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Eigene Prosa
Weil Prosa viel schöner ist als Lyrik haben wir jetzt auch unseren eigenen Prosa Thread.
Das Glück der Glücklosen
Ein zarter Duft hing in der Luft. Eine Mischung aus Blau- und Grüntönen, aber weniger aufdringlich. Eher wie ein kalter Stein aus den Tiefen des Meeres. Und doch wärmend wie von Wolken gedämpfte Sonnenstrahlen... Sie konnte den Duft nicht kategorisieren, aber wollte es im Grunde auch nicht.
Manchmal saß sie stundenlang zwischen den Betonbauten und wartete. Sie hatte Zeit und irgendwann kam immer ein Duft den sie noch nicht kannte, schöner und lieblicher als der Vorangehende. Hellste Töne wanderten an ihr vorbei und grüßten freundlich. Dunkle Bouquets brummten und ihre Sinne schwanden für einen Moment wenn ein Solcher voller Gewalt an ihr vorbeiraste.
Sie lächelte als ihr diese Gleichnisse einfielen. Im inneren harmonisierten die Düfte, egal ob hart oder weich und in jedem fand sie ein System, welches verblüffend logisch war. Sie musste nur lange genug Ausschau halten.
Ein alter Fiat torkelte an ihr vorbei und blies eine dunkle Wolke aus dem Auspuff. Sie rannte auf die Straße und atmete tief ein.
Ein wundersamer Geruch, kalte Wellen in einem Sturm. Und doch tröstend wie warmer Sand...
Seit ihrer Geburt konnte sie nicht riechen. "Tumor im oberen Nasengang" stand in ihrem Behindertenschein. Das Glück der Glücklosen.
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28. 10. 2007, 20:46
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#1
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immer freundlich
Registrierungsdatum: Mar 2006
Beiträge: 4.028
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Re: Eigene Prosa
Autos, die torkeln. und ein seit der Geburt vorhandener Tumor, der keine Metastasen bildet, wattn Schmarrn, ey.
Mit Verlaub.
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28. 10. 2007, 22:49
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#2
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Re: Eigene Prosa
Fiats können torkeln und der Tumor ist ein Gutartiger. Schachmatt!
ßrGu
C2oem
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29. 10. 2007, 07:36
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#3
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Schmalspurklaus
Registrierungsdatum: Jan 2005
Beiträge: 1.052
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Re: Eigene Prosa
Zitat:
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Zitat von Cemo2
Fiats können torkeln und der Tumor ist ein Gutartiger. Schachmatt!
ßrGu
C2oem
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vor allem gutartige tumore im bereich der atemwege werden aufgrund der erhöhten druckgefahr meistens entfernt. die wahrscheinlichkeit das diese zu karzinomen verwachsen ist des weiteren eklatant hoch, weshalb wohl kaum jemand eine solche passage im behindertenausweis stehen haben wird.
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29. 10. 2007, 07:57
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#4
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..wie bei ner Bockwurst!,
Registrierungsdatum: Dec 2006
Beiträge: 91
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Re: Eigene Prosa
Der Emotionale unter uns würde nun schreiben:
IHR ZWEI SEID PIEP!!
Ich doch nicht. Mal ehrlich. Laut Kafka kann man sich auch im Mondlicht wärmen wenn man nur den Mantel aufknöpft.
Und dass du Latein kannst, ist schön. Ein dreifaches Helau ausm Oberammergau.
wie immer sehr hübsch zu lesen cemo. Mir gefällts.
Und dass die Prosa die Lyrik in den Schatten stellt, ist den Leuten nur noch nicht aufgefallen.
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31. 10. 2007, 19:37
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#5
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Re: Eigene Prosa
Na, fangt bloß nicht an zu stänkern. Ich will ein paar Kurzgeschichten von euch sehen. Leide grade kurzgeschichtentechnisch am Entzungssyndrom und würde sogar die Emo-Dinger über Hungernde in Afrika und unsere Konsumgesellschaft lesen. Eventuell. Hauptsache Schrift im Blockformat.
Voldemort stirbt und Harry heiratet Ginny.
Dankeschön.
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31. 10. 2007, 21:45
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#6
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...andImustSCREAM
Registrierungsdatum: Apr 2007
Ort: unwichtig (Kaserne1)
Beiträge: 274
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Re: Eigene Prosa
Hier kommt Mundlos angefaselt, pseudointellektueller Dreck,
aber wer mir mit Kritik kommt den wisch ich weg.
Rück das Mic raus und gib mir 'nen Bier,
dann spiel ich lustlos den Nekromaten hier.
Meine Seele ist ein schwarzer Abgrund, ich konsumiere Kinder aus Afrika...
Zeit für Blinddarmrevisionismus
Zinnsoldaten gibt es mariniert, zum Abendbrot zum Mittag zu zweit und zu viert, auch im ganz großen Familienpack. Damit die deutsche Jugend, den Schlachtplänen der Wehrmacht hinterherjagt, zinnerne Kriegskameraden mit Fanfaren und scheppernden Blech in Abflussrinnen stopfen.
Das sind keine große Verluste, für ein paar Reichsmark gibt es sie verziert, in braun, schwarz, fleisch. Da lässt es sich leicht scheppern mit der Angriffsformation, wo heute Spiderman neben Kuschelrock regiert.
Denn Zinnsoldaten gibt es mariniert, in braungeflamter Soße, zu zweit und auch zu viert, auch im ganz großen Familienpaket, welches als Nachhut des Fliegerbattailons unter den Weihnachtsbaum gehört.
Man würzt mit Orden und Salutieren den Winterspeck, zeichnet wieder, auf nach Sibirien, Pfeile an der Grenzgarnison. Man flüchtet nach Moskau, Stalingrad, Warschau, Berlin. Findet Schlachten, Schlachtpläne auch unverziert im Atlas.
Denn der Führer war ein kleiner Mann, der auch selbst aufrecht stehen kann.
