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YKL
aka Yokel aka BoardTölpel
 
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These: Um ein lit. Werk wirklich verstehen zu können... (inside)

Ich habe kürzlich eine These aufgestellt. Mal gucken was ihr davon haltet. Oder obs überhaupt irgendeine Sau interessiert. *g*

Ich habe festgestellt, dass ich oftmals erst das Gefühl habe, ein literarisches Werk wirklich verstanden zu haben, nachdem ich ein zweites vom selben Künstler (Autor, Regisseur) konsumiert (gelesen, gesehen) hatte. Ich hatte zum Beispiel das Gefühl, Kafkas Verwandlung erst wirklich verstanden zu haben, nachdem ich mit seinem Schloss fertig war. Ähnlich erging es mir mit: (zuerst gelesenes wird zuerst aufgezählt)
Coetzees Disgrace und Youth
Jelineks Die Ausgesperrten und Die Klavierspielerin
Aronofskys Pi und Requiem for a Dream (wobei das eher ein schwieriger Fall ist, da letzterer Film auf dem Roman von Selby basiert)

Gleichzeitig hatte ich z.B. bei A Scanner Darkly das Gefühl, dass ich noch ein anderes Buch von Dick lesen muss und dass ich Southland Tales sehen muss, bevor ich Kellys Donnie Darko abschliessend beurteilen kann.

Ich habe mir dann Gedanken darüber gemacht, warum das so ist.

Ich denke, viele Autoren und Regisseure machen in ihrem ganzen Leben grob gesagt nur ein Buch bzw. Film. Sie verarbeiten in jedem ihrer Werke immer dieselben Themen auf dieselbe Art und Weise. So entwickelt man bei der Interpretation des ersten konsumierten Werks einen Filter. Wenn man dann etwas anderes von derselben Person liest/sieht, sieht man, ob das Werk durch den zuvor entwickelten Filter funktioniert. Falls ja, kann man davon ausgehen, dass der Filter stimmt, falls nicht, muss man ihn u.U. anpassen.

Natürlich ist das nicht bei jedem Künstler so, aber vor allem bei Kafka und Jelinek habe ich stark das Gefühl, dass meine Theorie zutrifft.

Um mal etwas konkreter zu werden, will ich das Ganze mal anhand von Kafkas Verwandlung und Schloss erklären.
Spoiler:


Was haltet ihr von dieser These?
Alt 14. 01. 2006, 18:39 YKL is offline Mit Zitat antworten #1
milky
K.haos Prinz
 
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Re: These: Um ein lit. Werk wirklich verstehen zu können... (inside)

YKL *knuffel*

Explizit das Schloss hab ich jetzt etwas anders - naja nicht anders aber mit anderem Schwerpunkt - verstanden aber im Grunde wird deine These sicherlich da zutreffen wo die Werke mit dem Autor wachsen und seine Lebenserfahrung wiederspiegeln. Manchmal ist es vielleicht auch einfach so, dass ein Werk ein bestimmtes Thema behandelt und ein anderes das nächste und alles in Allem ergiebt das ganze ein stimmiges Weltbild... deshalb bin ja son Fan von Gesamtausgaben und deshalb würde ich Musik auch immer chronologisch hören.

Nietzsche hat seinen Lesern ja auch empfohlen seine Werke immer und immer wieder zu lesen. Im Wiederkäuen sah ber den Schlüssel zum Verständniss. Dass man um in seine Gedankenwelt einzutauchen ein Werk nicht reicht hat sich irgendwie von selbst eröffnet.

Das ist vielleicht der Punkt: Man kann vielleicht theoretisch einen Zugang zu einem Werk finden wenn man es einzeln liest aber wenn man nicht der Autor ist sollte man um vollends in seine Perspektive wechseln zu können das Gesamtwerk betrachten und nicht nur einen Splitter.

Nicht auszudenken was z.B. viele bei Michael Ende noch an Überraschungen erleben könnten oder was Menschen für ein Bild von Oscar Wilde haben müssen, die seine Märchen aber nicht De Profundis kennen... weil die Verknüpfung im Einelwerk vielleicht nicht auffällt aber von oben gesehen unverkennbar ist.

