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aka Yokel aka BoardTölpel
Registrierungsdatum: Apr 2002
Beiträge: 976
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Kurzgeschichte: Ab Grund
So, mal schauen, wie euch mein neuester Erguss gefällt. Ich habe mich um eine bildhafte und spannende Sprache bemüht. Ich hoffe, die Interpretation fällt nicht allzu schwer. Ich habe die Geschichte einige Male überarbeitet und könnte wohl noch ewig fortfahren. Bevor ich weitermache, würde ich mich über Feedback sehr freuen.
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Ab Grund
Die Wiese war so groß, dass man schauen konnte, wohin man wollte, man sah keine Hügel, keine Berge, keine Wälder und keine Spur von Zivilisation. Nur die Farben der Blumen, welche zwischen dem dichten, grünen Gras in Gruppen wuchsen, änderten sich, je nach dem, in welche Richtung man ging. Nicht in Gruppen zu finden aber trotzdem zahlreich vorhanden waren Bienen und verschiedenfarbige Schmetterlinge in unterschiedlichsten Größen. Sie wurden wohl alle vom frischen und reichen Duft der Pflanzen angelockt.
Er folgte den gelben Blumen, da er wusste, dass der Wind, von welchem die Samen dieser Blume besonders gut getragen werden, stets in die Richtung des Hügels blies, welchen er suchte. Dieser Tag war windstill und so musste er sich auf die Blumen verlassen.
Aber nicht nur der Orientierung wegen wünschte er sich, dass ein Lüftchen wehte. An diesem Tag war es ziemlich heiß, so dass man fast nicht glauben konnte, dass es erst Frühling war. Zusätzlich brannte die Sonne vom wolkenfreien Himmel auf seinen Rücken, was ihn schwitzen ließ, als hätte er eine halbe Stunde auf seinem Hometrainer gestrampelt.
Doch noch langsamer durfte er nicht gehen, denn er wollte diesen Hügel noch erreichen, bevor es dunkel wurde. Auf dem Hügel soll man eine wunderbare Aussicht auf die gesamte Wiese mit ihren verschiedenen Blumen haben. Außerdem soll da eine ganz spezielle Blumenart wachsen, die man auf der Wiese nirgends finden konnte.
Den gelben Blumen folgend, hielt er also stets Ausschau nach dem Hügel. Zusätzlich überprüfte er ständig die Uhrzeit, als säße er, auf den Feierabend wartend, im Büro. Sekunden und Minuten vergingen, dann Stunden. Der Hügel war nirgends in Sicht. Das und die Tatsache, dass die Blumen, welche ihm den Weg zeigen sollten, immer rarer wurden, ließen ihn nervös werden. Einige Male wechselte er die Richtung und nach einer Weile hatte er vollständig die Orientierung verloren. Unterdessen hatte er sich schon so stark vom vermeintlichen Weg entfernt, dass die gelben Blumen nur noch vereinzelt zu finden waren.
Auch eine Tempoerhöhung nützte wenig, da er nicht wusste, wohin er gehen musste. Wie auf einem Laufband lief und lief er und kam doch nicht vorwärts. Doch während das Ende der halben Stunde auf dem Laufband stets absehbar ist, oder auch Feierabend im Büro stets zur selben Zeit kommt, war der Hügel noch immer nicht auszumachen. Nur die Sonne bewegte sich und stand unterdessen schon ziemlich tief am Himmel.
Er rannte. Manchmal schneller, manchmal langsamer, mit immer mehr und längeren Verschnaufpausen. Obwohl er so weit sehen konnte, dass er schon fast die Erdkrümmung am Horizont ausmachen konnte, hatte er keine Ahnung mehr, in welcher Richtung er den Hügel suchen sollte.
Dann fiel er.