Vielen Leute reicht diese Parteipolitik, vorwärtsgerichtet ins russische Reich, mit dem gerosteten Bajonett, in Verdun liegt die Pickelhaube, vorwärtsgerichtet durch die Côte d’Azur, Vorwärts dem Kameraden Wüstenfuchs durch afrikanischen Staub.
Ja, die NSDAP hat Vorwärts um 360 Grad revolutioniert.
ich nenn es Kulturschock, ihr sicherlich Scheiss,
doch ihr ahnt bestimmt, was ich schon lange weiß,
da fehlt angeblich 'ne sinnvolle Erzählstruktur
was soll's, ich gehe heute eher mit spontaner Natur,
denn der Gerstensaft benebelt wie er belebt,
das Produkt bleibt ausgespuckt,
seht wie sich der Vorhang legt.
*pyroeffekt*
OMG ich bin der vierte GLS-United!
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19. 11. 2007, 13:54
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#7
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Staatsmann
Registrierungsdatum: May 2006
Ort: Arkham Asylum
Beiträge: 5.311
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Re: Eigene Prosa
Das gefiel mir jetzt irgendwie.
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20. 11. 2007, 16:05
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#8
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...andImustSCREAM
Registrierungsdatum: Apr 2007
Ort: unwichtig (Kaserne1)
Beiträge: 274
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...
Drüben sitzt die Esotheriktante wieder im Kerzenkreis. Ich hab eine Schreibflaute, aber wenn ich mir das so ansehe geht es denn anderen Kanalbewohnern auch nicht anders. Da kam es groß aus dem Stereoboxen. Walbrunftbrummen, Delphingegacker und die Esotheriktante sitzt im Schneidersitz auf einer Matte und pendelt die Arme hin und her.
New Age? Das sind die Technokraten der Hippies.
Die studieren sich an Denkfehlern dumm und dämlich. Paranoid? Ja, aber liebevoll paranoid.
Auf dem Flyer ist ein Pyramide mit Auge und dem Ankhzeichen, sowie einige Runen, sehr mystisch romantisiert. Es dudelt sich direkt ins Blickfeld, mitsamt der Sepiatönung des Papieres.
Das sind die Leute die kein Designstudium überleben würden. Die Internetseiten sind voller Animationen, es klickt sich schlecht und grob durch die wunden Inhalte.
New Age, New Age, New Age... man berauscht sich an altheidnischer Naturmystik, schwafelt die Quantenmechanik tot und pendelt summend in Dolby Sourround Beleuchtung. Das ist der neue Flickenteppich Hoffnung, wo Kopernikus, Darwin, Freud versagen.
New Age ist pikiert. New Age ist frustriert.
New Age schafft Paradigmenwechsel. Ja, sie schaffen es, mit Parade, Trommeln und Fanfaren, denn Paradigmen gehören gewechselt wie die Unterwäsche.
Wir wechseln, wechseln dies, wechseln das, stopfen unsere Socken mit Antrosophie, solange sie gebührlich abgedeckt bleibt, wechseln eure Meinung von Süden nach unten, denn auf dem Boden landet alles was man umlängst ausgeschieden.
Das scheppert ins Gehirn: Zerbombt die Wale! Ich kaufe Thunfischdosen aus Bosheit!
Wenn die Olle weiter dahintorkelt gibt es morgen Guruhack auf Räucherstäbchen.
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28. 11. 2007, 14:43
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#9
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Biest!
Registrierungsdatum: Aug 2005
Ort: Nagual
Beiträge: 3.873
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Re: Eigene Prosa
Ja, vielleicht ist sie versponnen und ihr Geist hat sich verflüchtigt, vielleicht hat sie aber doch das Licht gesehen, was weiß ich, ich war nicht dabei. Und selbst wenn ich dabei gewesen wäre, so hätte ich tatsächlich nur das, was sie mir erzählt. Ich kann nicht in ihr Hirn sehen und nachvollziehen, ob sie die Wahrheit sagt oder ob das alles nur verdunstete Gedanken aus dem Niederschlag esoterischer Ideen sind, die sie von sich gibt. Aber es ist mir auch egal. Wenn sie damit glücklich oder auch glückselig ist, was soll’s mich jucken… in ihrem Kopf würde ich es jedoch nicht aushalten, das könnte ich allerdings in so manchem nicht. Übrigens hasse ich Räucherstäbchen, zumindest die meisten, ein billiger Einheitsgeruch von Pseudohingabe und verschwommenem Spiritualitätsgeschwurbel gemischt mit dem Gestank knallharter Geschäftemacherei mit allem, was sich verkaufen lässt. Ich bin Purist was das anbegeht.
Aber noch mehr hasse ich die Materialisten, die sich über solche Ideen nur belustigen können wollen und in ihrer Fantasie anderen Menschen irgendwas hinterherdichten, weil ihre eigene Kreativität nicht dazu ausreicht, sich ein differenziertes Bild von ihnen zu machen. Schublade auf, Schublade zu, nummeriert und archviert, was nicht paßt, kann nicht sein, ergo: ist nicht. Es darf nicht sein, was nicht sein kann, lautet die Devise. In ihrer Weltsicht ist alles tot was nicht frißt oder fickt. Sie haben das Bedürfnis, die Dinge bis ins kleinste Teil erklären zu können. Man forscht und untersucht auf Teufel komm raus bis ins Quantenkontinuum, ohne genau zu wissen was das eigentlich ist. Und selbst dann erkennen sie die wahrhaft verblüffenden Wunder, die sich ihnen dort zeigen, nicht. Zumindest nicht, solange es sich nicht mathematisch herleiten oder voraussagen lässt. Aber egal, es ist Physik, eine Naturwissenschaft, die von ihnen betrieben mit Natur so viel am Hut hat, wie die Esoteriktante mit kritischen Hinterfragungen.
So verloren sie im Laufe der Zeit das, was sie eigentlich antrieb: den Respekt und die Ehrfurcht vor Natur und die Neugier auf das Unerklärbare. Aus allem wird die Seele herausgekürzt, man nennt das dann den kleinsten gemeinsamen Nenner. Beziehungen zu anderen Dingen werden nicht hergestellt, man konzentriert sich auf das Wesentliche. Und genau das wird berechnet und bewiesen und gleichzeitig entwurzelt im Quadrat.
