im Gegensatz zu Deinem indoktrinierten Gesinnungsgenossen habe ich "den Westen" niemals glorifiziert. Das kann man hier in vielen meiner Beiträge nachlesen.
Aber so vernagelt wie CopyKat ist hier kaum jemals ein User aufgetreten.
Zitat von CopyKat
In der BRD geschehen täglich mehrere Morde und die Menschen müssen unter der Brücke schlafen aber das scheinst du ja gut zu finden.
Bei uns gab es sowas nicht , glaub es oder lass es aber es war so.
In der DDR hat es also nie Morde gegeben? Schwer vorstellbar, waren ja immerhin auch nur Menschen, oder doch nicht?
Dass du es so nicht geschrieben hast war ja klar, es kommt aber so rüber da, da du einerseits Tatsachenbehauptungen aufstellst, andererseits begründest du diese nicht oder wenn dann nur durch:
Zitat:
Weißt du, ich hatte das Glück eine Zeit lang in diesem Land (DDR) aufzuwachsen und zu leben, und von Polizeistaat habe ich nichts bemerkt.
Zitat:
Ich habe in der DDR gelebt und ich habe meinen Standpunkt dazu. Pasta.
Zitat:
Du hast es nicht erlebt und kannst somit auch nicht mitreden. Schau dir nur deine Reporagen an, da bekommst du schon das richtige eingebläut.
Wie ich bereits ein Paar Postings weiter ober schrieb, hatte ich das Glück im letzten Herbst mit ehemaligen Häftlingen des DDR Frauengefängnis Hoheneck in Stollberg zu reden.
Hier mal die Geschichten zweier Ehemaligen
Spoiler:
Ich war die dritte und jüngste Tochter zweier Studenten aus Berlin-Mitte. Durch frühe Elternschaft und die Studien ergab es sich, dass Großeltern und zwei Tanten die Kinderbetreuung von uns übernahmen. Als am 13. August die Mauer gebaut wurde, war ich bei meinen Großeltern im Westen und plötzlich von meiner Familie getrennt. Die Großeltern wohnten in der Gartenstrasse in unmittelbarer Nähe des Nordbahnhofes und der Bernauer Strasse mit ihrem Friedhof. Jener Totensonntag damals zählt zu den einprägsamsten Impressionen für mich als Kind: das verriegelte Friedhofstor und der Teppich aus Blumen, Gestecken und den zahllosen Kerzen all jener, die den Friedhof nun nicht mehr betreten durften. Ringsum war alles dunkel, verlassen und das stumme Gedenken doppelt einprägsam für meine Kinderseele. Auch Lärm, Aufregung und sich überschlagende Radiomeldungen, Interviews mit tränenerstickten Stimmen von frisch getrennten Familien, das metallische Echo von Megaphonen, Polizeisirenen, gehören zu den Stunden, Tagen, Nächten um den 13. August.
Meine Großeltern waren Rentner, als die Mauer entstand. Es war vorhersehbar, dass sie mich nicht bis zum Ende der Schulzeit bei sich behalten konnten. Das hieß, mich zu meiner Familie in den "Osten" zu schicken, durch den eben erst errichteten "antifaschistischen Schutzwall". Am Tag des Wechsels von hier nach dort erinnere ich mich an einen Fußweg durch Katakomben. Es war der Bahnhof Friedrichstrasse mit der "Halle der Tränen". Für mich war es ein Slalom durch endlose düstere, kellerartige Gänge, die Steven Spielberg nicht besser hätte als angstauslösend in filmischen Bildern hätte beschreiben können. Wieder am Tageslicht angekommen, wurde ich von meiner Familie abgeholt. An keines der Gesichter konnte ich mich erinnern. Doch es hieß, dass dies meine beiden Schwestern und mein Vater seien.
Sooft es in der Zeit des kalten Krieges möglich war, kamen dann Familie West zu Besuch zu Familie Ost. Für die Menschen in Berlin-West bedeutete es zu Beginn der "Passierscheinabkommen" stundenlanges, nächtliches Anstehen für die Papiere auf ein Wiedersehen. Das war nur zu bewältigen durch Abwechseln. Nächte hindurch. Auch bei Frost. Doch das Wiedersehen war immer wichtig für alle, wenn auch anstrengend. Am meisten sicher für die Anreisenden aus Berlin-West, weil sie noch die Verpflegung mitbrachten, damit die Gastgeber entlastet wurden, die ihre Wohnung in Berlin-Ost dafür anboten.
