So, ich hab mal wieder etwas gemacht.
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Morgen
Heute ist wieder ein ganz schlimmer Tag. Das wird ihm bewusst, während er
langsam aufwacht. Der Aufwachprozess äußert sich dadurch, dass sein Ton
im Gespräch mit Kunden langsam von monoton zu aggressiv umschlägt.
Der Tag ist schlimm, weil es draußen kalt ist und er sich somit in der
Pause – dem einzigen Lichtblick am Morgen – beim Rauchen wieder alles
abfrieren wird. Der Tag ist schlimm, weil es heute laut Menüplan in der
internen Kantine Kartoffelgratin geben wird. Wenigstens kommt heute Abend
Fußball. Doch bis dann sind es noch zirka elf Stunden, inklusive acht
Stunden am Arbeitsplatz und einer Stunde Heimweg. Zuerst hat er aber mal in
einer Stunde ganze zwanzig Minuten Pause und in drei Stunden eineinhalb
Stunden Mittag. Mittag. Freizeit. Freizeit mit den Kolleginnen und
Kollegen…
Heute ist ein schlimmer Tag. Er dachte schon gestern während dem Spiel,
dass der Tag schlimm werden würde.
„Was macht ihr am Wochenende?“ will eine Kollegin wissen.
‚Halt die Fresse! Wohl nichts mit dir, oder?’ sollte er sagen.
Er hasst sie! Er hasst ihre unfreundliche Art, wie sie mit den Kunden
telefoniert! Er hasst sie, wie sie hinter ihm sitzt und ihm somit wohl
ständig auf den Bildschirm starrt! Er hasst ihre verdammte Kälte!
„Weiß noch nicht“, antwortet er freundlich.
Natürlich weiß er es. Er wird sich wieder mit Freunden betrinken gehen.
Ah, das Wochenende! Noch weniger als drei Tage… Heute und dann noch morgen
und übermorgen.
„Ich auch nicht“, sagt eine andere.
Ah, das Wochenende! Seine Zeit! Er zieht mit seinen Freunden durch die
Strassen. Durch die Strassen ziehen ihn die Freunde. Von Kneipe zu Kneipe,
Klub zu Klub, Staub zu Staub. Vorbei an betrunkenen Buben, lüsternen
Ludern und nüchternen Nutten. Wöchentliche Erlösung während zwei Tagen.
Beziehungsweise zwei Abenden. Manchmal einem.
Und dann geht alles wieder von vorne los. Er weiß das. Manchmal schon am
Abend, spätestens am Morgen. So wird der Sonntag zum Werktag und man sonnt
sich in Übelkeit, schlechter Laune und Gedanken über die kommende Woche.
Heute ist ein ganz langweiliger Tag. Zweihundert Briefe liegen vor ihm und
wollen in Couverts verpackt werden. Zur eigenen Unterhaltung schreibt er
lustige Sprüche so auf die Couverts, dass sie beim schließen derselben
überklebt werden und sie so von niemandem mehr gelesen werden können.
„Auge um Auge macht die ganze Welt blind“ gefällt ihm ganz gut. Aber wenn
er so weiter macht, dann wird er mit den zweihundert Briefen nie fertig.
So klebt er nach zehn weitern Sprüchen die restlichen Couverts ganz normal
zu.
Falten. Öffnen. Reinstecken. Zukleben. Auf Stapel legen.
Und dann noch eins. Und noch eins. Bis sich sein Gehirn langsam
verabschiedet. Für den nächsten Tag hat er eine weitere lustige Idee und er
freut sich auf diesen.
Der nächste Tag ist schlimm. Es war zwar lustig, als er am frühen Morgen
den Kolleginnen die Mäuse von ihren Computern trennte, aber momentan ist das
längst vergessen und es scheint als würden alle debilen Kunden mal wieder
einen Kollektivangriff gegen ihn führen. Nur die Vorfreude auf den Abend
kann ihn durch den Tag schleppen. Da wird er nämlich mit einem Freund
einen trinken gehen. Es ist zwar erst Dienstag, aber man gönnt sich ja
sonst nichts.
Verkatert entdeckt er am nächsten, langweiligen Morgen, dass er am letzten
Abend einen fast vollen Flachmann in seiner Jacke vergessen hat. In der
Pause gewährt er sich ein Schlückchen, denn er gönnt sich ja sonst nichts.
Der Rest des Morgens geht erstaunlich schnell vorbei. Umso härter ist der
Nachmittag. Aber er hat seine Prinzipien und deshalb kostet er an diesem
Nachmittag nichts mehr vom Flachmann.
Aber Prinzipien müssen mit der Zeit gehen und können sich verändern. So
erfährt er einen erstaunlich ereignisreichen Donnerstag, der zu seiner
Freude auch noch frühzeitig endet, nachdem er auf Anraten von seinen
Kolleginnen schon um drei Uhr nach Hause geht. Schlimm soll er aussehen.
Die Grippe möglicherweise. Und in Zeiten globaler Unsicherheit will
niemand die Grippe. Er soll endlich nach Hause gehen!
Dieser Abend und der nächste Tag ist eine schöne Zeit. Wieder nüchtern
liest er ein bisschen, liegt im warmen Bett herum, guckt TV und genießt die
Zeit. Die freie Zeit. Die Freizeit. Freiheit!
Aber am Montag wird er wieder zur Arbeit gehen, denn irgendwann wird er
Frau und Kind haben, die ernährt werden wollen.
Er ist noch nicht clean.
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Über Feedback würde ich mich sehr freuen.