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Der Rebell
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Macht der freie Markt alles besser?

... oder die überraschende "orangene Revolution" nach einem Monitor-Bericht (PDF-Datei weiter unten).

"Der Staat arbeitet umständlich, teuer und langsam. Privatunternehmen dagegen effektiv, preiswert und schnell." Das ist die uralte Lüge der Neo-Abzocker.

Zitat:
Zitat von Stadt Bergkamen 
Die Gewinnmargen der privaten Entsorger sind hoch, die Gehälter der Vorstände auch. Für die Müllabfuhr nahm der private Anbieter 1,1 Millionen Euro. Die Stadt selber schafft es für 770 000 Euro. Macht eine Ersparnis von 30 Prozent.

Wie konnte das passieren? Wer hat da nicht aufgepaßt? Gekaufte Stadträte oder kann in einer Stadtverwaltung niemand rechnen? Angesichts dieser Zahlen muß man doch fragen, wie es überhaupt zum "Verkauf der Müllbeseitigung" kommen konnte.

Zitat:
Die Politiker hier im sächsischen Muldentalkreis glaubten an das Wunder der Privatisierung, die alles billiger und besser machen soll. Deshalb vergaben sie die Müllabfuhr neu - an diese Firma. Sie ist im Jahr 6.000 Euro billiger als ihr alter Arbeitgeber. Wettbewerb eben. Hier bei dem Neuen hätten Stephan Werner und seine Kollegen auch anheuern können. Allerdings zum halben Lohn.
Stephan Werner: "Das kann doch nicht sein, das verstehe ich nicht. Na ja, die 12,35 Euro hatte ich die Stunde und jetzt soll ich für 6,73 Euro arbeiten? Das verstehe ich nicht."

Zum halben Lohn also. Und die Gemeinde muß für 20 Müllwerker, die sich nicht versklaven lassen wollten, nun Stütze zahlen.

Das beweist mal wieder, daß der vielgelobte freie Markt bar jeglicher Sozialkomponente ist. Er gehorcht lediglich dem einzigen Grundsatz der Sklaverei, gerade soviel Lohn zu zahlen, daß die Sklaven nicht verhungern.

Es bleibt zu hoffen, daß dieses Beispiel schnell und umfassend Schule macht. Es gibt auch weitere Felder des vielgepriesenen freien Marktes, die mal mit einem spitzen Bleistift nachgerechnet werden sollten: Energieversorgung und kommunale Wohnungswirtschaft zum Beispiel. Auch die große Lüge des angeblichen Recycling von Wertstoffen (grüner Punkt) ist ein großangelegtes politisches Betrugsmanöver gewesen.

Der freie Markt mag sich da bewähren, wo die Konsumenten ein echtes Wahlrecht haben aber nicht in Bereichen, wo es wegen übergeordneter Abhängigkeiten zwingend zu Monopolbildungen kommen muß.

Rebell
Alt 22. 01. 2007, 13:38 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #1
zwo-elf
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Zitat von Der Rebell 
Wie konnte das passieren? Wer hat da nicht aufgepaßt? Gekaufte Stadträte oder kann in einer Stadtverwaltung niemand rechnen? Angesichts dieser Zahlen muß man doch fragen, wie es überhaupt zum "Verkauf der Müllbeseitigung" kommen konnte.

Wahrscheinlich ist das Angebot der privaten Entsorger zum Zeitpunkt des Verkaufs noch günstiger gewesen und in der Zwischenzeit dann stark angestiegen. Aus dem Artikel geht nicht hervor, wie lange sich die privaten Firmen schon um die Entsorgung kümmern (oder ich hab's überlesen). Und das der ein oder andere rechnen kann zeigt sich doch gerade darin, dass die Gemeinde den Vertrag gekündigt hat.

Ansonsten, gerade das 'Entsorgungs'geschäft ist doch gekennzeichnet durch mafiöse Strukturen. Das ist doch nicht neu.
Alt 22. 01. 2007, 13:54 zwo-elf is offline Mit Zitat antworten #2
Der Rebell
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Ansonsten, gerade das 'Entsorgungs'geschäft ist doch gekennzeichnet durch mafiöse Strukturen. Das ist doch nicht neu.

Ach ja?

Dann können wir uns ja beruhigt zurücklehnen und nichts tun.

