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goetzi Spender
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Exclamation [Eigener Text] Problemarbeit - Bitte Meinung

Hi,

wir haben in Deutsch die Aufgabe, eine Problemarbeit über eine Polemik zu schreiben. Da sie als Vorbereitung auf die Schularbeit dient, hätte ich gerne euer fachmännisches Feedback.

Hier der Ursprungstext:
Zitat:
Der geriatrische Imperativ

"Wer fürs Alter spart, vergeudet knausernd seine Jugend / Eine Polemik von Christoph Siemes

Mitten im Leben sind wir vom Alter umgeben und von der Sorge darum umzingelt. Die vermeintlich besten Jahre haben noch nicht einmal begonnen, da sollen wir schon an ihr Ende denken und Vorsorge treffen. "Sie haben sicherlich noch viel vor. Geben Sie Jetzt den Anstoß" wirbt eine große Bank, unsicher über die Rechtschreibung der Gegenwart, für ein Wohlleben in Zukunft. Vom Verzicht, den das Hier und Jetzt bedeutet, redet sie nur im Kleingedruckten.
Keine Ruhe hat man vor diesen Priestern eines markgesättigten Himmelreiches jenseits der sechzig. Man kann gar nicht jung genug sein, um nicht von den Vorsorge-Imperien ans Alter erinnert zu werden. Kaum hat man von der Tante die ersten Groschen für ein Eis bekommen, raunen sie voll heuchlerischer Sorge um die Zukunft: Gib uns ein wenig davon, wir machen mehr daraus für später. Dass es dann aber statt zwei Kugeln Eis nur eine geben kann, sagen sie nicht.
Angetrieben von der kollektiven Hysterie, ohne eine Menge Geld sei das Alter doppelt so schwer zu ertragen, deponiert schon die Jugend ihre Kröten auf der Bank und zieht sie mit Jahrzehnte laufenden Verträgen aus dem Verkehr. Ohne Murren üben die, die doch sonst so rebellisch sind, den Verzicht. Das Versprechen, sich später etwas leisten zu können, macht die Entsagung heute scheinbar leicht. Eine Art Gegenwartsamnesie breitet sich aus, wenn schon 25-Jährige Lebensversicherungen abschließen, die irgendwann am Ende des ersten Drittels des nächsten Jahrhunderts fällig sind. Die Ideologie der Altersvorsorge ist die verschlagenste Form der Revolutionsunterdrückung. Gut denkbar, dass eine Bank oder Lebensversicherung noch Systemverachtern wie den Punks ein Teil des Erbettelten abluchst mit der Verheißung, so könnten sie auch in dreißig Jahren noch das Chappi für ihre Hunde bezahlen. So beginnt die Diktatur der Bedenkenträger: Sie ködert und bedroht zugleich die Jugend mit dem Alter.
Was sich als sinnvolle Planung eines langen Lebens tarnt, ist pure Lust- und Lebensfeindlichkeit. Für eine ungewisse Zukunft, die man vielleicht nie erreicht, soll man sich den spontanen Genuss versagen. Lebe wild und gefährlich? Von wegen! Lebe so, dass du die Wonnen des Ersparten irgendwann einmal erreichst! Das ist der geriatrische Imperativ. So leben ganze Generationen betulich und risikoscheu, die Rente fest im Blick. Eine falsche Bewegung, und du riskierst deine Rücklagen! So denkt alle Welt an die Zukunft und versetzt die Gegenwart in einen kollektiven Ruhezustand. Aus Furcht vor dem Verlust dessen, was noch gar nicht ist, werden die Jungen apathisch wie ein Trupp Dreizehenfaultiere.