Es war kein freier Fall, eher ein Rollen. Anfangs ging es über Gras, doch nach einer Weile fühlte er nur noch feuchte und kalte Erde, aus der vereinzelt kleinere und größere Wurzeln wuchsen. Obwohl es nicht sehr steil war, ging es immer weiter und er versuchte sich vergebens an der Erde und an den Wurzeln festzuhalten. Doch alles was er anpackte, riss er sogleich aus. Gleichzeitig versuchte er mit seinen Armen seinen Körper zu schützen, was jedoch durch seine Orientierungslosigkeit erheblich erschwert wurde. Nach weiteren langen Sekunden gelang es ihm, seinen Körper so auszurichten, dass er auf dem Rücken hinunterrutschte und versuchen konnte, mit den Füssen seine Geschwindigkeit zu verringern. Aber auch das nützte wenig und bewirkte nur, dass er fast nichts mehr sah, da ihm ständig Erde ins Gesicht flog. So kam es nach einer weiteren Weile auch vollkommen unerwartet, als seine Füße den Boden erreichten, sein Körper nach vorne kippte und er schlussendlich bäuchlings auf der Erde liegend zur Ruhe kam.
Nach einer Weile richtete er sich schwankend auf und schaute sich um. Um ihn herum war es dunkel und eng. Er war umgeben von Erdmasse, und auch hier unten wuchsen aus den Wänden und aus dem Boden einzeln Wurzeln, die das jedoch einzige Zeichen von Leben um ihn herum waren. Eine weitere Erkundung ergab, dass er in einer kleinen aber sehr verwinkelten Schlucht gelandet war, die aussah, als ob ein Riese die Erde auseinander gerissen hätte. Ein Blick nach oben zeigte, dass das Wetter noch immer schön war, doch hier tief in der Schlucht, bemerkte man davon wenig.
Er versuchte die Wände hochzuklettern. Da der Boden der Schlucht aber mindestens dreißig Meter unter dem Grund war und die Wurzeln ihm keinen guten Halt gaben, ging er weiter, um eine Stelle zu suchen, bei der die Wände weniger steil waren.
Je weiter er ging, desto tiefer und enger wurde die Schlucht und umso kälter wurde ihm. Immer wieder versuchte er erfolglos an den Wänden hochzuklettern. So ging es ewig weiter. Er hatte keine Ahnung, wie lange er schon marschierte, da es unterdessen in der Schlucht so dunkel war, dass er die Uhrzeit auf seiner Uhr nicht mehr ablesen konnte. Die Dunkelheit führte auch dazu, dass er immer öfters über die aus dem Boden ragenden Wurzeln stürzte. Ohne Motivation versuchte er noch einige Male, die Wände hochzuklettern, doch während die Wände steil blieben, schwanden seine Kräfte immer mehr. Schlussendlich marschierte er ziellos wie zuvor auf der Wiese, doch ohne der alten Bewegungsfreiheit.
Nach einer fast endlosen Zeit stoppte sein Weg abrupt. Er war gegen etwas flaches, unorganisches gestoßen, was sich durch Ertasten als eine Türe herausstellte.
Einen letzten verzweifelten Blick in die Höhe richtend, wo er aufgrund der Dunkelheit aber nur noch diffuse Umrisse ausmachen konnte, die er sich genauso gut hätte einbilden können, öffnete er die Tür und betrat sein Büro.
Geändert von YKL (01. 01. 2006 um 18:04 Uhr).