Rebell

P.S. Im Übrigen ist der Trick auch bekannt: "Erstmal ein Monopol unter den Nagel reißen und dann fleißig die Preise erhöhen".
Alt 22. 01. 2007, 13:57 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #3
prepassenger
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Zitat von Der Rebell 
... und nichts tun..
Ja, aber genau das ist doch die Frage, was können wir tuen?
Alt 22. 01. 2007, 14:05 prepassenger is offline Mit Zitat antworten #4
Der Rebell
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Zitat von prepassenger 
Ja, aber genau das ist doch die Frage, was können wir tuen?

In solchen Fällen wie diesem kann man eine Bürgeranfrage an den Rat stellen und den Text der örtlichen Presse übergeben.

Im Bekanntenkreis ein paar Unterschriften sammeln und dann immer wieder die Presse heiß machen. Lokal funktioniert das ganz gut.

Rebell
Alt 22. 01. 2007, 14:11 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #5
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Zitat von Der Rebell 
Lokal funktioniert das ganz gut.
Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es leider nur lokal funktioniert. Selbst wenn man den Sprung in die regionale Politik schafft (über Bürgerbewegung / Interessenverband), sind in spätestens dem Augenblick nachweislich faule Fische mit im Teich, die das Konzept zerstören und man wird zum Mainstream.
Mich befriedigt das nicht mehr und außer daß mich mein entfernteres Umfeld als "Sonderling" oder sowas in der Art sieht passiert nicht viel.
Dieses lokale Organisieren wurde letztlich durch die Grünen Orts- und Interessenverbände vorgemacht, aber was hat man jetzt (was ist anders, wo sind die Wollpullis, etc..?)?
Klar kann man sich so eine Aufgabe schaffen und mittelfristige kleinste persönliche Erfolge verbuchen, aber die Gegenseite macht größere Fortschritte. Die Erfolge vergrößern sich zwar proportional zum spürbaren Unfrieden, aber eben auch für die Gegenseite (evtl. andere Gegenströmungen, die aber mit der eigenen Idee nicht konform sind.)
Alt 22. 01. 2007, 14:19 prepassenger is offline Mit Zitat antworten #6
Der Rebell
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Kommentar von zwo-elf in den Kommentar-Thread verschoben.

Rebell
Alt 22. 01. 2007, 14:20 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #7
Der Rebell
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Unsachlichen Beitrag von DJ-Xtended auch wegen Themenverfehlung gelöscht.

Rebell
Alt 22. 01. 2007, 14:57 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #8
dead.poem
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Kapitalisten wirst Du überall antreffen, so ist auch der freie Markt keinen Deut besser.
Alt 22. 01. 2007, 16:08 dead.poem is offline Mit Zitat antworten #9
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Zitat von dead.poem 
Kapitalisten wirst Du überall antreffen, so ist auch der freie Markt keinen Deut besser.

Wie meinen?

wo ist denn der Gegensatz zwischen Kapitalisten und freiem Markt?

Solche Leute wie Du, die sich kritiklos in ihr Schicksal ergeben sind die Lieblinge der Ausbeuter.

Rebell
Alt 22. 01. 2007, 16:13 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #10
dead.poem
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Wer kritische Worte über die Macht des Kapitals verliert, ist nicht automatisch ein Gegner der freien Marktwirtschaft.

Zum Unterschied:
Wie der Name schon aussagt, hat das System des Kapitalismus mit dem Produktionselement Kapital zu tun. Für Firmen gibt es mehrere Möglichkeiten sich das notwendige Geld zu beschaffen um produktionsfähig zu sein: Kredite, Anleihen und Aktien. Bei dem Begriff “Kapitalismus” spielt jedoch nur die Aktie eine wichtige Rolle, die daher häufig mit Kapital gleichgesetzt wird. Nicht nur ist das Kapital, sprich Aktie, wichtig als Produktioneinheit, es ist die grundlegende Instanz im Entscheidungsprozess einer privaten Firma; daher auch der Name “Aktiengesellschaft”. Durch die Vollversammlung der Aktionäre, entscheidet das Kapital über den Werdegang und Zukunft solch einer Firma. Wichtig ist, dass das Kapital von außen kommt; die Besitzer von Außenkapital nehmen jedoch am täglichen Geschehen und der Produktion der Firma nicht teil. Für diese externen Aktionäre ist Profit der einzige Grund für ihre Investition; sie sind Spekulanten, die Risiken auf sich nehmen, und werden auch mit Recht Kapitalisten genannt. Ein Wirtschaftssystem, in dem also dieses Außenkapital das letzte Wort hat, heißt Kapitalismus.


