise dahin gesagt, kann ich jedem empfehlen mal probiert zu haben, es ist wirklich ein unglaubliches Gefühl. Aber doch eher auf einen großen Schiff, da glaubt wenigstens keiner an Selbstmord.

Was der Spanische (Klingt für mich eher Mexikanisch, aber gut, akzeptiert) Song soll erklär ich mir nur als Stimmungsmache auf Konzerten. Das sollte ja damals auch „Ich will“ bewirken, und das kam brutal gut an…hier spielen 6 Kumpels, hier spielt die Musik und 100000 Tausende schreien mit…wie das Video auch zeigt, mach was verrücktes und das Publikum wird dich lieben...eben knack ne Bank und mach es sensationell, das Publikum steht hinter dir, nicht hinter dem Staat...
Alt 18. 11. 2005, 22:56 vetterweb is offline Mit Zitat antworten #24