Unvergessliche Bilder für mich sind noch immer die Abschiede auf den Bahnsteigen, die uns dann endgültig herausrissen aus der Vertrautheit und Wärme der familiären Treffs und uns alle ins Ungewisse auf ein nächstes Wiedersehen entließen. Jedes Treffen hätte das letzte Wiedersehen für uns alle sein können.
Kurz nach der mittleren Reife lernte ich meinen heutigen Mann kennen. Es brauchte wenig Zeit, bis wir wussten, dass wir ein Paar sein würden. Zwei Jahre später fragte mich mein Mann, ob ich bereit wäre, illegal das Land zu verlassen. Er bat mich, darüber nachzudenken, gründlich zu überlegen und informierte mich über unsere Möglichkeiten, Risiken und Folgen. Meine Zustimmung kam umgehend und ohne Zögern. Als junge Erwachsene von knapp 19 Jahren gab es für mich nichts zu verlieren - ich konnte nur gewinnen.
Meine Bilder "vom Westen" waren durch die familiären Kontakte realitätsnahe. Immerhin war es die Familie, die ihren Alltag im umschlossenen Berlin beschrieb, ohne Idealisierungen oder Auslassungen.
Mein wichtigster Impuls "in den Westen" zu gehen, war das Hoffen auf ein Leben freier Entscheidungen als Erwachsene. Für mich war es Luxus: frei wählen zu können, frei entscheiden zu können für mich und meine Zukunft. Mit allen Konsequenzen. Ohne Repressionen, ohne Eingrenzungen, ohne Einmischungen. Meine Antwort an meinen Freund und seine Frage lautetet daher: "JA"
So schnell wie ich sie traf, so sicher war ich mir. Und das blieb auch so, als sich alles Weitere entwickelte.
Wir planten also ein illegales Verlassen der DDR. Kontakt wurde angeknüpft über meinen Schwager. Aus den fünfziger Jahren hatte er einen großen Kreis von Studienfreunden quer durch alle Regionen Deutschlands - Ost wie West. Dieser Personenkreis war behilflich die Flucht zu planen, zu organisieren und vorzubereiten. Es sollte eine PKW-Schleusung im Kofferraum werden. Den Anfang sollte mein Schwager mit Frau und zwei Kindern machen. Nach erfolgter und geglückter Flucht dieser Familie sollten mein Freund mit mir und einem weitern jungen Mann kurz darauf folgen.
Der erste Versuch zu fliehen misslang. Zwei Tage später folgte der nächste Versuch. Das Wechseln von PKW Wartburg in den Opel Admiral gelang, doch Stunden später wussten wir, das der Grenzwechsel nicht geglückt war und alle vier Personen am Grenzübergang verhaftet worden waren. Die Eltern wurden zu Verhören gebracht, die Kinder in ein Kinderheim.
Tief in der Nacht traf mein Mann von der langen Autofahrt, die seinem Bruder und Familie zu Flucht verhelfen sollte, zu Hause ein. Wir rechneten fest mit einer Inhaftierung und gingen am nächsten Morgen wie üblich zur Arbeit. Am Folgetag erschienen zeitgleich bei jedem von uns Mitarbeiter des MfS auf der Arbeit und forderten uns auf, "zur Klärung eines Sachverhaltes" direkt und unverzüglich mit mitzukommen. Nach kurzer Fahrt im Wartburg zu viert, fand ich mich in einem Zellentrakt wieder und nach einer Leibesvisitation kurz darauf im Trainingsanzug - der üblichen Haftkleidung - in einer Zelle. Von diesem Moment an gab es keine Privatsphäre mehr, keine private Kleidung, keine Türklinken und auch keinen Namen mehr, ich wurde nur noch mit Nummer "Eins" angesprochen.
