gulli:board Logo

Anzeige


  Antwort
penk
der Hänsel von Gretel
 
Benutzerbild von penk
 
Registrierungsdatum: Jun 2005
Beiträge: 149
Post Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

Zitat:
Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)


Die Betreiber des Forums ha.ckers.org haben einen jugendlichen Phisher, der sich Lithium nennt, dazu bewegen können, ein paar Fragen schriftlich zu beantworten. Lesen Sie unsere Übersetzung.


Phishing hat sich in den letzten Jahren zu einer der größten Bedrohungen entwickelt. Die meisten Berichte über Phishing werden aus der Perspektive der Verteidiger geschrieben. Nun ist es den Betreibern des Forums ha.ckers.org gelungen einem Phisher seine Sichtweise zu entlocken. Lesen Sie zunächst das Interview und danach die weiteren Reaktionen auf den Bericht und unsere Anmerkungen:

F: Wie würden Sie sich beschreiben? Alter? Sind Sie zur Schule gegangen? Interessen?
Lithium:
Entschlossen ist das beste Wort, um mich zu beschreiben. Ich bin 18 Jahre jung. Ja, ich bin zur Schule gegangen. Ich ging nach der HighSchool ab. Meine Interessen sind MMA (mixed martial arts); Fitness und nicht zuletzt..das Internet!

F: Wie haben Sie mit Phishing angefangen? Was weckte Ihr Interesse daran?
Lithium:
Die typischen Betrugs-Mails, die meine Eltern immer in Ihre Inbox erhielten. Sie waren soo schlecht gemacht! Trotzdem haben sie meistens funktioniert. Also wusste ich automatisch, dass ich effizientere Methoden entwerfen könnte und damit größeren Erfolg hätte.

F: Wie lange sind Sie schon Phisher?
Lithium:
Ich habe mit dem Phishing angefangen als ich 14 wurde. Also fast 5 Jahre.

F: Haben Sie eine Vorstellung davon, wieviele Identitäten sie bis jetzt gestohlen haben?
Lithium:
Weit über 20 Millionen. Mit Social Networking Würmern habe ich's gleich gehabt. Ich habe so viele Hunderttausend Accounts zu vielen Webseiten, dass ich noch keine Gelegenheit hatte sie durchzusehen.

F: Mussten Sie bestimmte Beziehungen zu Personen/Gruppen aufbauen, um loszulegen?
Lithium:
Nein. Als ich anfing war ich solo. Viele Gruppen kamen zu mir und fragten, ob ich rein wollte. Ich lehnte ab.

F: Welche Art von Sites sind die besten Phishing-Sites?
Lithium:
Social Networking Sites. Jede Seite, die Teenager ab 14 Jahre einbezieht.

F: Was tun Sie, um eine Phishing-Site aufzusetzen?
Lithium:
Ich versuche einen Domainnamen zu finden, der am besten zum aktuellen Opfer passt. Versuche ein paar Ähnlichkeiten zu finden, die meine Site realistischer machen können. Dann, Registrieren! Dann suche ich einen verlässlichen Anonymouse-Host. (Ausländische sind am verlässlichsten) Obwohl, ich tendiere dazu kompromittierte Hosting Accounts zu verwenden.

Zweitens, ich schau mir den Sourcecode der Seite an. Dann veränder ich den Quellcode so dass die Inhalte des Formulars in meiner Phishing-Site gepostet werden.

Drittens, ich erstelle eine PHP-Datei, die per POST die Inhalte des Formulars in eine Textdatei auf meinen Server überträgt, Dazu sind nur geringe Änderungen notwendig, da es nur ein paar Zeilen PHP Code sind.

F: Wie viele Leute werden pro geposteter Site abgephischt?
Lithium:
Das hängt von der Größe der Website ab (Anzahl der Nutzer) Normalerweise pishe ich 30K pro Tag.

F: Wie werden die Identitäten zu Geld gemacht und wieviel bringt das Netto ein?
Lithium:
Mit Social Networking Sites verdiene ich $500 bis 1K mit CPA Deals [Anm. G DATA: CPA = Cost per Action und heißt, dass jemand etwas gekauft oder abonniert hat]. 5 von 10 Personen benutzen das gleiche Passwort für ihren E-Mail Account. Der weitere Profit hängt davon ab, was in der Mailbox drin ist. Wenn der E-MailAccount einen der folgenden Accounts enthält Paypal/Egold/Rapidshare/Ebay und der E-MailAccount selbst. Ich verkaufe sie an Betrüger [Anm. G DATA: Scammer]. Alles zusammen genommen verdiene ich 3K bis 4K pro Tag. Ich phishe nur 3-4 Tage pro Woche. Hängt davon ab wieviel Zeit ich investiere. Je mehr Zeit ich investiere desto mehr kommt raus.