Die Bemühungen ihrer glorreichen Forschungsarbeiten münden zumeist in der Rüstungsindustrie nebst daß sich die sogenannten Natur-Wissenschaft nur Wissen über die Natur verschafft und wie man sie am besten nutzbar machen kann. Das Leben ist für sie nur eine Aneinanderreihung komplexer biologischer Vorgänge gepaart mit ein paar elektromagnetischen cerebraler Rückkopplungen und hormonellen Ausschüttungen, die man dann denken und fühlen nennt. Nichts dazwischen, dahinter oder um die Ecke versteckt, nein alles schön erklärbar, auf Bildschirmen zeigbar und in Diagrammen ausdruckbar muss es sein. Für sie hat das Leben im Grunde keinen höheren Sinn. Das Leben an sich sei schon ein Wunder, geben sie immerhin zu. Und danach ist dann Sense. Final Error, Flatline und das war’s.
Nein, ich habe keine Angst vor dem Tod. Wirklich nicht, das Sterben ist ein Vorgang, den ich eh nicht verhindern kann, warum also dagegen ankämpfen wenn es soweit ist? Irgendwann werde ich ihn umarmen, den Gevatter, wie einen lang ersehnten Geliebten, der endlich zu mir gekommen ist. Das hat natürlich noch ein bisschen Zeit. Aber er war schon mal bei mir, hat geklappert mit seinem Gerippe und mir kurz das Aufblitzen seiner Sense gezeigt. Seitdem fürchte ich mich nicht mehr. Er ist gnädig, man merkt es nicht. Aber ich habe eine Heidenangst davor, nicht gelebt zu haben, bevor die Zeit reif ist. Und ich will noch mal eine zweite Chance, mindestens. Zu vieles habe ich falsch gemacht. Deshalb spricht mich der Buddhismus an. Und die Schamanen. Denn in ihrer Welt ist alles Energie, die niemals verschwindet. Die sich mit allem verbindet und mit allem vernetzt ist. Wo alles auf seine Weise Bewusstsein hat und ist. Selbst die Steine.
Die Schamanen waren die Quantenmechaniker der Frühzeit, denn sie wussten, wie man die kleinsten Teilchen beeinflusst, wie man Materie verändert. Man nannte es auch Zaubern oder Magie.
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29. 11. 2007, 07:23
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#10
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Mitglied
Registrierungsdatum: Nov 2007
Ort: Karibik
Beiträge: 7
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paradies
Man hat zu feiern und tut es auch. Die Königin der Welt zwinkert mir zu, schelmisch, neckisch, verspielt, und einmal mehr entfernt sich Boris Grüntner von seiner eigenen Feierlichkeit, liegt bis zum Morgengrauen mit der Königin der Welt unter den Palmenhainen, gibt sich hin, glaubt an Gott, den Allmächtigen, hat nicht den geringsten Anlass für Zweifel, Abt Haller wäre stolz auf seinen Zögling, Abt Haller sah sich nie in der Lage, den Glauben des Jünglings zu erwecken, da half keine christliche Nächstenliebe und keine katholische Züchtigung, die Königin der Welt schafft dies in jedem Moment, schöpft die Kraft aus der Schönheit der Welt, erschafft in jeder Sekunde eine neue, überraschende Welt, es ist immer eine perfekte Welt. Die Erde dreht weiter ihre Bahnen, schon einmal wünschte sich Boris ein Stillstehen, schon damals wurde seinem Wunsch nicht nachgekommen. Die Königin der Welt nimmt Boris an der Hand, Sonnenaufgang, man wünscht in Frieden zu Bett zu gehen, und findet den ehrenwerten Theodor Grüntner treibend, den Kopf nach unten im Chlorwasser, eine Flasche Rum schwimmt halb geleert und ruhig neben ihm. Boris springt, dreht den Onkel auf den Rücken, will etwas tun, sieht in ruhige, tote Augen, versucht etwas zu tun, zerrt den Körper an den Rand, will den Onkel retten, wie dieser seinerseits es schließlich auch getan hatte, kann nichts tun, die Königin der Welt steht fassungslos da, Boris weint die letzen Tränen seines Lebens.
Abhandlung zum Ende der Welt:
Das Ende der Welt kommt schnell und unabänderlich, spricht Gott. Das Ende der Welt ereilt jeden Menschen in dem Moment, in dem er meint, das Paradies gefunden zu haben. Ich lasse mir mein Paradies nicht vor der Zeit entdecken, spricht Gott, nicht in dieser Welt. Man glaubt, sein Paradies geschaffen zu haben, man hat es sich nicht vor der Zeit verdient. Niemand hat es vor der Zeit verdient. Geh hin, und tue, was zu tun ist.
Und Gott befiehlt Boris Grüntner, Alleingelassenen in der Welt, einen Tag nach dessen einundzwanzigsten Geburtstag, zu tun, was zu tun ist. Die Königin der Welt kniet über dem Onkel, kann nichts tun, hält sich die Hände vors Gesicht, weint, schluchzt, betrauert den Träumer Theodor Grüntner.
(aus ... "über die unbewohnbarkeit des paradieses)
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29. 11. 2007, 10:19
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#11
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Re: Eigene Prosa
Er saß auf seinem Thron der Apathie und lächelte. Zum ersten Mal lächelte er seit der Farce im Geschichtenwettbewerb. Weil sie seine Fähigkeiten beneideten, hatten sie sich zusammengeschlossen um ihm eine schlechte Bewertung zu geben. Sogar den Priester hatten sie gekauft... die Bezahlung waren sicher wieder kleine Mädchen. Der Zölibat hatte den armen Mann ganz schön mitgenommen. Musste versäumte Kindheitserfahrungen nachholen. Plötzlich kicherte der König. Von der Wucht seiner Heiterkeit beflügelt sprang seine Krone in die Luft und landete vor seinen Füßen. Ein schönes Stück Handwerk, geschmiedet aus Somnolenz, dem feinsten Edelmetall seines Königreiches. Doch er hob die Krone nicht auf, es war ihm egal. Seine Gemütslage war in diesem Moment viel wichtiger, und die stieg immer weiter.