Nun zum Thema “freier Markt”. Der Markt für ein bestimmtes Produkt besteht aus einer Vielfalt von Firmen, die in Konkurenz zueinander stehen; ihr Ziel ist es, bei den Kunden die richtige Menge des Produktvolumens zu verkaufen um ihre Profite zu maximieren. Die Stategien der Firmen, um dies zu erreichen, mögen sich von Fall zu Fall ändern, doch die Maxime bleibt die Profitmaximierung.


Und außerdem:
Sich kritiklos ergeben, würde mein Wille nicht zulassen.
Alt 22. 01. 2007, 16:24 dead.poem is offline Mit Zitat antworten #11
-lupus-
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Zitat von prepassenger 
Ja, aber genau das ist doch die Frage, was können wir tuen?

Viel, wenn wir nur wollten.
In einer Demokratie, auch in einer parlamentarischen, geht die Macht vom Volke aus. Der Springende Punkt ist hier, dass unser Einfluss durch immere weitere Korruptions- und Abhängigkeitsstrukturen einen nur noch stetig schwindenden Anteil ausmacht.

Gruß
Alt 22. 01. 2007, 16:30 -lupus- is offline Mit Zitat antworten #12
Der Rebell
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Danke dead.poem,

es ist gut, daß Du erläutert hast, daß es keinen Gegensatz zwischen Kapitalismus und freiem Markt gibt. Aus Deiner obigen Bemerkung könnte man den Schluß ziehen.

Rebell
Alt 22. 01. 2007, 16:30 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #13
Irrelevant
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Boah, ich hab mir ja den Monitorbericht nochmal angeschaut.

Ich brech ab, da verdienen sich die Vorstände sich den Sack golden und die Angestellten gehen bitteschön für die Hälfte arbeiten, damit Vater Staat wieder zahlt.

Wie frech der Typ vom Bundesverband der dt. Energieversorger noch in die Kamera sagt, ob wir wissen wir der Markt funktionieren würde, hab ich doch echt noch einen Kotzkrampf bekommen.

DIE ARBEITER müssen weiterhin ausgenommen werden, weil es sich ja immer schon bewährt hätte.

Das selbe in grün mit der Deutschen Bahn, erstmal verprivatisieren. Die haben doch nicht alle Tassen im Schrank. Die Länder können nicht mal 1 + 1 zusämmen zählen. MMn ist das alles nur Augenwischerei für die Korruption.
Alt 22. 01. 2007, 18:11 Irrelevant is offline Mit Zitat antworten #14
Bzrkr
Pragmatisch.
 
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Warum sollten unsere lieben Landkreise, Gemeinden, Städte, etc - denn schlauer sein als Ihre Kollegen auf Landes- und Bundesebene?

Und das ganze ist ja nun auch nichts Neues, leider. Die Dummheit unserer Politiker kennt nunmal keine Grenzen.

Jemand der weiter denkt, hätte sich ansonsten schon denken können, dass weniger Lohn + weniger Arbeitsplätze zwangsläufig mit einer solchen Maßnahme einhergehen: und das wegen 6000,- EUR? Alleine der Kaufkraftverlust hätte das wieder wettgemacht. Abgesehen vom kommunalen Kontrollverlust über eine lebensnotwendige Dienstleistung...

Kann mich im übrigen auch an keinen Fall erinnern, in denen der Verkauf von Versorgern&Stadtwerken auf Seiten des Bürgers für sinkende Kosten gesorgt hätte. Im Gegenteil - immer nur mit steigenden Kosten. Man darf sich manchmal schon fragen, für wen die Politiker und Beamte überhaupt arbeiten. Stastsdiener?

Nett ist auch die EU-weite Ausschreibungspflicht bei Investitionen der öffentlichen Hand. Statt durch geschickte Manipulation der Ausschreibungen dafür zu sorgen, dass die Aufträge an die regionale Wirtschaft gehen (ich sagte es bereits: Kaufkraft!) - werden aus sturer Paragraphenreiterei, Dummheit & Ignoranz - eben oftmals die günstigsten Angebote genommen. Ähm, ich meine natürlich die billigsten, denn es muss über kurz oder lang nicht die guenstigste Lösung sein...
Alt 22. 01. 2007, 22:24 Bzrkr is offline Mit Zitat antworten #15
Ironwhistle
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Das hat nichts mit Dummheit und Ignoranz zu tun. Dumm sind unsere Politiker nicht wirklich, vielmehr sind sie käuflich! Und das dass "Recht" dabei wegsieht, liegt auch auf der Hand - um das zu verstehen muss man sich nur die Prozesse von Peter Hartz oder Joseph Ackermann ansehen.