Im Durchschnitt gibt der Deutsche monatlich 500 Mark für die gesetzliche und private Altersvorsorge aus. Das reicht für einen Kurzurlaub auf Mallorca oder für zwei Kinobesuche täglich. Dafür könnte man stets Champagner statt Selters trinken. Dem Leben in den Schlund gucken, statt ihm Ärmelschoner anzulegen. Was nützt das Geld für einen Bungee-Sprung in vierzig Jahren, wenn das Gummiseil nur noch den Oberschenkelknochen aus der Pfanne des künstlichen Hüftgelenks zerrt? Warum heute auf nur hundert Mark verzichten? Damit man sich dereinst eine Heizdecke aus Kaschmir statt aus schnöder Wolle über das malade Gebein legen kann? Von der ausgezahlten Lebensversicherung leistet man sich ein sündhaft teures Cabrio, das man wegen eines altersbedingten Nackenleidens niemals offen fahren kann. Da wird gespart in jungen Jahren, um sich im Alter die Simulation einer Jugend leisten zu können, die man knausernd und kleingeistig vergeudet hat. Zuletzt verfügen dann alle über das Geld, um ihren Altersstarrsinn durchzusetzen - auch eine Form der Rache für all das Entgangene, das man auf dem Altar der Altersvorsorge opferte.
Dort liegt nicht nur Geld, sondern auch jede Menge Zeit, die man mit eloquenten Bankangestellten und schlecht angezogenen Versicherungsvertretern über einem Wust von Verträgen vertan hat. Und nie wird man das Gefühl los, diesen Menschen durch seinen monatlichen Beitrag und Verzicht ein Reihenhaus mit Jägerzaun zu finanzieren, wo sie das Leben schon jetzt genießen, während wir auf die Auszahlung unserer Versicherung in 35 Jahren warten und uns tausend Ängste zur Unzeit graue Haare bereiten: Was ist all das Aufgehobene dereinst noch wert? Was, wenn Inflation, Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise alle Vorsorge zunichte machen? Wenn smarte Angestellte den Schatz fürs Alter unter der Hand verprassen? Wird es den Staat, die Versicherung, denen man heute seine Beiträge überweist, im Jahr 2030 überhaupt noch geben?
Da kaufe ich doch lieber jetzt meiner Angebeteten tausend rote Rosen, als mich später von den Plastikblumengestecken in der schicken Seniorenwohnanlage daran erinnern zu lassen, was ich als Kleinkrämer der Zukunft alles verpasste. Lieber heute mit einem Cabrio und Schulden in den Sonnenuntergang brausen, als sich an einem ungewissen Morgen Fangopackungen leisten zu können.
Aber die Kinder! Die sollen es ja mal besser haben, also sorgt man eigentlich nicht für sich selbst, sondern für den Nachwuchs. Unsinn. Nur wer nichts hat, kann sicher sein, dass ihn die Gören nicht wegen des Geldes lieben. (…)