Er hörte die ehemaligen Verbündeten, wie sie stritten. Über Geister und Fabelwesen, über verfluchte Philosophen und ihre Perversionen, über Rüstungen und Kriege. Der Priester würde "Gehenna!" schreien. Das ungläubige Volk verfluchen. Die Esoteriker würden sich im Kreise drehen vor Wut. Meditieren um ihre Schwächen zu überdecken mit einem dünnen Hauch des Mystizismus. Die Wissenschaftler würden weiterrechnen, rechnen um zu zeigen, dass es doch nichts gibt wovor sie Angst haben müssten. Um ihr verheißungsvolles Land aufzubauen. Sodomorrha, das Land des Glückes, in dem das Glück dann doch nicht war. Aber es stand zumindestens im Namen.
Ihm war es egal. Er würde beobachten und lächeln. Kichern. Laut auflachen. Der König stand auf und nahm seine Robe ab. Ein schönes Stück Handwerk, gewoben aus Phlegma, dem feinsten Stoff seines Königreiches. Sie fiel auf den Boden, doch er hob sie nicht auf, es war ihm egal. Schlendernd verschwand er in der Dunkelheit.
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29. 11. 2007, 10:31
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#12
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...andImustSCREAM
Registrierungsdatum: Apr 2007
Ort: unwichtig (Kaserne1)
Beiträge: 274
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Re: Eigene Prosa
"Und ich dachte er wäre bezwungen" schrien einige, während viele jubelten ob der seltsamen Wiederkehr im kahlen Adamskostüm. "Nein, aber er hat sich reichlich verspätet.", raunt von irgendeinem faulen Hirnlappen meinerseits ins Gedächtnis, das schon zig Tage/Wochen/Monate ohne Lebenszeichen verstrichen. Nichts außer die Erinnerung an den weißen Avatar, der gehässig von dem Throne sich niederbeugte, Zepterschwingend und allemal angsteinflößend die Krallen wetzte, mit Macht die krafterfüllte Stimme schmetterte.
Doch was bliebe ihm davon sich jetzt kreidebleich im Dunkel zu verstecken?, bestürzte ich mich in Gedanken.
Ich spüre schon wie er zürnet sich mit Enthaltsamkeit zu bedecken, also räumet ihm dem Platz, denn er wird fürchterlich herniedergehen, prophezeit mir ein zweiter fanatischer Hirnlappen.
Der dritte der sich sogleich meldet, meldet Furcht ob all den sarkastischen Gehabes vorbei, letztlich vollends geebnet ist, dem Weg zur steten Trist. Jenen die mit Emorumgehäulee, Neugespame, einnistet dort wo die Muse ist zugange, am Orte der Literaten. Oder werden wir wohlmöglich nur der (Haus)Aufgaben überdrüßig die einhergehen mit der Natur desselben Themas. Und uns totschlagen mit Klappspaten.
Drunten still vom Rückenmark, fahr ich auf, denn was bisher kein Hirnlappen sagt, schrei ich mit Inbrunst raus:
"Der König ist fort! Es lebe der König!"
Hingebungsvoll,
mundlos
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29. 11. 2007, 13:07
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#13
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Biest!
Registrierungsdatum: Aug 2005
Ort: Nagual
Beiträge: 3.873
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Re: Eigene Prosa
Ist es möglich? Kann das sein, es ist fast nicht zu glauben, dass sich jenseits des allgemeinen Stumpfsinns in den Tiefen der Abwasserwelt eine Nische der Wortkultur gebildet hat, in der ich mich so wohl fühle, dass ich mich am liebsten niederlassen möchte in den herrlich anmutenden aberwitzigen Formulierungen, den Kitzel genießen, den kleine Sticheleien hinterlassen. Hier, fernab von Leetspeek und beängstigender Rechtschreibignoranz, die selbst vor der Neuen Verunglimpfung nicht halt macht, geht es auch nicht um rinks oder lechts noch dreht man sich in endlosen Politdramen im Kreise, bei denen selbst die tivialste Nichtigkeit so erbarmungslos durchgekaut wird, bis man sich am liebsten aus dem Fenster werfen würde.
Nein hier werden solche Themen höchstens humoristisch zerrissen und neue Satzkonstrukte mit erfrischend kreativen Wortkombinationen ejakuliert, so dass ich mich mit Freuden damit geistig befruchten lassen möchte. Ich hoffe Ihr empfindet dies nicht als zutiefst schamlos, aber ich war schon immer ein wenig promisk. Noch ist das Ganze inzestuös und nicht jedes Kind meiner Gedanken, die das eine oder andere Mal aus dem einen oder anderen Erguss eines von Euch geboren wurde, findet auch Eure Gunst.
Mein König, es ist gut, dass Ihr die Robe der Trägheit abgeworfen habt, die vielleicht auch einer gewissen Eitelkeit kredenzt hat, die Ihr gar nicht braucht. Eure Nacktheit entzückt mich zutiefst und ich empfinde sie als Ehrerbietung. Hebt die Krone getrost wieder auf und dann seht, dass wir alle Kronen tragen, jeder auf seine Weise. Nein, mein König, Du musst nicht gehen, aber die Robe brauchst Du nicht anzuziehen, weißer Jüngling mit alter Seele, denn ich weiß, dass das was hier geschieht genau das ist, was Ihr Euch wünscht.
So möge auch derjenige, der schreien möchte weiterhin mit seinen Händen tiefer gehende Worte sprechen, wie er sie mit einem Munde möglicherweise nie getroffen hätte und vielleicht beglückt uns auch noch ein anderer, so wie jener der vorgibt die Figur eines Romans zu sein, den ein anderer geschrieben habe, welcher er aber sicher selbst ist.