Was sollen wir tun?

Demonstrationen machen und mit der Flüstertüte Kirmesstimmung verbreiten?
Ich schätze das wurde oft genug gemacht, und auch oft genug ignoriert...

Auf die Strasse gehen und die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen?
Strassenkämpfe dürften angesichts einer ziemlich gut ausgerüsteten Polizeit etwas unfair verlaufen. Ganz davon abgesehen das einige Politiker bereits daran denken die BW im Inneren einzusetzen - warum wohl?

Momentan kann man nicht sehr viel machen - dafür gibt es noch zuviele Müllers und Schmitzens denen es noch zu gut geht, die sich sagen; "Was geht mich das an? Hartz IV betrifft mich nicht, mein Job ist relativ sicher, ich habe meine Glotze und mein Auto, kann mir Fussball angucken und am Wochenende rausfahren - also leckt mich doch alle..."...
Alt 23. 01. 2007, 10:57 Ironwhistle is offline Mit Zitat antworten #16
ToxedViruz
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Zitat von Bajoou 
Statt durch geschickte Manipulation der Ausschreibungen dafür zu sorgen, dass die Aufträge an die regionale Wirtschaft gehen (ich sagte es bereits: Kaufkraft!) - werden aus sturer Paragraphenreiterei, Dummheit & Ignoranz - eben oftmals die günstigsten Angebote genommen.

was heisst jetzt bitte "geschickte manipulation"?

(1) europäischer binnenmarkt heisst eu-weite ausschreibung und das ist in ordnung so. wie sonst sollten deutsche unternehmen an aufträge im ausland kommen?

(2) das gesetzeskonforme instrument für die umgehung einer ausschreibung, zum verramschen von aufträgen im hinterzimmer und abkassieren von subventionen gibt es schon. es nennt sich vereinsrecht. - was glaubst du, wozu unsere unterhaltungs-mutanten einen verein nach dem anderen gründen? doch nicht aus nächstenliebe...
Alt 23. 01. 2007, 10:58 ToxedViruz is offline Mit Zitat antworten #17
Sevenger
Kritiker
 
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Natürlich macht der freie Markt nicht alles besser und Privatisierung als Allheilmittel zu sehen sollte spätestens seit der Privatisierung der englischen Bahn ins Reich der Märchen verbannt worden sein.
Es ist wohl auch hier der Einzelfall, der entscheidet.
Wenn ich mir so das öffentlich rechtliche Fernsehen anschaue, oder die Deutsche Bahn, dann erfasst mich das kalte Kotzen, wie ineffizient diese quasi staatlichen Vereine sind. Der Telekommunikationsmarkt ist meiner Ansicht nach ein schönes Beispiel, wie Privatisierung die Dynamik erhöht und die Kosten senkt. Ob dies über den Gesamtmarkt gesehen groß Jobs und Stundenlöhne gekostet hat, kann ich dabei aber nicht beantworten.

so long
Sevenger
Alt 23. 01. 2007, 11:13 Sevenger is offline Mit Zitat antworten #18
ToxedViruz
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

@ rebell

Zitat:
Das beweist mal wieder, daß der vielgelobte freie Markt bar jeglicher Sozialkomponente ist. Er gehorcht lediglich dem einzigen Grundsatz der Sklaverei, gerade soviel Lohn zu zahlen, daß die Sklaven nicht verhungern.

herr ackermann ist auch angestellter und verdient sicher doch nen schluck über den durst...

Zitat:
Es bleibt zu hoffen, daß dieses Beispiel schnell und umfassend Schule macht. Es gibt auch weitere Felder des vielgepriesenen freien Marktes, die mal mit einem spitzen Bleistift nachgerechnet werden sollten: Energieversorgung und kommunale Wohnungswirtschaft zum Beispiel. Auch die große Lüge des angeblichen Recycling von Wertstoffen (grüner Punkt) ist ein großangelegtes politisches Betrugsmanöver gewesen.

