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anZen
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Re: Eigene Prosa

Zitat:
’Lyrik

'Lyrik ['Ly·rik]
die; -,(-en)

1 literarische Kunstform des Gedichts, vgl. → Dramatik (1), → Epik (1)

2 → lyrisches Werk e-s Künstlers


Gruß anZen
Alt 05. 03. 2008, 20:37 anZen is offline Mit Zitat antworten #76
Cemo3
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Re: Eigene Prosa

Jetzt mal ehrlich, anZen, ich frag mich auch was das soll. Ist Lyrik nun Literatur? Ganz unter uns: Die paar Zeilen, die paar Buchstaben... wenns hochkommt eine Seite. Eine Seite! Das kann ich persönlich nicht Literatur nennen. Beim besten Willen nicht.

Stellt sich da auch relativ quer
Cemo3

Zitat:
Zitat von Bierfreak
Hm...sagt wer?
Gyorn wars.
Alt 05. 03. 2008, 21:34 Cemo3 is offline Mit Zitat antworten #77
anZen
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Re: Eigene Prosa

Literaur ist Prosa & Lyrik, so meine Vorstellung von der Sache. Es kommt in meinen Augen wenig auf die Quantität an, sondern auf die gesellschaftliche Konvention, dass wir schöngeistige Schriften, allgemein, als Literatur bezeichnen.
Im Endeffekt kann trotzdem jeder denken was er will, da Sprache (Zeichenlehre) nicht vollkommen ist und alles relativ ist.
Unbefriedigend, aber wahr!
Alt 05. 03. 2008, 21:49 anZen is offline Mit Zitat antworten #78
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Re: Eigene Prosa

"Literatur ist nicht Quantität, sondern Qualität."

Schön auf den Punkt gebracht, Anzen
Alt 05. 03. 2008, 21:51 Bierfreak is offline Mit Zitat antworten #79
Cemo3
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Re: Eigene Prosa

Der Jugend geht der Sinn für Ironie definitiv ab.
Alt 05. 03. 2008, 21:52 Cemo3 is offline Mit Zitat antworten #80
anZen
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Re: Eigene Prosa

Hehe, danke Bierfreak!
Alt 05. 03. 2008, 21:53 anZen is offline Mit Zitat antworten #81
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Re: Eigene Prosa

Ach was, da hilft keine Ironie, jetzt gibt es einen auf die Mütze:

Zum Teufel mit dem Nettigkeiten, der Ettikette, dem Hut-ab und Hände reichen, nichts mehr gibt es zu erreichen: Die Literatur ist tot und ihr habt sie getötet. Sie liegt vergammelt auf dem Thron der überflüssigen Freizeitleichen, sie liegt zwischen übel riechenden Dudenseiten, dem ranzigen Ende einer verbummelten Tradition. Kultur, oh Hochkultur, Leitkultur, Stellen, Wesen, Kunstkultur, Ego, alte Subkultur, Mono, Hydro, was auch immer.
Lässt sich unter „Sonstiges“ nachschlagen.
Schminkt euch nicht zum Heilspropheten. Andere konnten vor euch beten, die es besser konnten!
Mit Glorie und nicht so'n Firlefanz, hinten und vorne ausgefranst, labert ihr hier nur im Chor immer vor, immer vor. Niemand hat von solcherlei Hirngespinste und blödem Brei nur eine Münze, die Mütze nur mit Stroh gedeckt.
Schreiben lernt man durch den Ton, also tönt euch schon davon. Sonst krieg'sch Plaque.

