Palermo (Reuters) - Nach mehr als 40 Jahren auf der Flucht ist der meistgesuchte Mann Italiens, Mafia-Boss Bernardo Provenzano, in seiner Heimat Sizilien verhaftet worden.
Die Festnahme gilt als größter Erfolg des Staates gegen das organisierte Verbrechen seit mehr als zehn Jahren und verdrängte am Dienstag zeitweise selbst die Parlamentswahl aus den Schlagzeilen, deren Ergebnis noch immer offen war. Der 73-jährige Provenzano berherrschte die sizilianische Mafia seit 1993, als der "Boss der Bosse" Toto Riina in Palermo verhaftet wurde. Wegen seiner Verwicklung in einige der berüchtigtsten Mafia-Verbrechen, darunter die Ermordungen der Untersuchungsrichter Giovanni Falcone und Paolo Borsellino im Jahr 1992, wurde er in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt.
Die Polizei spürte Provenzano am Morgen nahe der sizilianischen Stadt Corleone auf, die durch die Film-Reihe "Der Pate" zu weltweiter Bekanntheit und dem zweifelhaften Ruhm als "Hauptstadt der Mafia" gelangte. Das "Phantom von Corleone" hat sich den Behörden zufolge durch kleine Zettel verraten, mit denen er seiner in Corleone lebenden Frau und Kindern Nachrichten zukommen ließ. Den Angaben zufolge hatte er sich in einem Landhaus versteckt gehalten. Per Hubschrauber wurde er ins Gefängnis nach Palermo gebracht.
"Gott sei Dank. Die Jagd ist endlich vorbei", sagte Palermos Polizeichef Giuseppe Caruso. Provenzano war seit 1963 auf der Flucht. Das letzte bekannte Foto von ihm stammt aus dem Jahr 1959 und wurde aufgenommen, als er 25 Jahre alt war. In jungen Jahren trug er wegen der unbarmherzigen Art, mit der er Feinde des Corleone-Clans niedermähte, den Spitznamen "der Traktor".
Zur Legende wurde nicht zuletzt wegen seiner Fähigkeit, auf seiner 43 Jahre andauernden Flucht immer wieder der Polizei zu entkommen und sich auf Sizilien zu verstecken. In den letzten Jahren hatte sich die Polizei immer wieder an Provenzano herangetastet. Er schaffte es jedoch stets in der letzten Minute, sich aus dem enger werdenden Netz herauszuwinden. Im vergangenen Jahr sorgte der italienische Chefankläger für Mafia-Verbrechen, Pietro Grasso, für einen Skandal mit der Behauptung, Provenzano werde von Polizisten und Politikern geschützt.
Italiens Präsident Carlo Azeglio Ciampi zeigte sich von der Verhaftung begeistert und gratulierte Innenminister Giuseppe Pisanu. Im Wahlkampf hatte das Mitte-links-Bündnis unter Romano Prodi Regierungschef Silvio Berlusconi und dessen rechter Allianz immer wieder vorgeworfen, nicht hart genug gegen die Mafia durchzugreifen. Bei der Wahl 2001 hatte Berlusconis Bündnis alle 61 sizilianischen Parlamentssitze erobert.
DER MYTHOS DER UNBESIEGBARKEIT
In Corleone, wo Provenzanos Ehefrau Saveria seit 1992 eine Wäscherei betreibt, stieß die Nachricht von der Festnahme des Mafia-Bosses auf Unglauben. "Die Menschen sind geschockt", berichtet der auf Mafia-Recherchen spezialisierte Journalist Dino Paternostro. "Der Mythos seiner Unbesiegbarkeit ist zum Teil ihrer Denkweise geworden. Die meisten Menschen glaubten, dass er niemals gefasst werden könnte."
Provenzano hatte das Gebaren der Mafia in den vergangen 13 Jahren Ermittlern zufolge revolutioniert und einen weniger grausamen Führungsstil eingeführt. Die Organisation stellte die Aufsehen erregenden Morde an ihren prominenten Feinden wie Polizisten, Staatsanwälten, Politikern und auch eigenen Mitgliedern ein und verhängte eine "Pax mafiosa" über die sizilianische Insel. So sollte sie weniger Aufsehen erregen und aus dem Blickfeld der Polizei rücken. In der ruhigeren Atmosphäre konnte sich die Organisation stärker auf ihre Geschäfte mit Erpressung und Drogenhandel konzentrieren.
Die "Provenzano-Doktrin", wie sie von Ermittlern genannt wird, zeichnete sich nicht nur durch eine Aussetzung der Angriffe auf Staatsvertreter aus, sondern auch durch einen andern internen Führungsstil. Statt auf Mafia-Kriege und Hinrichtungen setze Provenzano auf Mehrheitsentscheidungen und die Kraft der Überzeugung.
Quelle:
http://de.today.reuters.com/News/new...VENZANO-ZF.xml
Unfassbar... nach so langer Zeit haben sie ihn doch geschnappt. Und das stimmt wirklich: die italienischen Medien haben wohl eher über die Story berichtet statt vom spannenden Wahlkampf in dem Prodi nicht einmal mit 0,1% in Führung lag. Das war einfach DIE Schlagzeile des Tages... ich kanns immernoch net fassen irgendwie