Die Staatssicherheit hatte keinerlei Beweise gegen mich. Nur die Vermutung, kurz darauf auch meine Aussage, was ich "wollte" und "wusste". Nämlich das Land DDR verlassen. Man konnte mir weder Verleumdung, noch Rufschädigung, auch nicht kriminelle Handlungen vorwerfen, geschweige denn nachweisen. Einzig und allein meine Gedanken und mein Wille, die DDR zu verlassen, standen hier als "Delikt" an. Einzig und allein dass ich für mich selbst, zusammen mit anderen, beschlossen hatte, das Land zu verlassen und Wissen um Flucht und Planungen dazu hatte. Das reichte aus, mich Monate später vor das Bezirksgericht Dresden zu stellen und wegen staatsfeindlicher Verbindungsaufnahme (zu meinem heutigen Mann) sowie gewolltem, geplantem und versuchtem ungesetzlichen Grenzübertritt im schweren Fall eins Verbrechens zu beschuldigen und abzuurteilen. Das Urteil im Namen des Volkes lautete auf 1 Jahr und 8 Monate Freiheitsstrafe. Dieses Urteil wurde im Namen eines Volkes erteilt, das von der Verhandlung selbst allerdings ausgeschlossen war. Mein anwesender Pflichtverteidiger brachte zu meiner Verteidigung als alleiniges Argument zu meinen Gunsten mein Lebensalter von knapp 19 Jahren an. Eigene Möglichkeiten der Verteidigung vor Gericht wurden mir nicht eingeräumt.
Als Staatsverbrecher hatte ich meine Strafe anzunehmen und diese im Strafvollzug unter strengem Vollzug zu verbüßen.
Buße? Wofür? Weil ich wie viele andere einfach nur weggehen wollte?
Zum Strafvollzug kam ich nach Hohneck in Stollberg. Untergebracht war ich in einer Massenzelle zusammen mit achtzehn Frauen in einem Raum von ca. zwanzig Quadratmetern in Dreistockbetten. Die Kleidung bestand als abgelegten und schwarz eingefärbten Uniformen der Vergangenheit. Es wurde gearbeitet im Drei-Schicht-System im Stückakkord in verschiedenen Fabriken, die ihre Arbeitssäle im Gelände hatten. Zusammen mit mir in der gleichen Schicht arbeiteten 72 Frauen. Arbeitsverweigerung wurde schwer bestraft. Unsere Arbeit war es, Bettwäsche zu nähen im Akkord, später Herrenoberhemden. Bei meiner Ankunft war ich die Jüngste in meiner Zelle. Die Mehrzahl der Frauen waren wegen ähnlicher Fluchtgeschichten abgeurteilt, doch überwiegend mit Familie und erwachsener als ich. Es gab regelmäßige "Produktionsbesprechungen" mit besonders fleißigen oder besonders faulen Frauen, die dann auch vor versammelter Gruppe namentlich benannt wurden. Als Belohnung für die Fleißigen gab es einen Brief zusätzlich nach draußen oder einen extra Fernsehabend oder ähnliche immaterielle Vorteile. Kriminelle weibliche Häftlinge gab es auch in meiner Zelle.
Ich lebte jeden Tag, indem ich wie ein Igel rund um die Uhr mit aufgestellten Stacheln lebte. Immer in der Gewissheit, dass von jeder Person zu jeder Zeit eine Intrige, ein moralischer Tiefschlag, ein Bluff zu gegenwärtigen sei. Ein Lächeln hätte auch das Lächeln des Verrats sein können. Nichts war gewiss. Ein Zustand, der einerseits Abstumpfen ähnelte, andererseits meine Kräfte auf mein Ziel frei leben zu können, bündelte und konzentrierte und dennoch strapaziös war. So schien ich nach außen hin angepasst. Vermied es aufzufallen oder krank zu werden. Bedachte bei jedem Wort, jedem Lächeln wer mein Gegenüber ist und ob dies andere bewerten. Ich steckte vieles weg, ohne immer wirklich zu verstehen, wie diese Notgemeinschaft funktionierte. So vergingen die Tage in Monotonie.
So bald als möglich stelle ich in schriftlicher Form einen "Ausreiseantrag", dessen Niederschrift als auch postalische Übermittlung mir zuvor wiederholt untersagt wurde.