In diesem Sinne: mehr Geschichten, weniger Geschwätz.
Alt 07. 03. 2008, 21:12 IhaveNOmouth... is offline Mit Zitat antworten #82
Hundberg
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Re: Eigene Prosa

In stummer Verneigung vor den Philosophen des Internets:

Leonard ließ den Penis aus dem Fenster baumeln. Der Penis samt seiner haarigen Hoden flatterte im Wind der Autobahn. "Leonard!", sagte Frau Haas "Man lässt seinen Penis nicht einfach so aus dem Fenster baumeln. Was sollen denn die Leute denken?" Leonard war das egal. Was stört sich die Welt schon an einem flatternden Penis? Die Welt ist mit wichtigerem beschäftigt, er hätte sogar das Hinterteil auch noch hinausstrecken können, wäre das nicht am falschen Ende des Körpers. Eine Fliege zerplatzte an seinem Glied, es schmerzte ein bisschen. Leonard rieb über die Stelle. Es fühlte sich gut an, sich so zu präsentieren. Sich so zu präsentieren, wie sich nur wenige präsentiert hatten. Leonard war ein Künstler. Frau Haas wollte gerade nach hinten greifen, als Leonard die Lippen zu den ersten Vokalen einer Rede formte, die die Welt bewegen würde. "Ä Ö Ü, diese Buchstaben braucht man nicht oft. Und doch sind es die einzigen Buchstaben, die Punkte...FLATTATATATATATATATAT RRRRRRRRRRR, PADOMP, PADOMP, PADOMP... args!

Die Geschwindigkeitshemmer der französischen Zollstelle hatten Leonards Rede sehr abrupt enden lassen. Vielleicht war die Welt einfach noch nicht reif.
Alt 09. 03. 2008, 21:31 Hundberg is offline Mit Zitat antworten #83
Cemo3
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Re: Eigene Prosa

In stummer Vergeigung vor den Philosophen des Internet:

Walthers Vater war sehr schüchtern in Gegenwart der meisten Frauen. Kein Wort kam aus seinem Mund heraus, wenn eine Dame den Raum betrat. Es gab natürlich Ausnahmen, aber Beziehungen zu selbigen würden unter die Sparte "Unzucht" fallen und auch sonst fand er seine alte Mutter nicht sehr ansprechend. So musste Walters Vater ungewollt zölibatär leben.

Doch dann kam der Krieg. Walthers Vater wurde nicht wiedergefunden. Darum wurde Walther auch nicht geboren. Wäre der Krieg nicht gewesen, dann würde Walthers Vater irgendwann in dem kleinen Park neben der großen Eiche eine junge Dame sehen und nach einem inneren Kampf (voller Wut auf seine eigene Persönlichkeit) zu ihr gehen und aus schierem Trotz "Hallo!" sagen.

3 Jahre später würde Walther auf die Welt kommen, genauso schüchtern sein und Freunde im Internet haben, die er niemals treffen würde außer an seinem Geburtstag bei World of Warcraft, und für die riesige Party müsste er dann 2 Wochen im Voraus anfangen Gold zu sammeln. Er würde auf die Distanz das Mädchen aus der Parallelklasse beobachten. Einer seiner erfahreneren Freunde würde später bei ICQ spekulieren, dass sie unbehaarte Brüste haben müsse, weil sie eine Frau sei. Walther würde diesem jungen Mann später vieles verdanken.

Nach der Schule wäre das Mädchen weg. Auch Walther wäre weg. Er wäre in Asien und müsste sich dort eine Frau holen. Sie könnten sich kaum bis garnicht verstehen. Durch Gebärden- und Körpersprache würde dann u. A. Walthers Sohn auf die Welt kommen.

Die Mutter würde ihn "Xingbao" nennen wollen, vielleicht würde sie auch einfach nur eine neue Chouchgarnitur haben wollen, Walther könnte es ja nicht verstehen...

Naja.

Im Endeffekt wäre es Quatsch euch eine Geschichte über Walther und seine Nachfahren zu erzählen, wie gesagt, sein Vater verschwand im Krieg, und Walthers Oma goss alle 2 Wochen das Grab neben der Kirche, in dem nichts lag.

