Die fantasievollen Schadensberichte der Softwareindustrie wurden bereits mehrfach dekonstruiert, die Zahlen sind in der Regel derart übertrieben, dass selbst GVU-Chef Tielke von Bullshit sprach, wenn es um finanzielle Schäden durch Piraterie geht. Microsoft wirft dennoch fleißig Nebel: der sich bei näherer Betrachtung jedoch schnell auflöst.
Schlappe dreieinhalb Milliarden Dollar mehr würde die indonesische Softwareindustrie umsetzen, fielen die Pirateriequoten in dem Entwicklungsland um nur 10%. So jedenfalls Microsoft, die davon ausgehen, jede Kopie sei ein entgangener Kauf, auch in einem Land mit 10 Dollar Kaufkraft pro Kopf und Tag.
Nicht ganz falsch liegen dürfte MS hingegen mit der Aussage, die regionale Softwareindustrie würde unter der Piraterie leiden. In der Tat ist es für die Entwicklung und Durchsetzung von Open-Source-Programmen und -Betriebssystemen eher hinderlich, wenn eine Monokultur von Microsoft-Rechnern existiert, egal ob mit lizenzierten oder unlizenzierten Installationen. Dass Microsoft die Ausbildung einer "regionalen IT-Industrie" am Herzen liegt, mag man ihnen dabei noch glauben, die Jammerei, dies würde durch "Piraterie" verhindert, kann man hingegen kaum ernstnehmen. im Gegenteil: denn die Verbreitung von unlizenzierter Software dürfte den einzigen Grund haben, dass die Anwender eben eine solche IT-Infrastruktur einrichten wollen.
"Pirateriequoten" von 87% wären die regel in Indonesien. An diesen Zahlen mag etwas dran sein - geschadet haben diese Quoten Microsoft in der Regel nicht, im Gegenteil. Das weitgehende Monopol auf den Desktops ist maßgeblich Resultat der Verbreitung des Betriebssystems per unlizenzierter Kopie.
Wie MS auf die abenteuerlichen Beträge kommt, die der regionalen Wirtschaft ausgerechnet dadurch entgehen, dass sie nicht nach Redmond abfliessen, wird ihr Geheimnis bleiben. Ebenso die Antwort auf die Frage, wen sie mit so offensichtlich unsinnigen Statements eigentlich noch zum Narren halten wollen.
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