Ich schreib Unsinn oder!? o.O
Alt 14. 01. 2006, 19:05 milky is online now Mit Zitat antworten #2
YKL
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Re: These: Um ein lit. Werk wirklich verstehen zu können... (inside)

Hey milky, hab dich hier gar noch nie gesehen (Naja, bist ja auch noch nicht lange hier)

Zitat:
Zitat von milky 
Ich schreib Unsinn oder!? o.O

Ne, finde ich nicht

Zitat:
Zitat von milky 
Manchmal ist es vielleicht auch einfach so, dass ein Werk ein bestimmtes Thema behandelt und ein anderes das nächste und alles in Allem ergiebt das ganze ein stimmiges Weltbild...

Genau! Das wurde mir bei Jelinek ganz deutlich bewusst. Während es bei Die Ausgesperrten um die Ursachen von Jugendgewalt geht, geht es bei Die Klavierspielerin um "sexuelle Abnormalitäten" und Introversion. Beide Bücher verbindet aber, dass die Künstlerin auf detaillierteste Weise die Persönlichkeiten von vermeindlich Randständigen bzw. vermeindlichen Durchschnittsmenschen ergründet.
Alt 14. 01. 2006, 19:16 YKL is offline Mit Zitat antworten #3
Adna rim
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Re: These: Um ein lit. Werk wirklich verstehen zu können... (inside)

Naja ich würde diese These nicht unterstreichen und glaube auch nicht, dass viele Autoren immer nur über ein und dasselbe schreiben (Autoren von Sachbüchern vielleicht ausgeschlossen ).

Und gerade bei Kafka. Okay seine Beziehung zu seinem Vater lässt sich in mehrere Gedichte und Erzählungen hineinlesen. Aber wenn man nunmal die von dir Angesprochene "Die Verwandlung" nimmt, so hilft einem die Lektüre davon kein Stück weiter wenn man zum Beispiel "Der Prozess" liest (k vielleicht blödes Beispiel, da "Der Prozess" imho niemals von Kafka geschrieben wurde) oder etwas anderes. Und ich denke bei den meisten anderen Autoren ist es genauso.

Ich sehe das oft auch ganz anders. Versuch mal in Faust I den Schlüssel für Faust II zu finden. Es wird dir nicht gelingen. Ausser du überstrapazierst Faust I ins maßlose..

Naja wahrscheinlich ergeht es da aber jedem anders und jeder macht eigene Verknüpfungen und Gedanken aus dem was er liest.
Alt 14. 01. 2006, 21:48 Adna rim is offline Mit Zitat antworten #4
milky
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Re: These: Um ein lit. Werk wirklich verstehen zu können... (inside)

YKL's These heisst ja nicht, dass zwangläufig jedes Werk auf dem anderen basiert. Bei deinem Faust-Beispiel würde das ja z.B. voraussetzen. dass Teil II schon während der Endstehung von Teil I geplant war.

YKL hat auch nicht behauptet, dass immer alle Werke eines Autors das gleiche Thema behandeln, sondern, dass man wenn man mehrer Werke gelesen hat einen anderen, besseren Zugang zu den einzelnen Werken finden kann - dass muss sich ja nicht unbedingt am Thema festmachen lassen, es reicht ja schon wenn man die Stilmittel eines Autors zu verstehen lernt und damit Dinge aus Werken die man vorher gelesen hat ganz anders deuten kann als es bei der ersten Verkonsumierung des Werkes der Fall war
Alt 15. 01. 2006, 11:24 milky is online now Mit Zitat antworten #5
YKL
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Re: These: Um ein lit. Werk wirklich verstehen zu können... (inside)

Thx milky
Alt 15. 01. 2006, 11:39 YKL is offline Mit Zitat antworten #6
giscard
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Beiträge: 48
Re: These: Um ein lit. Werk wirklich verstehen zu können... (inside)

... oder: Du nimmst das "Rabengedicht" von E.A.Poe. Das liest du und versuchst es zu verstehen. Dann bleibst du bei der Primärliteratur und schaust nach, was Poe über sein wirkungsästhetisches Vorgehen, beim "Raben" und überhaupt, in seinen theoretischen Schriften äußert.
Dann liest du den "Raben" nochmals - und hast Poe verstanden ... .

... bei Kafka gälte der "Brief an den Vater", bei Dürrenmatt der Appendix in seinen Theaterschriften
usw. usw.

W.z.b.w.
Alt 15. 01. 2006, 14:42 giscard is offline Mit Zitat antworten #7
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