Das ersparte Walther viele Unannehmlichkeit.
Alt 10. 03. 2008, 15:47 Cemo3 is offline Mit Zitat antworten #84
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Re: Eigene Prosa

Eine besondere Begegnung

Es knisterte leise, sanfte Funken der Zuneigung sprühten zwischen ihnen beiden hin und her. Flüchtige, verschämte Blicke, die sich ineinander verhakten, gierig und doch verschreckt und scheu wie ein junges Reh. Ein leises Zucken in ihrem Körper, heiß, kalt, überrascht, ängstlich, sie wusste nicht was sie fühlen sollte. Ihre Augen huschten über ihn und betrachteten durstig den Neuankömmling. Er war nicht wie die anderen, das sah sie sofort. Irgendwo brummte eine Kaffeemaschine, die Geräusche tänzelten anmutig, vorsichtig um sie herum, als wollten sie diese stumme Vereinigung zweier Seelen nicht stören, drehten einen kleinen Halbkreis, tanzten weiter - und fort waren sie. Die großgewachsene Gestalt mit den tiefen, warmen Augen blieb. Er sagte nichts, lächelte nur leise und war trotzdem so präsent als stünde er auf einer Bühne vor Tausenden von Zuschauern. Alleine. Und er füllte diese riesige Bühne komplett aus mit seiner Ausstrahlung, sanfte aber doch kraftvolle Wellen pulsierten um ihn herum. Das war es wohl, was man Charisma nannte, dachte sie. Sie war verzaubert, stand still und stumm, bewegungslos, unfähig etwas zu unternehmen. „LOS SAG ENDLICH WAS!“ brüllte ihr Verstand. Sie öffnete ihren Mund, sie brachte keinen Ton hinaus. Doch er übernahm das für sie. Mit einer unendlich tiefen, rauhen, männlichen Stimme sagte er :
„2 Chickenburger und 1 Cheeseburger zum mitnehmen.“
Alt 22. 03. 2008, 11:01 thef!cker is offline Mit Zitat antworten #85
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Re: Eigene Prosa

und ich wollte schon fast kotzen

--------------------------------------------------
"Guten Abend und recht herzlich zu den Lottozahlen" klang es aus dem alten, teilhölzernen Fernseher, den sie nur anschaltete, weil sie musste, und nach den oben genannten Worten auch wieder ausschaltete, weil sie eben musste. Sie ging dann auch zum Kühlschrank, um - weil sie musste - festzustellen, dass dieser genausoviel Dreck enthielt wie der schon erwähnte teilhölzerne Affenkasten. Sie verspürte den Drang, hinauszugehen. Das Wetter den, schlecht zu werden, denn beide mussten tun was sie tun mussten. Das Wetter wurde also sofort schlecht: Platzregen oder Hagel, starker Wind oder gar Sturm, am besten Temperaturen um den Nullpunkt und einen Luftdruck, der ihr - sie müsste, du weißt es - am nächsten Morgen sicher Kopfschmerzen bereiten würde, würde nicht geschehen, was hier - du ahnst es - geschehen muss. Sie holte sich, bereits gut angekleidet und ein paar Schritte vor der Tür gelaufen - du weißt, warum - eine Zigarette und musste genervt feststellen, dass sie zwangsweise ihr Feuerzeug vergessen hatte. Selbstverständlich wurde ihr nicht klar, dass ein Feuerzeug beim bekannten Wetter sowieso nichts genützt hätte, wohl aber dass sie neben einer Kneipe stand, in der zwangsweise geraucht wurde, da der Rauchzwang dieser Geschichte stärker ist als das Gaststättenrauchverbot dieser Republik. Sie betrat also zwangsweise die gezwungenermaßen urige Kneipe, ließ sich von irgendeinem Volltrottel, den sie um des Feuers Willen zwar umgarnte, innerlich jedoch unabänderlich verabscheute, ihre lange Zigarette anzünden und praktischerweise - sie war, und ist noch, Feministin - einen gezwungenen Drink spendieren. Nach fünf Minuten ließ sie besagten Volltrottel links liegen und ging. Logischerweise verrate ich nicht, wie das Wetter war, als sie sich auf ihrem Weiterweg zur besten Freundin zum Lästern machte. Natürlich waren beide hübsch und betranken sich mit Blubberwasser, das ich nicht Sekt nennen darf, deshalb bereitete ihr der Luftdruck auch keine Kopfschmerzen, den bekam sie woanders her. Sie war keine verlassene Hausfrau, sie war - und ist noch - Feministin. Sie gefiel sich darals. Was blieb ihr anderes übrig?
Alt 23. 03. 2008, 23:09 zyx36 is offline Mit Zitat antworten #86
Hundberg
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Re: Eigene Prosa