F: Sind mit Phishing auch Kosten verbunden?
Lithium:
Ja es gibt Kosten. Ein dedizierter Server, VPN, Netzwerk-Verschlüsselungssoftware und Zeit.

F: Welche Hardware/Software brauchen Sie? Spezielle Tools (Phishing Kits, etc)? Was für eine Internetverbindung nutzen Sie?
Lithium:
Für die MEISTEN Social Networking Sites benutze ich ein Programm namens MyChanger. Sie finden es auf dieser Website - www.myownchanger.com - Es macht Phishing auf Social Networking Sites viel schneller. Alles ist automatisiert! Messaging/Bulletins/Comments/Profiländerungen. Es ist großartig. Darüber hinaus erstellen Freelance Entwickler für mich VIELE maßgeschneiderte an meine Ansprüche angepasste Programme. Mein Internetverbindung ist nichts Besonderes. Eine normale 1MB ADSL Verbindung.

F: Wie schaffen Sie es nicht geschnappt zu werden?
Lithium:
Ich nutze VPNs, dedizierte Server, Proxies und mein Netzwerkverkehr ist verschlüsselt. Alle Zahlungen erfolgen über eGold.

F: Gibt es Anti-Phishing Abwehrmaßnahmen (Tools oder Technologien), die das Leben eines Phishers erschweren?
Lithium:
Ja sicher, Es gibt viele Dinge, die Phishing schwerer machen. Insbesondere seit Internet Explorer 7 und Firefox 2 einen Phishingschutz integriert haben. Diese beiden sorgen für den meisten Ärger.

F: Können Sie Änderungen in der Phishing-Industrie absehen, die erwähnenswert sind?
Lithium:
Nein.

F: Sonst noch etwas, das Sie mitteilen möchten/ letzte Worte?
Lithium:
Faule Webprogrammierer sind der Grund, warum ich immer noch phishen kann.


So weit das Interview, für das Lithium ein großer Dank gebührt. Die Reaktion auf diese Bekenntnisse in dem Forum war geprägt von zwei Gruppen. Eine wollte nicht glauben, was Lithium da geschrieben hat, und meinte, dass er nur ein aufschneiderischer Prahlhans wäre. Es meldeten sich aber Leser aus dem Blackhat-Lager zu Wort. Einer meinte, dass Lithium mit seinem lahmen Skripten ja ein Anfänger wäre. Er solle lieber mal einen Denial-of-Service Angriff auf einen DNS-Root-Server fahren (also auch ein Aufschneider). Ein weiterer Blackhat namens 'TehLeetPhisher' meinte, dass Lithium mit alten Sachen angibt. MyChanger sei 'funny shit' von Einem, den er kennt, und das Abphishen von Social Networking Plattformen sei seit einem Jahr aus der Mode. Außerdem verdiene er (TehLeetPhisher) täglich etwa $30K. Jeden Tag würde er 30.000 Accounts Phishen. An diese Leute und alle Leute aus deren Freundesliste kann er Spam verschicken - mit besonders hohen Click-Through-Raten (CTR), weil man Freunden ja normalerweise vertraut. Seit der Flash-Sicherheitslücke steige die Anzahl der ´Beworbenen´ exponentiell.

Was kann man nun daraus lernen? Nun Phishing ist offenbar ein lukratives Geschäft. Wenn man den Zahlen nur halbwegs Glauben schenken kann, verdient ein Phisher an einem Tag mehr als die meisten von uns in einem Monat. Phishing ist auch nicht mehr beschränkt auf den Diebstahl von Kontozugangsdaten. Alleine die Mailadresse und der Mailaccount sind auf dem Schwarzmarkt so wertvoll, dass man gut davon leben kann. Dadurch geraten insbesondere Social Networkting Sites wie wie MySpace, facebook, StudiVZ, XING etc. in den Fokus der Phisher. Faule Webentwickler und Sicherheitslücken in Standardanwendungen wie Flash stehen spezialisierter Phishing-Software und Tools gegenüber. So bleibt die Phishing-Industrie auch weiterhin profitabel.

Offenbar greifen aber auch die ersten Gegenmaßnahmen. Gut zu hören, dass IE7 und FF2 ein wenig Sand im Getriebe sind. Nutzer von Social Networking Sites sollten also ausgesprochen vorsichtig mit den dort bereit gestellten Daten umgehen. Außerdem sollten Sie jede Plattform und für ihren E-Mailaccount unterschiedliche Passwörter verwenden. Beim Besuch der Seiten könnte es nützlich sein, Flash auszuschalten, nicht auf jeden Link zu klicken und nicht alles zu glauben, was von angeblichen Freunden geschrieben wird.