Eine Verschwörung gab es übrigens nie und Summa Sum´marum war es die Nächtliche, die danach schweren Blessuren erlag. Aber was soll’s, es war eine Totgeburt, andere Kinder kommen, nach wie vor besteht Hoffnung.
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29. 11. 2007, 21:00
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#14
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Re: Eigene Prosa
Irgendwo zwischen Realität und Fiktion saßen die hochnäßigen Herren der Welt und blickten mit Abscheu nieder auf das primitive Volk. Sie selber waren gebildet. Ihre Ausdrucksweise gehoben. Ihre Nahrung das Wort. Ihre Gedanken ihr Hort. Ihre Gesichter alterten nicht, denn in ihrem Reich blieb jeder Jung.
Lächelnd nickte einer seinem Gegenüber zu. Ein Anderer achtete gründlich darauf, dass sein Abendanzug ja nicht dreckig werde zwischen all dem Abfall in dem sie saßen. Einer unter ihnen war besonderns eigenartig. Auf einer Obstkiste stand er auf seinen Untertan gelehnt und räusperte sich bei jeder kleinen Unterhaltung, um mitzudiskutieren. Und wenn man ihm dann das Wort übergab, mit vielen Verbeugungen und Verneigungen, dann klopfte er seinem Untertan auf den Kopf und der bemerkte: "Hoho, das wird mein Herr aber sicher besser als Sie wissen, mit Verlaub, eure Lordschaft!"
Ein anderer wiederrum hatte viele Angewohnheiten, die er sich in solch hohen Kreisen nicht erlauben durfte und hatte darum Stift und Papier zur Hand um sich Vorwände für seine Taten auszudenken. Manchmal dann, wenn es still wurde um das Feuer, hob er beschämt den Kopf mit einer Vorahnung und entschuldigte sich für sein flegelhaftes Verhalten. In der darauffolgenden Stille starrten die Könige in ihr Feuer und waren fasziniert und gefangen im Tanz der Flammen.
So saßen die einäugigen Könige im Kreise um ihr kleines Feuer welches sie aus alten Holzresten gezündet hatten, und um sie herum saßen im Kreise die Blinden und im Feuer saß der Teufel. Doch den sah keiner.
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30. 11. 2007, 12:54
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#15
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Re: Eigene Prosa
Ich sitze in der Bahn Richtung Friedrichstraße und beobachte die Gesichter in meinem Umkreis. Typische Berlin-Gesichter. Lebensfroh wie Delphine zwischen hungrigen Japanern. Natürlich darf ich aber nur innerlich lächeln, man würde mich für verrückt halten, wenn ich ohne größeren Lottogewinn in der S-Bahn in Berlin lächeln würde.
An der Station Ostkreuz höre ich auf einmal eine Stimme, die hinter mir verkündet: "Guten Tag, meine Damen und Herren, ich bin seit 3 Jahren...", doch weiter kommt er nicht. Stattdessen sagt er: "Mist, Moment, die Tür ist noch nicht zu." Die offene Tür gibt mir ein paar Minuten um über relevante Fragen nachzudenken. "Motz oder Straßenfeger?", "Einfache Ansprache oder vielleicht Tchaikowski auf der Mundharmonika?"... die gab es auch schonmal. Osteuropäer, die nicht gut genug Deutsch konnten um eine tolle Ansprache zu formulieren. Sie hatten es aber auch nicht wirklich nötig, die Sprache der Musik verstand jeder.
Nachdem die Türen nach einigen Signaltönen schliessen, setzt der (nach dem ersten Fehlversuch leicht verstörte) Obdachtlose noch einmal an. Ich nehme mir die Zeit. Ich lasse mich überraschen. "Guten Tag, meine Damen und Herren, ich bin seit 3 Jahren obdachtlos und verdiene mir auf verschiedenste Arten das Geld um über die Runden zu kommen. Jetzt denken Sie bestimmt "Oh Gott, nicht schon wieder ein Obdachtloser, der uns vollquatscht" und ich kann es Ihnen nicht verübeln, aber ich hoffe Sie nehmen sich trotzdem einen kurzen Moment für mich. Für Sie habe ich ein Gedicht vorbereitet und ich hoffe, dass es Ihnen gefällt. Über eine kleine Spende würde ich mich sehr freuen."
Auch ich bin überrascht, denn ein Gedicht habe ich bis jetzt noch nicht in meiner Liste zwischen A wie Akustikgitarre und Z wie zynische Selbstgeißelung.
Das Werk an sich hört sich dann eher an wie eine Abwandlung Peter Hacks, über den tollen Optimismus und die Sonne und die Liebe, einen Moment lang denke ich, dass er den armen Delphinen nur unter die Nase reiben möchte was sie nicht haben. Aber die Delphine bleiben emotionslos und denken wohl eher "Oh Gott, nicht schon wieder ein Obdachtloser, der uns vollquatscht".
Der Gedanke "Obdachtlose: Lyriker der Neuzeit?" drängt sich mir in den Kopf und ich frage mich, ob ich dazu im Gulli:Board einen Thread aufmachen sollte. Vielleicht auch gleich einen "Obdachtlose: Wieso sehe ich immer mehr auf den Straßen?", in letzter Zeit höre ich nämlich immer mehr Brahms, immer mehr Saxophone, immer mehr Obdachtlose.
In den Nachrichten sagte die sympatische junge Dame, dass die Arbeitslosenzahlen gesunken seien und lächelte dabei. War es Ironie? Waren die Arbeitslosenzahlen nur gesunken weil die Arbeitslosen zu Obdachtlosen wurden? Ich hatte keine Zeit darüber zu sinnieren, das Lächeln um ihre Mundwinkel war in der nächsten Szene verschwunden. Die Obdachtlosen nicht.