Jetzt hab ich gerade eine Geschichte geschrieben, die mir gar nimmer gefällt. Irgendwie hat sie keinen humoristischen Wendepunkt, ist aber geschrieben, als ob sie einen hätte...
Da ichs nun aber schonmal geschreibselt habe, wirds jetzt auch gepostet. Im Spoiler, die Liebesdichter dieser Welt sollten sich ein Beispiel nehmen.

Spoiler:


Ich hab das Vieh übrigens wirklich zerlegt... vielleicht klingts deshalb so grässlich nach Erlebnisaufsatz.
Alt 25. 03. 2008, 19:04 Hundberg is offline Mit Zitat antworten #87
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Re: Eigene Prosa

ist bei nem Reizwortgeschichtenwettbewerb mit einer Freundin rausgekommen.

- Nomadenvolk.
- Abfall.
- Internetwerbung. (musste ich leicht verändern)
- Maskenball.
- Feierabend.
___________________________________

Er legte langsam seine Hand auf die dreckige Türklinke. Sie war ganz warm von der goldenen Sonne die in den heruntergekommenen Raum schien. Die Tür quietschte leise als er in den Hinterhof hinaustrat, die Sonne blendete ihn, während er mit der linken Hand in der weiten Hosentasche seiner verwaschenen Blue Jeans nach der Packung Zigaretten suchte. Er ertastete sie und fingerte sie geschickt hinaus, schnappte sich einen wunderbar nach Freiheit duftenden Glimmstängel und zündete ihn sich an. Er nahm einen tiefen Zug, inhalierte den überwältigend nach Feierabend schmeckenden Rauch. Den Kopf in den Nacken gelegt, genoss er einfach nur den Augenblick. Denn viel hatte er in seinem trostlosen Dasein nicht zu genießen. Im Prinzip war er ein einfacher Penner, seine Residenz war eine kleine, aber doch recht gemütliche Stelle unter einer der vielen Brücken im Westen der Stadt, ganz in der Nähe. Früher war er auch sehr oft umher gezogen, wollte nie länger als ein paar Tage ein einer Stelle bleiben. Wollte frei sein. Beweglich. An nichts gebunden. Wie ein Nomadenvolk in dieser glühend heißen Betonwüste. Seine Oasen waren Zigarettenautomaten an denen er den Durst nach Nikotin stillen konnte, falls er genügend Kleingeld zusammen gekratzt hatte. Ihm gefiel diese Vorstellung auch heute noch, aber er wurde älter und es war schlichtweg bequemer sich es an einer Stelle möglichst behaglich einzurichten. Lange Zeit hatte er den ganzen Tag mit Betteln und sich selbst bemitleiden verbracht, doch dann erschien dieser elegant gekleidete Mann. Unter seiner Brücke. Er redete etwas von einem lukrativen Jobangebot, ohne viel Aufwand viel Geld verdienen. Es klang wie im Märchen. Natürlich traute er der Geschichte nicht, doch an diesem Moment war er mal wieder restlos pleite und schon mehrere Stunden ohne eine Zigarette. Geld um sich welche zu kaufen hatte er auch nicht. So willigte er schließlich zögernd ein als ihm der Fremde eine ganze Stange Kippen vor die Füße warf und versprach, dort wo er arbeiten würde gäbe es noch viel mehr davon. Sein Job bestand darin, in einem dreckigen, verlassenem Hinterhof Drogen mit den verschiedensten Materialien zu strecken. Eine ziemlich heikle Arbeit, die rund um die Uhr kameraüberwacht wurde. Sagte ihm zumindest sein Auftraggeber. Mittlerweile war er ziemlich erfahren, er hatte viel ausprobiert. Die Klassiker Glassplitter, Mehl, Backpulver. Aber auch neue Ideen, Brausepulver und Zucker zum Beispiel. Sein Boss lobte ihn dafür, das süße Spezialkokain sei bei den Junkies besonders beliebt, meinte er. Der Lohn war nicht schlecht, trotz der langen Arbeitszeit. Jeden einzelnen Tag über 10 Stunden. Es war eine fitzelige Arbeit den Stoff