Eines Tages wurde ich zur "Erzieherin" Oberleutnant Bartsch geholt. Sie fing ein Gespräch an. Meine Sinne waren auf Alarm geschaltet und ich versuchte jede Regung in Mimik und Stimme zu interpretieren. Sie redete und redete. Es ging um meine Wiedereingliederung in die DDR nach Ende meiner Haft. Sie habe ein Formular, was ich auszufüllen habe. Wir wechselten Worte und in meiner Erinnerung blieb: "Sie werden schon wissen, was sie auszufüllen haben." Damit war ich mir selbst überlassen, das Gespräch war beendet und ich durfte gehen. Das Formular wanderte umgehend zerrissen in der Zelle per Wasserspülung durch die Toilette. Und niemals wurde ich wieder danach gefragt.
Drei Monate vor Haftende ging mitten am Tag die Tür auf und ich wurde aufgefordert, alle meine Sachen zusammenzupacken und vor die Tür zu treten. Noch am selben Abend fand ich mich in der Haftanstalt in Chemnitz wieder, zusammen mit zwei weiteren Frauen in einer Zelle. Unsere Abschiebung begann. Sie sollte zwei Wochen dauern. Minuten wurden zu Stunden, Stunden zu Tagen, niemand sagte uns Genaueres. Die Nerven aller, die auf Freiheit und Abschiebung mittels Freikauf hofften, lagen bloß.
Dann eines Tages erhielt ich von uniformierten Staatsdienern meinen Haftentlassungsschein und die Mitteilung, dass ich in die Bundesrepublik Deutschland entlassen werden würde. Dafür würde meine Reststrafe von ca. drei Monaten zur Bewährung ausgesetzt. Mir wurde eine Urkunde "auf Entlassung aus der Staatsbürgerschaft der DDR" ausgehändigt und dann kam der Tag, der uns in die Freiheit entließ. Männer und Frauen waren dabei. Paare sahen sich nach Ewigkeiten wieder. Es ist unvergesslich, wie stumm Freude und Schmerz und Leid sein können.
Über die Autobahn holperte der Bus zum Grenzkontrollpunkt Herleshausen. Ja, auch ich saß in einem Bus mit drehbarem Nummernschild, das sich an der Grenze von einem DDR Kennzeichen in ein bundesdeutsches verwandelte. Unser Ziel war das Notaufnahmelager Gießen. Alle im Bus waren mucksmäuschenstill, hielten den Atem an um endlich die letzten Meter in die Freiheit zu schaffen.
Mit der Kleidung am Körper und kaum mehr als einer Zahnbürste hatte ich meine Freiheit wieder und war am Ziel angekommen.
Nach zwei Nächten in Gießen und Tagen mit Formalitäten trat ich den ersten Flug meins Lebens an, der mich nach Berlin brachte, wo ich noch heute lebe.
Spoiler:
Mein Verbrechen war, dass ich einen Mann heiraten wollte, den ich liebte. Ich war gerade 20 Jahre alt, als ich bei meiner Arbeit im damaligen Hotel Stadt Berlin einen Mann aus Westberlin kennen lernte. Er besuchte mich so oft er konnte und wir verliebten uns. Bald stand für uns fest, wir wollen heiraten. Ordnungsgemäß stellte ich einen Ausreiseantrag, doch der wurde abgelehnt. Was ich nicht ahnte: Fortan war ich im Visier der Stasi und wurde Tag und Nacht überwacht. Der irrwitzige Deckname der Stasioperation lautete: "Hänsel und Gretel".