zu den recyclinghöfen fällt mir ein: da die müllverbrennungsanlagen verpflichtungen zur energielieferung eingegangen sind und müll inzwischen eine knappe ressource geworden ist gehen die ersten anlagen dazu über, tagsüber den müll einzusammeln und zu sortieren und nachts mit dem radlader wieder zusammenzuschieben und zu verbrennen.

nachrechnen im sinne von kontrolle finde ich suboptimal. die sollen das selber ausrechnen. mir wäre eher an einer generellen veröffentlichungspflicht und weitgehenden transparenz nach einheitlichen kriterien für alle öffentlichen konsumgüter gelegen: stadtreinigung, abfallwirtschaft, arzneimittel, (ab)wasserwirtschaft, bau etc. - geschäftsgeheimnisse würde ich maximal nur für den bezug von leistungen durch das entsprechende unternehmen akzeptieren. ansonsten gilt: es wird niemand zur teilnahme am markt gezwungen.

eigentlich sind es gar nicht so viele dinge, die eine gesellschaft braucht, um ganz gut zu funktionieren. wir kommen fast in jedem thread irgendwann so weit, dass eine trennung von politik-staat-wirtschaft-religion und eine hohe transparenz für die vorgänge in der gesellschaft her müssen.

Zitat:
Der freie Markt mag sich da bewähren, wo die Konsumenten ein echtes Wahlrecht haben aber nicht in Bereichen, wo es wegen übergeordneter Abhängigkeiten zwingend zu Monopolbildungen kommen muß.

genau: starker wettbwerb und starke nachfrage müssen gleichzeitig vorhanden sein, dann funktioniert der markt quasi von allein. ansonsten ist wettbewerb zu erzeugen (bspw. aufspaltung von monopolunternehmen siehe AT&T) oder die nachfrage zu stärken (bspw. bei arzneimitteln für seltene erkrankungen).
Alt 23. 01. 2007, 11:26 ToxedViruz is offline Mit Zitat antworten #19
fiveofeleven
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Aloah he,

tja, mir zeigt das ganze halt eins, auch wenn der Staat sich bemüht, die richtigen Entscheidungen zu treffen, verfügt er doch über das falsche Instrumentarium, um eben die Entscheidungen richtig zu treffen.

Die Kernfrage die sich aus Sicht der Behörden doch stellen sollte, ist die, ob man etwas mit geringeren Belastungen für die Steuerzahler leisten kann. Etwas für das ein staatlicher Auftrag besteht. Nur leider, und hier beisst sich die Katze in den Schwanz, geschieht dies immer nur (leider) im Sinne einer Einzeloptimierung. Dass aus einer gesamtwirtschaftlichen Betrachtungsweise der Staat jetzt draufzahlt, ist das ernüchternde Ergebnis.

Mit Sicherheit hat die entsprechende Behörde ihre finanziellen Ziele erreicht, nur halt der gesamte Kreis hat jetzt höhere Kosten zu tragen.

Der Irrglaube, man müsste nur ein Stellrädchen bedienen, und alles andere bleibt so wie es ist, ist nun mal nicht mehr angebracht, egal wo man hinschaut.

In vielen Ländern hat man z.B. Folgenabschätzung als ein Instrument der Gesetzgebung eingeführt, um genau solche negativen Folgen zu minimieren. In Deu halt leider nicht (siehe z.B. Gleichstellungsgesetz)

Aber ne ganz andere Sache:
Spielt sich das wirklich im freien Markt ab ? Ich glaube nicht, denn gerade die Wechselkosten (also die Kosten, die dadurch enstehen, das ich von einer Option auf die andere wechsle) sind doch gerade bei solchen Outsourcing Projekten enorm hoch (Fuhrpark, Infrastruktur, Verwaltungsstrukturen etc.)

Das behindert doch in der Realität die Optionen des Staates (oder wessen Optionen auch immer), eine erneute Entscheidung auf Grundlage geänderter Rahmenbedingungen zu treffen. Das man sich hier regelmäßig vertut und leider entsprechend langfristige Verträge abschließt, ist doch auch ein kleines Indiz dafür, dass man eben nicht im freien Markt agiert, denn sonst gäbe es ja entsprechende Mitbewerber, die versuchen würden, den Angebotsrahmen zu unterbieten.