Und hier meine Auseinandersetzung damit:

Zitat:
Problemarbeit zum Text: „Der geriatrische Imperativ“



In diesem Text möchte ich auf die Polemik „Der geriatrische Imperativ“ von Christoph Siemes eingehen. Übertrieben beschreibt er darin, wie das Alter wie eine bedrohende dunkle Wolke über den „scheinbar besten Jahren“ hängt. Er verfasste seinen Text zwar noch in Zeiten der D-Mark, die Thematik hat aber angesichts der Unzahl an Pensionsvorsorgen, die heute verfügbar sind, sicherlich noch an Bedeutung gewonnen.

„Die vermeintlich besten Jahre haben noch nicht einmal begonnen, da sollen wir schon an ihr Ende denken und Vorsorge treffen“. Mit diesem Satz beginnt Siemes’ Wortgewitter gegen die Altersvorsorge. Er ist der Meinung, dass wir uns mit der der Aussicht auf ein unbequemes Alter in eine kollektive Hysterie treiben lassen. Man muss schon zugeben, dass manche Altersvorsorgen übertrieben sind. Es wird einem z.B. angeboten, schon ab dem Säuglingsalter für die Zukunft zu investieren. Allerdings muss man eines bedenken: Früher war es normal, zwei bis vier Kinder zu haben, die sich dann finanziell sowie zeitlich um einen gekümmert haben, sollte man das Leben nicht mehr alleine führen können. In der heutigen, von Erfolgskämpfen und Konkurrenz geprägten Zeit, ist die Geburtenrate wesentlich geringer. Das bedeutet, dass alte Menschen in Zukunft keine „natürliche“ Altersvorsorge haben, auf die sie sich stützen können. Wer da nicht schon Jahrzehnte voraus denkt, steht später schnell mit leeren Händen da.
„Was nützt das Geld für einen Bungee-Sprung in vierzig Jahren, wenn das Gummiseil nur noch den Oberschenkelknochen aus der Pfanne des künstlichen Hüftgelenks zerrt?“ Damit will Simes zum Ausdruck bringen, dass man zwar für das Alter finanzielle Reserven anhäufen, man mit diesem Geldpolster aber die Vergnügen der Gegenwart nicht nachholen kann. Auch hier muss man Simes beipflichten, dass man die Chancen der jungen Jahre nutzen muss. Man kann aber auch anders fragen: Was nützt der Adrenalinkick mit fünfundzwanzig, wenn man mit siebzig gichtgeplagt in der kalten Einzimmerwohnung sitzt, weil man vor vierzig Jahren das Geld für Erlebnisreisen verpulvert und nichts für später gespart hat? Natürlich ist das stark übertrieben, doch der Schuss kann sehr gut nach hinten losgehen, wenn der zeitliche Horizont der Menschen nicht über das laufende Jahr hinausgeht. Dass Herr Simes in dieser Beziehung sehr kurzsichtig zu denken scheint, beweist folgender Satz: „Lieber heute mit einem Cabrio und Schulden in den Sonnenuntergang brausen, als sich an einem ungewissen Morgen Fangopackungen leisten zu können“.
Nicht vergessen darf man den Sicherheitsaspekt der Vorsorgen, den Simes als sehr bedenklich ansieht. Ob es den Staat oder die Versicherungen, denen man heute seine Beträge überweist, in Zukunft noch gäbe, stellt er in den Raum. Das weiß wohl niemand, nicht einmal die Versicherungen, die mit reißerischen Werbungen jahrzehntelangen Schutz der Einlagen garantieren. Hier muss man sicher im Vorfeld gute Recherchen anstellen und dann darauf vertrauen, dass das Institut der Wahl seine Versprechungen einhält.
Ich persönlich glaube, dass das Thema der Altersvorsorge ein sehr verzwicktes ist. Einerseits will sich jeder ein finanzielles Polster sichern, um später die teure Krankenversorgung und die hohen Lebensstandards bezahlen zu können. Andererseits nehmen wohl die wenigsten gerne Einschränkungen in der Gegenwart dafür hin. Ich glaube jedoch, dass man sich guten Gewissens einzelne Vergnügen der jungen Jahre verkneifen kann und dafür weiß, dass man auch noch im Alter ein angenehmes Leben vor sich hat.
Alt 21. 12. 2005, 20:11 goetzi is offline Mit Zitat antworten #1
Korrupt
Boeses junges Fleisch
 
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Re: [Eigener Text] Problemarbeit - Bitte Meinung

Hm,Pensionsvorsorgen sind nicht "verfuegbar", sie werden abgeschlossen, aber das nur, weils ein Schluckauf in nem sonst wohlformulierten Text ist, den man ein wenig verlaengern koennte, der aber stilistisch imo durchaus passt.

Inhaltlich ... ja, ich seh, auf was du rauswillst, und in der Sache wirst du so falsch nicht liegen (bis auf das "man muss sich halt gut informieren, dann findet man die Altersvorsorge, die vor Inflation, Weltuntergang, Revolution und Weltwirtschaftskrise gefeit ist", das halt ich fuer nicht wirklich realistisch).

Du redest viel drueber, dass Altersvorsorgen durchaus ihren Sinn haben und ein "scheiss auf morgen" nicht unbedingt Lebensstrategie der Wahl ist. Das duerfte hinkommen, wenn ich den Ursprungstext lese, habe ich aber das Gefuehl, dass die Altersvorsorge vor allem als Symptom fuer das *eigentliche* Problem herhalten soll: dem einer Jugend, die mit 20 ungefaehr so gesetzt, situiert, sicherheitsversessen usw. ist wie die Generation davor zwanzig Jahre spaeter. Ich denke, der Text sagt auch einiges in die Richtung, dass eine gesellschaft auch eine Gruppe braucht, die eben nicht sagt, spaeter werden wirs vielleicht besser haben oder Sohn, irgendwann wird das alles dir gehoeren als Lebensziel setzt, sondern sich hinstellt und sagt, gutes Leben! hier! jetzt! Traditionellerweise sind das Leute in der vorderen lebenshaelfte, und die nehmen halt viele Zuege der aelteren generation an, was durchaus ein Verlust der gesellschaft an Aktivitaet, Spontanitaet, Leben darstellt. Ich glaub, es geht ihm weniger um Kaufkraft und wann sie vorhanden ist, sondern um Geisteshaltungen.