Die Stasi setzte einen Lockvogel auf mich an, der mir die Flucht mit einer Fluchthelferorganisation vorschlug. Als ich dann mit ihm Absprachen und Vorbereitungen für die Flucht traf, schlug die Stasi zu. In meiner Lichtenberger Wohnung wurde ich am 7. November 1973 verhaftet und nach einem 14-stündigenVerhör bei der VP Keibelstraße - wo die Türen keine Klinken hatten, in die Untersuchungshaftanstalt Pankow- Kissingenstraße eingeliefert. Der Vorwurf: Versuchte Republikflucht. Damit begann die schlimmste Zeit meines Lebens. Meine drei mal vier Meter große Zelle hatte kein Fenster, undurchsichtige Glasbausteine nahmen mir den Blick auf die Welt draußen. Ich fühlte mich wie lebendig begraben und der Stasi hilflos ausgeliefert. Einzelhaft, Schlafentzug, Besuchs- und Kontaktsperre, alles mit dem Ziel der Erpressung von Aussagen. Das ganze Repertoire der Stasi wurde durchgespielt: ständige Verlegungen innerhalb der Haftanstalt mit dem Ziel der Verunsicherung und Störung der Orientierungsfähigkeit, der Einsatz von Abhörgeräten in den Zellen und der Einsatz von Zellenspitzeln, wechselnde Vernehmungspraktiken, Androhung hoher Haftstrafe, dann wieder sofort Freilassung, wenn ich mit dem MfS zusammenarbeite, Androhung von Verfolgung meiner Familie. Das alles dauerte ein Jahr.
Was keiner wusste, ich war schwanger von meinem Westberliner Freund, der inzwischen ebenfalls inhaftiert war. Unter den Strapazen der Verhöre und der Haft verlor ich unser Kind jedoch während dieser Zeit schon im 3. Monat.
Im Mai 1974 war dann der Prozess, bei dem ich zu 4 ½ Jahren verurteilt wurde. Ich legte Berufung ein und das endgültige Urteil lautete für mich dann 3 Jahre und 8 Monate Haft im Frauengefängnis Hoheneck.
In Hoheneck kam es immer wieder zu verbalen Auseinandersetzungen mit den Wärterinnen und den Mörderinnen und Kriminellen. Ich wurde als renitent eingestuft. Für mich wird Arbeitseinsatz bis an die Belastungsgrenze angeordnet. Wir mussten Bettwäsche für den Export nähen und große Warenhäuser in der Bundesrepublik kauften die billigen Sträflingsprodukte. Unsere Arbeitsnorm war enorm hoch, Arbeit im 3 Schichtsystem, auch an den Wochenenden, Sonderschichten. Wir lebten mit 24 Gefangenen auf 24 qm pro Zelle, hatten keine körperlichen Aktivitäten und nur 20 min Hofrundgang am Tag. Es gab Denunziationen durch Mörder und Kriminelle. Wegen sinkender Arbeitsleistung und Protest gegen die unzumutbaren Arbeits- und Lebensbedingungen wurden immer wieder Disziplinarmaßnahmen wie Ausschluss vom Hofrundgang, Entzug des "Verdienstes", Einkaufsverbot, Postsperre, Besuchssperre gegen uns verhängt, verbunden mit Misshandlungen durch das Wachpersonal. Es gab einen gefürchteten Schlägertrupp dort. Andere Maßnahmen waren Freizeit- und strenger Arrest bei Wasser und Brot und nur jeden 3. Tag eine lauwarme Suppe.
Mein Widerstand führt immer wieder zu strengem Einzelarrest in der Kellerzelle mit Liegeverbot und Zellenverdunkelung. Einmal drangen Abgase aus der über der Arrestzelle befindlichen Autoreparaturwerkstatt drang die Öffnung der undurchsichtigen Glasbausteine im Fenster in die Kellerarrestzelle. Ich wollte raus, glaubte zu ersticken, schlug mit meinen Fäusten und dem Sitzhocker gegen die Zellentür. Mitarbeiter des Wachpersonals öffneten die Arrestzelle. Einer von ihnen schlug mir mit der Faust derart ins Gesicht, dass ich rückwärts hinschlug und bewusstlos wurde. Als ich langsam zu mir kam, erkannte ich schemenhaft einen Mann im weißen Kittel, der mir trotz Fußgestrampel eine Spritze (Lepinal 0,2) gab. Ich erwachte später in einer Gummizelle und fand mich in einer weiß-grauen Zwangsjacke wieder. Wie lange ich mich dort aufhalten musste, ist ihr nicht mehr erinnerlich. Ich erinnere mich nur noch, dass ich dort ohne Behältnis meine Notdurft verrichten musste.
Wir litten unter Mangelernährung, hatten unzumutbare hygienische Verhältnisse wie Duschen 1x im Monat. Während meiner 3-jährigen Haftzeit durfte ich 2 x Besuch Empfangen, 1x im Monat einen Brief an meine Familie schreiben, 1x Post erhalten - alles streng zensiert, die Meisten wurden mir nie ausgehändigt.