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02. 12. 2007, 21:10
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#16
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...andImustSCREAM
Registrierungsdatum: Apr 2007
Ort: unwichtig (Kaserne1)
Beiträge: 274
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Re: Eigene Prosa
Fischers Fritze fischt nach frischen Fischen, doch während dieser Fritze frische Fischen fischend sich am Teich des Ortes räkelt, geht die Hobbitschar auf weiten Wegen. Bittet dienlich auf den Auenland wie im Pappschuber sich mit dem Staub anzufreunden, alldazumal sie weder Recht noch Mündigkeit besitzen.
Mit allem nötigen Respekt, Herr Tolkin, aber Fantasy ist doch auch nur ein anderes Wort für Rumblödelei.
Danke.Bitte.Gern geschehen,
nomouth
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12. 12. 2007, 15:36
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#17
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Re: Eigene Prosa
Fischers Fritz fischt frische Fische. Frische Fische fischt Fischers Fritz. Er fischt jeden Tag. Lässt den Fischen keine Zeit die Lücken, den "Verlust", auszufüllen. Von Winterschonzeiten, die den Bestand erhalten, hält er nichts. Denn am liebsten hält er Forellen. Extradick. Dann beisst er rein und sagt: "Was mich nicht tötet, macht mich stärker" und deutet dabei lachend auf die Omega-3-Fettsäurentabelle in seinem Fischerboot und auf den Humor in seiner Aussage. Auch seine Familie mag den Fisch, sein Sohn sagt stolz: "Wenn ich groß bin, dann fische ich frische Fische. Frische Fische fische ich, wenn ich groß bin." Leicht beschämt sagt die Mama dann: "Den Sprachfehler haben wir seit Generationen in der Familie. Seit Generationen haben wir den Sprachfehler in der Familie."
Als die ersten Industriefischereien in der Nähe aufmachen, kann Fritz zumachen. Auch das ist ein lustiger Wortwitz. Aber nur für den Autor.
Dankeschön.
Ps: Ich liebe die Western von Clint Eastwood. Als er noch jung war und mit seinem Blick ausgewachsene Elefanten töten konnte.
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12. 12. 2007, 20:14
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#18
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...andImustSCREAM
Registrierungsdatum: Apr 2007
Ort: unwichtig (Kaserne1)
Beiträge: 274
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Re: Eigene Prosa
Beethoven, Paganini, Klompdicht von und zu
Herr Klompdicht ist Straßenmusiker. Man sieht ihn morgens im roten Samtmantel auf der Holzbank, sich strecken und recken. Da gähnt er und stöhnt er, die frohe Natur.
"Ich mache das nicht wegen des Geldes oder wegen des Ruhmes", sagt Herr Klompdicht mit einem Lächeln: "Ich mache das weil die Musik sich prostituiert hat, so wie ich mich prostituiere, denn Prostitution ist wirtschaftlich, wie sozial ungeeignet und daher kritisch."
Ein Naturtalent wenn man so sagen darf. Herr Klompdicht, ehemaliger Kunde der Badbrunner Heilanstalt, hat nur eins im Sinne: "Die Klassiker der Musik von den Opernhäusern und Festspielhäusern auf die Straße zu bringen."
Er genießt keine Unterstützung von großen Labels und trotzdem hat er Rückenwind. Musikprofessor Markstein hat ihn eines Tages auf der Marburger Fußgängerzone entdeckt und war begeistert: "Das ist Avantgarde. Sie können sich nicht vorstellen wie überrascht ich war als ich diesen Mann auf der Straße traf."
Auf die Frage hin welches die besonderen Qualitäten seiner Musik seien antwortet Herr Klompdicht mit stolzgeblähter Brust: "Ich mache Soundcollagen mit Körperfunktionen."
Ps: Klaus Kinski konnte mit seinem Schatten ganze Landstriche verwüsten.
Geändert von IhaveNOmouth... (12. 12. 2007 um 23:58 Uhr).
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12. 12. 2007, 23:37
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#19
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Re: Eigene Prosa
Tod, Verwüstung und andere Gemeinheiten
Nichtsahnend surfe ich (vor einigen Minuten noch) durch das Internet. Jung, voller Leidenschaft und Energie, das gesamte Leben vor mir. Der Tod noch Jahre entfernt, denke ich vergeblich!
Doch wie Fortuna so spielt, trifft mich der Hammer des Schicksals und vernichtet alle meine Pläne für die Zukunft:
TESTE DEINE LEBENSERWARTUNG
WANN STIRBST DU?
Provokativ. Durchaus provokativ. Ein alter Mann, der aussieht wie die alten Indianerhäuptlinge und dessen Gesicht aus Falten zu bestehen scheint, starrt mich böse aus der Werbun... Quatsch, aus dieser Verheißung an. Als ob ich etwas dafür kann, dass er in seiner Jugend nicht bei diesem genialen Test mitgemacht hat. Ich lerne aus den Fehlern des alten Mannes und melde mich sofort an.
Wie lautet dein Name: Max
Sicherlich relevant, wer mit einem höllisch langen Namen ausgestattet ist, der muss mehr Luft holen um ihn auszusprechen und ist dadurch Lungentechnisch auf höhstem Stand. Wohin Personen die Max heissen durchschnittlich 20 Jahre alt werden. Testweise nenne ich mich Max.
Wie alt bist du: 19
Ja, hier können wir ruhig mal richtige Angaben machen. Nur um euch zu zeigen, dass alle Personen die Max heissen früh sterben.
Wie groß bist du in cm: 120
Durchaus möglich. Hab schon chinesische Kungfu-Filme gesehen, bei denen die gesamte Crew zusammen keine 120 cm zusammengebracht hat.
Wie schwer bist du in kg: 120
Auch möglich. Hab schon chinesische Sumo-Filme gesehen, bei denen die einzelnen Körperteile soviel gewogen haben.
Hast du chronischen Erkrankungen (z.B. Diabetes, Rheuma)? Ja, schwere Erkrankung
Max hat Diabetes. Weil die Lunge nicht trainiert ist.
Sind in deiner Familie Erbkrankheiten bekannt (z.B. Krebs, Diabetes)? Ja, schwere Erkrankung
Vom Max der Papa heisst Jon und die Mama heisst Lia. Beide vor kurzem an kurzen Vornamen verstorben. Und die Lunge natürlich.