gut mit dem Streckungszeug zu vermischen. Er hatte dafür verschiedenste Techniken entwickelt. Es musste natürlich perfekt werden, sonst wäre er seinen Job ganz schnell wieder los. Und nebenbei wahrscheinlich auch sein Leben, an dem er eigentlich doch ziemlich hing. Mit der Mafia war nicht zu spaßen. In Gedanken schwelgend schlurfte er qualmend durch die engen Gassen auf den Weg zur Innenstadt, er wollte noch ein bisschen sein erarbeitetes Geld ausgeben. Denn es war gerade mal 19 Uhr laut seiner Armbanduhr mit dem zerplittertem Display und dem ausgefransten Armband. Um ihn herum liefen Ratten und ähnliches Ungeziefer, die förmlich badeten in den riesigen Mengen Abfall die dort herum lagen. Der Gestank tat sein übriges zur trostlosen Umgebung, in die die goldenen Strahlen der Sonne nicht so recht passen wollten. Seine Zigarette war schon wieder fertig geraucht. Er schnippte die Kippe gekonnt weg und bog in die nächste Gasse ein. Es war nicht mehr weit. Voller Vorfreude auf das voll Leben pulsierende Downtown legte er einen Schritt zu. Er würde sich ein Eis kaufen, Schokolade und Sahne-Kirsch. Würde mit den anderen Leuten im Strom schwimmen, fast wie ein ganz normaler Mensch. Seine Klamotten waren zwar etwas dreckig, doch das kümmerte ihn nicht. Hauptsache unter Menschen. Der alte umher-zieh-Lust packte ihn fest und doch sanft und vertraut wie eine Frauenhand seinen Nacken beim Küssen. Er hatte den Geschmack kühlen Schoko-Eises bereits auf der Zunge, wie es langsam zerschmolz. Und danach, eine Zigarette. Er seufzte. Manchmal war das Leben einfach schön. Links oben erblickte er ein großes Werbeplakat, das hieß er war bald da. Auf dem Werbeplakat wurde eine Internetseite angepriesen. Er schüttelte den Kopf, wie die Zeit verging. Früher wurde noch Werbung für reale Produkte gemacht, heute für virtuelle Schauplätze aller Art. Plötzlich fühlte er sich verlassen und einsam in dieser rasant dahin rasenden Welt. Er war alleine, niemand wartete daheim in der warmen Stube auf ihn und kochte mit Liebe sein Abendessen. Niemand war nachts da zum kuscheln. Die Sehnsucht pirschte sich langsam an hin ran, umklammerte ihn und ließ nicht mehr los. Beinahe augenblicklich trat ein Mann aus der engen Gasse rechts von ihm. Er wollte ihn eigentlich garnicht beachten, doch er hatte eine skurril aussehende Maske auf, was ihn sehr verwunderte. Er schluckte, der Fremde blieb stehen, er hielt etwas in der Hand. Links raschelte etwas, ein weitere Mann ging langsam auf ihn zu. Maskiert. Und der nächste, direkt vor ihm aus der Straße. Sie umtänzelten ihn förmlich, er schaute genauer hin, alle hatten ein großes Messer in der Hand. Sein Hals schnürte sich zu, sie wollten ihn. Er wusste es instinktiv, er hatte etwas vergeigt, etwas Wichtiges falsch gemacht. Surreal anmutend kam er sich vor wie auf einem Maskenball, es war als konnte er leise klassische Musik hören. Doch er passte nicht hinein, war ein Eindringling. Die fremden Tänzer machten den Kreis enger, der rechts hob bedächtig den Arm und das große Jagdmesser blitze noch einmal in der Sonne auf bevor ein sengender Schmerz seinen Körper durchbohrte, von rechts, von links, von überall. Wieder und wieder, seine Sicht verschwamm, er sank lautlos zu Boden und die Blutlache breitete sich ebenso langsam und stumm weiter aus...
Das Leben war nicht immer schön.
Alt 29. 03. 2008, 13:55 thef!cker is offline Mit Zitat antworten #88
zyx36
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Re: Eigene Prosa