Gerade diese Grenze zwischen den monopolartigen Strukturen und den Leistungen, die seitens privatwirtschaftlicher Unternehmen dem Staat angeboten werden, ist doch perfekt dafür geeignet, das Entstehen von Gleichgewichtsstrukturen zu unterlaufen.
Man möge sich mal nur auf den Seiten aller großen Unternehmensberatungen tummeln und wachen Auges anschauen, wo diese ihre Wachstumschancen sehen:
-> im öffentlichen Sektor <-

Hier ist halt soviel betriebswirtschaftliche Blindheit versammelt, das man, hat man erst einmal den Fuß in der Tür, bequem und ohne große Folgen den dicken Reibach machen kann.

Insofern wage ich zu behaupten, dass auch die jetzt angestellten Kostenrechnungen nicht annähernd die Wirklichkeit widerspiegeln.

Was ein jeder Statistikprofessor halt seinen Studenten mit an die Hand gibt:
"Trau keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast!"

Das dürfte als Motto allemal taugen.

so long fiveofeleven
Alt 23. 01. 2007, 11:26 fiveofeleven is offline Mit Zitat antworten #20
Der Rebell
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Ich glaube, daß man die Bereiche sehr gut abgrenzen kann, wo Privatisierung Sinn macht und wo nicht.

Man denke mal an die kommunalen Wohnungsunternehmen, die jetzt paketweise an Investoren verkauft werden. Der Service ist schlecht, insbesondere bei Rechtsstreitereien gibts Probleme. Das dauert dann, bis der Multi auf irgendeine Mängelrüge reagiert und die Mieten werden nach Aktionärsinteressen festgelegt.

Wieso muß ein Versorgungssystem, das dem öffentlichen Interesse dient, Gewinn abwerfen? Es reicht doch, wenn man die notwendigen Reparaturen und Investitionen zB der Wasserversorgung umlegt wie bisher. Wozu also eine Rendite erwirtschaften, die der Wasserversorgung nichts nutzt?

Gleiches gilt für Kläranlagen. Oder soll ich mich demnächst wie bei der Stromversorgung an die Kläranlage von München anschließen können, wenn ich in Hamburg wohne?

Diese öffentlichen Versorgungssysteme haben meistens eine monopolistische Struktur und eignen sich nicht für eine Privatisierung auf Aktienbasis.

Rebell
Alt 23. 01. 2007, 11:32 Der Rebell is offline Mit Zitat antworten #21
fiveofeleven
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Aloah he Rebell,

die wenigsten öffentlichen Unternehmen sind doch meines Wissens auf Gewinnerzielung hin ausgerichtet.
Jedoch legt unsere Verfassung fest, dass der Staat sich durch Steuern und Gebühren finanziert. Also liegt es nahe und ist meines Erachtens auch recht und billig, wenn es öffentliche Unternehmen gibt, die zumindest kostendeckend arbeiten (sollen). Das die wenigsten das wirklich tun ( Finanzierung von Investitionen mal gegengerechnet) liegt glaube ich auf der Hand.

Aber insgesamt ja, absolut, das Streben nach Gewinn sollte nicht Maxime staatlichen Handlens sein.


so long fiveofeleven
Alt 23. 01. 2007, 11:40 fiveofeleven is offline Mit Zitat antworten #22
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Re: Macht der freie Markt alles besser?

Zitat:
Zitat von fiveofeleven 
Spielt sich das wirklich im freien Markt ab ? Ich glaube nicht, denn gerade die Wechselkosten (also die Kosten, die dadurch enstehen, das ich von einer Option auf die andere wechsle) sind doch gerade bei solchen Outsourcing Projekten enorm hoch (Fuhrpark, Infrastruktur, Verwaltungsstrukturen etc.)

naja, das ist schwer verallgemeinerungsfähig. fehler beim in- und outsourcing muss man statt den projekten eher der projektdurchführung anlasten. nur weil es oft überstürzt oder blauäugig angegangen wird, ist die idee dahinter ja nicht schlecht. outsourcing heisst ja nichts anderes, den gedanken der arbeitsteilung zu leben und demjenigen die durchführung von tätigkeiten zu überlassen, der das am effizientesten kann. der ostblock ist nicht zuletzt wegen dem ausschluss von der internationalen arbeitsteilung gescheitert...

Zitat:
Aber insgesamt ja, absolut, das Streben nach Gewinn sollte nicht Maxime staatlichen Handlens sein.

dann sollte der staat aber keine unternehmen im sinne einer ag oder gmbh besitzen dürfen! denn denen ist die gewinnerzielung ins stammbuch geschrieben...
Alt 23. 01. 2007, 11:41 ToxedViruz is offline Mit Zitat antworten #23
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