Treibst du Sport? Nein
Wär ja auch allzu lustig mit der Lunge Sport zu treiben.
Rauchst du? Ja
Irgendwie muss die Lunge ja arbeiten.
Trinkst du Alkohol? Ja
Max hats an einem Wochenende mal geschafft den Aktienwert von Jack Daniels um 20% zu steigern.
Nimmst du Drogen? "harte Drogen"
... denn Max liest Hohlbein. Die meisten Menschen die Hohlbein lesen sterben entweder an Einfallslosigkeit oder an zu kurzen Vornamen.
Isst du viel? Ja, esse viel
[lustiger Spruch nach Wahl]
Isst du gesund? Nein, man kann Adjektive nicht essen
Klugscheisser...
Was arbeitest du? Schwer körperlich
Max ist ein Baukran.
Wie viel arbeitest du? Über 40 Std/Woche
Baukräne haben keine Pausen.
Hast du Hobbys? Nein
Er hat keine Zeit für Hobbys, weil er arbeiten muss.
Bist du glücklich? Nein, ich habe Depressionen
Er möcht ein Glücksbärchi sein...
Machst du oft Party? Ja, mind. einmal pro Woche
Untertrieben.
Hast du deine eigene Familie? Ich bin Dauersingle
Er wartet noch auf den richtigen Baukran fürs Leben.
Trainierst du dein Gehirn? Ne, garnicht
Hier wollt ihr alle einen lustigen Spruch sehen aber ich mach mit Absicht keinen rein.
Hi Max.
Hier ist das Ergebnis deines Lebenserwartungstests.
Dem Test nach solltest du 0 Jahre alt werden.
Demnach solltest du eigtl. seit 19 Jahren tod sein.
Bei dir muss sich was ändern.
Na, hatte ich also doch recht. Leute mit kurzen Vornamen schaffens nicht über die 20.
Wenn jemand hier herumschleicht auf den all diese Attribute passen, der dazu auch noch Max heisst und ein Baukran ist, der sollte wirklich mal zum Arzt gehen.
Gute Nacht wünscht
Cemo3
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25. 12. 2007, 11:29
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#20
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Re: Eigene Prosa
Grade als ich im Bad war hat eine Erinnerung aus alten Tagen angeklopft und nun wundere ich mich die ganze Zeit darüber. Vielleicht könnt ihr mir ja eure Weisheit leihen und Meinungen kundtun.
Das war so:
Vor einigen Jahren, da war ich noch ein kleiner und schmackhafter Schüler in der Oberschule. Die Welt war in Ordnung, möchte ich spekulieren, sie war zumindestens nicht so schlecht wie sie hätte sein können. Da war noch eine Menge Potenzial. Ein Stück in die falsche Richtung ging es an dem Tag aber schon. Ein junger Mann aus Erfurt hatte nämlich das Bedürfnis Rache zu nehmen an Lehrern und Schülern aus dem Gymnasium. Eins stand für ihn nämlich fest: Die Lehrer und Mitschüler waren schuld. Als Wirkung gab es dann den Amoklauf. Ursache > Wirkung. Ganz einfache Sache.
Nun ging ich am nächsten Tag dann in die Schule und die Kunde hatte auch Wedding, Berlin, Deutschland erreicht. Meine Deutschlehrerin (die zugleich auch meine Klassenlehrerin war, die zugleich einen leichten Flaum um die Backen hatte und deshalb von Mitschülern hinter ihrem Rücken ausgelacht wurde) beschloss: Wir werden ein riesengroßes Plakat nehmen, und der Familie des jungen Mannes eine Wand des Mitgefühls schicken (Sie nannte es nicht so, aber ich finde die Bezeichnung so passend). Im Nachhinein würde ich eher sagen, dass es eine Wand der Heuchlerei war. Doch es stand mir nicht zu die Meinung meiner Lehrerin in Frage zu stellen. Sie bestimmte die Noten.
Kurz zur Wand des Mitgefühls: Jeder nimmt sich einen kleinen Zettel und schreibt seine Meinung dazu auf. Die Meinungen werden an das Plakat gepappt und sehen dann aus wie die 80er, ohne Musik.
Nun waren alle fleissig am schreiben, jeder malte Herzchen, Beileidsbekundungen und kurze Texte, unter denen dann wie bei der Bravozeitschrift Namen wie "Malte Schmidt, 15" oder "Ahmet Özbek, 14" standen.
Ich hatte auch ein Zettelchen bekommen und überlegte was ich schreiben sollte. Ich dachte. Und dachte. Und dachte... Swiper nicht klauen! Verdammt, bleib bei der Sache Cemo, dachte ich. Auf einmal hatte ich eine Idee. Ehrlichkeit währt am längsten, dachte ich nämlich. Und weil ich am Tag zuvor in den Nachrichten gesehen hatte, dass der junge Mann schon seit Wochen aus der Schule geflogen war und trotzdem von der Mama am Tag der Vergeltung ein Küsschen + Daumendrücker für die Zeugnisse bekommen hatte stand für mich eins fest: Die Eltern waren schuld. Wie konnte man denn bloß nicht wissen, dass der eigene Sohn seit Wochen aus der Schule geschmissen wurde, fragte sich mein naives und jugendliches Gehirn sich. Ich nahm meinen Zettel, hob den Stift und hätte jemand in dem Moment ein Foto gemacht: Ich sah festlicher aus als Jefferson vor der Unabhängigkeitserklärung.
Ich schrieb, während die anderen Lämmer "bleipt taff, libste grüse, mareike" hinkritzelten, mit dicken und großen Lettern: "ES IST IHRE SCHULD. WARUM HABEN SIE NICHT AUF IHREN SOHN AUFGEPASST?"