Die unmenschlichen Haftbedingungen zeigten ihre Spuren auch bei mir und ich bekam Medikamente gegen meine Krankheiten. Hier schob mir das Personal dann auch Prothazin unter, ein Psychopharmaka, dass die Reaktionsfähigkeit massiv einschränkt, tief im Gehirn wirkt und süchtig macht. Dies erfuhr ich erst nach der ersten Akteneinsicht 1996. Die Dosis wurde ständig verändert. Schließlich kam der Kollaps: Mit Vergiftungserscheinungen kam ich auf die hafteigene Krankenstation. Die Dosis wurde so erhöht, dass ich mich an nichts mehr dort erinnern kann; ich war fast tot. Nach der Arreststrafe litt ich dann einige Zeit unter massivem Sprachverlust.
1976 kam Bewegung in meinen Fall, ich sollte freigekauft werden. Weil es schnell gehen musste, landete mein Fall sogar auf dem Schreibtisch von Stasi-Chef Erich Mielke. Anfang Oktober 1976 unterzeichnete er die Einwilligung zu meinem Freikauf und am 26. Oktober 1976 fuhr ich mit dem Häftlingsfreikaufsbus von Karl-Marx-Stadt über Herleshausen nach Gießen.
Im Westen flog ich sofort zu meinem Freund nach Westberlin; auch er war wieder frei. Nach all diesen Qualen waren wir am Ziel. 1984 erblickte unser Sohn das Licht der Welt. Doch unsere Ehe zerbrach, die Jahre im Gefängnis hatten uns verändert. Ich ging immer weniger aus dem Haus, bekam Angstzustände, war über lange Zeit nicht mal mehr in der Lage, meinen Alltag zu bewältigen. Eine jahrelange Odyssee von Arzt zu Arzt begann; einige hielten mich sogar für einen Hypochonder. Erst eine Rehabilitationskur mit psychosomatischem Schwerpunkt förderte dann die Ursachen zu Tage.
Gemäß Auswertung meiner Stasiunterlagen befand ich mich in meiner fast 3-jährigen Haftzeit insgesamt 13 Wochen in Einzelhaft bzw. im strengen Arrest. Mir wurden ohne Aufklärung während der Haftzeit die nachstehend aufgeführten Medikamente verabreicht: Nifuran, Tyrasol, Simagel, Normacol, Cholosysnon, Chloramphenicol, Faustan, Radepur, Mephentermin, Lepinal und Prothazin.
Mit dem Mauerfall hatte mich die Geschichte dann wieder eingeholt. Durch jahrelange psychologische Hilfe, gerade bei der Beratungsstelle Gegenwind, konnte ich meinen Zustand endlich stabilisieren. Glücklicherweise sind meine Stasiakten umfangreich erhalten und belegen auch hier, wie mit Ausreisewilligen und Andersdenkenden, die Widerstand leisteten, umgegangen wurde. Bei der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR, Birthler-Behörde, wurde zu meiner Person bisher gefunden: 1996 - 1500 Seiten, 1998 - 1300 Seiten und 2004 weitere 4000 Seiten. Alles Informationen über einen jungen Menschen, der heiraten und im Land seines Ehepartners leben wollte. Was für ein Wahnsinn!
Darüber, dass ich das alles überlebt habe, kann ich mich bis heute nicht mal richtig freuen.
Ich weiß das dies hier die Meinung einiger über ihre "ach so gute DDR" nicht ändern wird, ich jedenfalls war geschockt als ich die Geschichten aus erster Hand von den Betroffenen erzählt bekam.
Und da Du schon mal am Lesen bist, kannst Du auch gleich was über die Nazis in der DDR lesen.
Danke für den link. Im wesentlichen steht da drin, dass in der DDR zwar nicht vollständig mit den Alt-Nazis aufgeräumt wurde, aber immerhin um Größenordnungen effektiver als dies in der BRD geschah. Ist das so neu?
Informiere Dich erstmal über die Verfasstheit und die Größe der VEBe in der DDR und die Rolle der Kaderabteilungen und dann können wir weiter schreiben. Nenne mir ein stichhaltiges Argument, warum das möglich gewesen sein sollte?