Grund: Überarbeitete Version der Kurgeschichte
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29. 12. 2005, 20:24
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#1
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schubdubbiduba barambambu
Registrierungsdatum: Oct 2004
Ort: inner großen stadt
Beiträge: 3.118
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Re: Kurzgeschichte: Ab Grund
hi,
gute geschichte, hat mir gefallen. die beschreibung der wiese ist in der reihe, vom großen zum detail, die wörter sind recht gewählt, sodaß im fortlesen das bild der wiese entsteht. leider duftet deine wiese nicht, was der grund sein mag dafür, daß ich dort keine bienen oder kriechgetier entdecke. ' er folgte den gelben blumen ...', langer schachtelsatz, und der satz davor war auch schon nicht ohne. nicht, daß ich keine schachtelsätze mag, jedoch höre ich gelegentlich leute von einer minderung des lesespaßes sprechen. auch solche gibts 
zu beginn des zweiten absatzes empfinde ich einen etwas hektischen bruch. ersten drei sätze sind super, dann: ' wie eine ungeschickte katze landete er schließlich mit allen vieren auf dem boden.' hmm, eine ungeschickte katze, die auf allen vieren landet. stimmt dieses bild? aber vor allem stört mich die hektik. um auch zu erklären was ich damit meine: er fällt, er rollt, er greift und findet keinen halt. er fällt also eine weile länger, so ist mein bild, aber warum dann nur drei sätze dazu? ist die wiese so hoch- und dichtbewachsen, daß er nur grashalme greifen kann? oder krallt er in die erde, reißt grassoden mit, der krümelige mutterboden, fiel ihm der in den hemdärmel? trägt er hemd? fragen über fragen. na, jedenfalls bin ich an der stelle im text gestolpert. (seine kleidung ist sicher nicht relevant, aber wäre leicht einzuarbeiten an den beiden ersten stellen mit bezug zum wetter)
ja, und wenns jetzt nicht zu dreist ist: die vielfalt der füllwörter (da, doch, also, auch, denn usw.) ausbauen. wenns doch zu dreist ist hast du einen tritt frei.
schöner text. danke für das kostenfreie lesevergnügen.
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29. 12. 2005, 22:10
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#2
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aka Yokel aka BoardTölpel
(Threadstarter)
Registrierungsdatum: Apr 2002
Beiträge: 976
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Re: Kurzgeschichte: Ab Grund
Hi infofilter!
Vielen Dank für das Feedback!
Ich werde so bald wie möglich meinen Text überarbeiten und auf deine Kritikpunkte eingehen.
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30. 12. 2005, 17:03
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#3
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aka Yokel aka BoardTölpel
(Threadstarter)
Registrierungsdatum: Apr 2002
Beiträge: 976
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Re: Kurzgeschichte: Ab Grund
So, ich habe die Kurzgeschichte mal ein wenig überarbeitet und die neue Version ins Eingangsposting eingefügt.
Zitat:
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Zitat von infofilter
leider duftet deine wiese nicht, was der grund sein mag dafür, daß ich dort keine bienen oder kriechgetier entdecke.
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Gute Idee! Ich habe versucht, das einzubauen.
Zitat:
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Zitat von infofilter
'er folgte den gelben blumen ...', langer schachtelsatz, und der satz davor war auch schon nicht ohne.
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Ich mag solche Sätze (siehe Zitat in meiner Signatur; das ist noch nicht mal der ganze Satz  ) und habe manchmal das Gefühl mich mit ihnen am besten ausdrücken zu können.
Zitat:
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Zitat von infofilter
zu beginn des zweiten absatzes empfinde ich einen etwas hektischen bruch.
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Ja, du hast recht. Ich habe den Teil noch ein wenig weiter ausgebaut, musste aber herausfinden, dass es mir nicht leicht fällt, Action zu beschreiben.
Zitat:
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Zitat von infofilter
hmm, eine ungeschickte katze, die auf allen vieren landet. stimmt dieses bild?
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Ja, mit dem Bild hatte ich auch so meine Mühe *g*. Ich wollte irgendwie beschreiben, dass er zwar, wie man es von einer Katze kennt, auf allen Vieren landete, dass es aber eben doch nicht so geschickt aussieht, wie man es eben von einer Katze kennt. Gut, das Bild geht nicht auf, ich wollte es einfach doch ausprobieren
Zitat:
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Zitat von infofilter
die vielfalt der füllwörter (da, doch, also, auch, denn usw.) ausbauen.
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Habe hier und da noch ein paar weitere eingebaut.
Nochmals danke fürs Feedback!
Geändert von YKL (01. 01. 2006 um 18:08 Uhr).
Grund: Fehlerhafter vB Code
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01. 01. 2006, 18:05
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#4
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