Zur Einstellung 'Christine Neubauer sucht Schornsteinfeghaus des Urahns in München' erklang feine, gefühlvolle Musik, die sich voll - und doch adäquat in das Gesamtgefüge einbrachte. Sie verlieh der Szenerie etwas klassisches, etwas meisterliches. Ja, meisterlich. Man musste innerlich den Hut ziehen vor dieser Begebenheit, dieser Begebenheit einer Geierwallidarstellerin, die gefühlvoll im Fond eines antiquierten Ford Focus C-Max Raum wie Zeit vorbeiziehen ließ, so gefühlvoll, dass man der Walli Geier seine Flügel ausbreiten und davonschweben sah. Es gibt nicht viel, das ich für die Unendlichkeit dieses Augenblicks nicht geben würde. Es war wunderbar.

/edit: ein paar sprachwackler beseitigt.
Alt 14. 04. 2008, 21:56 zyx36 is offline Mit Zitat antworten #89
Cemo3
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Re: Eigene Prosa

Hab endlich mal wieder ein bisschen Freizeit, da dachte ich mir: "Hm... jetzt eine Kurzgeschichte?" und als irgendwoher die Antwort: "Wieso nicht?" kam, da war es beschlossene Sache.

Utopie
In der kalten Höhle hatte er seit 8 Stunden gesessen und seine Kalashnikov fest an sich gedrückt. Draußen fielen immer noch Schüsse. Die Idioten am anderen Hang schossen immernoch. Seit 8 Stunden entluden sie ihre Magazine auf Bäume, Steine und auf Gras. Vergeudeten Munition. Angst, dass die Bäume zurückschiessen könnten. Aber jeden zweiten Tag bekamen die verfluchten Kerle neue Munition zugeschickt, also konnten die sich das erlauben. Er aber zählt schon zum 17. Mal seine Kugeln. Und sein Magen knurrte immernoch.
"Jeder von uns muss ein Opfer bringen", "Für Kurdistan", "PKK, PKK, Freiheit für Kurdistan"... langsam hing ihm das Zeug zum Halse raus. Er hatte keine Lust mehr auf Kurdistan. Der Boden wäre auch nicht fruchtbarer, wenn da Kurdistan drüber stehen würde. Und sein Bett wäre auch nicht weicher, und sein Bauch wäre nicht voller, Kurdistan würde ihm wohl nix bringen, nix ändern. Plötzlich sah er einen klaren Weg vor sich, ganz klar und deutlich...

Langsam stemmte er sich hoch, nahm tief Luft und ging aus der Höhle. Die Sonne blendete ihn ein wenig. "HEY, ICH HAB KEINE LUST MEHR AUF DEN SCHWACHSINN, HÖRT AUF MIT DER SCHEISSE!", schrie er dem Hang entgegen.

Stille...

Stille...

Plötzlich ertönte eine Stimme: "WIR IRGENDWIE AUCH NICHT. IST DOCH KINDERKACKE HIER... JUNGS KOMMT RAUS AUS DEN VERSTECKEN!"