Häh? Stichhaltiges Argument wofür? Du hast doch behauptet, dass es möglich wäre flächendeckend vorzuschreiben, wer welchen Job bekommt. Such Dir Deine Argumente hierfür mal selbst! Viel Spaß...
Rolle der Kaderabteilungen? Nun, das war das, was sich heute Personalabteilung nennt und hat auch so ähnlich funktioniert. Du scheinst davon auszugehen, dass in den VEB die Leute aus purer Bosheit gegen ihren willen beschäftigt wurden, z.B. der Ingenieur als Putzkraft, der Kranführer als Bäcker usw.
Das ist nun wirklich der blanke Schwachfug!
Das es ein paar Oppositionelle gab, die neben allen anderen Repressallien auch zwangsweise Eingriffe in ihre beruflichen Möglichkeiten erdulden mussten, genau wie das auch in der BRD der Fall war, steht außer Frage. Aber die übergroße Mehrheit von Leuten, die entweder keine Probleme mit der DDR hatten, oder diese nicht außenwirksam artikulierte, hatte in dieser Beziehung nicht mehr auszustehen als ein Beschäftigter heutzutage.
Das es ein paar Oppositionelle gab, die neben allen anderen Repressallien auch zwangsweise Eingriffe in ihre beruflichen Möglichkeiten erdulden mussten, genau wie das auch in der BRD der Fall war, steht außer Frage.
Kannst du dafür, dass dies in der BRD so war, Beispiele nennen?
Aber diese Vergleiche hier sind wirklich absurd. Schikanen sind ok - wenn andere auch schikaniert haben? Falsch bleibt Falsch - egal obs das woanders auch gab.
Das war allerdings keine prinzipielle Einrichtung des BRD-Systems sondern hatte seine Begründung im RAF-Terror. Natürlich vom Prinzip her ein völlig blödsinniges Verfahren und nicht zu vergleichen mit dem systemimanennten Verfahren in der DDR.
Wenn von staatswegen solche Regelungen erfunden werden, so zeigt das doch eines ganz deutlich. Der Staat selbst (seine Führung) glaubt nicht an die Überlegenheit des eigenen Systems.
Die Führung sieht in der Bevölkerung den Feind und schränkt Freiheiten ein statt zu überzeugen.
Falsch bleibt Falsch - egal obs das woanders auch gab.
Sicher! Dagegen habe ich auch nicht argumentiert, sondern in meiner Replik auf achi mal eben darauf hingewiesen, dass Unrecht dieser Art kein DDR-Unikat war.
@Rebell
Dein letztes statement würde zutreffen, wenn wirklich ein nennenswerter Teil der Bevölkerung betroffen gewesen wäre. So ist die Praxis des Eingriffs in das Berufsleben Einzelner bestenfalls ein weiterer Beweis für das krankhafte Sicherheitsbedürfnis der DDR-Oberen.
Es ist doch gar nicht wichtig, wie viele wirklich betroffen waren. Wichtig ist, DAS es überhaupt solche Regelungen gab.
Und auch Einzelne oder Minderheiten dürfen nicht drangsaliert oder diskriminiert werden. Menschen sind doch keine Statistiken. Auch hinter 0,0...1% stehen doch Schicksale.
Man kann ein System leicht danach beurteilen - wie es mit seinen Gegnern verfährt.
Zitat von Der Rebell Das war allerdings keine prinzipielle Einrichtung des BRD-Systems sondern hatte seine Begründung im RAF-Terror. Natürlich vom Prinzip her ein völlig blödsinniges Verfahren und nicht zu vergleichen mit dem systemimanennten Verfahren in der DDR.
Die RAF war mit wieder der Aufhänger für die Stasitätigkeit bei der BRD und richtete sich auch gegen Personen, die nichts mit der RAF zu tun hatten.
Davor gab es noch den Adenauer-Erlass, das KPD-Verbot.
Auch heute noch wird die linke Opposition von der BRD-Stasi bespitzelt.
Im Grunde werden ja schon ganz normale Demonstranten bespizelt und staatsicherheitsmäsig behandelt, wie Heiligendamm gezeigt hat.
