Ich habe kürzlich eine These aufgestellt. Mal gucken was ihr davon haltet. Oder obs überhaupt irgendeine Sau interessiert. *g*
Ich habe festgestellt, dass ich oftmals erst das Gefühl habe, ein literarisches Werk wirklich verstanden zu haben, nachdem ich ein zweites vom selben Künstler (Autor, Regisseur) konsumiert (gelesen, gesehen) hatte. Ich hatte zum Beispiel das Gefühl, Kafkas Verwandlung erst wirklich verstanden zu haben, nachdem ich mit seinem Schloss fertig war. Ähnlich erging es mir mit: (zuerst gelesenes wird zuerst aufgezählt)
Coetzees Disgrace und Youth
Jelineks Die Ausgesperrten und Die Klavierspielerin
Aronofskys Pi und Requiem for a Dream (wobei das eher ein schwieriger Fall ist, da letzterer Film auf dem Roman von Selby basiert)
Gleichzeitig hatte ich z.B. bei A Scanner Darkly das Gefühl, dass ich noch ein anderes Buch von Dick lesen muss und dass ich Southland Tales sehen muss, bevor ich Kellys Donnie Darko abschliessend beurteilen kann.
Ich habe mir dann Gedanken darüber gemacht, warum das so ist.
Ich denke, viele Autoren und Regisseure machen in ihrem ganzen Leben grob gesagt nur ein Buch bzw. Film. Sie verarbeiten in jedem ihrer Werke immer dieselben Themen auf dieselbe Art und Weise. So entwickelt man bei der Interpretation des ersten konsumierten Werks einen Filter. Wenn man dann etwas anderes von derselben Person liest/sieht, sieht man, ob das Werk durch den zuvor entwickelten Filter funktioniert. Falls ja, kann man davon ausgehen, dass der Filter stimmt, falls nicht, muss man ihn u.U. anpassen.
Natürlich ist das nicht bei jedem Künstler so, aber vor allem bei Kafka und Jelinek habe ich stark das Gefühl, dass meine Theorie zutrifft.
Um mal etwas konkreter zu werden, will ich das Ganze mal anhand von Kafkas Verwandlung und Schloss erklären.
Was haltet ihr von dieser These?