In der Mitte vom Hang trafen sie sich dann, lachend näherten sich die Türken und einer mit Kurzhaarschnitt und riesiger Nase brummte: "Ehrlich, wir sitzen hier schon seit Stunden und schiessen auf Bäume und Steine, als würden die gleich zurückschiessen. Hab keine Lust mehr, zuhause wartet meine Familie und ich glaub die Tochter von der Nachbarsfamilie hat ein Auge auf mich geworfen."
"Ja, auf mich auch!", meinte ein Zweiter.
"Und auf mich erst!", beteuerte ein kleiner Rundlicher grinsend.
Händeschüttelnd verabschiedeten sich beide Parteien und als alle Betroffenen am nächsten Morgen erkannten, dass ihre Betten nicht weicher oder härter, aber doch weicher als Höhlenboden waren, da wussten sie, dass sie das Richtige getan hatten.
Alt 15. 05. 2008, 22:51 Cemo3 is offline Mit Zitat antworten #90
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Re: Eigene Prosa

Heute in Deutsch haben wir automatisches Schreiben gemacht - wir sollten zu einem oder mehreren von zehn Gedichtstiteln etwas schreiben. Ansonsten keine Vorgaben. Ich bezog mich lediglich auf die Gedichte mit den Titeln "Der Mensch", "Das Leben des Menschen" und "Im Nebel".


-----------------------------------------------------
Ein Zeitungsartikel
Das Leben des Menschen findet im Nebel statt. So die Deutsche Presseagentur am Montag, den 17. April 1987. Es sei nicht möglich und nicht gangbar, dieses Leben zu entnebeln, so werde die Agentur aufgelöst und der Mensch lebe fortan wieder im Nebel. Dies sei die letzte Mitteilung der dpa bis vor dem völligen Nebelsleben, Lebensende, jedoch nicht Nebelende, auch nicht Nebelschlussleuchte, die gebe es hier nicht, nur Nebel und den Menschen drin. Nach diese Nebelung des Menschen sei der Mensch natürlich nicht mehr experimentell nachweisbar, denn er ist ja nicht mehr zu sehen. Sehen sieht man den Nebel, ohne alles, nur so Nebel und sonst nichts. Dies sei der größte Schritt in der Geschichte der dpa, die, so Vorstandsvorsitzender Dr. Ekkehard Maiersdörffer, auch nur so im Nebel nun rumdümple wie man eben als Presseagentur so rumzudümpeln hat, sollte man im Nebel des Lebens stecken.

Nebel.
Alt 28. 05. 2008, 21:43 zyx36 is offline Mit Zitat antworten #91
n1ghtmare
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Re: Eigene Prosa

Flucht

Es roch nach der frischen Seeluft. Joachim war es bereits gewöhnt. Er liebte es, den Sand unter seinen nackten Füßen zu spüren. Seit 24 Jahren besuchte er diesen Strand nun schon. Fast täglich kam er hier her, an diesen menschenleeren Strand an der polnischen Küste, um ein bisschen alleine zu sein. Alleine mit seinen Gedanken. Der Wind, der Joachim auf seinem Weg begleitete, machte ihn zufrieden. Er schloss seine Augen und ließ sich leiten. Leiten von dem plätschernden Geräusch der Wellen, Leiten vom Geruch der Seeluft und dem Wind.
Joachim wusste, wieso er hier war. Er war der Einzige. Fern von allen Dingen, die das Leben so sinnlos erschienen ließen. Hier am Strand, zwischen Wind und Wasser, war alles so rein – so klar. Hier gab es niemanden, der Fragen stellte. Fragen und Beschäftigungen, die das Ziel verschwimmen lassen. Das Ziel zu leben. Joachim hatte es erkannt. Er wollte dem Leben keinen Sinn geben, ohne zu wissen, ob es diesem Sinn bedarf; hier draußen gab es diese Fragen nach dem Sinn nicht. Das Leben war rein hier draußen. Und Joachim ließ sich leiten.
Alt 27. 06. 2008, 21:48 n1ghtmare is offline Mit Zitat antworten #92
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