Der Witz ist der, jeder Konservative wuerde den Text wohl von Herzen ablehnen. Man muesste aber vermutlich nicht viele Worte in der imo sehr hybschen Polemik durch andere ersetzen, um aus ihm eine Hetzschrift gegen typisch deutsche Vollkaskomentalitaet zu machen, die jedes BDI-Mitglied mit freuden unterzeichnen wuerde.
Alt 22. 12. 2005, 00:23 Korrupt is offline Mit Zitat antworten #2
goetzi Spender
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Re: [Eigener Text] Problemarbeit - Bitte Meinung

Hi Korrupt,

vielen Dank für dein super Feedback. Find ich echt super, dass sich jemand das durchliest und sich so darüber Gedanken macht

Zitat:
Hm,Pensionsvorsorgen sind nicht "verfuegbar", sie werden abgeschlossen, aber das nur, weils ein Schluckauf in nem sonst wohlformulierten Text ist
Ich änder das gern, aber ich sehe es nicht als Fehler (lass mich gern eines besseren belehren). Pensionsvorsorgen sind ja auch ein "Produkt", das Angeboten sind. Also sind sie (am Markt) verfügbar. Oder?

Zitat:
in nem (...) Text ist, den man ein wenig verlaengern koennte
Ich hab ihn bewusst als Vorbereitung auf die Schularbeit (zweistündig) geschrieben und geschaut, dass ich nicht mehr Zeit verbrauche und nicht mehr Wörter schreibe als realistisch ist (550-600).

Den Rest werd ich mir heute Nachmittag zu Herzen nehmen und den Text evtl. stellenweise überarbeiten.

Nochmal danke fürs Feedback,

goetzi
Alt 22. 12. 2005, 05:40 goetzi is offline Mit Zitat antworten #3
Stoertebeker
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Re: [Eigener Text] Problemarbeit - Bitte Meinung

Zitat:
Zitat von Korrupt 
Der Witz ist der, jeder Konservative wuerde den Text wohl von Herzen ablehnen. Man muesste aber vermutlich nicht viele Worte in der imo sehr hybschen Polemik durch andere ersetzen, um aus ihm eine Hetzschrift gegen typisch deutsche Vollkaskomentalitaet zu machen, die jedes BDI-Mitglied mit freuden unterzeichnen wuerde.
Konservativ heißt doch am Gegenwärtigen klammern, es konservieren wollen. Politisch heißt es zwar CDU. Beziehungen, Machtgewinn, Pöstchen usw., haben aber wenig mit irgendeiner Überzeugung zu tun und böses, neoliberales Denken widerspricht zumindest dem Blabla der christlichen Vollkaskolehre.


Da Lehrer meine Texte nie zu schätzen wußten, deiner dir die Note gibt, nicht allzu ernst nehmen:
- "möchte ich eingehen" kling kaufmannsdeutsch anbiedernd, ausserdem machst du es ja gerade "ich gehen darauf ein"
- Übertreibung ist doch mit Polemik schon impliziert (Leehrer wollen das aber manchmal, hab ich nie kapiert)
- Wortgewitter ist nett
- "um einen" ist irgendwie nicht schön, "um die Alten"
- "gekümmert haben" - Das ist Perfekt, die auf das hier und Jetzt immer noch wirkende Vergangenheit. Du willst aber sagen es war mal so, aber jetzt ist es vorbei, also "kümmerten". oder "kümmern würden" oder so irgendwie.
- "vor vierzig Jahren" - fänd ich "vierzig Jahre vorher" schöner, weiß aber grad keine Regel
- zu denken scheint - dieses "scheint" deutet an, dass man vermutet es sei dann doch irgendwie anders
Alt 22. 12. 2005, 11:36 Stoertebeker is offline Mit Zitat antworten #4
saeco_O
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Registrierungsdatum: Jun 2005
Beiträge: 3
Re: [Eigener Text] Problemarbeit - Bitte Meinung

guten tag. ich bin vor allem über "Damit will Simes zum Ausdruck bringen, dass..." gestolpert. das erscheint mir zu holprig. also dieses will, letztendlich wissen wir nicht so genau was der simes will, oder wir versuchen das festzustellen was der wollen könnte. aber bei einem werk von xyz von 'der will jetzt dieses und jenes' zu sprechen ist immer etwas sehr hart, glaube ich.

ansonsten würde ich mich formulierungstechnisch meinem vorredner anschließen.

viel erfolg,
saeco_O
Alt 23. 01. 2006, 04:33 saeco_O is offline Mit Zitat antworten #5
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