Quelle: G DATA
Alt 28. 05. 2007, 14:57 penk is offline Mit Zitat antworten #1
smouie
asShole
 
Benutzerbild von smouie
 
Registrierungsdatum: Aug 2005
Ort: hannover
Beiträge: 1.860
Re: Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

Zitat:
Alles zusammen genommen verdiene ich 3K bis 4K pro Tag.

Damit kann man ja richtig reich werden.
Alt 28. 05. 2007, 15:11 smouie is offline Mit Zitat antworten #2
wtfbbq
/b/
 
Benutzerbild von wtfbbq
 
Registrierungsdatum: Dec 2006
Ort: 4chan
Beiträge: 831
Re: Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

spätestens das finanzamt sollte auf solch größere summen aufmerksam werden oder er behält sein geld auf ekonto. mhh scheint ziemlich lukrativ zu sein
Alt 28. 05. 2007, 15:20 wtfbbq is offline Mit Zitat antworten #3
tabstop
alter Hase
 
Registrierungsdatum: Feb 2005
Beiträge: 404
Re: Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

gibts eigendlich ähnliche Alternativen zu E-Gold? (mal abgesehn von PayPal und Moneybookers)
E-Gold soll ja nicht mehr so lang überleben da es irgendwie Zwangsbeschlagnahmungen bzgl. Geldwäscherei etc. geben soll
Alt 29. 05. 2007, 10:21 tabstop is offline Mit Zitat antworten #4
pynch
Slacker
 
Benutzerbild von pynch
 
Registrierungsdatum: Apr 2007
Beiträge: 263
Re: Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

O M F G

Extrem lukrativ. Des Weiteren scheint der auch extrem clever zu sein, so 'nen richtiger Pro eben.
Alt 29. 05. 2007, 10:56 pynch is offline Mit Zitat antworten #5
nathan west
********
 
Benutzerbild von nathan west
 
Registrierungsdatum: Jun 2000
Ort: Aachen
Beiträge: 12.255
Re: Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

Da ist sogar noch weitaus mehr als 3-4k $ drinn.
Er arbeitet eben vorsichtig - und vor allem nur 3-4 Tage/Woche.
Alt 29. 05. 2007, 11:57 nathan west is offline Mit Zitat antworten #6
fall-out
Gast
 
Beiträge: n/a
Re: Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

Sehr interessant, nur was ich auch gerne wissen würde: Was macht er mit dem Geld auf seinem egold-Konto? Damit kann er ja wahrscheinlich das meiste nicht bezahlen und wenn er sich (regelmäßig) größere Beträge auf sein reguläres Bankkonto oder PayPal auszahlen lässt, dann müsste doch sicherlich früher oder später das Finanzamt (oder die entsprechende Behörde in den USA) dahinterkommen.

Ich meine es geht hier um einen Zeitraum von fünf Jahren und drei bis vier mal die Woche bis zu viertausend Dollar. Da müsste eigentlich schon eine Menge zusammengekommen sein, wenn er sich auch mit den Ausgaben vorsichtig gegeben hat.

Jedenfalls lässt das Interview noch eine Menge wichtiger Fragen offen.
Alt 29. 05. 2007, 12:30 Mit Zitat antworten #7
Ashrok_HH
Mitglied
 
Benutzerbild von Ashrok_HH
 
Registrierungsdatum: Apr 2007
Ort: Hamburg
Beiträge: 403
Re: Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

Vielleicht n Auslandskonto in Mexiko oder so und dann immer nur Bargeld abheben und im Tresor bunkern, nie was einzahlen bei sich...

Bei solchen Zahlen könnt man glatt in Versuchung geraten
Alt 29. 05. 2007, 13:54 Ashrok_HH is offline Mit Zitat antworten #8
paceman
Mitglied
 
Registrierungsdatum: Aug 2001
Beiträge: 1.195
Re: Mit den Augen eines Phishers (11.05.2007)

Na dann hoffen wir mal, dass er sein Geld rechtzeitig abgehoben hat.
http://de.wikipedia.org/wiki/E-Gold

Zudem finde ich es etwas merkwürdig, das eGold laut Wikipedia lediglich Konten im Gesamtwert von ~1.5 Mio $ verwaltet. Beim Tagesverdienst vom Interviewten, entspräche der Betrag schon dem Jahresverdienst von ihm alleine.

Alles recht seltsam.

Gruß,
pace
Alt 31. 05. 2007, 10:18 paceman is offline Mit Zitat antworten #9
Themen-Optionen Antwort


Themen-Optionen

Gehe zu



Alle Zeitangaben in UTC +1. Es ist jetzt 04:45 Uhr.
Angetrieben von vBulletin
Copyright ©2000 - 2006, Jelsoft Enterprises Ltd.
epilepsy.gullisys.net

Anmelden

Benutzername
Kennwort
© Copyright 1998-2008 gulli.com home | regeln | sitemap | kontakt | impressum | partner | downloads | disclaimer |
Message Boards and Forums Directory