Als ich nach vorne zu meiner Deutschlehrerin ging und meine Warnung und meinen Weckruf an die untergehende Gesellschaft in die Hand drückte, starrte sie für einige Sekunden drauf. Dann starrte sie mich an. Und dann sagte sie: "Was soll das denn?" Die darauffolgende Diskussion über Meinungsfreiheit und Killerspiele ist mir schon wieder entfallen. Für meine Lehrerin stand nämlich eins fest: Die Spiele waren schuld. Meine Meinung kam natürlich nicht aufs Plakat.
Ein paar Tage später bekam sie mit, dass ich Counter Strike auf dem PC habe. Der Ruf war für ein paar Wochen im Arsch. Konnte kaum "Infinitiv mit zu" sagen und ihr dabei in die Augen schauen. Sie dachte in etwa: "Na, du verfluchter Amokläufer, dich mach ich schon noch zur Schnecke. Infinitiv."
Die Welt wurde nicht besser. Im Gegenteil. Die Flut in Asien kam. Ich stand still bei der Schweigeminute. 9/11. Ich stand still. In meinem tiefsten Inneren wollte ich meinem Schmerz Ausdruck verleihen durchs Singen. Ich wollte tanzen für die armen Asiaten. Steppen für die Amerikaner. Doch ich durfte nicht. Heute macht mir niemand mehr die Regeln und ich kann so die Toten respektieren wie ich möchte. Ich weiss nicht ob ich für Bhutto tanzen werde. Vielleicht möchte ich ihr lieber einen Kuchen backen. Vielleicht möchte ich sie auch garnicht respektieren. Es liegt in meiner Hand. Aber nur wenn ich zuhause bin. Draussen zählen wieder andere Regeln. Wenn ich nieße muss ich mich neuerdings entschuldigen. Wenn ich am Tisch sitze muss ich warten bis alle anderen auch da sind. Doch wenn Menschen verprügelt werden, dann muss ich nicht einschreiten. Und wenn ichs dann doch tue ist das riesige Zivilcourage und keine Selbstverständlichkeit. Und ausserdem isst man hier in Deutschland nicht soviel Weißbrot. Fleisch mit Beilage und Gemüse. Ohne Weißbrot. Hühnchen mit Kartoffeln und Sauce Hollandaise und daneben ein Salat. Das gehört sich so. Das ist auch gesünder. Und darum gehe ich zum Türken. Weil es da Weißbrot gibt soviel ich essen kann. Und da bekommt man zu jedem Gericht Weißbrot. So wie ich es mag. Und an Sonntagen hat er auch offen.
Der Dönermann ist ein Anarchist.
Geändert von Cemo3 (28. 12. 2007 um 00:58 Uhr).
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28. 12. 2007, 00:28
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#21
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..wie bei ner Bockwurst!,
Registrierungsdatum: Dec 2006
Beiträge: 91
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Re: Eigene Prosa
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28. 12. 2007, 00:40
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#22
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Re: Eigene Prosa
Jetzt fliessen alle Gedanken aus mir raus. Hab mich grade an meinen Geschichtslehrer erinnert. Zornig, ernst, fing bei den Rittern an, ging über das Kaiserreich zum Nationalsozialismus. Die Nummer konnte er auswenig. Jahrelange Erfahrung. Er wusste was rankam, teilte die Blätter aus, am Ende gab es eine Klausur und dann wars das. Nächstes Thema, angetreten: Leibeigenschaft. Fertig. Weg damit. Neues Thema: Bismarck. Fertig. Weiter. Souverän klapperten wir die Themen ab, der Alltagstrott war mir angenehm geworden. Ich mochte diesen alten Mann, der da vorne stand mit lichtem Haar, strengem Blick und Hornbrille. Als wir zum Nationalsozialismus kamen, erzählte er, wie der beste Freund seines Vaters im Weltkrieg in dessen Armen gestorben ist. Oder wie man vergebens nach Nahrung suchte. Wie man mit Steinen spielte, weil es noch keine Gameboys gab. Er sagte Gameboy, weil er wohl nicht auf dem neuesten Stand war und nicht wusste, dass der Gameboy für einige von uns auch schon so alt wie 2 Leben war... So ging es viel Jahre, bis lobesam, der Herr von Ribbeck von Ribbeck zu sterben kam.
Der Nachwuchslehrer war schon da:
Jung, dynamisch, ein geschniegelter Aal. Hass. Es ist eine Tragödie. Das selbe Spiel wie bei Weckern. Du hast jahrelang diesen netten, braven Wecker. Nicht gierig, einfach, aber zuverlässig. Jeden Morgen das leise Klingeln in den Ohren. Hinten nochmal aufziehen. Und dann verschwindet der Wecker und du holst dir einen "modernen", der dir jeden Morgen MP3-Klingeltöne ins Ohr schreit und dazwischen Werbung für Mobilfunk.
Er wollte was Neues machen. Das "ganze alte Zeug" war ihm zuwider. Er wollte den Israel-Palästina-Konflikt durchnehmen. Dann den Irakkrieg. Er bildete Diskussionsgrüppchen, jeden Tag eine Karikatur von einem unbedeutenden Idioten aus der Lokalzeitung, die er an die Wand projizierte und wir mussten erklären was drauf war. Max meldete sich. "Jaa, der Weg ist die Road Map. Dann ist da so Maschendraht. Und die beiden haben Waffen in der Hand. Der Israeli und der Palästinenser." Brav, Max. Zum Glück waren bald Sommerferien. Am letzten Tag wollte er mit uns eine Feier geben im Klassenraum. Mit Speis und Trank. Die üblichen Arschkriecher hingen mit ihm ab und fanden den jungen dynamischen Dynamo super.
Idioten.
@Zyd
Bitteschön, Xys. Ich danke fürs durchlesen. 
Sind ja nur halbgare Gedanken die ich loswerden möchte, freut mich wenns euch genauso Spaß macht wie mir.
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28. 12. 2007, 00:57
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#23
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Mitglied
Registrierungsdatum: Apr 2007
Beiträge: 441
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Re: Eigene Prosa
Die Zweite ist schon etwas halbgar, aber die Erste find ich super. Auch ein Danke von mir
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28. 12. 2007, 07:10
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#24
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