Ich nenne das schon systemimmanent.
Zitat:
Zitat von achi Keine Ahnung was Du mit Quelle meinst, aber zu sagen, ich hätte mal irgendwo etwas im TV gesehen ist eine schwache Untermauerung, wenigstens der Name der Sendung wäre hilfreich, so dass man sich einfach mal ein Bild machen kann ohne daran denken zu müssen, dass es ein Hirngespinst Deinerseits ist um Deine "Argumente" zu untermauern.
Welches Argument hab ich denn genannt? Das die Forderung nach Wiedervereinigung einer Sparkasse von Kleinkleckersdorf keine allgemeine Forderung war. Und dabei bleib ich auch.
Zitat:
Zitat von achi Ja und? Waren es deutsche oder sowjetische Panzer die den "Aufruhr" platt gewalzt haben?
Die interessantere Frage ist für mich, wer den Aufstand noch wollte.
Es ist ja wie Eulen nach Athen tragen für ne Sache zu streiken, die längst zugunsten der Streikenden entschieden worden ist. Steht in dem Link von mir aber etwas ausführlicher, kann man ja nachlesen.
Zitat:
Zitat von sirnnx PS:
Wie schön sind wir doch vom Thema weg....
Naja, Knopp kommt, insofern ist das Thema doch eh durch.
@CopyKat: Lass doch bitte bitte diese Propaganda sein. Einerseits geht die "Annexion der DDR" am Thema vorbei (17. Juni), andererseits verstößt solch eine tendenzielle "Quelle" gegen die Regeln in diesem Forum.
Wir wissen ja dass du nachts nicht schlafen kannst ob des bedauernswerten Untergangs der DDR und der blühenden Landschaften sowie der Abwesehenheit von jeglicher sozialer Ungerechtigkeit und Morden, aber folge doch bitte der Diskussion.
Die interessantere Frage ist für mich, wer den Aufstand noch wollte.
Tja wer wohl?
Die wohl eher nicht:
Zitat:
Protokoll Nr.31/53 der außerordentlichen Sitzung des Politbüros des Zentralkomitees
am 3. Juni 1953
Tagesordnung: Mitteilung der Genossen Grotewohl und Ulbricht
Berichterstatter: Axen
Anwesende Mitglieder: Rau, Ebert
Anwesende Kandidaten: Honecker, Jendretzky, Herrnstadt
Zur Sitzung hinzugezogen: Axen
Es fehlten entschuldigt: Pieck Kur
Grotewohl dienstlich verhindert
Ulbricht dienstlich verhindert
Oelßner dienstlich verhindert
Matern Urlaub
Zaisser krank
Ackermann Urlaub
Schmidt krank
Mückenbergerdienstlich verhindert
Die Nichtpräsenz ist doch bezeichnend für die Ignoranz der Bonzen.
Inhaltlich doch wieder das übliche ZK-BlaBla.
Zitat:
Zitat von Distel
Es ist ja wie Eulen nach Athen tragen für ne Sache zu streiken, die längst zugunsten der Streikenden entschieden worden ist.
Zugunsten? Die Bonzen haben einfach nur Ihren Arsch retten wollen.
Und wenn die, wie Du schreibst, alles schon geregelt haben warum haben Sie die Stimmung bis zum 17. Juni so hoch kochen lassen?
Absicht oder Unfähigkeit?
Zitat:
Zitat von Distel
Steht in dem Link von mir aber etwas ausführlicher, kann man ja nachlesen.
Du meinst diesen?: http://www.17juni53.de/chronik/530603.html
Wo ist denn da deutlich, spez. für das werktätige Volk, zu entnehmen das alles besser wird
und ein Streik, Aufstand oder was auch immer im Grunde nicht mehr sinnvoll wäre?
Zitat von t-6
@CopyKat: Lass doch bitte bitte diese Propaganda sein. Einerseits geht die "Annexion der DDR" am Thema vorbei (17. Juni), andererseits verstößt solch eine tendenzielle "Quelle" gegen die Regeln in diesem Forum.
Themenfremden Propagandabeitrag von CopyKat und vorhergehenden Post von Nowhere Man und Folgebeitrag von TR4 gelöscht.